1843: das erste Foto vom Schach
Zitat von Conrad Schormann am 2. Mai 2025, 8:59 UhrEs ist ein stiller Moment, festgehalten vor über 180 Jahren: Zwei Männer sitzen an einem Tisch, vertieft in eine Schachpartie. Keine Pose, keine Bewegung – nur Konzentration. Es ist das älteste bekannte Foto von Menschen beim Schach. Entstanden um 1843, aufgenommen mit einem Verfahren, das damals eine Revolution war: dem Negativ-Positiv-Prozess von William Henry Fox Talbot.
https://twitter.com/chessclubICC/status/1918003064117580047
Talbot war kein Berufsfotograf, sondern ein englischer Privatgelehrter, Naturwissenschaftler und Erfinder. Geboren 1800 in Dorset, studierte er in Cambridge Mathematik, Physik und Naturgeschichte und veröffentlichte schon früh Arbeiten zur Optik. Sein Interesse an der Bildwiedergabe führte ihn ab 1833 zu Experimenten mit der Camera Obscura – mit dem Ziel, Bilder dauerhaft auf Papier festzuhalten.
Den entscheidenden Durchbruch erzielte Talbot 1835 mit der Herstellung des ersten Papiernegativs. Während der Franzose Louis Daguerre fast zeitgleich die Daguerreotypie auf versilberten Kupferplatten entwickelte, schuf Talbot das bis heute grundlegende Prinzip der Fotografie: Ein Negativ erlaubt beliebig viele positive Abzüge. Sein Verfahren – später als „Kalotypie“ bezeichnet – wurde 1839 erstmals veröffentlicht und 1841 in England patentiert.
William Henry Fox Talbot
Fotografie (Carte de Visite) von John Moffat (1864).Das Schachfoto gehört zu einer kleinen Serie von mindestens zehn Aufnahmen, die Talbot zwischen 1843 und 1847 von Schachpartien machte. Der Grund war so einfach wie praktisch: Schachspieler bewegen sich kaum – ideal für eine Zeit, in der Belichtungen mehrere Minuten dauerten. Das nun berühmte Bild zeigt zwei Männer in einem Interieur, das typisch für Talbots Arbeiten ist: einfaches Mobiliar, klarer Bildaufbau, weiches Licht.
Doch wer genau auf dem Foto zu sehen ist, ist nicht abschließend geklärt. Vermutlich handelt es sich um Talbots Assistenten Nicolaas Henneman und den renommierten Fotografen Antoine Claudet. Allerdings ist die Aufnahme weder signiert noch auf Talbots üblich verwendetem Fotopapier entstanden. Das hat zu Spekulationen geführt: Einige Historiker vermuten, dass das Bild gar nicht von Talbot stammt, sondern in Claudets Studio aufgenommen wurde und später in Talbots Besitz gelangte – möglicherweise als Teil eines Schuldenausgleichs durch Henneman.
Unabhängig von der Urheberschaft bleibt das Bild ein Meilenstein: Es dokumentiert nicht nur eines der ersten Motive mit Menschen bei einer klar identifizierbaren Handlung, sondern steht auch für einen historischen Wendepunkt in der Technikgeschichte. Talbots Negativ-Positiv-Verfahren wurde zur Grundlage der analogen Fotografie – und blieb es bis zur digitalen Revolution im 21. Jahrhundert.
Das „Schachspieler“-Foto ist heute in mehreren Varianten erhalten. Eines der frühen Abzüge, ein sogenannter „salted paper print“, misst 19,9 × 15 Zentimeter und gehört zur Sammlung des Art Institute of Chicago. Es ist nicht nur ein Dokument der Fotogeschichte, sondern auch ein früher Beweis dafür, dass Schach – lange bevor es digital wurde – schon im 19. Jahrhundert als Bildmotiv faszinierte.
https://www.artic.edu/artworks/27083/the-chess-players
https://frankfurter-personenlexikon.de/node/13668
Es ist ein stiller Moment, festgehalten vor über 180 Jahren: Zwei Männer sitzen an einem Tisch, vertieft in eine Schachpartie. Keine Pose, keine Bewegung – nur Konzentration. Es ist das älteste bekannte Foto von Menschen beim Schach. Entstanden um 1843, aufgenommen mit einem Verfahren, das damals eine Revolution war: dem Negativ-Positiv-Prozess von William Henry Fox Talbot.
This is the first known photograph of people playing chess, around 1843. It is also one of the earliest images created using the negative-positive process developed by William Henry Fox Talbot — a breakthrough that made it possible to produce multiple copies of a single capture.… pic.twitter.com/niMg52au2g
— ICC chessclub.com (@chessclubICC) May 1, 2025
Talbot war kein Berufsfotograf, sondern ein englischer Privatgelehrter, Naturwissenschaftler und Erfinder. Geboren 1800 in Dorset, studierte er in Cambridge Mathematik, Physik und Naturgeschichte und veröffentlichte schon früh Arbeiten zur Optik. Sein Interesse an der Bildwiedergabe führte ihn ab 1833 zu Experimenten mit der Camera Obscura – mit dem Ziel, Bilder dauerhaft auf Papier festzuhalten.
Den entscheidenden Durchbruch erzielte Talbot 1835 mit der Herstellung des ersten Papiernegativs. Während der Franzose Louis Daguerre fast zeitgleich die Daguerreotypie auf versilberten Kupferplatten entwickelte, schuf Talbot das bis heute grundlegende Prinzip der Fotografie: Ein Negativ erlaubt beliebig viele positive Abzüge. Sein Verfahren – später als „Kalotypie“ bezeichnet – wurde 1839 erstmals veröffentlicht und 1841 in England patentiert.

Fotografie (Carte de Visite) von John Moffat (1864).
Das Schachfoto gehört zu einer kleinen Serie von mindestens zehn Aufnahmen, die Talbot zwischen 1843 und 1847 von Schachpartien machte. Der Grund war so einfach wie praktisch: Schachspieler bewegen sich kaum – ideal für eine Zeit, in der Belichtungen mehrere Minuten dauerten. Das nun berühmte Bild zeigt zwei Männer in einem Interieur, das typisch für Talbots Arbeiten ist: einfaches Mobiliar, klarer Bildaufbau, weiches Licht.
Doch wer genau auf dem Foto zu sehen ist, ist nicht abschließend geklärt. Vermutlich handelt es sich um Talbots Assistenten Nicolaas Henneman und den renommierten Fotografen Antoine Claudet. Allerdings ist die Aufnahme weder signiert noch auf Talbots üblich verwendetem Fotopapier entstanden. Das hat zu Spekulationen geführt: Einige Historiker vermuten, dass das Bild gar nicht von Talbot stammt, sondern in Claudets Studio aufgenommen wurde und später in Talbots Besitz gelangte – möglicherweise als Teil eines Schuldenausgleichs durch Henneman.
Unabhängig von der Urheberschaft bleibt das Bild ein Meilenstein: Es dokumentiert nicht nur eines der ersten Motive mit Menschen bei einer klar identifizierbaren Handlung, sondern steht auch für einen historischen Wendepunkt in der Technikgeschichte. Talbots Negativ-Positiv-Verfahren wurde zur Grundlage der analogen Fotografie – und blieb es bis zur digitalen Revolution im 21. Jahrhundert.
Das „Schachspieler“-Foto ist heute in mehreren Varianten erhalten. Eines der frühen Abzüge, ein sogenannter „salted paper print“, misst 19,9 × 15 Zentimeter und gehört zur Sammlung des Art Institute of Chicago. Es ist nicht nur ein Dokument der Fotogeschichte, sondern auch ein früher Beweis dafür, dass Schach – lange bevor es digital wurde – schon im 19. Jahrhundert als Bildmotiv faszinierte.
https://www.artic.edu/artworks/27083/the-chess-players
https://frankfurter-personenlexikon.de/node/13668



