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William Norwood Potter (1840-95)

Ein Gentleman gegen den Zeitgeist

Blog: "Women In Chess According To Potter" von simaginfan, chess.com (12.12.2025)

Witzig, respektvoll, früh seiner Zeit voraus

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William Norwood Potter war vieles – Schachjournalist, Spieler, Kommentator. Aber vor allem war er: fair. Als im viktorianischen England Frauen im Schach meist ignoriert oder belächelt wurden, schrieb Potter über sie mit Ernst, Respekt und Humor. Schon 1878 begrüßte er die Gründung des Ladies’ College Chess Club in einer Zeitungskolumne mit den Worten, man sehe dem „Einfall weiblicher Mattsetzerinnen“ mit Vergnügen entgegen. Seine Haltung: Schach sei ein Spiel, das Frauen keineswegs „naturgemäß“ ausschließe. Mehr noch: Er sah darin ein Medium, das „Eintracht und Gemeinschaft“ in Familien fördern könne.

Während andere – auch Größen wie Steinitz – mit zynischem Ton über Spielerinnen schrieben, wählte Potter einen anderen Zugang. Er verspottete jene, die meinten, Frauen dürften sich nur über Tanz oder Flirt unterhalten. Diese Sichtweise war für ihn rückständig. Sein Lob für Miss Rymer, Siegerin eines gemischten Turniers, verband er mit einem ironischen Seitenhieb auf Chauvinisten: Wer ihr Können infrage stelle, spreche nicht aus Überzeugung, sondern aus Dünkel.

Ein Umfeld, das viel moderner war als sein Ruf

Der Blog von simaginfan stellt Potter nicht isoliert dar, sondern als Teil eines Milieus, das überraschend fortschrittlich war. Auch Emanuel Lasker, Harry Nelson Pillsbury oder der Redakteur Leopold Hoffer zählten zu den Unterstützern von Frauen im Schach. Die Familie Down – mit Louisa, Florence, Helena und Henry – war aktiv im City of London Chess Club und regelmäßig in Partien mit Potter verwickelt, etwa in jenen aus den Westminster Papers von 1878 und 1879. Diese Spiele, meist als Konsultationspartien geführt, zeigen keinen Paternalismus – sondern Spielfreude auf Augenhöhe.

Simaginfan unterlegt seine Würdigung mit Zitaten aus dem Buch von Zavatarelli und streut persönliche Erinnerungen ein, etwa an ein frühes Cricket-Turnier mit der legendären Rachael Heyhoe-Flint. Auch hier die Parallele: Frauen, die mit Selbstverständlichkeit Teil einer Szene sind – wenn man sie denn lässt.

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