Roman Vidonyak
Zitat von Conrad Schormann am 28. Februar 2025, 12:15 Uhrhttps://www.chessbase.in/news/Roman-Vidonyak-Journey
Zusammenfassung (AI):
Roman Vidonyak – Der verborgene Trainer hinter den Großmeistern
Sagar Shah traf in Wijk aan Zee auf einen Mann, der einige der besten Schachspieler der Welt trainiert hat, aber kaum bekannt ist: Roman Vidonyak. Der Internationale Meister hat Spieler wie Anish Giri, Jorden van Foreest, Vladimir Fedoseev und Javokhir Sindarov betreut, bleibt aber meist im Hintergrund. Vidonyak ist für seine kreativen Trainingsmethoden und intensiven Trainingslager bekannt.
Frühe Jahre und Einstieg ins Training
Vidonyak wurde in Lwiw, einer Stadt mit großer Schachtradition, geboren. Schon als Jugendlicher galt er als eines der größten Talente der Ukraine. Besonders beeinflusst haben ihn die Trainer Josif Dorfman und Adrian Michaltschischin, deren Arbeit ihn inspirierte, selbst Trainer zu werden. Mit 17 Jahren begann er, an Trainingslagern mit renommierten ukrainischen Trainern teilzunehmen, insbesondere bei Igor Platonov, dessen Methoden seine eigene Trainingsphilosophie prägten. Nach seinem Umzug nach Deutschland bildete Vidonyak mehrere Großmeister aus, darunter Georg Meier, Leonid Kritz und Dennis Wagner.
Trainermethodik und Einfluss
Vidonyak verzichtete darauf, seine eigene Schachkarriere weiterzuverfolgen, weil ihn das Training anderer faszinierte. Sein Ansatz geht über das Schachbrett hinaus – er analysiert die psychologischen und neurologischen Prozesse seiner Schüler und entwickelt gezielte Trainingspläne. Ein Beispiel für seinen Erfolg ist Vladimir Fedoseev, mit dem er in 2,5 Jahren über 100 Trainingstage und mehr als 1000 Stunden Telefongespräche zur Analyse von Partien absolvierte.
Ein zentrales Element seiner Methode sind 17 Kernfaktoren, die für einen Schachspieler entscheidend sind. Dazu gehören Konzentrationsfähigkeit, strategische Intuition, Zeitmanagement und die Fähigkeit, sich emotional von Spielsituationen zu lösen.
Zukunftspläne
Vidonyak hat sich zum Ziel gesetzt, drei seiner Schüler unter die Top 5 der Welt zu bringen – und einen davon auf Platz 1. 2023 wurde er vom Deutschen Schachbund als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Trotz seiner jahrzehntelangen Erfahrung betrachtet er sich selbst weiterhin als Lernenden, der sein Wissen ständig erweitert.
https://www.chessbase.in/news/Roman-Vidonyak-Journey
Zusammenfassung (AI):
Roman Vidonyak – Der verborgene Trainer hinter den Großmeistern
Sagar Shah traf in Wijk aan Zee auf einen Mann, der einige der besten Schachspieler der Welt trainiert hat, aber kaum bekannt ist: Roman Vidonyak. Der Internationale Meister hat Spieler wie Anish Giri, Jorden van Foreest, Vladimir Fedoseev und Javokhir Sindarov betreut, bleibt aber meist im Hintergrund. Vidonyak ist für seine kreativen Trainingsmethoden und intensiven Trainingslager bekannt.
Frühe Jahre und Einstieg ins Training
Vidonyak wurde in Lwiw, einer Stadt mit großer Schachtradition, geboren. Schon als Jugendlicher galt er als eines der größten Talente der Ukraine. Besonders beeinflusst haben ihn die Trainer Josif Dorfman und Adrian Michaltschischin, deren Arbeit ihn inspirierte, selbst Trainer zu werden. Mit 17 Jahren begann er, an Trainingslagern mit renommierten ukrainischen Trainern teilzunehmen, insbesondere bei Igor Platonov, dessen Methoden seine eigene Trainingsphilosophie prägten. Nach seinem Umzug nach Deutschland bildete Vidonyak mehrere Großmeister aus, darunter Georg Meier, Leonid Kritz und Dennis Wagner.
Trainermethodik und Einfluss
Vidonyak verzichtete darauf, seine eigene Schachkarriere weiterzuverfolgen, weil ihn das Training anderer faszinierte. Sein Ansatz geht über das Schachbrett hinaus – er analysiert die psychologischen und neurologischen Prozesse seiner Schüler und entwickelt gezielte Trainingspläne. Ein Beispiel für seinen Erfolg ist Vladimir Fedoseev, mit dem er in 2,5 Jahren über 100 Trainingstage und mehr als 1000 Stunden Telefongespräche zur Analyse von Partien absolvierte.
Ein zentrales Element seiner Methode sind 17 Kernfaktoren, die für einen Schachspieler entscheidend sind. Dazu gehören Konzentrationsfähigkeit, strategische Intuition, Zeitmanagement und die Fähigkeit, sich emotional von Spielsituationen zu lösen.
Zukunftspläne
Vidonyak hat sich zum Ziel gesetzt, drei seiner Schüler unter die Top 5 der Welt zu bringen – und einen davon auf Platz 1. 2023 wurde er vom Deutschen Schachbund als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Trotz seiner jahrzehntelangen Erfahrung betrachtet er sich selbst weiterhin als Lernenden, der sein Wissen ständig erweitert.
Zitat von Conrad Schormann am 5. April 2026, 17:57 UhrRoman Vidonyak: „Schachtraining folgt klaren Regeln – wie jeder Leistungssport“
Quelle: Die Zeit – „Wie machen Sie einen Großmeister noch besser, Roman Vidonyak?“, 03.04.2026, Ulrich Stock (Abo)
Schach fehlt eine systematische Trainingslehre, und genau das versucht Roman Vidonyak zu ändern. Leistung entsteht nicht durch Talent allein, sondern durch strukturierte Belastung, Wiederholung und gezielte Entwicklung kognitiver Fähigkeiten. Das sagte Roman Vidonyak im Gespräch mit Die Zeit.
Der aus der Ukraine stammende Trainer arbeitet seit 15 Monaten mit dem usbekischen Großmeister Javokhir Sindarov, der beim Kandidatenturnier stark gestartet ist. Das Training findet in intensiven Lehrgängen in München statt: mehrere Blöcke pro Jahr, jeweils zehn bis vierzehn Tage, täglich acht bis neun Stunden. Computer spielen dabei keine Rolle. Vidonyak setzt auf klassische kognitive Arbeit – Denken, Lösen, Visualisieren.
Training als System
Vidonyak versteht Schachtraining als strukturierte Entwicklung einzelner Fähigkeiten. Dazu gehören Konzentration über lange Zeit, Visualisierung komplexer Varianten und Entscheidungsfähigkeit unter Zeitdruck. Diese Fähigkeiten trainiert er gezielt mit eigenen Übungen.
Ein zentrales Element sind sogenannte „Radaraufgaben“. Spieler analysieren lange Partien ohne Brett, erkennen Fehlerstellen und müssen unter Zeitdruck bessere Fortsetzungen finden. Solche Aufgaben wiederholen sie tausendfach. Vidonyak nennt konkrete Zahlen: 6000 bis 7000 Wiederholungen seien nötig, um die entsprechenden neuronalen Verbindungen zu festigen.
Er zieht den Vergleich zum Sport. Während dort Muskeln trainiert werden, gehe es im Schach um Synapsen und neuronale Netzwerke. Fortschritt folge auch hier klaren Regeln.
Kritik am bestehenden Schachtraining
Vidonyak sieht im Schach einen strukturellen Rückstand gegenüber anderen Sportarten. Dort hätten sich seit Jahrzehnten Trainingswissenschaften entwickelt, die Belastung, Regeneration und Leistungsaufbau systematisch steuern. Im Schach fehle ein solches Fundament weitgehend.
Lehrbücher vermittelten zwar Inhalte, aber keine methodisch durchdachten Trainingsprozesse. Entscheidend sei nicht nur das Lösen von Aufgaben, sondern die richtige Dosierung, die Steigerung der Belastung und die Kontrolle des Fortschritts.
Belastung und Erholung
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Regeneration. Vidonyak betont, dass Fortschritt nicht im Training selbst entsteht, sondern in den Erholungsphasen danach. Er verweist auf das Prinzip der Superkompensation.
Gerade im modernen Schach sieht er hier ein Problem. Topspieler bestreiten heute deutlich mehr Turniere als früher, oft ohne ausreichende Pausen. Müdigkeit sei schwer zu erkennen, da sie sich nicht körperlich äußere. Seine Aufgabe sieht er darin, Spieler vor Überlastung zu schützen und Trainingsphasen gezielt zu steuern.
WerbungStabilität statt Einzelerfolg
Für Vidonyak entscheidet nicht eine einzelne Turnierleistung über die Klasse eines Spielers, sondern dessen Stabilität über lange Zeit. Der Unterschied zwischen Spielern auf höchstem Niveau liege nicht in einzelnen Ideen, sondern in der Fähigkeit, konstant auf diesem Niveau zu bleiben.
Für Javokhir Sindarov formuliert er daher kein kurzfristiges Ziel. Entscheidend sei, Schritt für Schritt die Fähigkeiten auszubauen, die dauerhaftes Gewinnen ermöglichen. Die Entwicklung sei noch nicht abgeschlossen, die Skala reiche von C bis A plus – und dieses Niveau habe sein Schüler noch nicht erreicht.
Roman Vidonyak: „Schachtraining folgt klaren Regeln – wie jeder Leistungssport“
Quelle: Die Zeit – „Wie machen Sie einen Großmeister noch besser, Roman Vidonyak?“, 03.04.2026, Ulrich Stock (Abo)
Schach fehlt eine systematische Trainingslehre, und genau das versucht Roman Vidonyak zu ändern. Leistung entsteht nicht durch Talent allein, sondern durch strukturierte Belastung, Wiederholung und gezielte Entwicklung kognitiver Fähigkeiten. Das sagte Roman Vidonyak im Gespräch mit Die Zeit.
Der aus der Ukraine stammende Trainer arbeitet seit 15 Monaten mit dem usbekischen Großmeister Javokhir Sindarov, der beim Kandidatenturnier stark gestartet ist. Das Training findet in intensiven Lehrgängen in München statt: mehrere Blöcke pro Jahr, jeweils zehn bis vierzehn Tage, täglich acht bis neun Stunden. Computer spielen dabei keine Rolle. Vidonyak setzt auf klassische kognitive Arbeit – Denken, Lösen, Visualisieren.
Training als System
Vidonyak versteht Schachtraining als strukturierte Entwicklung einzelner Fähigkeiten. Dazu gehören Konzentration über lange Zeit, Visualisierung komplexer Varianten und Entscheidungsfähigkeit unter Zeitdruck. Diese Fähigkeiten trainiert er gezielt mit eigenen Übungen.
Ein zentrales Element sind sogenannte „Radaraufgaben“. Spieler analysieren lange Partien ohne Brett, erkennen Fehlerstellen und müssen unter Zeitdruck bessere Fortsetzungen finden. Solche Aufgaben wiederholen sie tausendfach. Vidonyak nennt konkrete Zahlen: 6000 bis 7000 Wiederholungen seien nötig, um die entsprechenden neuronalen Verbindungen zu festigen.
Er zieht den Vergleich zum Sport. Während dort Muskeln trainiert werden, gehe es im Schach um Synapsen und neuronale Netzwerke. Fortschritt folge auch hier klaren Regeln.
Kritik am bestehenden Schachtraining
Vidonyak sieht im Schach einen strukturellen Rückstand gegenüber anderen Sportarten. Dort hätten sich seit Jahrzehnten Trainingswissenschaften entwickelt, die Belastung, Regeneration und Leistungsaufbau systematisch steuern. Im Schach fehle ein solches Fundament weitgehend.
Lehrbücher vermittelten zwar Inhalte, aber keine methodisch durchdachten Trainingsprozesse. Entscheidend sei nicht nur das Lösen von Aufgaben, sondern die richtige Dosierung, die Steigerung der Belastung und die Kontrolle des Fortschritts.
Belastung und Erholung
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Regeneration. Vidonyak betont, dass Fortschritt nicht im Training selbst entsteht, sondern in den Erholungsphasen danach. Er verweist auf das Prinzip der Superkompensation.
Gerade im modernen Schach sieht er hier ein Problem. Topspieler bestreiten heute deutlich mehr Turniere als früher, oft ohne ausreichende Pausen. Müdigkeit sei schwer zu erkennen, da sie sich nicht körperlich äußere. Seine Aufgabe sieht er darin, Spieler vor Überlastung zu schützen und Trainingsphasen gezielt zu steuern.
Stabilität statt Einzelerfolg
Für Vidonyak entscheidet nicht eine einzelne Turnierleistung über die Klasse eines Spielers, sondern dessen Stabilität über lange Zeit. Der Unterschied zwischen Spielern auf höchstem Niveau liege nicht in einzelnen Ideen, sondern in der Fähigkeit, konstant auf diesem Niveau zu bleiben.
Für Javokhir Sindarov formuliert er daher kein kurzfristiges Ziel. Entscheidend sei, Schritt für Schritt die Fähigkeiten auszubauen, die dauerhaftes Gewinnen ermöglichen. Die Entwicklung sei noch nicht abgeschlossen, die Skala reiche von C bis A plus – und dieses Niveau habe sein Schüler noch nicht erreicht.
Zitat von Schachhorizont_de am 18. April 2026, 14:39 UhrSehr interessantes Interview mit Roman. Ich bin über Igor Glek darauf gestoßen und habe den Subtext aus dem Russischen ins Deutsche übersetzen lassen. Das Interview ist auf englisch:
https://youtu.be/r6VDTVVXMZU
Roman, vielen Dank für dieses Interview und herzlichen Glückwunsch zu Javokhirs Sieg. Es sind etwa zwei Tage vergangen, seit er das Turnier vor dem Zeitplan gewonnen hat. Wie fühlst du dich allgemein?
Es war ein großartiges Turnier, ein großartiges Ergebnis und eine große Leistung, aber das ist Vergangenheit. Ein neuer Tag und neue Aufgaben kommen. Für die Zuschauer ist dies natürlich ein großer Moment und ein großes Turnier für Javokhir. Für uns sind zwei oder drei Tage vergangen, und wir müssen wieder anfangen zu planen, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat trainieren – wie Profis arbeiten.
Das heißt, noch ein paar Tage – eine Rückkehr nach Taschkent, vielleicht einige öffentliche Veranstaltungen?
Ja, und das war"s.
Und das war"s?
Ja. Und dann – Arbeit. Wir haben nicht viel Zeit, und es geht nicht nur um das Weltmeisterschaftsspiel. Zum Beispiel liegt Warschau vorne – eine Etappe der Grand Chess Tour, ein sehr starkes Turnier, bei dem sowohl Gukesh als auch alle Stärksten der Welt spielen werden – Blitz und Schnell. Und drei Tage nach Warschau – Bukarest, ein klassisches Grand-Chess-Tour-Turnier. Diese beiden Turniere sind sehr wichtig.
Weißt du, jetzt erinnerte ich mich – dann habe ich es nicht mehr in Verbindung gebracht – es gab eine Etappe der Grand Chess Tour, die komplett von Fedoseev dominiert wurde.
Ja, in Warschau, letztes Jahr.
Und hast du damals mit ihm zusammengearbeitet?
Ja, wir haben viele Jahre mit Fedoseev zusammengearbeitet, mehr als drei. Jetzt hat er aus persönlichen Gründen eine Pause, aber ich warte auf seine Rückkehr.
Wann begann Ihre Arbeit mit Javokhir?
Im Januar 2025.
War es während Weissenhaus?
Ja, vor diesem Turnier. Wir waren zusammen dort.
Wie ist das passiert? Hast du zuerst mit der usbekischen Föderation oder sofort mit Javokhir zusammengearbeitet?
Zuerst mit Fedoseev. Wir brauchten einen Sparringspartner für die Trainingslager. Das ist mein System – mit zwei sehr starken Spielern zu arbeiten. Aber einen geeigneten Sparringspartner für Fedoseev zu finden, ist nicht einfach.
Manchmal hatten wir zum Beispiel Jorden van Foreest, Anish Giri und andere starke Spieler. Aber irgendwann war es notwendig, einen stabilen Partner zu finden, und Fedoseev sagte: "Schaut euch Javokhir an – ein sehr interessanter junger Spieler mit der Denkweise von Botvinnik." Das hat mich interessiert. Zu dieser Zeit suchte auch Javokhir nach einem neuen Entwicklungsschritt. Wladimir sprach mit ihm, erklärte mein System, er kam nach München. Wir hatten einen Tag Training – und es war für uns beide sehr interessant. Danach haben wir angefangen, viel zu arbeiten. Es gab neun Ausbildungslager mit jeweils 10–14 Tagen – insgesamt etwa 140–160 Trainingstage.War jeder Tag intensiv?
Sehr. Ohne Computer und Engines. Nur das Board – 8 Stunden am Tag.
Wenn du "System" sagst, was meinst du dann?
Es ist schwer, es kurz zu erklären – im Detail nur im Buch. Aber letztlich arbeiten wir an wichtigen Schachfähigkeiten auf Großmeister-Niveau. Ich habe sie in 17 Teile unterteilt. Für jede gibt es Tausende von Sonderpositionen. Wir trainieren Fähigkeiten mit einem Bewertungssystem – von C- bis A+. Wenn ein Schüler A+ erreicht, gehen wir zu einer anderen Fähigkeit über.
Und du hast gesagt, dass Javokhir Level A noch nicht erreicht hat?
Noch nicht, nicht mal A-. Im Moment ist es etwa ein B.
Bedeutet das, dass die Aufgaben sehr schwierig sind?
Ja, und es gibt Zehntausende davon. Das löst sich schnell, also muss ich ständig neue erstellen. Ich habe bereits etwa 40.000 Artikel.
Machst du das manuell? Jetzt spricht jeder über KI.
Nein, KI kann das noch nicht. Du musst den Studenten verstehen, seine Schwächen und Positionen für ihn auswählen.
Zum Beispiel das Spiel gegen Matthias – bei dem er keinen Schlag auf a4 spielte.Liegt das daran, dass du später trainieren wirst?
Ja. Hier gibt es zwei Punkte. Die erste ist Ausdauer. Der Druck war hoch, das Gehirn müde, und er entschied sich für den einfacheren Weg – Tausche und ein sicheres Endspiel. Wenn du Ausdauer trainierst, kann das Gehirn die Varianten genauer prüfen. Er hatte genug Energie, aber nicht für jede Runde – das Turnier war schwierig.
Also ist Ausdauer eine der Fähigkeiten?
Ja, eine von 17.
Ist dein System von den Trainern inspiriert, mit denen du gearbeitet hast?
Ja – Igor Platonov, Yossif Dorfman.
Ist Dorfman ein "statisches Gleichgewicht"?
Ja, seine Bücher sind sehr wichtig, um Schach zu verstehen.
Aber sind sie schwer zu verstehen?
Ja, sehr. Ich habe Schulungen mit ihm durchgeführt und die Methode gut verstanden, aber laut Buch ist sie schwierig.
Und das hat Sie dazu veranlasst, Ihr eigenes System zu entwickeln?
Ja. Platonov sagte: Wenn man ein Talent hat, muss man Ausdauer im Denken entwickeln. Er hatte eine Methodik, die ich erweitert habe, indem ich 16 weitere Fähigkeiten hinzugefügt habe.
Sammelst du jeden Tag Positionen?
Ja. Ich schaue täglich Hunderte von Spielen und ordne die Positionen nach Fertigkeit.
Warum brauchst du so viel?
Weil Top-Großmeister sehr stark sind. Man kann keine Fähigkeit in 100 Positionen entwickeln, wie Muskeln: Wenn man nicht trainiert, verschwindet alles. Aber das ist eine enorme Menge Arbeit.
Ist das nachhaltig?
Wenn jemand nicht motiviert ist, wird er kein großartiger Spieler. Die ersten 2-3 Monate sind sehr schwierig, aber dann kommt ein Gefühl von Stärke, und du fängst an, das Training zu mögen.
Wie im Fitnessstudio?
Ja, genau. Am Anfang ist es schwer, dann möchte man weitermachen.
Was motiviert Sie, so zu arbeiten?
Liebe zum Schach und zum Beruf eines Trainers. Ich liebe es und möchte jeden Tag besser werden.
Bist du in Lwiw geboren und nach Deutschland gezogen?
Im Alter von 21 Jahren. Davor studierte ich an einer Sporthochschule an der Schachfakultät. Mit 18 habe ich meine Frau Nelly geheiratet, sie ist WIM und spielt für den FC Bayern.
Hast du sofort als Trainer in Deutschland angefangen?
Nein, ich kannte die Sprache am Anfang nicht. Ich arbeitete in gewöhnlichen Jobs – sogar bei McDonald's oder als Busfahrer.
Ich hatte etwa sieben solcher Jobs. Gleichzeitig trainierte ich Vereine und lernte Deutsch.Wann begann Ihre professionelle Trainerkarriere?
2011.
Haben deine Eltern dich beeinflusst?
Ja, sie waren Musiker. Ich fragte meinen Vater, was ich spielen solle, er sagte: "Drei Musiker in der Familie sind zu viel." Und ich bin zum Schach gegangen. Als ich mich entschied, Coach zu werden, unterstützten sie mich, obwohl es kein angesehener Beruf war.
Bereust du es, kein Großmeister geworden zu sein?
Nein. Ich hatte einen sehr starken Trainer und wollte so sein wie er. Viktor Schtscherbakow. Er lebt nicht mehr, aber er war eine Inspiration für mich. Er war eine sehr beeindruckende Person. Ich trainierte sieben Jahre mit ihm und dachte dann: "Ich will Schachtrainer werden wie er."
Was hältst du von Mark Dvoretsky als Trainer?
Er war ein internationaler Meister und leistete einen großen Beitrag zur Schachliteratur, indem er mit Spitzenspielern wie Jusupow, Dreev und Dolmatow zusammenarbeitete. Ich habe seine Bücher gelesen. Ich finde, er hat einen großartigen Job gemacht. Aber er lebte in einer Zeit ohne Engines, und es war sehr schwierig, mehr zu tun als er. Man muss ein Supermeister sein, um Übungen so genau zu schreiben, ohne die Hilfe eines Computers. Ich habe Glück, dass wir in einer anderen Zeit leben – die Engines helfen sehr. Mit dem Aufkommen der Engines hat sich das Spiel stark verändert. Das Training ist einfacher geworden – man kann Materialien mit der Engine erstellen. Doch der Kampf um das Spielfeld ist viel intensiver geworden: eine enorme Menge an Theorie, Vorbereitung und so weiter.
Wie stehst du zu Magnus" Worten, dass klassisches Schach langweilig und trocken wird? Stimmen Sie zu?
Auf keinen Fall. Ich glaube, Magnus spielt einfach zu lange Schach und hat so viele Turniere gewonnen, dass ihm langweilig wurde. Vielleicht ist seine Ausbildung nicht mehr perfekt. Zum Beispiel muss man vor dem Weltmeisterschaftsmatch eine große Anzahl von Varianten lernen – es ist schwer und langweilig. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, sich vorzubereiten, nicht nur vier Stunden am Tag Varianten auswendig zu lernen. Wir spielen gegen Menschen. Es gibt Autos, es gibt Ferraris, aber Usain Bolt läuft 100 Meter ohne Auto – und er sollte der Beste der Welt sein. Im Schach ist es genauso. Nach der Vorbereitung beginnt das eigentliche Spiel noch: ein langes Spiel, kritische Momente, schwierige Entscheidungen – Verteidigung, Angriff, Positionsspiel, Endspiel. Es ist leicht gesagt, aber in der Praxis ist es schwierig. Ja, du musst viel vorbereiten, Varianten auswendig zu lernen ist schwer. In meinem Buch werde ich über Eselsbrücken schreiben. Die Wissenschaft des Auswendiglernens ist inzwischen sehr entwickelt. Schachspieler nutzen sie fast gar nicht, aber sie sollten es tun.
Das heißt, du interessierst dich nicht nur für Schach, sondern auch für die Arbeit des Gehirns?
Natürlich. Das ist unser Werkzeug.Arbeiten Sie mit Neurologen zusammen?
Ja, ich lese viel, hör zu, denk darüber nach. Und ich werde es im Buch schreiben.
Können Sie ein Beispiel geben, wie das Gehirn funktioniert, das noch nicht vollständig verstanden ist, aber Schachspielern sehr helfen könnte?
Ich kann nicht. Wir haben ein Spiel gegen Gukesh vor uns. Im Buch werde ich nicht alle Geheimnisse verraten. Viele wichtige Dinge, ja, aber nicht alle. Natürlich halte ich die Vorbereitung auf das Spiel geheim.Natürlich. Welches Javokhir-Spiel hat Ihnen in diesem Turnier am meisten gefallen?
Gegen Fabiano in der zweiten Halbzeit – eine brillante Verteidigung. Yusupov rief mich an und sagte: "Unglaublich! Dieses Unentschieden ist besser als zehn Siege." Ich war auch sehr beeindruckt. Als Fabiano die Damen tauschte und den a6-Bauern nahm, schien es mir, als würde Javokhir zusammenbrechen – das ist nicht seine Art von Stellung. Vor einem Jahr, ja. Aber jetzt hat er unglaubliche Defensivideen gefunden: kg6, h5, gxh5. Wir analysierten etwa 200 Positionen für die Verteidigung und spielten Trainingsspiele für die Verteidigung. Das ist eines der Schlüsselelemente meines Systems. Ja, es war sichtbar. Es gab auch großartige Eröffnungsvorbereitungen, zum Beispiel gegen Pragnanandha – der König steht im Zentrum und hat es einfach zerstört. Das erste Spiel war wie Tals – sehr schön. Aber vielleicht haben wir gut gespielt und die Gegner nicht so gut wie erwartet.
Alle sagten, sie hätten sich monatelang auf das Turnier vorbereitet.
Ja, aber du brauchst auch Glück zur Vorbereitung. Man kann hunderte Varianten vorbereiten, aber welche man auf das Board bekommt, ist auch eine Frage des Glücks.
Du hast mit vielen starken Spielern gearbeitet, darunter Bibisara. Mit wem arbeitest du derzeit zusammen?
Bibisara ist Teil meines Systems, genau wie Javokhir. Ich glaube, sie wird die stärkste Schachspielerin der Welt werden. Sie braucht viel Training, wir wissen, woran wir arbeiten müssen. Sie ist jung, motiviert und ich bin stolz, sie zu coachen.
Muss der Schüler Ihrem System voll vertrauen?
Nach dem ersten Trainingslager versteht jeder starke Großmeister, wie es funktioniert. Aber vor dem ersten Trainingslager bin ich ein unbekannter Trainer, also brauche ich Vertrauen.
Jetzt bist du nicht mehr unbekannt. Sicherlich wenden sich viele Menschen an dich.
Ja, aber ich lade keine neuen Leute ein – ich habe schon genug Arbeit zu tun. Wir haben unsere eigenen Aufgaben.
Es überrascht mich, dass bis 2025 fast niemand von dir wusste. Ich arbeite seit 10 Jahren im Schachjournalismus und habe dich zum ersten Mal in Wijk aan Zee gesehen.
Ich sitze zu Hause. Ich liebe mein Zuhause, meine Frau, meine Töchter, meine Katzen. Ich arbeite an Schach und Stellungen. Ich schreibe keine Bücher, ich betreibe keine sozialen Netzwerke – vielleicht ist das der Grund.
Hast du keine sozialen Netzwerke?
Nein, dafür habe ich keine Zeit.
Und was sagen Sie Ihren Schülern? Junge Menschen lieben soziale Netzwerke.
Soziale Netzwerke sind schlecht fürs Gehirn. Aber junge Menschen müssen sich manchmal ausruhen. Ich verbiete es nicht. Das ist ihre Entscheidung.
Das heißt, acht Stunden Training – und dann tun, was du willst?
Ja. Mach Sport, schau Filme, entwickle dich – aber frei.
Und was ist mit Alkohol und anderen Dingen?
Alkohol und Tabak sind zu 100 % schädlich für das Gehirn. Aber professionelle Schachspieler verstehen das ohne mich.
Und schließlich: Du hast das Match mit Gukes erwähnt... Vielleicht gibt es ein "Monster-Gukesh" und Gukesh ist außer Form. Kannst du das ein wenig erklären?
Ja. Natürlich habe ich Verständnis für Gukesh. Als ich seine Spiele bei der Olympiade und bei anderen Turnieren sah, dachte ich sogar, dass er einen Trainer hatte, der stärker war als ich.
Redest du von Gajewski?
Ich spreche vom "Sporttrainer". Jeder gute Sportverein hat einen Cheftrainer – wie Pep Guardiola oder Jürgen Klopp – aber es gibt auch einen Sporttrainer, der 90 % der Zeit an den Grundfertigkeiten der Spieler arbeitet. Im Schach ist das ebenfalls notwendig. Ich bin einfach so ein "athletischer" Trainer. Gajewski ist, denke ich, eher ein Debüttrainer. Und ich nahm an, dass Gukesh einen starken Sporttrainer hatte.
Das heißt, das ist ein Trainer, der hilft, Schach besser zu verstehen?
Genau. Schauen Sie sich Ronaldo oder Messi an: Sie arbeiten nicht ständig mit einem Cheftrainer, sondern trainieren ständig mit einem Personal Trainer – Tag für Tag, Jahr für Jahr, um ihre Fähigkeiten einzusetzen. Im Schach sollte es genauso sein.
Die meisten Super-Großmeister haben nur Theorie- und Eröffnungscoaches.
Ja, und das ist ein Fehler. Ich glaube, viele Leute hatten früher so eine Bühne, aber dann wechseln sie nur noch zu Eröffnungen. Aber im Schach gibt es fast kein systematisches "athletisches" Training. Zum Beispiel arbeitete Dvoretsky in Segmenten mit Spielern, aber die eigentliche Vorbereitung sollte konstant sein – jeden Tag, jede Woche zwischen den Turnieren. Intensität ist entscheidend, genau wie im Sport.
Sollte so ein Trainer den Spieler gut kennen?
Natürlich. Das ist notwendig. Wir sprechen nicht von Physik, sondern von "mentaler Sportart". Glaubst du, Gukesh hatte so einen Trainer? Ich weiß nicht genau, wie er sein Niveau erreicht hat, aber er hat sehr stark gespielt. Doch dann ging etwas schief. Ich denke, es geht darum, das falsche Ziel zu setzen.
In welchem Sinne?
Er setzte sich das Ziel, Weltmeister zu werden. Aber für einen Super-Großmeister ist das nicht ganz das richtige Hauptziel.
Und was soll es sein?
Wir haben vier Phasen: Qualifikation für das Kandidatenturnier, Gewinn und dann Gewinn des Weltmeisterschaftsspiels. Aber das ist nicht das endgültige Ziel. Das Wichtigste ist, stark genug zu werden, um die Schachwelt wie Kasparov und Carlsen zu dominieren: jahrelang Turniere zu gewinnen und der Beste der Welt zu sein. Das ist ein schwieriges Ziel, ein Traum, aber es ist wichtiger. Ich glaube, Gukesh hat den Punkt erreicht, "Weltmeister zu werden" und denkt jetzt: "Ich muss allen beweisen, dass ich der Beste bin." Aber er hat die vorherige Phase – die Dominanz – noch nicht überschritten. Es braucht Zeit, vielleicht 2-4 Jahre. Ich wünsche ihm alles Gute. Vielleicht werden ihm meine Worte in Zukunft sogar helfen.
Und wie beurteilen Sie das Spiel zwischen Javokhir und Gukesh?
Ungefähr 53 % stehen auf Javokhirs Seite. Aber das Match wird sehr schwierig, offen und interessant sein. Zum ersten Mal in der Geschichte kämpfen zwei so junge Spieler um die Weltmeisterschaft.
Hast du auch mit Nodirbek Abdusattorov zusammengearbeitet?
Ja, nicht viel. Das ist für mich sehr interessant. Ich denke, wir werden in Zukunft mehr daran arbeiten. Er ist eine Maschine für die Arbeit: unglaubliche Konzentration und Motivation. In diesem Bereich ist er die Nummer eins unter all meinen Schülern.
Hat er einen "Killerinstinkt"?
Ja, absolut. Sehr stark. Wenn er lange weiterspielt, kann er dominieren. Und dann wird es für Javokhir sehr schwierig sein, das Schach zu dominieren.
Was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ihnen?
Ich mag es nicht, darüber zu sprechen – es sind persönliche Informationen.
Von außen wirkt Javokhir sehr entspannt, fröhlich, und am Brett ist er so gefasst wie möglich.
Ja. Ich nenne ihn "Sonnenschein-Typ" und jetzt "TNT". Kennst du das AC/DC-Lied? Es geht um ihn: Er wirkt ruhig, aber auf dem Brett gibt es eine echte Explosion, einen echten Kämpfer.
Sehr interessantes Interview mit Roman. Ich bin über Igor Glek darauf gestoßen und habe den Subtext aus dem Russischen ins Deutsche übersetzen lassen. Das Interview ist auf englisch:
Roman, vielen Dank für dieses Interview und herzlichen Glückwunsch zu Javokhirs Sieg. Es sind etwa zwei Tage vergangen, seit er das Turnier vor dem Zeitplan gewonnen hat. Wie fühlst du dich allgemein?
Es war ein großartiges Turnier, ein großartiges Ergebnis und eine große Leistung, aber das ist Vergangenheit. Ein neuer Tag und neue Aufgaben kommen. Für die Zuschauer ist dies natürlich ein großer Moment und ein großes Turnier für Javokhir. Für uns sind zwei oder drei Tage vergangen, und wir müssen wieder anfangen zu planen, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat trainieren – wie Profis arbeiten.
Das heißt, noch ein paar Tage – eine Rückkehr nach Taschkent, vielleicht einige öffentliche Veranstaltungen?
Ja, und das war"s.
Und das war"s?
Ja. Und dann – Arbeit. Wir haben nicht viel Zeit, und es geht nicht nur um das Weltmeisterschaftsspiel. Zum Beispiel liegt Warschau vorne – eine Etappe der Grand Chess Tour, ein sehr starkes Turnier, bei dem sowohl Gukesh als auch alle Stärksten der Welt spielen werden – Blitz und Schnell. Und drei Tage nach Warschau – Bukarest, ein klassisches Grand-Chess-Tour-Turnier. Diese beiden Turniere sind sehr wichtig.
Weißt du, jetzt erinnerte ich mich – dann habe ich es nicht mehr in Verbindung gebracht – es gab eine Etappe der Grand Chess Tour, die komplett von Fedoseev dominiert wurde.
Ja, in Warschau, letztes Jahr.
Und hast du damals mit ihm zusammengearbeitet?
Ja, wir haben viele Jahre mit Fedoseev zusammengearbeitet, mehr als drei. Jetzt hat er aus persönlichen Gründen eine Pause, aber ich warte auf seine Rückkehr.
Wann begann Ihre Arbeit mit Javokhir?
Im Januar 2025.
War es während Weissenhaus?
Ja, vor diesem Turnier. Wir waren zusammen dort.
Wie ist das passiert? Hast du zuerst mit der usbekischen Föderation oder sofort mit Javokhir zusammengearbeitet?
Zuerst mit Fedoseev. Wir brauchten einen Sparringspartner für die Trainingslager. Das ist mein System – mit zwei sehr starken Spielern zu arbeiten. Aber einen geeigneten Sparringspartner für Fedoseev zu finden, ist nicht einfach.
Manchmal hatten wir zum Beispiel Jorden van Foreest, Anish Giri und andere starke Spieler. Aber irgendwann war es notwendig, einen stabilen Partner zu finden, und Fedoseev sagte: "Schaut euch Javokhir an – ein sehr interessanter junger Spieler mit der Denkweise von Botvinnik." Das hat mich interessiert. Zu dieser Zeit suchte auch Javokhir nach einem neuen Entwicklungsschritt. Wladimir sprach mit ihm, erklärte mein System, er kam nach München. Wir hatten einen Tag Training – und es war für uns beide sehr interessant. Danach haben wir angefangen, viel zu arbeiten. Es gab neun Ausbildungslager mit jeweils 10–14 Tagen – insgesamt etwa 140–160 Trainingstage.
War jeder Tag intensiv?
Sehr. Ohne Computer und Engines. Nur das Board – 8 Stunden am Tag.
Wenn du "System" sagst, was meinst du dann?
Es ist schwer, es kurz zu erklären – im Detail nur im Buch. Aber letztlich arbeiten wir an wichtigen Schachfähigkeiten auf Großmeister-Niveau. Ich habe sie in 17 Teile unterteilt. Für jede gibt es Tausende von Sonderpositionen. Wir trainieren Fähigkeiten mit einem Bewertungssystem – von C- bis A+. Wenn ein Schüler A+ erreicht, gehen wir zu einer anderen Fähigkeit über.
Und du hast gesagt, dass Javokhir Level A noch nicht erreicht hat?
Noch nicht, nicht mal A-. Im Moment ist es etwa ein B.
Bedeutet das, dass die Aufgaben sehr schwierig sind?
Ja, und es gibt Zehntausende davon. Das löst sich schnell, also muss ich ständig neue erstellen. Ich habe bereits etwa 40.000 Artikel.
Machst du das manuell? Jetzt spricht jeder über KI.
Nein, KI kann das noch nicht. Du musst den Studenten verstehen, seine Schwächen und Positionen für ihn auswählen.
Zum Beispiel das Spiel gegen Matthias – bei dem er keinen Schlag auf a4 spielte.
Liegt das daran, dass du später trainieren wirst?
Ja. Hier gibt es zwei Punkte. Die erste ist Ausdauer. Der Druck war hoch, das Gehirn müde, und er entschied sich für den einfacheren Weg – Tausche und ein sicheres Endspiel. Wenn du Ausdauer trainierst, kann das Gehirn die Varianten genauer prüfen. Er hatte genug Energie, aber nicht für jede Runde – das Turnier war schwierig.
Also ist Ausdauer eine der Fähigkeiten?
Ja, eine von 17.
Ist dein System von den Trainern inspiriert, mit denen du gearbeitet hast?
Ja – Igor Platonov, Yossif Dorfman.
Ist Dorfman ein "statisches Gleichgewicht"?
Ja, seine Bücher sind sehr wichtig, um Schach zu verstehen.
Aber sind sie schwer zu verstehen?
Ja, sehr. Ich habe Schulungen mit ihm durchgeführt und die Methode gut verstanden, aber laut Buch ist sie schwierig.
Und das hat Sie dazu veranlasst, Ihr eigenes System zu entwickeln?
Ja. Platonov sagte: Wenn man ein Talent hat, muss man Ausdauer im Denken entwickeln. Er hatte eine Methodik, die ich erweitert habe, indem ich 16 weitere Fähigkeiten hinzugefügt habe.
Sammelst du jeden Tag Positionen?
Ja. Ich schaue täglich Hunderte von Spielen und ordne die Positionen nach Fertigkeit.
Warum brauchst du so viel?
Weil Top-Großmeister sehr stark sind. Man kann keine Fähigkeit in 100 Positionen entwickeln, wie Muskeln: Wenn man nicht trainiert, verschwindet alles. Aber das ist eine enorme Menge Arbeit.
Ist das nachhaltig?
Wenn jemand nicht motiviert ist, wird er kein großartiger Spieler. Die ersten 2-3 Monate sind sehr schwierig, aber dann kommt ein Gefühl von Stärke, und du fängst an, das Training zu mögen.
Wie im Fitnessstudio?
Ja, genau. Am Anfang ist es schwer, dann möchte man weitermachen.
Was motiviert Sie, so zu arbeiten?
Liebe zum Schach und zum Beruf eines Trainers. Ich liebe es und möchte jeden Tag besser werden.
Bist du in Lwiw geboren und nach Deutschland gezogen?
Im Alter von 21 Jahren. Davor studierte ich an einer Sporthochschule an der Schachfakultät. Mit 18 habe ich meine Frau Nelly geheiratet, sie ist WIM und spielt für den FC Bayern.
Hast du sofort als Trainer in Deutschland angefangen?
Nein, ich kannte die Sprache am Anfang nicht. Ich arbeitete in gewöhnlichen Jobs – sogar bei McDonald's oder als Busfahrer.
Ich hatte etwa sieben solcher Jobs. Gleichzeitig trainierte ich Vereine und lernte Deutsch.
Wann begann Ihre professionelle Trainerkarriere?
2011.
Haben deine Eltern dich beeinflusst?
Ja, sie waren Musiker. Ich fragte meinen Vater, was ich spielen solle, er sagte: "Drei Musiker in der Familie sind zu viel." Und ich bin zum Schach gegangen. Als ich mich entschied, Coach zu werden, unterstützten sie mich, obwohl es kein angesehener Beruf war.
Bereust du es, kein Großmeister geworden zu sein?
Nein. Ich hatte einen sehr starken Trainer und wollte so sein wie er. Viktor Schtscherbakow. Er lebt nicht mehr, aber er war eine Inspiration für mich. Er war eine sehr beeindruckende Person. Ich trainierte sieben Jahre mit ihm und dachte dann: "Ich will Schachtrainer werden wie er."
Was hältst du von Mark Dvoretsky als Trainer?
Er war ein internationaler Meister und leistete einen großen Beitrag zur Schachliteratur, indem er mit Spitzenspielern wie Jusupow, Dreev und Dolmatow zusammenarbeitete. Ich habe seine Bücher gelesen. Ich finde, er hat einen großartigen Job gemacht. Aber er lebte in einer Zeit ohne Engines, und es war sehr schwierig, mehr zu tun als er. Man muss ein Supermeister sein, um Übungen so genau zu schreiben, ohne die Hilfe eines Computers. Ich habe Glück, dass wir in einer anderen Zeit leben – die Engines helfen sehr. Mit dem Aufkommen der Engines hat sich das Spiel stark verändert. Das Training ist einfacher geworden – man kann Materialien mit der Engine erstellen. Doch der Kampf um das Spielfeld ist viel intensiver geworden: eine enorme Menge an Theorie, Vorbereitung und so weiter.
Wie stehst du zu Magnus" Worten, dass klassisches Schach langweilig und trocken wird? Stimmen Sie zu?
Auf keinen Fall. Ich glaube, Magnus spielt einfach zu lange Schach und hat so viele Turniere gewonnen, dass ihm langweilig wurde. Vielleicht ist seine Ausbildung nicht mehr perfekt. Zum Beispiel muss man vor dem Weltmeisterschaftsmatch eine große Anzahl von Varianten lernen – es ist schwer und langweilig. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, sich vorzubereiten, nicht nur vier Stunden am Tag Varianten auswendig zu lernen. Wir spielen gegen Menschen. Es gibt Autos, es gibt Ferraris, aber Usain Bolt läuft 100 Meter ohne Auto – und er sollte der Beste der Welt sein. Im Schach ist es genauso. Nach der Vorbereitung beginnt das eigentliche Spiel noch: ein langes Spiel, kritische Momente, schwierige Entscheidungen – Verteidigung, Angriff, Positionsspiel, Endspiel. Es ist leicht gesagt, aber in der Praxis ist es schwierig. Ja, du musst viel vorbereiten, Varianten auswendig zu lernen ist schwer. In meinem Buch werde ich über Eselsbrücken schreiben. Die Wissenschaft des Auswendiglernens ist inzwischen sehr entwickelt. Schachspieler nutzen sie fast gar nicht, aber sie sollten es tun.
Das heißt, du interessierst dich nicht nur für Schach, sondern auch für die Arbeit des Gehirns?
Natürlich. Das ist unser Werkzeug.
Arbeiten Sie mit Neurologen zusammen?
Ja, ich lese viel, hör zu, denk darüber nach. Und ich werde es im Buch schreiben.
Können Sie ein Beispiel geben, wie das Gehirn funktioniert, das noch nicht vollständig verstanden ist, aber Schachspielern sehr helfen könnte?
Ich kann nicht. Wir haben ein Spiel gegen Gukesh vor uns. Im Buch werde ich nicht alle Geheimnisse verraten. Viele wichtige Dinge, ja, aber nicht alle. Natürlich halte ich die Vorbereitung auf das Spiel geheim.
Natürlich. Welches Javokhir-Spiel hat Ihnen in diesem Turnier am meisten gefallen?
Gegen Fabiano in der zweiten Halbzeit – eine brillante Verteidigung. Yusupov rief mich an und sagte: "Unglaublich! Dieses Unentschieden ist besser als zehn Siege." Ich war auch sehr beeindruckt. Als Fabiano die Damen tauschte und den a6-Bauern nahm, schien es mir, als würde Javokhir zusammenbrechen – das ist nicht seine Art von Stellung. Vor einem Jahr, ja. Aber jetzt hat er unglaubliche Defensivideen gefunden: kg6, h5, gxh5. Wir analysierten etwa 200 Positionen für die Verteidigung und spielten Trainingsspiele für die Verteidigung. Das ist eines der Schlüsselelemente meines Systems. Ja, es war sichtbar. Es gab auch großartige Eröffnungsvorbereitungen, zum Beispiel gegen Pragnanandha – der König steht im Zentrum und hat es einfach zerstört. Das erste Spiel war wie Tals – sehr schön. Aber vielleicht haben wir gut gespielt und die Gegner nicht so gut wie erwartet.
Alle sagten, sie hätten sich monatelang auf das Turnier vorbereitet.
Ja, aber du brauchst auch Glück zur Vorbereitung. Man kann hunderte Varianten vorbereiten, aber welche man auf das Board bekommt, ist auch eine Frage des Glücks.
Du hast mit vielen starken Spielern gearbeitet, darunter Bibisara. Mit wem arbeitest du derzeit zusammen?
Bibisara ist Teil meines Systems, genau wie Javokhir. Ich glaube, sie wird die stärkste Schachspielerin der Welt werden. Sie braucht viel Training, wir wissen, woran wir arbeiten müssen. Sie ist jung, motiviert und ich bin stolz, sie zu coachen.
Muss der Schüler Ihrem System voll vertrauen?
Nach dem ersten Trainingslager versteht jeder starke Großmeister, wie es funktioniert. Aber vor dem ersten Trainingslager bin ich ein unbekannter Trainer, also brauche ich Vertrauen.
Jetzt bist du nicht mehr unbekannt. Sicherlich wenden sich viele Menschen an dich.
Ja, aber ich lade keine neuen Leute ein – ich habe schon genug Arbeit zu tun. Wir haben unsere eigenen Aufgaben.
Es überrascht mich, dass bis 2025 fast niemand von dir wusste. Ich arbeite seit 10 Jahren im Schachjournalismus und habe dich zum ersten Mal in Wijk aan Zee gesehen.
Ich sitze zu Hause. Ich liebe mein Zuhause, meine Frau, meine Töchter, meine Katzen. Ich arbeite an Schach und Stellungen. Ich schreibe keine Bücher, ich betreibe keine sozialen Netzwerke – vielleicht ist das der Grund.
Hast du keine sozialen Netzwerke?
Nein, dafür habe ich keine Zeit.
Und was sagen Sie Ihren Schülern? Junge Menschen lieben soziale Netzwerke.
Soziale Netzwerke sind schlecht fürs Gehirn. Aber junge Menschen müssen sich manchmal ausruhen. Ich verbiete es nicht. Das ist ihre Entscheidung.
Das heißt, acht Stunden Training – und dann tun, was du willst?
Ja. Mach Sport, schau Filme, entwickle dich – aber frei.
Und was ist mit Alkohol und anderen Dingen?
Alkohol und Tabak sind zu 100 % schädlich für das Gehirn. Aber professionelle Schachspieler verstehen das ohne mich.
Und schließlich: Du hast das Match mit Gukes erwähnt... Vielleicht gibt es ein "Monster-Gukesh" und Gukesh ist außer Form. Kannst du das ein wenig erklären?
Ja. Natürlich habe ich Verständnis für Gukesh. Als ich seine Spiele bei der Olympiade und bei anderen Turnieren sah, dachte ich sogar, dass er einen Trainer hatte, der stärker war als ich.
Redest du von Gajewski?
Ich spreche vom "Sporttrainer". Jeder gute Sportverein hat einen Cheftrainer – wie Pep Guardiola oder Jürgen Klopp – aber es gibt auch einen Sporttrainer, der 90 % der Zeit an den Grundfertigkeiten der Spieler arbeitet. Im Schach ist das ebenfalls notwendig. Ich bin einfach so ein "athletischer" Trainer. Gajewski ist, denke ich, eher ein Debüttrainer. Und ich nahm an, dass Gukesh einen starken Sporttrainer hatte.
Das heißt, das ist ein Trainer, der hilft, Schach besser zu verstehen?
Genau. Schauen Sie sich Ronaldo oder Messi an: Sie arbeiten nicht ständig mit einem Cheftrainer, sondern trainieren ständig mit einem Personal Trainer – Tag für Tag, Jahr für Jahr, um ihre Fähigkeiten einzusetzen. Im Schach sollte es genauso sein.
Die meisten Super-Großmeister haben nur Theorie- und Eröffnungscoaches.
Ja, und das ist ein Fehler. Ich glaube, viele Leute hatten früher so eine Bühne, aber dann wechseln sie nur noch zu Eröffnungen. Aber im Schach gibt es fast kein systematisches "athletisches" Training. Zum Beispiel arbeitete Dvoretsky in Segmenten mit Spielern, aber die eigentliche Vorbereitung sollte konstant sein – jeden Tag, jede Woche zwischen den Turnieren. Intensität ist entscheidend, genau wie im Sport.
Sollte so ein Trainer den Spieler gut kennen?
Natürlich. Das ist notwendig. Wir sprechen nicht von Physik, sondern von "mentaler Sportart". Glaubst du, Gukesh hatte so einen Trainer? Ich weiß nicht genau, wie er sein Niveau erreicht hat, aber er hat sehr stark gespielt. Doch dann ging etwas schief. Ich denke, es geht darum, das falsche Ziel zu setzen.
In welchem Sinne?
Er setzte sich das Ziel, Weltmeister zu werden. Aber für einen Super-Großmeister ist das nicht ganz das richtige Hauptziel.
Und was soll es sein?
Wir haben vier Phasen: Qualifikation für das Kandidatenturnier, Gewinn und dann Gewinn des Weltmeisterschaftsspiels. Aber das ist nicht das endgültige Ziel. Das Wichtigste ist, stark genug zu werden, um die Schachwelt wie Kasparov und Carlsen zu dominieren: jahrelang Turniere zu gewinnen und der Beste der Welt zu sein. Das ist ein schwieriges Ziel, ein Traum, aber es ist wichtiger. Ich glaube, Gukesh hat den Punkt erreicht, "Weltmeister zu werden" und denkt jetzt: "Ich muss allen beweisen, dass ich der Beste bin." Aber er hat die vorherige Phase – die Dominanz – noch nicht überschritten. Es braucht Zeit, vielleicht 2-4 Jahre. Ich wünsche ihm alles Gute. Vielleicht werden ihm meine Worte in Zukunft sogar helfen.
Und wie beurteilen Sie das Spiel zwischen Javokhir und Gukesh?
Ungefähr 53 % stehen auf Javokhirs Seite. Aber das Match wird sehr schwierig, offen und interessant sein. Zum ersten Mal in der Geschichte kämpfen zwei so junge Spieler um die Weltmeisterschaft.
Hast du auch mit Nodirbek Abdusattorov zusammengearbeitet?
Ja, nicht viel. Das ist für mich sehr interessant. Ich denke, wir werden in Zukunft mehr daran arbeiten. Er ist eine Maschine für die Arbeit: unglaubliche Konzentration und Motivation. In diesem Bereich ist er die Nummer eins unter all meinen Schülern.
Hat er einen "Killerinstinkt"?
Ja, absolut. Sehr stark. Wenn er lange weiterspielt, kann er dominieren. Und dann wird es für Javokhir sehr schwierig sein, das Schach zu dominieren.
Was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ihnen?
Ich mag es nicht, darüber zu sprechen – es sind persönliche Informationen.
Von außen wirkt Javokhir sehr entspannt, fröhlich, und am Brett ist er so gefasst wie möglich.
Ja. Ich nenne ihn "Sonnenschein-Typ" und jetzt "TNT". Kennst du das AC/DC-Lied? Es geht um ihn: Er wirkt ruhig, aber auf dem Brett gibt es eine echte Explosion, einen echten Kämpfer.