Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Ernst Ludwig Kirchners Schachgemälde ab September ausgestellt

Raubkunst: Ernst Ludwig Kirchners Schach-Gemälde bleibt im Brücke-Museum Berlin

Deutsche Behörden haben mit den Erben des Sammlers Wallerstein (1878–1944) eine Entschädigung vereinbart. Ein Schlüsselwerk von Ernst Ludwig Kirchner darf in Berlin bleiben. 

AI-Zusammenfassung:

Werbung

Das Brücke-Museum in Berlin darf ein bedeutendes Werk von Ernst Ludwig Kirchner, „Erich Heckel und Otto Mueller beim Schach“ (1913), behalten. Eine Entschädigungsvereinbarung mit den Erben des jüdischen Kunstsammlers Gustav Wallerstein, vermittelt durch die europäische Raubkunst-Kommission und Anne Webber, sichert das Verbleiben des Gemäldes in Berlin. Über die Höhe der Entschädigung, die aus Landes- und Bundesmitteln sowie der Ernst-von-Siemens-Kunststiftung finanziert wird, wurde Stillschweigen vereinbart.

Das Gemälde ist ein Highlight von Kirchners Schaffenszeit in Berlin, kurz vor der Auflösung der Künstlergruppe „Brücke“. Es zeigt eine entspannte Szene, in der die Künstlerfreunde Erich Heckel und Otto Mueller Schach spielen, während Kirchners Lebensgefährtin Erna Schilling nackt im Hintergrund auf einem Sofa liegt. Diese utopische Szene fängt die Ruhe vor den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts ein.

Gustav Wallerstein, ein jüdischer Kunsthistoriker und Sammler, gründete zusammen mit Fritz Goldschmidt die „Galerie Goldschmidt – Wallerstein“ in Berlin, die auch Werke der „Brücke“-Künstler ausstellte. Aufgrund der nationalsozialistischen Verfolgung wurde sein Kunsthandel 1934 geschlossen und 1936 liquidiert. Wallerstein floh nach Italien und verkaufte dort 1940 das Schach-Gemälde unter Druck.

Diese Vereinbarung zwischen den Berliner Behörden und den Wallerstein-Erben würdigt sowohl das historische Unrecht als auch die kulturelle Bedeutung des Gemäldes, indem es im Brücke-Museum verbleiben kann.


Ernst Ludwig Kirchner (Wikipedia)

Kirchners „Erich Heckel und Otto Mueller beim Schach“ ab September im Brücke-Museum

Werbung

Quelle: Ernst-von-Siemens-Kunststiftung

Das Gemälde „Erich Heckel und Otto Mueller beim Schach“ von Ernst Ludwig Kirchner wird ab September im Berliner Brücke-Museum gezeigt. Es bleibt dauerhaft im Bestand des Hauses, nachdem eine Einigung über den Restitutionsanspruch der Erben des jüdischen Kunsthistorikers Dr. Victor Wallerstein gefunden wurde.

Das 1913 entstandene Werk gilt als ein Höhepunkt von Kirchners Berliner Jahren und zeigt eine intime Szene aus dem Atelier: Die Brücke-Künstler Erich Heckel und Otto Mueller vertieft ins Schachspiel, im Hintergrund Erna Schilling, Kirchners Lebensgefährtin, unbekleidet auf einem Sofa. Kurz vor der Auflösung der Künstlergruppe „Brücke“ gemalt, zählt es zu den Schlüsselwerken in Kirchners Œuvre und ist von zentraler Bedeutung für die Sammlung des Brücke-Museums.

Die Geschichte des Gemäldes spiegelt die Brüche der deutschen Kunstgeschichte. Victor Wallerstein, geboren 1878, war ein profilierter Kunsthistoriker, Händler und Förderer der Moderne. Gemeinsam mit Fritz Goldschmidt führte er ab 1919 die „Galerie Goldschmidt – Wallerstein“ in Berlin, die den Brücke-Künstlern eine Bühne bot. Wallerstein baute parallel eine eigene Sammlung auf und pflegte enge Kontakte zu den Künstlern.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann der Niedergang. Die Galerie wurde 1934 vorübergehend geschlossen und musste 1936 endgültig aufgelöst werden. Wallerstein floh nach Italien, konnte nur einen Teil seiner Sammlung mitnehmen – darunter Kirchners Schachszene. In Florenz zwang ihn die Repression der italienischen Rassengesetze 1940 zum Verkauf. Vier Jahre später starb er nach seiner Festnahme durch die SS.

Werbung

1973 gelangte das Bild aus dem Kunsthandel ins Brücke-Museum. Nun wurde im Sinne der Washingtoner Prinzipien von 1998 eine Lösung gefunden: Das Werk bleibt gegen eine Entschädigung an die Erben in der Sammlung. Die Ausstellung „Biografien der Moderne. Sammelnde und ihre Werke“ rückt ab September nicht nur die Provenienz des Bildes, sondern vor allem die Lebensgeschichten der früheren jüdischen Eigentümer*innen in den Mittelpunkt, die die Moderne in Deutschland entscheidend geprägt und gefördert haben.


Amazon-Klappentext:

Am 15. Juni 1938 knallten in Frauenkirch-Wildboden, einem kleinen Flecken bei Davos in der Schweiz, zwei Schüsse: Seelisch zerrüttet, von Stimmungsschwankungen und Morphiumsucht gequält, von den Nazis verfolgt und als „entarteter Künstler“ diffamiert, hatte sich Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) das Leben genommen. Das desperate Ende eines Malers, Bildhauers und Grafikers, der als einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Expressionismus und Mitbegründer der Künstlergruppe Brücke Schlüsselwerke der Moderne geschaffen hatte.

Die Einflüsse, die sich in Kirchners Werk niederschlugen sind vielfältig: Er bewunderte die Holzschnitte Dürers, begeisterte sich für die Fauvisten, für Gauguin, Matisse und Edvard Munch und befasste sich mit der Kunst der Naturvölker der Südsee. Ansprechen durfte man ihn allerdings darauf nicht, denn Kirchner war von ausgesprochener Geltungssucht und ein heikler Charakter. Seine grellfarbigen, flächigen, im impulsiven Duktus gemalten Bilder – Akte in der Landschaft, Motive aus Varieté und Zirkus, Porträts und Straßenszenen der modernen Großstadt – schockierten die kunstbeflissene Bourgeoisie cum Spießertum der Kaiserzeit ebenso wie das Boheme-Leben, das er und seine Malerfreunde lange Zeit zelebrierten, und dokumentieren in ihrer ausdruckstarken, ungestümen Art und Farbkraft auf einzigartige Weise den explosiven Charakter der Epoche und den Aufbruchswillen einer neuen Künstlergeneration.

Dieser Einführungsband zeichnet anhand von Schlüsselwerken aus allen Schaffensperioden den künstlerischen Werdegang Kirchners nach, zeigt seinen Stellenwert in der europäischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts und skizziert ein widersprüchliches und tragisches Künstlerleben.