Antonio Radic (Agadmator)
Zitat von Conrad Schormann am 11. April 2026, 16:43 Uhr„Es ist sein Kanal – ich führe ihn nur"
ChessBase India, 11. April 2026, Sagar Shah
Antonio Radic, bekannt als Agadmator, betreibt seit zehn Jahren einen der meistgesehenen Schach-YouTube-Kanäle der Welt. Das Interview mit ChessBase India fand am Rande des Kandidatenturniers auf Zypern statt – wo Radic für zwei Tage vorbeischaute, ohne feste Pläne, ohne Agenda. So wie er alles macht.
https://youtu.be/gpP46sDYib4
Kein Team, kein Skript, keine Shorts
Radic arbeitet allein. Er filmt, schneidet – selten –, gestaltet seine Thumbnails selbst und entscheidet spontan, welche Partien er bespricht. Einen festen Tagesplan gibt es nicht; mit zwei Kleinkindern zu Hause entstehen die Videos früh morgens, während des Kindergartens oder nachts. Ausgefallen ist er in zehn Jahren praktisch nie – einmal nach einer Herzoperation, einmal nach einem Todesfall in der Familie.
Shorts macht er nicht, ein Team will er nicht. Zwei Versuche mit externen Thumbnail-Designern scheiterten nicht an der handwerklichen Qualität, sondern daran, dass die Gesichter auf den Bildern nicht genau dorthin schauten, wo Radic sie haben wollte: auf das entscheidende Feld des Schachbretts.
Tal – und kein Clickbait
Sein Kanal trägt im Overlay ein Bild von Michail Tal. „Es ist sein Kanal", sagt Radic. „Ich führe ihn nur." Eine Danksagung an den achten Weltmeister, der mit seinem Angriffsstil Radics Schachbild geprägt hat.
Clickbait lehnt er grundsätzlich ab – mit einer Ausnahme: Seit Kurzem zeigt er auf Thumbnails zwei Spieler statt eines, um das Ergebnis offenzulassen. Nicht aus taktischen Gründen, sondern für den Zuschauer, der das Video vielleicht erst zwei Jahre später anklickt und die Spannung noch erleben soll.
Klassisch oder gar nicht
Radic ist ein erklärter Anhänger des klassischen Schachs. Blitz- und Schnellschachpartien hält er für flüchtig; klassische Partien für dauerhaft. Capablanca habe ein Buch geschrieben, in dem er das gesamte Schach anhand von elf oder dreizehn Partien erkläre – das war eines der ersten Bücher, das Radic las, und er hält es bis heute für vorbildlich. Auf die Frage, ob er sich dem Trend zu kürzeren Formaten anpassen würde, antwortet er ohne Zögern: Nein. Wenn die Welt nur noch Shorts wolle, höre er auf. Dann schaue er sich die Partien von Morphy und Capablanca eben ohne Kamera an.
Geld, Kinder, Kroatien
Geld hat in Radics Leben lange keine Rolle gespielt, schlicht weil er keines hatte. Auch heute orientiert er sich nicht daran. Sein Maßstab: genug für den Tag, genug für die Kinder. Seine Tochter Eta wird bald fünf, sein Sohn Tal – benannt nach dem Weltmeister – wird während des Interviews zwei Jahre alt. Für sie will er sorgen können, mehr nicht.
Finanziert wird der Kanal über freiwillige Zuschauerbeiträge. Gelegentlich bekommt er Nachrichten wie diese: Jemand habe fünf Jahre lang zugeschaut, habe jetzt seinen ersten Job – und der erste Weg des ersten Gehalts führe zu Radics Kanal.
Lotus Chess – die einzige Ausnahme
Die einzige kommerzielle Zusammenarbeit, die Radic eingegangen ist, ist Lotus Chess – eine Schach-App, die er nach eigener Darstellung zunächst kostenlos bewerben wollte, weil sie ihm als erste App überhaupt gefiel. Das Unternehmen bestand auf einer Bezahlung. Radic bestand darauf, kein Geld zu nehmen. Kompromiss: Er wurde Teil des Teams. Inzwischen nähert sich die App 400.000 Nutzern.
„Es ist sein Kanal – ich führe ihn nur"
ChessBase India, 11. April 2026, Sagar Shah
Antonio Radic, bekannt als Agadmator, betreibt seit zehn Jahren einen der meistgesehenen Schach-YouTube-Kanäle der Welt. Das Interview mit ChessBase India fand am Rande des Kandidatenturniers auf Zypern statt – wo Radic für zwei Tage vorbeischaute, ohne feste Pläne, ohne Agenda. So wie er alles macht.
Kein Team, kein Skript, keine Shorts
Radic arbeitet allein. Er filmt, schneidet – selten –, gestaltet seine Thumbnails selbst und entscheidet spontan, welche Partien er bespricht. Einen festen Tagesplan gibt es nicht; mit zwei Kleinkindern zu Hause entstehen die Videos früh morgens, während des Kindergartens oder nachts. Ausgefallen ist er in zehn Jahren praktisch nie – einmal nach einer Herzoperation, einmal nach einem Todesfall in der Familie.
Shorts macht er nicht, ein Team will er nicht. Zwei Versuche mit externen Thumbnail-Designern scheiterten nicht an der handwerklichen Qualität, sondern daran, dass die Gesichter auf den Bildern nicht genau dorthin schauten, wo Radic sie haben wollte: auf das entscheidende Feld des Schachbretts.
Tal – und kein Clickbait
Sein Kanal trägt im Overlay ein Bild von Michail Tal. „Es ist sein Kanal", sagt Radic. „Ich führe ihn nur." Eine Danksagung an den achten Weltmeister, der mit seinem Angriffsstil Radics Schachbild geprägt hat.
Clickbait lehnt er grundsätzlich ab – mit einer Ausnahme: Seit Kurzem zeigt er auf Thumbnails zwei Spieler statt eines, um das Ergebnis offenzulassen. Nicht aus taktischen Gründen, sondern für den Zuschauer, der das Video vielleicht erst zwei Jahre später anklickt und die Spannung noch erleben soll.
Klassisch oder gar nicht
Radic ist ein erklärter Anhänger des klassischen Schachs. Blitz- und Schnellschachpartien hält er für flüchtig; klassische Partien für dauerhaft. Capablanca habe ein Buch geschrieben, in dem er das gesamte Schach anhand von elf oder dreizehn Partien erkläre – das war eines der ersten Bücher, das Radic las, und er hält es bis heute für vorbildlich. Auf die Frage, ob er sich dem Trend zu kürzeren Formaten anpassen würde, antwortet er ohne Zögern: Nein. Wenn die Welt nur noch Shorts wolle, höre er auf. Dann schaue er sich die Partien von Morphy und Capablanca eben ohne Kamera an.
Geld, Kinder, Kroatien
Geld hat in Radics Leben lange keine Rolle gespielt, schlicht weil er keines hatte. Auch heute orientiert er sich nicht daran. Sein Maßstab: genug für den Tag, genug für die Kinder. Seine Tochter Eta wird bald fünf, sein Sohn Tal – benannt nach dem Weltmeister – wird während des Interviews zwei Jahre alt. Für sie will er sorgen können, mehr nicht.
Finanziert wird der Kanal über freiwillige Zuschauerbeiträge. Gelegentlich bekommt er Nachrichten wie diese: Jemand habe fünf Jahre lang zugeschaut, habe jetzt seinen ersten Job – und der erste Weg des ersten Gehalts führe zu Radics Kanal.
Lotus Chess – die einzige Ausnahme
Die einzige kommerzielle Zusammenarbeit, die Radic eingegangen ist, ist Lotus Chess – eine Schach-App, die er nach eigener Darstellung zunächst kostenlos bewerben wollte, weil sie ihm als erste App überhaupt gefiel. Das Unternehmen bestand auf einer Bezahlung. Radic bestand darauf, kein Geld zu nehmen. Kompromiss: Er wurde Teil des Teams. Inzwischen nähert sich die App 400.000 Nutzern.

