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Pal Benkö (1928-2019)

Zum Tode von Pal Benkö

Quelle: europe-echecs.com

"Für Bobby war es eine völlig absurde Idee. Wie konnte er überhaupt in Erwägung ziehen, sich, nur um Haaresbreite vom Weltmeistertitel entfernt, die dauerhafte Unterstützung eines Sekundanten entziehen zu lassen?" Dieser Satz, der einen hitzigen Streit zwischen Bobby Fischer und Pal Benko im Kandidatenturnier auf Curaçao 1962 zusammenfasst, offenbart die Essenz eines Mannes, der sein ganzes Leben lang für Gleichberechtigung kämpfte: Pal Benko. Der in Amiens, Frankreich, geborene und in Ungarn aufgewachsene Großmeister (1928–2019) war eine außergewöhnliche Figur in der Schachwelt des 20. Jahrhunderts, dessen unbeugsamer Geist und seine tiefen Prinzipien ihn zu einer Legende machten.

Benkos frühes Leben war gezeichnet von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs und der sowjetischen Besatzung. Sein Versuch, 1952 in den Westen zu fliehen, endete tragisch in einem Konzentrationslager, aus dem er erst 1953 entlassen wurde. Nach der gewaltsamen Niederschlagung des Volksaufstandes in Budapest 1956 durch die Sowjets verfolgte er unbeirrt sein Ziel, das Land zu verlassen. Er erreichte 1957 die USA als Staatenloser, wo Schach zu seinem Instrument der Selbstbestimmung und seinem Weg in die Freiheit wurde.

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Auf der schachlichen Bühne zeichnete sich Pal Benko stets durch seine Originalität aus. Nachdem er sich bereits 1959 für das Kandidatenturnier qualifiziert hatte, betrat er 1962 bei dem legendären Turnier auf Curaçao erneut die internationale Bühne, diesmal unter amerikanischer Flagge. Dort sorgte er für Furore, indem er den auf höchstem Niveau selten gespielten Zug 1.g3 einsetzte – eine Eröffnung, die später als Benko-Eröffnung in die Schachgeschichte eingehen sollte. Mit dieser unkonventionellen Wahl, die selbst Koryphäen wie Bobby Fischer und Mikhail Tal überraschte, errang er beachtliche Siege, darunter einen bemerkenswerten Triumph über den gesundheitlich bereits angeschlagenen Mikhail Tal in der dritten Runde. Mikhail Tal selbst gestand später ein, dass sein physischer Zustand auf Curaçao weit entfernt von optimal war und seine Leistung beeinträchtigte.


Curacao, 1962

Doch die größte Herausforderung auf Curaçao war nicht nur auf dem Brett zu finden. Als einziger nicht-sowjetischer Kandidat neben Bobby Fischer fühlte sich Pal Benko bei der Zuteilung des einzigen Sekundanten, Arthur Bisguier, benachteiligt. Er kämpfte für gleiche Unterstützung, ein Anliegen, das für ihn, der den "Budapester Dschungel nicht ohne hartnäckige Vorstellungen von Gleichberechtigung verlassen hatte", von grundlegender Bedeutung war. Dieser Kampf führte zu einem verbalen, ja sogar physischen Streit, bei dem Bobby Fischer Benkos Akzent imitierte.


Siegen, 1970.

Über seine gesamte Karriere hinweg zeigte Pal Benko nicht nur schachliche Brillanz, sondern auch eine bemerkenswerte sportliche Haltung. Dies manifestierte sich am deutlichsten 1970, als er seinen hart erkämpften Platz beim Interzonenturnier in Palma de Mallorca freiwillig an Bobby Fischer abtrat. Diese noble Geste ebnete Bobby Fischer den Weg zur Weltmeisterschaft, und Pal Benko kommentierte später: "Ich habe nie an seinem Erfolg gezweifelt, und er hat mich nicht enttäuscht." Diese enge, wenngleich bisweilen schwierige, Freundschaft mit Bobby Fischer lebte später wieder auf.

Pal Benko war weit mehr als nur ein herausragender Spieler. Er war ein innovativer Eröffnungstheoretiker mit seinem nach ihm benannten Benko-Gambit, ein Endspielgenie und ein virtuoser Problemlöser. Seine Biografie, "Pal Benko My Life Games and Compositions", und seine anderen Veröffentlichungen zeugen von seinem reichen intellektuellen Erbe. Pal Benko verstarb am 26. August 2019 in Budapest im Alter von 91 Jahren und hinterließ das Bild eines Mannes, der nicht nur auf dem Schachbrett, sondern auch im Leben für seine Prinzipien einstand und dabei stets als "netter und freundlicher Mensch" in Erinnerung blieb, wie es Georges Bertola auf europe-echecs.com zusammenfasst.


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Pal Benko From his early years in war-torn Hungary to his legendary chess competitions, this autobiography and game collection features details on the Grandmaster's myriad openings, middlegame positions, and strength in the endgame. Photos & game diagrams.

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