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Ingrid Schulz

Das Auge der DSAM – Ingrid Schulz und ihr Blick auf Schach
Quelle: Deutscher Schachbund – Interview „Ingrid Schulz, das Auge der DSAM: ‚Ich mag Schach auf andere Weise.‘“, geführt von Matthias Wolf, 19. Dezember 2025

Ingrid Schulz ist eine der bekanntesten Figuren der Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft, obwohl sie selbst keine Partien spielt. Als langjährige Turnierfotografin prägt sie das Bild der DSAM – im wörtlichen Sinn. Spielerinnen und Spieler schätzen ihre Fotos, noch mehr schätzen sie ihre Nähe zur Szene. Dafür ehrte sie der Deutscher Schachbund 2025 mit der silbernen Ehrennadel. Besonders bewegend war für sie weniger die Auszeichnung selbst als die spontanen Standing Ovations in Bad Wildungen – ein Moment, der zeigt, welchen Stellenwert sie im Amateur-Schach hat.

Schulz gehört seit 2003 fest zum DSAM-Tross. Gemeinsam mit ihrem Mann Hugo Schulz, Schiedsrichter und langjähriger Wegbegleiter, reist sie von Turnier zu Turnier. Schach ist für beide kein Hobby, sondern der Mittelpunkt ihres Alltags. Ingrid Schulz hat im Laufe der Jahrzehnte nahezu jede Rolle rund um Turniere übernommen: Organisation, Catering, Volunteer-Koordination, Rahmenprogramme bei Senioren- und Behinderten-Weltmeisterschaften. Wo Hilfe gebraucht wird, ist sie da.

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Zum Spiel selbst hat sie ein klares Verhältnis. Sie kennt die Regeln, spielt aber nicht. Ein frühes Erlebnis – eine unfreiwillige Partie, die schnell im Schäfermatt endete – war nicht gerade Werbung fürs aktive Spiel. Ihr Zugang zum Schach ist ein anderer. Sie beobachtet. Sie dokumentiert. Sie hält fest, was am Brett passiert, jenseits der Züge.


via DSB

Zur Fotografie kam sie eher beiläufig. Eine Kamera, ursprünglich als Geschenk für ihren Mann gedacht, wurde vor rund 40 Jahren zu ihrem Werkzeug. Perfektion im technischen Sinn interessiert sie wenig. Entscheidend ist der Moment. Schlafende Spieler, angestrengte Gesichter, flüchtige Grimassen – genau das fasziniert sie. Schulz bewegt sich stundenlang leise durch den Spielsaal, oft unbemerkt. Viele merken erst später, dass sie fotografiert wurden.

Langweilig wird ihr dabei nie. Für Schulz gleicht keine Situation der anderen. Jedes Brett erzählt eine eigene Geschichte. Ihre Fotos stellt sie schnell zur Verfügung, oft noch während des Turniers. Wünsche erfüllt sie ohne Zögern – selbst dann, wenn sie Abzüge ausdruckt und per Post verschickt, weil jemand kein Internet nutzt.

Ein Lieblingsmotiv nennt sie offen: DSAM Travemünde 2023, ein Junge am Brett, der nach oben schaut, fast pfeifend. Ein Bild, das mehr zeigt als eine Partie. Genau darum geht es ihr.

Auch außerhalb des Schachs fotografiert Schulz ständig. In Hamburg hat sie die Kamera immer dabei. Sie spricht von „Fotoaugen“. Dinge, die früher unbeachtet blieben, fallen ihr heute sofort auf – Blumen, Tiere, Straßenszenen. Fotografieren ist für sie eine Art, die Umgebung wahrzunehmen.

Dass DSAM-Turniere bis in die Weihnachtszeit reichen, nimmt sie gelassen. Hotels wie das Maritim in Bonn sorgen für Stimmung, die familiäre Atmosphäre der Serie passt für sie ohnehin zu Weihnachten. Selbst eine Heimfahrt am 24. Dezember hat sie schon erlebt.

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