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Matthias Wolf

Schach ist voller Geschichten, niemand erzählt sie. Die notorische Journalismusverweigerung aller deutschsprachigen Schachseiten und -zeitschriften führt jetzt dazu, dass der Verband eine im großen Sportkontext ungewöhnliche Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Er erzählt die Geschichten selbst, weil es ja sonst niemand macht. Eingeführt hat das Matthias Wolf, den der Schachkicker jetzt "interviewt" hat (mutmaßlich wird uns hier mal wieder das Ausfüllen eines Fragebogens als "Interview" verkauft, aber man weiß es nicht genau):

„Matthias Wolf: Der Journalist, der dem DSB Beine macht“

Quelle: Schachkicker, "Interview" von Walter Rädler (23. Juli 2025)

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Matthias Wolf, seit August 2024 Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Schachbundes, bringt investigativen Journalismus und Tempo in die Verbandsarbeit. Der 57-Jährige, der zuvor 20 Jahre lang eine eigene TV-Produktionsfirma führte und für Formate wie Sport inside mehr als 200 Hintergrundbeiträge produzierte, gilt als erfahrener Allrounder. Wolf ist preisgekrönt – unter anderem mit dem Deutschen Fernsehpreis – und betont, dass er vor allem eines will: Schach nicht nur über Ergebnisse, sondern über Menschen und ihre Geschichten erzählen.

Der gebürtige Berliner, der seit über 40 Jahren Mitglied beim SC Dreiländereck in Weil am Rhein ist, sieht im Job beim DSB eine ideale Verbindung von Beruf und persönlicher Leidenschaft. „Wenn im Schach etwas passiert, das für den Verband relevant ist, muss es schnell raus – aber mit Substanz“, sagt er. Reine Ergebnisberichte mag er nicht, stattdessen sucht er die Gespräche mit Spielern, Funktionären und Ehrenamtlichen. Auch Video-Interviews und Kurzfilme gehören inzwischen zum Standard, obwohl Wolf sein Team augenzwinkernd als „eierlegende Wollmilchsäue“ bezeichnet – sie schreiben, fotografieren, filmen und schneiden selbst.

Seit Wolfs Einstieg hat sich die Pressearbeit des DSB spürbar verändert. Auf der Website erscheinen deutlich mehr und vielfältigere Beiträge, und mit Partnern wie 11teamsports kam erstmals ein Sponsoring-Deal zustande, den Wolf selbst einfädelte. Begeistert zeigt er sich von der Breite des deutschen Schachs, etwa von der DSAM-Serie, die er als „Premiumprodukt des Schachbundes“ lobt. Gleichzeitig bedauert er, dass Spitzenschach in Deutschland medial kaum durchdringt – selbst EM-Erfolge wie jener von Matthias Blübaum finden nur begrenzt Beachtung.

Wolf lobt die Nationalspielerinnen, allen voran Lara Schulze und Josefine Heinemann, als „zehn von zehn Medienprofis“, kritisiert aber festgefahrene Strukturen im Schachbetrieb. Er kämpft dafür, dass der Sport moderner auftritt und hält eine Angleichung der Preisgelder zwischen Männern und Frauen bei DSB-Turnieren für überfällig. „Die Spielerinnen sitzen genauso lange am Brett und bereiten sich genauso intensiv vor. Der Job ist identisch, die Bezahlung aber nicht“, sagt Wolf und verweist auf Beispiele aus Tennis und norwegischem Fußball.

Privat bleibt Wolf ein leidenschaftlicher Sportler – als Jugendtrainer und Schiedsrichter beim SC Siemensstadt und als unerschütterlicher Schalke-Fan seit 1987. Dass er überhaupt Journalist wurde, verdankt er seinem ersten Schachverein: „Ohne den Club hätte ich viele Türen nie aufgestoßen – und viel Aufregendes verpasst.“

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