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Chessivity

Valentin Dragnev: „Wir wollen das Schachcafé zurückbringen – nur digital"

Quelle: Chess Tigers, Schachtalk, 17.07.2026

Als Profispieler habe ihm schlicht ein Werkzeug gefehlt, um Training mit Trainern, eigene Partien und gelesene Schachbücher an einem Ort zu überblicken – aus dieser Lücke sei die Idee zu Chessivity entstanden. Das sagte Valentin Dragnev im Gespräch mit Chess Tigers. Der österreichische Großmeister und zweifache Staatsmeister stellte bei Moderator Michael Busse die von ihm mitentwickelte Plattform vor.

Kein Konkurrent zu Lichess und Chess.com

Chessivity versteht sich nicht als weitere Spiel- oder Trainingsplattform, sondern als sozialer Knotenpunkt für die Schachgemeinschaft – gelegentlich als „Facebook für Schachspieler" beschrieben. Nutzer können in einem Feed Textbeiträge, Stellungen, Puzzles oder Umfragen posten, kommentieren und teilen. Ein eigens entwickeltes Feature, die „Zaubertinte", verbirgt Lösungsvorschläge in Kommentaren, damit anderen der Rätselspaß nicht verdorben wird. Über „Timed Puzzles" mit Leaderboard und sammelbare Badges für abgeschlossene Challenges bringt die Plattform zudem ein Wettbewerbselement ein.

Aktivitäten-Tracking als Kernidee

Zentral ist die Möglichkeit, die eigene schachliche Aktivität zu dokumentieren: Online-Partien werden über eine Anbindung an Lichess automatisch synchronisiert, Offline-Aktivitäten wie Vereinstraining oder gelesene Schachbücher lassen sich manuell in einem Tagebuch eintragen. Aus diesen Daten entsteht eine persönliche Statistik. Ergänzt wird das Angebot durch einen Community-Kalender für Turniere und Events sowie eine Direktnachrichtenfunktion, über die sich Nutzer austauschen oder Trainingspartner finden können.

Von der Schachcafé-Idee zum gemeinsamen Projekt

Die Verbindung von sozialem Austausch und Schach führt Dragnev auf seine eigene Jugend zurück: Aufgewachsen in einem Schachcafé, verbrachte er dort Stunden mit Blitzschach und Gesprächen über Partien – ein Erlebnis, das die Plattform ins Digitale übertragen soll. Namensgebend ist die Wortschöpfung aus „Chess" und „Activity". Realisiert wird das Projekt gemeinsam mit dem FIDE-Meister Johannes Steindel, der unabhängig eine ähnliche Idee verfolgt hatte, sowie dem Programmierer Paul Höller.

Wachstum und kostenlose Kernfunktionen

Rund einen Monat nach dem Launch zählt Chessivity nach Dragnevs Angaben einige hundert Nutzer, darunter mehr als 60 Titelträger und mindestens 20 Großmeister. Die Kernfunktionen der Plattform sollen dauerhaft kostenlos und werbefrei bleiben. Da Chessivity als Unternehmen mit Entwicklungs- und Moderationskosten geführt wird, sind für die Zukunft kostenpflichtige Premium-Features geplant, die sich an Schachvereine, Streamer und Content-Creator richten sollen. Weitere geplante Erweiterungen umfassen eine Schwierigkeitseinstufung für Aufgaben, zusätzliche Challenges mit Belohnungen sowie möglicherweise die gezielte Integration einer Engine.

https://chessivity.com/