Emanuel Lasker (1868-1941)
Zitat von Conrad Schormann am 25. Juni 2025, 17:04 UhrDer unhöfliche Weltmeister
Quelle: Bernd Reinert, „Der unhöfliche Schachweltmeister“, veröffentlicht am 23. Juni 2025, mit Originalzitaten aus der Bergedorfer Zeitung von 1925
Im Frühjahr 1925 kündigte der Bergedorfer Schachverein begeistert einen Besuch des amtierenden Schachweltmeisters Emanuel Lasker an. Die Vorfreude war groß, denn Lasker hatte für Mai sein Kommen zugesagt. Doch der Weltmeister erschien nicht – und ließ auch jede Rückmeldung vermissen. Selbst auf wiederholte Terminanfragen des Vereinsvorsitzenden A. Niemann reagierte er nicht. Die Bergedorfer Zeitung kommentierte den Vorgang am 20. Juni 1925 mit deutlicher Kritik: „Auch Weltmeister dürfen höflich sein.“
Das Vereinsleben ging ohne den erhofften Stargast weiter, dokumentiert in den regelmäßigen Schachkolumnen der BZ. Eine spätere Einladung durch die Altengammer Schachgesellschaft konnte den Ärger kaum mildern – Laskers fehlender Anstand hatte einen spürbaren Schatten hinterlassen.
Der unhöfliche Weltmeister
Quelle: Bernd Reinert, „Der unhöfliche Schachweltmeister“, veröffentlicht am 23. Juni 2025, mit Originalzitaten aus der Bergedorfer Zeitung von 1925
Im Frühjahr 1925 kündigte der Bergedorfer Schachverein begeistert einen Besuch des amtierenden Schachweltmeisters Emanuel Lasker an. Die Vorfreude war groß, denn Lasker hatte für Mai sein Kommen zugesagt. Doch der Weltmeister erschien nicht – und ließ auch jede Rückmeldung vermissen. Selbst auf wiederholte Terminanfragen des Vereinsvorsitzenden A. Niemann reagierte er nicht. Die Bergedorfer Zeitung kommentierte den Vorgang am 20. Juni 1925 mit deutlicher Kritik: „Auch Weltmeister dürfen höflich sein.“

Das Vereinsleben ging ohne den erhofften Stargast weiter, dokumentiert in den regelmäßigen Schachkolumnen der BZ. Eine spätere Einladung durch die Altengammer Schachgesellschaft konnte den Ärger kaum mildern – Laskers fehlender Anstand hatte einen spürbaren Schatten hinterlassen.
Zitat von Conrad Schormann am 5. Juli 2025, 9:13 UhrEmanuel Lasker in den 1920er-Jahren: Der alte Löwe schlägt zurück
QuelleNach dem Verlust der Weltmeisterschaft 1921 gegen José Raúl Capablanca hätte Emanuel Lasker leise abtreten können. Er war 52, gesundheitlich angeschlagen, der Titel war weg – und Capablanca, auf dem Zenit seiner Kraft, hatte ihn in Havanna nicht nur geschlagen, sondern dominiert. Doch Lasker zog sich nicht zurück. Stattdessen begann ein letztes, unerwartet triumphales Kapitel. Mit wirrem Haar, Zigarre, bohemienhafter Würde und unverändertem Siegeswillen stieg er zurück in den Ring.
1923 gewann er Maehrisch-Ostrau vor Tarrasch, Tartakower, Euwe und anderen – mit einer Leistung, die Kritiker verstummen ließ. 1924 triumphierte er beim legendären New Yorker Turnier, eineinhalb Punkte vor Capablanca, obwohl er die direkte Partie gegen ihn verlor. 1925 wurde er in Moskau Zweiter hinter Bogoljubow – mit einem Gesamtscore von +31=19−2 über diese drei Turniere. Zahlen, die für einen Spieler über 50 geradezu absurd stark sind.
Laskers Spiel war inzwischen kaum mehr nachvollziehbar. Max Euwe sagte einmal: „Von Lasker kann man nichts lernen, man kann nur staunen.“ Was ihn auszeichnete, war seine Fähigkeit, Partien nach eigenem Rhythmus zu führen: Er ignorierte Hypermoderne Eröffnungsmoden, strebte mittellange, königlose Mittelspiele an, wo Erfahrung mehr zählte als Theorie – und stellte seine Gegner in undurchschaubaren Endspielen vor Aufgaben, die keine Bücher kannten. Auch psychologisch blieb er überlegen: In entscheidenden Momenten war es oft sein Gegner, der zuerst die Nerven verlor.
Die 1920er-Jahre zeigen Lasker nicht als Verlierer des Weltmeistertitels, sondern als unverwüstlichen Wettkämpfer – einen der Größten überhaupt. Ein alter Löwe, der seinen Biss nie verlor.
Emanuel Lasker in den 1920er-Jahren: Der alte Löwe schlägt zurück
Quelle
Nach dem Verlust der Weltmeisterschaft 1921 gegen José Raúl Capablanca hätte Emanuel Lasker leise abtreten können. Er war 52, gesundheitlich angeschlagen, der Titel war weg – und Capablanca, auf dem Zenit seiner Kraft, hatte ihn in Havanna nicht nur geschlagen, sondern dominiert. Doch Lasker zog sich nicht zurück. Stattdessen begann ein letztes, unerwartet triumphales Kapitel. Mit wirrem Haar, Zigarre, bohemienhafter Würde und unverändertem Siegeswillen stieg er zurück in den Ring.
1923 gewann er Maehrisch-Ostrau vor Tarrasch, Tartakower, Euwe und anderen – mit einer Leistung, die Kritiker verstummen ließ. 1924 triumphierte er beim legendären New Yorker Turnier, eineinhalb Punkte vor Capablanca, obwohl er die direkte Partie gegen ihn verlor. 1925 wurde er in Moskau Zweiter hinter Bogoljubow – mit einem Gesamtscore von +31=19−2 über diese drei Turniere. Zahlen, die für einen Spieler über 50 geradezu absurd stark sind.
Laskers Spiel war inzwischen kaum mehr nachvollziehbar. Max Euwe sagte einmal: „Von Lasker kann man nichts lernen, man kann nur staunen.“ Was ihn auszeichnete, war seine Fähigkeit, Partien nach eigenem Rhythmus zu führen: Er ignorierte Hypermoderne Eröffnungsmoden, strebte mittellange, königlose Mittelspiele an, wo Erfahrung mehr zählte als Theorie – und stellte seine Gegner in undurchschaubaren Endspielen vor Aufgaben, die keine Bücher kannten. Auch psychologisch blieb er überlegen: In entscheidenden Momenten war es oft sein Gegner, der zuerst die Nerven verlor.
Die 1920er-Jahre zeigen Lasker nicht als Verlierer des Weltmeistertitels, sondern als unverwüstlichen Wettkämpfer – einen der Größten überhaupt. Ein alter Löwe, der seinen Biss nie verlor.
Zitat von Conrad Schormann am 20. Juli 2025, 14:03 UhrQuelle: Adolivio Capece: „Einstein und Hannak mit Emanuel Lasker“, unascacchista.com, 21. Juni 2022.
Albert Einstein lernte Emanuel Lasker 1927 in Berlin kennen. Drei Jahre später wohnten die beiden eine Zeit lang gemeinsam in Berlin, tauschten sich bei langen Spaziergängen über Philosophie, Wissenschaft und Menschliches aus. Einstein war zwar Schachspieler, spielte aber nur gelegentlich mit Freunden – der „harte Wettbewerbsgeist“, den Schach verlangte, lag ihm nicht, wie er bemerkte. In einem Interview mit der New York Times 1936 sagte Einstein, er habe Schach als Kind gelernt, bevorzuge zur Entspannung aber weniger fordernde Tätigkeiten. Im Vorwort zur 1952 erschienenen Biografie „Emanuel Lasker – Leben eines Schachmeisters“ von Jacques Hannak schrieb er offen: „Mir war der Machtkampf und der Wettbewerbsgeist, der in der Form dieses genialen Spiels zum Ausdruck kommt, immer zuwider.“
https://bsky.app/profile/ledchess.bsky.social/post/3lbnpj2hdts2o
Trotzdem schätzte Einstein Lasker zutiefst – nicht primär als Schachweltmeister (1894–1921), sondern als Denker. In seinem Vorwort nennt er ihn „einen der interessantesten Männer, die ich in meinen späteren Jahren kennengelernt habe“, bewundert seine Unabhängigkeit und sein leidenschaftliches Interesse an den großen Menschheitsfragen. Schach sei für Lasker eher Beruf als Lebensziel gewesen, während sein eigentliches Streben wissenschaftlichem Verstehen und der Schönheit logischer Schöpfungen galt. Einstein vergleicht Lasker gar mit Spinoza, der seine materielle Existenz durch das Schleifen von Linsen sicherte – Laskers „Broterwerb“ sei das Schach, das jedoch den Geist mehr binde, als es Spinozas Handwerk tat. Besonders Laskers Werk „Die Philosophie des Unvollkommenen“ habe Einsteins Blick auf ihn geprägt.
Zu ihrem Verhältnis gehörte auch ein Disput über die Relativitätstheorie. Lasker, scharfsinnig und analytisch, störte sich an der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit als Axiom und fragte, ob im „wirklich leeren Raum“ die Geschwindigkeit nicht gegen unendlich tendieren könnte. Einstein hielt das für spekulativ. Er konterte, dass man nicht ewig auf ein Experiment warten könne und Laskers Schachmentalität – immer auf das nächste Problem fokussiert, ohne endgültige Lösungen – hier deutlich spürbar sei.
Der Mann, der die Beziehung dieser beiden dokumentierte, war Jacques Hannak (1892–1973), ein österreichischer Schriftsteller und Journalist. Hannak, Sozialdemokrat und Jude, wurde in Dachau und Buchenwald inhaftiert, konnte 1939 fliehen, kehrte 1946 nach Wien zurück und setzte seine Arbeit fort. Neben journalistischen Tätigkeiten beschäftigte er sich intensiv mit Schach und verfasste 1952 die Biografie über Lasker, die Einsteins Vorwort enthält. Hannak hatte schon zuvor Vorworte und Texte für Schachbücher geschrieben, etwa zu Rubinstein und Steinitz, und Turnierberichte wie „Semmering–Baden 1937“ herausgegeben.
Quelle: Adolivio Capece: „Einstein und Hannak mit Emanuel Lasker“, unascacchista.com, 21. Juni 2022.
Albert Einstein lernte Emanuel Lasker 1927 in Berlin kennen. Drei Jahre später wohnten die beiden eine Zeit lang gemeinsam in Berlin, tauschten sich bei langen Spaziergängen über Philosophie, Wissenschaft und Menschliches aus. Einstein war zwar Schachspieler, spielte aber nur gelegentlich mit Freunden – der „harte Wettbewerbsgeist“, den Schach verlangte, lag ihm nicht, wie er bemerkte. In einem Interview mit der New York Times 1936 sagte Einstein, er habe Schach als Kind gelernt, bevorzuge zur Entspannung aber weniger fordernde Tätigkeiten. Im Vorwort zur 1952 erschienenen Biografie „Emanuel Lasker – Leben eines Schachmeisters“ von Jacques Hannak schrieb er offen: „Mir war der Machtkampf und der Wettbewerbsgeist, der in der Form dieses genialen Spiels zum Ausdruck kommt, immer zuwider.“
Emanuel Lasker, 2nd World Chess Champion, was friends with Albert Einstein.In the posthumous biography: "Emanuel Lasker, The Life of a Chess Master", Einstein wrote a preface that said, "Emanuel Lasker was undoubtedly one of the most interesting people I came to know in my later years..."
Trotzdem schätzte Einstein Lasker zutiefst – nicht primär als Schachweltmeister (1894–1921), sondern als Denker. In seinem Vorwort nennt er ihn „einen der interessantesten Männer, die ich in meinen späteren Jahren kennengelernt habe“, bewundert seine Unabhängigkeit und sein leidenschaftliches Interesse an den großen Menschheitsfragen. Schach sei für Lasker eher Beruf als Lebensziel gewesen, während sein eigentliches Streben wissenschaftlichem Verstehen und der Schönheit logischer Schöpfungen galt. Einstein vergleicht Lasker gar mit Spinoza, der seine materielle Existenz durch das Schleifen von Linsen sicherte – Laskers „Broterwerb“ sei das Schach, das jedoch den Geist mehr binde, als es Spinozas Handwerk tat. Besonders Laskers Werk „Die Philosophie des Unvollkommenen“ habe Einsteins Blick auf ihn geprägt.
Zu ihrem Verhältnis gehörte auch ein Disput über die Relativitätstheorie. Lasker, scharfsinnig und analytisch, störte sich an der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit als Axiom und fragte, ob im „wirklich leeren Raum“ die Geschwindigkeit nicht gegen unendlich tendieren könnte. Einstein hielt das für spekulativ. Er konterte, dass man nicht ewig auf ein Experiment warten könne und Laskers Schachmentalität – immer auf das nächste Problem fokussiert, ohne endgültige Lösungen – hier deutlich spürbar sei.
Der Mann, der die Beziehung dieser beiden dokumentierte, war Jacques Hannak (1892–1973), ein österreichischer Schriftsteller und Journalist. Hannak, Sozialdemokrat und Jude, wurde in Dachau und Buchenwald inhaftiert, konnte 1939 fliehen, kehrte 1946 nach Wien zurück und setzte seine Arbeit fort. Neben journalistischen Tätigkeiten beschäftigte er sich intensiv mit Schach und verfasste 1952 die Biografie über Lasker, die Einsteins Vorwort enthält. Hannak hatte schon zuvor Vorworte und Texte für Schachbücher geschrieben, etwa zu Rubinstein und Steinitz, und Turnierberichte wie „Semmering–Baden 1937“ herausgegeben.
Zitat von Conrad Schormann am 11. November 2025, 17:44 UhrEmanuel Lasker: Sehnsucht nach Ruhe
Quelle: American Chess Bulletin, 19191919 schreibt Emanuel Lasker aus dem zerstörten Nachkriegs-Europa an den amerikanischen Schachfunktionär Walter Penn Shipley. Der Weltmeister, der während des Kriegs in Berlin geblieben war und an seinem Buch The Philosophy of the Unattainable arbeitete, klingt erschöpft. Er möchte nach Amerika kommen – wenn sich dort genügend Schachveranstaltungen finden lassen, die seinen Aufenthalt rechtfertigen.
https://bsky.app/profile/chessolympus.bsky.social/post/3m5eeshiq2k2q
In seinem Brief an Shipley bekennt Lasker offen, wie sehr ihn die vergangenen Jahre ausgelaugt haben:
„Ich bin des Krieges, der Hungersnot, der Revolution, der Unmoral und der Gewalt müde. [...] Für den Moment möchte ich aus dem Zentrum des Sturms hinaus, weil meine Kraft fast erschöpft ist – nicht körperlich, sondern seelisch.“
Er beschreibt sich selbstironisch als „duffer“, einen Stümper, der das Spiel erst wieder lernen müsse, und gesteht eine Sehnsucht nach einem „stillen Ort“, an dem seine Mühe wieder geschätzt wird. Seine Frau, schreibt er, sei geduldig und stark – „wie es gute Frauen nun einmal sind“.
Der Brief markiert einen Wendepunkt. Nach Jahren der Entbehrung und Isolation in Deutschland sucht Lasker Abstand von Europa, das vom Krieg gezeichnet ist. Er will zurück zu einem normalen Leben – und zugleich zurück an die Bretter. In den USA findet er beides: Ruhe, Anerkennung, und bald darauf ein neues Kapitel seiner Karriere, das in den Zweikampf mit José Raúl Capablanca mündet.
Emanuel Lasker: Sehnsucht nach Ruhe
Quelle: American Chess Bulletin, 1919
1919 schreibt Emanuel Lasker aus dem zerstörten Nachkriegs-Europa an den amerikanischen Schachfunktionär Walter Penn Shipley. Der Weltmeister, der während des Kriegs in Berlin geblieben war und an seinem Buch The Philosophy of the Unattainable arbeitete, klingt erschöpft. Er möchte nach Amerika kommen – wenn sich dort genügend Schachveranstaltungen finden lassen, die seinen Aufenthalt rechtfertigen.
When WWI ended, Emanuel Lasker's first instinct was to get out of Europe for a while. "I am rather sick of war, famine, revolution, immorality and violence." From American Chess Bulletin, November 1919.
— Chess Olympus (@chessolympus.bsky.social) 2025-11-11T14:44:53.460Z
In seinem Brief an Shipley bekennt Lasker offen, wie sehr ihn die vergangenen Jahre ausgelaugt haben:
„Ich bin des Krieges, der Hungersnot, der Revolution, der Unmoral und der Gewalt müde. [...] Für den Moment möchte ich aus dem Zentrum des Sturms hinaus, weil meine Kraft fast erschöpft ist – nicht körperlich, sondern seelisch.“
Er beschreibt sich selbstironisch als „duffer“, einen Stümper, der das Spiel erst wieder lernen müsse, und gesteht eine Sehnsucht nach einem „stillen Ort“, an dem seine Mühe wieder geschätzt wird. Seine Frau, schreibt er, sei geduldig und stark – „wie es gute Frauen nun einmal sind“.
Der Brief markiert einen Wendepunkt. Nach Jahren der Entbehrung und Isolation in Deutschland sucht Lasker Abstand von Europa, das vom Krieg gezeichnet ist. Er will zurück zu einem normalen Leben – und zugleich zurück an die Bretter. In den USA findet er beides: Ruhe, Anerkennung, und bald darauf ein neues Kapitel seiner Karriere, das in den Zweikampf mit José Raúl Capablanca mündet.
Zitat von Conrad Schormann am 20. Dezember 2025, 18:32 UhrWarum Emanuel Lasker heute noch lehrt, wie man Partien gewinnt
Quelle: Nick Plays Chess – „Why You Should Study Emanuel Lasker: The Second Official World Champion“, Nick Visel, 17. Dezember 2025Der Beitrag von Nick Visel erklärt, warum sich das Studium von Emanuel Lasker bis heute lohnt – gerade für Spieler, die Schach nicht nur korrekt, sondern erfolgreich spielen wollen.
Lasker war von 1894 bis 1921 Weltmeister und hielt den Titel länger als jeder andere Champion. Anders als Wilhelm Steinitz oder die Hypermodernen hinterließ er jedoch keine geschlossene Theorie oder „Schule“. Was bleibt, sind seine Partien und die Urteile von Zeitgenossen. Genau darin liegt für Visel der Kern: Lasker lässt sich nicht sauber einordnen – und gerade das macht ihn lehrreich.
https://bsky.app/profile/ddtru.bsky.social/post/3lb4bqwm6ez2v
Sein Stil war universal. Lasker hatte keine klar erkennbare Spezialdisziplin, weil er in allen Bereichen stark war. Er schrieb wenig über Schach, mied theoretische Grabenkämpfe und verfolgte keine große Ideologie. Stattdessen spielte er situationsbezogen. Wenn Strategie gefragt war, spielte er strategisch. Wenn Verteidigung nötig war, verteidigte er zäh. Wenn es ums Kämpfen ging, suchte er den Kampf.
Visel betont Laskers praktischen Ansatz. In den Eröffnungen war er selten ein Neuerer. Er bevorzugte bewährte Systeme, verzichtete bewusst auf theoretische Schärfe und verlagerte den Kampf ins Mittelspiel. Dort setzte er seine Stärke aus: Kombinationsfähigkeit, Gefühl für Dynamik und die Fähigkeit, Probleme zu stellen. Überlebte der Gegner das Mittelspiel, wartete oft ein langes, unangenehmes Endspiel – ein Bereich, in dem Lasker zur Weltspitze gehörte und selbst Spieler wie José Raúl Capablanca oder Akiba Rubinstein überspielen konnte.
Ein zentrales Motiv des Artikels ist Laskers Ruf als „psychologischer Spieler“. Visel widerspricht dieser Verkürzung. Lasker habe nicht absichtlich schlechte Züge gespielt, um Gegner hereinzulegen. Moderne Analyse zeige vielmehr, dass er sehr genau verstand, wo Gegenwehr möglich war. Heute würde man das schlicht „Counterplay“ nennen. Lasker suchte nach Ressourcen, selbst in schlechteren Stellungen, und kombinierte das mit exzellenter Verteidigung. Genau diese Mischung machte ihn so schwer zu schlagen.
Was Lasker laut Visel von vielen Zeitgenossen abhob, war seine Kampfmentalität. Er akzeptierte Remis nicht einfach. Er erhöhte die Komplexität, verlängerte die Partie, zwang Entscheidungen – und gewann so viele halbe Punkte, die andere liegen gelassen hätten. In diesem Punkt zieht Visel ausdrücklich den Vergleich zu Magnus Carlsen: Beide bevorzugen den praktischen Kampf gegenüber objektiver Perfektion.
Auch Laskers Schwächen bleiben nicht unerwähnt. Gelegentlich überzog er Stellungen, drückte zu lange auf Gewinn, wo Vereinfachung angebracht gewesen wäre. Doch gerade diese Seltenheit macht solche Partien auffällig.
Warum Emanuel Lasker heute noch lehrt, wie man Partien gewinnt
Quelle: Nick Plays Chess – „Why You Should Study Emanuel Lasker: The Second Official World Champion“, Nick Visel, 17. Dezember 2025
Der Beitrag von Nick Visel erklärt, warum sich das Studium von Emanuel Lasker bis heute lohnt – gerade für Spieler, die Schach nicht nur korrekt, sondern erfolgreich spielen wollen.
Lasker war von 1894 bis 1921 Weltmeister und hielt den Titel länger als jeder andere Champion. Anders als Wilhelm Steinitz oder die Hypermodernen hinterließ er jedoch keine geschlossene Theorie oder „Schule“. Was bleibt, sind seine Partien und die Urteile von Zeitgenossen. Genau darin liegt für Visel der Kern: Lasker lässt sich nicht sauber einordnen – und gerade das macht ihn lehrreich.
It just dawned on me that Emanuel Lasker was the last #chess World Champion gracing a mustache (or any kind of facial hair, for that matter).Now THAT must be the reason why I didn't advance in chess! =)
Sein Stil war universal. Lasker hatte keine klar erkennbare Spezialdisziplin, weil er in allen Bereichen stark war. Er schrieb wenig über Schach, mied theoretische Grabenkämpfe und verfolgte keine große Ideologie. Stattdessen spielte er situationsbezogen. Wenn Strategie gefragt war, spielte er strategisch. Wenn Verteidigung nötig war, verteidigte er zäh. Wenn es ums Kämpfen ging, suchte er den Kampf.
Visel betont Laskers praktischen Ansatz. In den Eröffnungen war er selten ein Neuerer. Er bevorzugte bewährte Systeme, verzichtete bewusst auf theoretische Schärfe und verlagerte den Kampf ins Mittelspiel. Dort setzte er seine Stärke aus: Kombinationsfähigkeit, Gefühl für Dynamik und die Fähigkeit, Probleme zu stellen. Überlebte der Gegner das Mittelspiel, wartete oft ein langes, unangenehmes Endspiel – ein Bereich, in dem Lasker zur Weltspitze gehörte und selbst Spieler wie José Raúl Capablanca oder Akiba Rubinstein überspielen konnte.
Ein zentrales Motiv des Artikels ist Laskers Ruf als „psychologischer Spieler“. Visel widerspricht dieser Verkürzung. Lasker habe nicht absichtlich schlechte Züge gespielt, um Gegner hereinzulegen. Moderne Analyse zeige vielmehr, dass er sehr genau verstand, wo Gegenwehr möglich war. Heute würde man das schlicht „Counterplay“ nennen. Lasker suchte nach Ressourcen, selbst in schlechteren Stellungen, und kombinierte das mit exzellenter Verteidigung. Genau diese Mischung machte ihn so schwer zu schlagen.
Was Lasker laut Visel von vielen Zeitgenossen abhob, war seine Kampfmentalität. Er akzeptierte Remis nicht einfach. Er erhöhte die Komplexität, verlängerte die Partie, zwang Entscheidungen – und gewann so viele halbe Punkte, die andere liegen gelassen hätten. In diesem Punkt zieht Visel ausdrücklich den Vergleich zu Magnus Carlsen: Beide bevorzugen den praktischen Kampf gegenüber objektiver Perfektion.
Auch Laskers Schwächen bleiben nicht unerwähnt. Gelegentlich überzog er Stellungen, drückte zu lange auf Gewinn, wo Vereinfachung angebracht gewesen wäre. Doch gerade diese Seltenheit macht solche Partien auffällig.
Zitat von Conrad Schormann am 22. Dezember 2025, 14:37 UhrDer Mythos vom Elfenbeinturm
Quelle: Chess.com – Blog „Lasker and his ‘Ivory Tower’. ‘Never let the truth get in the way of a good story.’“, simaginfan (aktualisiert am 21. Dezember 2025)
Kernaussage des Beitrags
Der Blogbeitrag widerspricht entschieden der verbreiteten Erzählung, Emanuel Lasker habe sich als Weltmeister in einen „Elfenbeinturm“ zurückgezogen und gezielt starke Herausforderer gemieden. Der Autor zeigt anhand konkreter Quellen, Ranglisten und dokumentierter Matchverhandlungen, dass diese Geschichte vor allem ein Produkt schlecht recherchierter Wiederholungen ist – eine gute Story, aber keine saubere Geschichtsschreibung.
Zentraler Befund
Die Behauptung, Lasker habe seine gefährlichsten Rivalen systematisch vermieden, hält einer Faktenprüfung nicht stand. In vielen Fällen:
gab es keine formelle Herausforderung,
scheiterten Matches an Finanzen, Politik oder äußeren Umständen,
oder Lasker spielte sehr wohl gegen genau jene Gegner, die später als „gemieden“ dargestellt wurden.
Wichtigste Argumentationslinien
Mythenbildung statt Quellenarbeit
Der Autor kritisiert, dass sich bestimmte Sätze („Lasker mied starke Gegner“, „verließ seinen Elfenbeinturm erst 1907“) seit Jahrzehnten durch Bücher und Artikel ziehen, oft ohne Primärquellen. Einmal gut formuliert, werden sie weiterkopiert – bis „alle es wissen“.Formelle Herausforderungen waren Voraussetzung
In der Zeit vor Kandidatenturnieren musste ein Herausforderer den Weltmeister offiziell fordern – inklusive finanzieller Absicherung. Viele angeblich „gemiedene“ Spieler stellten nie eine solche Herausforderung.Faktencheck zu den stärksten Rivalen
Der Autor geht systematisch die Topspieler der Zeit durch (u. a. Siegbert Tarrasch, Frank Marshall, Carl Schlechter, Akiba Rubinstein, José Raúl Capablanca):
Tarrasch, Steinitz, Janowski, Schlechter, Marshall: Lasker verteidigte den Titel gegen sie.
Maróczy, Rubinstein: Es gab ernsthafte Anläufe, die an Finanzierung, Zeitumständen oder später am Ersten Weltkrieg scheiterten.
Andere Namen (z. B. Chigorin, Burn, Vidmar): Keine belegte Herausforderung.
Rubinstein als tragischer Sonderfall
Rubinstein war über Jahre einer der stärksten Spieler der Welt. Ein Match mit Lasker kam fast zustande, scheiterte aber an Geld, Organisation und später am Krieg – nicht an Laskers Weigerung.Capablanca als einzig wirklich strittiger Fall
Die Verhandlungen zwischen Lasker und Capablanca waren unerquicklich und endeten zeitweise im Bruch. Der Autor räumt ein, dass Lasker sich hier schlecht verhielt. Der Match kam später dennoch zustande – nach Laskers Rücktritt vom Titel.Kontext wird oft ausgeblendet
Laskers geringe Turnieraktivität um 1900 wird häufig als Beleg für „Flucht“ gewertet. Der Beitrag erinnert daran, dass Lasker parallel ernsthaft Mathematik betrieb und versuchte, eine akademische Laufbahn aufzubauen – was seine Prioritäten erklärt, nicht entschuldigt, aber einordnet.WerbungÜbergreifendes Fazit
Der „Elfenbeinturm“-Vorwurf gegen Emanuel Lasker ist in dieser pauschalen Form nicht haltbar. Lasker war kein idealer Weltmeister, kein leichter Verhandlungspartner und sicher kein Heiliger. Aber die gängige Darstellung, er habe systematisch starke Gegner gemieden, beruht mehr auf Erzähltradition als auf belegten Fakten.
Oder, wie der Autor es zuspitzt:
Nicht alles, was „alle wissen“, ist wahr – besonders dann nicht, wenn es zu gut klingt, um überprüft zu werden.
Der Mythos vom Elfenbeinturm
Quelle: Chess.com – Blog „Lasker and his ‘Ivory Tower’. ‘Never let the truth get in the way of a good story.’“, simaginfan (aktualisiert am 21. Dezember 2025)
Kernaussage des Beitrags
Der Blogbeitrag widerspricht entschieden der verbreiteten Erzählung, Emanuel Lasker habe sich als Weltmeister in einen „Elfenbeinturm“ zurückgezogen und gezielt starke Herausforderer gemieden. Der Autor zeigt anhand konkreter Quellen, Ranglisten und dokumentierter Matchverhandlungen, dass diese Geschichte vor allem ein Produkt schlecht recherchierter Wiederholungen ist – eine gute Story, aber keine saubere Geschichtsschreibung.
Zentraler Befund
Die Behauptung, Lasker habe seine gefährlichsten Rivalen systematisch vermieden, hält einer Faktenprüfung nicht stand. In vielen Fällen:
gab es keine formelle Herausforderung,
scheiterten Matches an Finanzen, Politik oder äußeren Umständen,
oder Lasker spielte sehr wohl gegen genau jene Gegner, die später als „gemieden“ dargestellt wurden.
Wichtigste Argumentationslinien
Mythenbildung statt Quellenarbeit
Der Autor kritisiert, dass sich bestimmte Sätze („Lasker mied starke Gegner“, „verließ seinen Elfenbeinturm erst 1907“) seit Jahrzehnten durch Bücher und Artikel ziehen, oft ohne Primärquellen. Einmal gut formuliert, werden sie weiterkopiert – bis „alle es wissen“.Formelle Herausforderungen waren Voraussetzung
In der Zeit vor Kandidatenturnieren musste ein Herausforderer den Weltmeister offiziell fordern – inklusive finanzieller Absicherung. Viele angeblich „gemiedene“ Spieler stellten nie eine solche Herausforderung.Faktencheck zu den stärksten Rivalen
Der Autor geht systematisch die Topspieler der Zeit durch (u. a. Siegbert Tarrasch, Frank Marshall, Carl Schlechter, Akiba Rubinstein, José Raúl Capablanca):Tarrasch, Steinitz, Janowski, Schlechter, Marshall: Lasker verteidigte den Titel gegen sie.
Maróczy, Rubinstein: Es gab ernsthafte Anläufe, die an Finanzierung, Zeitumständen oder später am Ersten Weltkrieg scheiterten.
Andere Namen (z. B. Chigorin, Burn, Vidmar): Keine belegte Herausforderung.
Rubinstein als tragischer Sonderfall
Rubinstein war über Jahre einer der stärksten Spieler der Welt. Ein Match mit Lasker kam fast zustande, scheiterte aber an Geld, Organisation und später am Krieg – nicht an Laskers Weigerung.Capablanca als einzig wirklich strittiger Fall
Die Verhandlungen zwischen Lasker und Capablanca waren unerquicklich und endeten zeitweise im Bruch. Der Autor räumt ein, dass Lasker sich hier schlecht verhielt. Der Match kam später dennoch zustande – nach Laskers Rücktritt vom Titel.Kontext wird oft ausgeblendet
Laskers geringe Turnieraktivität um 1900 wird häufig als Beleg für „Flucht“ gewertet. Der Beitrag erinnert daran, dass Lasker parallel ernsthaft Mathematik betrieb und versuchte, eine akademische Laufbahn aufzubauen – was seine Prioritäten erklärt, nicht entschuldigt, aber einordnet.
Übergreifendes Fazit
Der „Elfenbeinturm“-Vorwurf gegen Emanuel Lasker ist in dieser pauschalen Form nicht haltbar. Lasker war kein idealer Weltmeister, kein leichter Verhandlungspartner und sicher kein Heiliger. Aber die gängige Darstellung, er habe systematisch starke Gegner gemieden, beruht mehr auf Erzähltradition als auf belegten Fakten.
Oder, wie der Autor es zuspitzt:
Nicht alles, was „alle wissen“, ist wahr – besonders dann nicht, wenn es zu gut klingt, um überprüft zu werden.
Zitat von Conrad Schormann am 22. Dezember 2025, 15:05 UhrEmanuel Lasker – Weltmeister, Denker, Spieler
Quelle: MoritexChess (Stefan Breuer), Podcast „Schach-Weltmeister Emanuel Lasker (1894–1921)“, veröffentlicht am 06.09.2025, inkl. Transkript-Auszüge
Der Mann, an dem sich selbst Weltmeister reiben
Über Emanuel Lasker streiten spätere Champions offen. Mikhail Tal nannte ihn laut Podcast „den größten Champion aller Zeiten“. Alexander Alekhine wird mit dem Satz zitiert: „Schach ohne Lasker ist gar nicht vorstellbar.“ Auf der anderen Seite steht Bobby Fischer, der ihn „ganz trocken als Kaffeehausspieler“ abtat. Der Podcast nimmt diese Reibung ernst und setzt sie als Rahmen: Lasker wirkt bis heute schwer greifbar – nicht wegen Mystik, sondern wegen eines Stils, der selten „lehrbuchhaft“ aussieht.
https://youtu.be/kIKp0CfG_mE
Von Berlinchen nach Berlin – und früh ans Brett
Lasker wurde 1868 in Berlinchen geboren, damals Westpommern, heute Polen. Mit elf zog er nach Berlin, wo sein Bruder Berthold Lasker als Student lebte. In der Stadt, sagt der Podcast, geriet Schule zeitweise ins Hintertreffen, weil Schach mehr zog. Ein Wechsel der Schule sollte das bremsen. Es klappte nur begrenzt – aber Lasker machte seinen Abschluss und begann 1891 ein Mathematikstudium.
https://twitter.com/Ruhichess/status/1703653003184791584
Schach als Beruf: schnell an die Spitze
Schon kurz nach Studienbeginn wurde Schach für ihn mehr als ein Nebenweg. 1890 gewann er in Berlin ein Turnier – zusammen mit seinem Bruder. Ab 1891 lebte er als Berufsspieler, erst in London, dann ab 1893 in den USA. Vier Jahre nach seinem ersten Turniersieg spielte er bereits um die Weltmeisterschaft. 1894 schlug er Wilhelm Steinitz deutlich: 19 Partien, nur vier Remis, Lasker mit zehn Siegen und fünf Niederlagen. Das passt zur Zeit – und zeigt, wie klar er damals über dem Gegner stand.
https://twitter.com/olimpiuurcan/status/1657740588702392320
Rückzug, Promotion, verpasster Lehrstuhl
1899 kehrte er zur Mathematik zurück. 1900 promovierte er zum Dr. phil. in Mathematik, Thema: Reihen an der Konvergenzgrenze. Der Podcast betont: Das war „richtige Mathematik“, kein Titel ohne Substanz. Lasker wollte danach eine akademische Laufbahn, sogar einen Lehrstuhl, vor allem in den USA. Es blieb bei befristeten Dozentenstellen. Der Lehrstuhl kam nicht. Diese Niederlage wirkt im Podcast wie ein Knick – nicht als Drama, eher als nüchterne Erkenntnis: Schach trug ihn, Universität nicht.
Titelverteidiger wider Willen – und dann lange Pause
Lasker verteidigte seinen Titel mehrfach: Er gewann drei WM-Kämpfe und hielt einmal den Titel durch ein Unentschieden – 1910 gegen Carl Schlechter (je ein Sieg, acht Remis). Der Podcast erklärt, warum Lasker trotzdem 27 Jahre Weltmeister blieb: Zwischen 1910 und 1921 kam kein WM-Kampf zustande. Herausforderer wie José Raúl Capablanca drängten, doch Lasker verlangte hohe finanzielle Bedingungen. Breuer wertet das nicht als bloße Ausrede: Lasker habe sogar angeboten, den Titel kampflos abzugeben, wenn das Geld nicht zusammenkomme. Schach als Berufung, ja. Schach ohne Honorare, nein.
Havanna 1921: das Ende der Krone, nicht des Spielers
1921 kam es endlich zum Match, auf Kuba in Havanna. Lasker war laut Podcast nicht auf der Höhe; als mögliche Gründe nennt Breuer Klima und Belastung, ohne es als gesichert zu belegen. Nach 14 Partien stand es 4:0 bei zehn Remis für Capablanca. Lasker gab auf. Entscheidend: Er zerbrach nicht. Der Podcast beschreibt ihn danach als wieder konkurrenzfähig, mit großen Turniererfolgen, sogar Siegen gegen Capablanca in späteren Turnieren.
https://twitter.com/dgriffinchess/status/1895051721694458343
Mehr als Schach: Bücher, Bühne, Spiele
1925 erschien Laskers „Lehrbuch des Schachspiels“, ein Klassiker. Parallel schrieb er mit Berthold Lasker ein Drama: „Vom Menschen die Geschichte“ – „die Menschheitsgeschichte in fünf Akten“, wie Breuer trocken sagt. Der Podcast zeichnet Lasker als Spiel-Menschen: Er spielte Go so stark, dass er in Deutschland zur Spitze zählte. Er veränderte Regeln von Mühle („Laskermühle“) und Dame („Laskerdame“). Er spielte Bridge auf hohem Niveau. Poker taucht im Podcast als weiterer Baustein auf – etwas quer zur sonstigen Logik, weil der Zufall dort bleibt.
Flucht, Moskau, USA
1933 wurde Deutschland für einen jüdischen Intellektuellen und Schachstar lebensgefährlich. Lasker ging 1934 nach London, 1935 nach Moskau, eingeladen und offiziell bei der Akademie der Wissenschaften geführt – der Podcast deutet an, dass ihn diese Anerkennung reizte. 1937 nutzte er einen Auslandsaufenthalt, um sich abzusetzen, und lebte wieder in den USA. Er starb 1941. Die letzten Jahre waren finanziell schwieriger, aber laut Breuer nicht Elend.
Sein Kern: der unangenehmste Zug
Breuer beschreibt Laskers Stil als Gegner-Schach: nicht der „beste“ Zug im luftleeren Raum, sondern der Zug, der dem Gegner am meisten weh tut. Das macht ihn schwer kopierbar – Max Euwe wird im Podcast genau damit zitiert: Von Lasker lasse sich kaum „allgemeinverbindlich“ lernen, weil der Stil zu individuell sei. Lasker selbst formulierte das Bild vom Kampf klar. Im Buch „Common Sense in Chess“ (1917) zitiert der Podcast: „Schach ist ein Kampf … in dem das Wissenschaftliche, das künstlerische, das rein intellektuelle uneingeschränkt vorherrscht.“ Und 1907 schrieb er laut Podcast in der „North American Review“ den Satz: „Schach ist ein Spiegel des Lebens.“
Emanuel Lasker – Weltmeister, Denker, Spieler
Quelle: MoritexChess (Stefan Breuer), Podcast „Schach-Weltmeister Emanuel Lasker (1894–1921)“, veröffentlicht am 06.09.2025, inkl. Transkript-Auszüge
Der Mann, an dem sich selbst Weltmeister reiben
Über Emanuel Lasker streiten spätere Champions offen. Mikhail Tal nannte ihn laut Podcast „den größten Champion aller Zeiten“. Alexander Alekhine wird mit dem Satz zitiert: „Schach ohne Lasker ist gar nicht vorstellbar.“ Auf der anderen Seite steht Bobby Fischer, der ihn „ganz trocken als Kaffeehausspieler“ abtat. Der Podcast nimmt diese Reibung ernst und setzt sie als Rahmen: Lasker wirkt bis heute schwer greifbar – nicht wegen Mystik, sondern wegen eines Stils, der selten „lehrbuchhaft“ aussieht.
Von Berlinchen nach Berlin – und früh ans Brett
Lasker wurde 1868 in Berlinchen geboren, damals Westpommern, heute Polen. Mit elf zog er nach Berlin, wo sein Bruder Berthold Lasker als Student lebte. In der Stadt, sagt der Podcast, geriet Schule zeitweise ins Hintertreffen, weil Schach mehr zog. Ein Wechsel der Schule sollte das bremsen. Es klappte nur begrenzt – aber Lasker machte seinen Abschluss und begann 1891 ein Mathematikstudium.
From Struggle to Success: The Inspiring Journey of Emanuel Lasker.
Emanuel Lasker and his brother Berthold faced hardships in Berlin, sharing one pair of trousers and playing chess in cafes to make ends meet. These tough days tested their determination, honed their skills, and… pic.twitter.com/DrlYU2Fpu9
— Ruhi Chess (@Ruhichess) September 18, 2023
Schach als Beruf: schnell an die Spitze
Schon kurz nach Studienbeginn wurde Schach für ihn mehr als ein Nebenweg. 1890 gewann er in Berlin ein Turnier – zusammen mit seinem Bruder. Ab 1891 lebte er als Berufsspieler, erst in London, dann ab 1893 in den USA. Vier Jahre nach seinem ersten Turniersieg spielte er bereits um die Weltmeisterschaft. 1894 schlug er Wilhelm Steinitz deutlich: 19 Partien, nur vier Remis, Lasker mit zehn Siegen und fünf Niederlagen. Das passt zur Zeit – und zeigt, wie klar er damals über dem Gegner stand.
Emanuel Lasker and William Steinitz during their 1894 world chess championship match. The young lady to the right is Steinitz's niece. https://t.co/cTGznUgzNu pic.twitter.com/SuXArm35U6
— Olimpiu Di Luppi (@olimpiuurcan) May 14, 2023
Rückzug, Promotion, verpasster Lehrstuhl
1899 kehrte er zur Mathematik zurück. 1900 promovierte er zum Dr. phil. in Mathematik, Thema: Reihen an der Konvergenzgrenze. Der Podcast betont: Das war „richtige Mathematik“, kein Titel ohne Substanz. Lasker wollte danach eine akademische Laufbahn, sogar einen Lehrstuhl, vor allem in den USA. Es blieb bei befristeten Dozentenstellen. Der Lehrstuhl kam nicht. Diese Niederlage wirkt im Podcast wie ein Knick – nicht als Drama, eher als nüchterne Erkenntnis: Schach trug ihn, Universität nicht.
Titelverteidiger wider Willen – und dann lange Pause
Lasker verteidigte seinen Titel mehrfach: Er gewann drei WM-Kämpfe und hielt einmal den Titel durch ein Unentschieden – 1910 gegen Carl Schlechter (je ein Sieg, acht Remis). Der Podcast erklärt, warum Lasker trotzdem 27 Jahre Weltmeister blieb: Zwischen 1910 und 1921 kam kein WM-Kampf zustande. Herausforderer wie José Raúl Capablanca drängten, doch Lasker verlangte hohe finanzielle Bedingungen. Breuer wertet das nicht als bloße Ausrede: Lasker habe sogar angeboten, den Titel kampflos abzugeben, wenn das Geld nicht zusammenkomme. Schach als Berufung, ja. Schach ohne Honorare, nein.
Havanna 1921: das Ende der Krone, nicht des Spielers
1921 kam es endlich zum Match, auf Kuba in Havanna. Lasker war laut Podcast nicht auf der Höhe; als mögliche Gründe nennt Breuer Klima und Belastung, ohne es als gesichert zu belegen. Nach 14 Partien stand es 4:0 bei zehn Remis für Capablanca. Lasker gab auf. Entscheidend: Er zerbrach nicht. Der Podcast beschreibt ihn danach als wieder konkurrenzfähig, mit großen Turniererfolgen, sogar Siegen gegen Capablanca in späteren Turnieren.
90 years ago today - Emanuel Lasker & José Raúl Capablanca are pictured in play in the 9th round of the 2nd Moscow International. The 66-year-old Lasker won this game, which helped him to a sensational 3rd place in the event behind Botvinnik & Flohr.
(📷: Ullstein Bild.) #chess pic.twitter.com/m26MAwWRFE— Douglas Griffin (@dgriffinchess) February 27, 2025
Mehr als Schach: Bücher, Bühne, Spiele
1925 erschien Laskers „Lehrbuch des Schachspiels“, ein Klassiker. Parallel schrieb er mit Berthold Lasker ein Drama: „Vom Menschen die Geschichte“ – „die Menschheitsgeschichte in fünf Akten“, wie Breuer trocken sagt. Der Podcast zeichnet Lasker als Spiel-Menschen: Er spielte Go so stark, dass er in Deutschland zur Spitze zählte. Er veränderte Regeln von Mühle („Laskermühle“) und Dame („Laskerdame“). Er spielte Bridge auf hohem Niveau. Poker taucht im Podcast als weiterer Baustein auf – etwas quer zur sonstigen Logik, weil der Zufall dort bleibt.
Flucht, Moskau, USA
1933 wurde Deutschland für einen jüdischen Intellektuellen und Schachstar lebensgefährlich. Lasker ging 1934 nach London, 1935 nach Moskau, eingeladen und offiziell bei der Akademie der Wissenschaften geführt – der Podcast deutet an, dass ihn diese Anerkennung reizte. 1937 nutzte er einen Auslandsaufenthalt, um sich abzusetzen, und lebte wieder in den USA. Er starb 1941. Die letzten Jahre waren finanziell schwieriger, aber laut Breuer nicht Elend.
Sein Kern: der unangenehmste Zug
Breuer beschreibt Laskers Stil als Gegner-Schach: nicht der „beste“ Zug im luftleeren Raum, sondern der Zug, der dem Gegner am meisten weh tut. Das macht ihn schwer kopierbar – Max Euwe wird im Podcast genau damit zitiert: Von Lasker lasse sich kaum „allgemeinverbindlich“ lernen, weil der Stil zu individuell sei. Lasker selbst formulierte das Bild vom Kampf klar. Im Buch „Common Sense in Chess“ (1917) zitiert der Podcast: „Schach ist ein Kampf … in dem das Wissenschaftliche, das künstlerische, das rein intellektuelle uneingeschränkt vorherrscht.“ Und 1907 schrieb er laut Podcast in der „North American Review“ den Satz: „Schach ist ein Spiegel des Lebens.“
Zitat von Conrad Schormann am 24. Dezember 2025, 10:15 UhrEmanuel Lasker – 157 Jahre
Heute jährt sich der Geburtstag eines der größten Champions der Geschichte: Emanuel Lasker.
Eines Schachspielers und einer Persönlichkeit, die heute – erstaunlicherweise – unterschätzt wird, trotz der 27 Jahre, die er auf dem Thron verbrachte.In keiner Umfrage taucht er unter den meistverehrten Spielern der Geschichte auf. Dabei hat niemand mehr für das professionelle Schach getan als Lasker. Einen Vergleich gibt es eigentlich nur mit Fischer.
https://twitter.com/dgriffinchess/status/2003714758634361191
Ein missverstandenes Vermächtnis
Die Größe Laskers wird nicht richtig verstanden. Sie liegt nicht nur – und nicht einmal in erster Linie – in seinen Siegen über Vertreter mehrerer Generationen der stärksten Spieler, nicht nur in seiner glanzvollen Karriere, nicht nur in seinen Rekorden der Langlebigkeit.
Vereinfacht gesagt: Gerade благодаря Lasker erhielten Schachspieler den Ruf intelligenter Menschen – und damit Respekt und Unterstützung.
Er war ein halbes Jahrhundert lang das Gesicht des Schachs. Und was für eines.
Denker und Wissenschaftler
Ein Denker. Ein Philosoph. Und dazu ein Mathematiker.
Auf manchen mathematischen Webseiten wird Lasker erwähnt mit dem Zusatz, er sei „auch Schachweltmeister gewesen“. Auch das sagt viel.Er legte in seiner Schachkarriere lange Pausen ein – zunächst fürs Studium, später für das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten und für Vorlesungen in Mathematik. Der Satz von Lasker trägt seinen Namen nicht aus Ehrfurcht vor dem Weltmeister, sondern weil er ein bedeutendes mathematisches Prinzip formulierte und bewies.
Bücher und Artikel zur Spieltheorie. Ein ununterbrochener Denkprozess.
Spiele jenseits des Schachs
Später wandte er sich Bridge und Go zu – und wurde auch dort eine prägende Figur.
Und dennoch: All das – Mathematik, Philosophie, Bücher – sind nur einzelne Teile dessen, was für uns entscheidend ist. Vor allem благодаря Lasker erlangte Schach den Ruf eines Spiels der Intellektuellen.
Lasker und Fischer
Interessant ist, wie viel die in vielem so unterschiedlichen Lasker und Fischer verbindet. Vor allem die Forderung, die besten Schachspieler der Welt angemessen zu behandeln.
Hohe Honorare. Würdige Spielbedingungen. Die Bereitschaft, eine prinzipielle Haltung zu verteidigen – und notfalls aufzustehen und zu gehen.
Warum sollte man für ein Brettspiel so hohe Summen zahlen?
Weil es Lasker gab.Das war kein künstlich geschaffenes Image. Das war Substanz. Einer der klügsten Menschen seiner Zeit. Mäzene und Herrscher wussten das zu schätzen.
Prinzipien und Pausen
Lasker hatte mehrere Phasen, in denen er überhaupt kein Schach spielte. Nachdem er 1894 den alternden, aber immer noch starken Steinitz besiegt hatte, verbrachte er mehrere Jahre damit, seine Überlegenheit gegenüber Tarrasch und später Pillsbury zu beweisen.
Nachdem er das getan hatte, hörte er für einige Jahre auf zu spielen und widmete sich der Mathematik. Die Schachwelt müsse ihr Interesse nicht in Worten, sondern in Taten beweisen, sagte er.
Lasker blieb immer prinzipientreu. Deshalb spielte er wenig – und bewahrte dennoch enorme Stärke.
Herkunft und Prägung
Sein Porträt ist außergewöhnlich. Er gehört zur ersten Generation stark assimilierter europäischer Juden. Während Steinitz aus einer großen Familie im Prager Ghetto stammte und viele dieser Prägungen bewahrte, war Lasker – wie auch der etwas ältere Tarrasch – ein Mensch völlig anderer Prägung.
Er war das vierte und letzte Kind seiner Familie, wuchs in gesicherten Verhältnissen auf und zeigte früh zahlreiche Begabungen – vor allem im Schach und in der Mathematik. Sein Bruder Berthold, der ihm das Schach beibrachte, wurde ebenfalls Meisterspieler und zugleich eine bekannte Persönlichkeit auf seinem Gebiet – seine Theaterstücke wurden an führenden deutschen Bühnen aufgeführt.
Beide waren vom Schach fasziniert.
Der Aufstieg
Der junge Emanuel, der parallel ernsthaft Mathematik studierte, spielte 1889 sein erstes internationales Turnier. Fünf Jahre später war er Weltmeister.
Was zeichnete Laskers Spiel aus?
Er hatte keinen klar umrissenen Stil. Er war schlicht ein extrem kluger Mensch, der jedes Mal den passenden Ansatz fand.Dazu kam eine für die Zeit außergewöhnliche Stabilität und psychologische Stärke.
Er war nicht so brillant wie Pillsbury.
Nicht so tief wie Rubinstein.
Nicht so naturbegabt wie Capablanca.
Kein Neuerer wie Steinitz.
Er stellte keine Grundkonzepte infrage wie Reti oder Nimzowitsch.
Er arbeitete nicht so systematisch wie Botwinnik.Aber er war ein überragend starker Universalspieler – durch Flexibilität und geistige Kraft.
Der Gegner im Fokus
Er löste jede Partie wie ein Problem mit neuen Voraussetzungen. Doch es war nie reine Mathematik. Lasker verstand seine Gegner – genauer gesagt: er berechnete sie. Das konnte niemand sonst. Weder damals noch später. Niemand außer Magnus, dessen Ansatz stark an Lasker erinnert.
Man sagte als Erstem über Lasker, er hypnotisiere seine Gegner. Für ihn gab es keine hoffnungslosen Stellungen. Er kämpfte. Er suchte Chancen. Er nutzte Schwächen. Und er sah das Gesamtbild des Kampfes wie kein Zweiter.
Er scheute sich nicht vor ungewöhnlichen Zügen – der Turmspaziergang gegen Tarrasch, f4–f5 gegen Capablanca. Er wusste genau, wann er riskieren konnte und wann nicht.
Deshalb hatte Lasker nie Einbrüche.
Weltmeisterschaft und Geld
Wählte er sich leichtere Gegner? Vielleicht. Aber so waren die Realitäten. Wer das Geld für einen WM-Kampf nicht aufbringen konnte, bekam keinen.
Schade, dass es nie zum Duell Lasker–Rubinstein kam. Andererseits ist Laskers Haltung verständlich: Wenn das Schachinteresse echt ist, müssen auch die Bedingungen stimmen.
Er wich Prüfungen nicht aus. Der Kampf gegen Schlechter steht bis heute im Zentrum historischer Debatten.
Seine Position war einfach: Er hatte gesehen, was mit Steinitz und anderen geschah. Er wollte nicht arm sterben.
Späte Jahre
Nach dem Ersten Weltkrieg verlor der nicht mehr junge Champion fast all seine Ersparnisse. Er musste dem Match gegen Capablanca in Havanna zustimmen.
Der Ausgang war eindeutig, aber die Bedingungen für den 53-Jährigen extrem schwierig. Frühere und spätere Partien zeigen kein klares Übergewicht Capablancas. Gegen alle anderen Spitzenspieler hatte Lasker eine positive Bilanz – von Steinitz bis in die 1930er-Jahre. Nur Botwinnik lag am Ende knapp vorn.
Alterslos stark
1921 wurde Lasker abgeschrieben. Doch 1924 gewann er in New York eines der stärksten Turniere der Geschichte. Mit 56 Jahren.
1935 zeigte er beim Moskauer Turnier erneut Weltklasse. Eine beispiellose Langlebigkeit.
Nicht ohne Grund blieb Lasker jahrzehntelang das Symbol des Schachs.
Nicht Capablanca.
Nicht Aljechin.
Sondern Lasker – Denker, Kämpfer, Spieler.Exil und Ende
Mitte der 1930er-Jahre zwang ihn seine Herkunft, Deutschland zu verlassen. 1935 zog er in die Sowjetunion, spielte sogar für sie. Er erhielt eine große Wohnung, wurde Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften.
Doch bald verdichtete sich die Atmosphäre. 1937 ging er ein letztes Mal ins Exil – in die USA.
Er spielte nicht mehr. Reiste nicht mehr. Die innere Flamme erlosch.
Schluss
Emanuel Lasker war ein großer Champion.
Ein Denker.
Eine Persönlichkeit.
Eine Epoche.Ein Mensch, ohne den Schach nicht zu dem geworden wäre, was es heute ist.
Emanuel Lasker – 157 Jahre
Heute jährt sich der Geburtstag eines der größten Champions der Geschichte: Emanuel Lasker.
Eines Schachspielers und einer Persönlichkeit, die heute – erstaunlicherweise – unterschätzt wird, trotz der 27 Jahre, die er auf dem Thron verbrachte.
In keiner Umfrage taucht er unter den meistverehrten Spielern der Geschichte auf. Dabei hat niemand mehr für das professionelle Schach getan als Lasker. Einen Vergleich gibt es eigentlich nur mit Fischer.
Born 157 years ago today in the Prussian town of Berlinchen (modern Barlinek in Poland) - the 2nd World Champion, Emanuel Lasker (1868-1941).
(📷: Ullstein Bild, https://t.co/XqAiOOzNnd, https://t.co/CmRnoJRhxh) #chess pic.twitter.com/23x1dYF8h7— Douglas Griffin (@dgriffinchess) December 24, 2025
Ein missverstandenes Vermächtnis
Die Größe Laskers wird nicht richtig verstanden. Sie liegt nicht nur – und nicht einmal in erster Linie – in seinen Siegen über Vertreter mehrerer Generationen der stärksten Spieler, nicht nur in seiner glanzvollen Karriere, nicht nur in seinen Rekorden der Langlebigkeit.
Vereinfacht gesagt: Gerade благодаря Lasker erhielten Schachspieler den Ruf intelligenter Menschen – und damit Respekt und Unterstützung.
Er war ein halbes Jahrhundert lang das Gesicht des Schachs. Und was für eines.
Denker und Wissenschaftler
Ein Denker. Ein Philosoph. Und dazu ein Mathematiker.
Auf manchen mathematischen Webseiten wird Lasker erwähnt mit dem Zusatz, er sei „auch Schachweltmeister gewesen“. Auch das sagt viel.
Er legte in seiner Schachkarriere lange Pausen ein – zunächst fürs Studium, später für das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten und für Vorlesungen in Mathematik. Der Satz von Lasker trägt seinen Namen nicht aus Ehrfurcht vor dem Weltmeister, sondern weil er ein bedeutendes mathematisches Prinzip formulierte und bewies.
Bücher und Artikel zur Spieltheorie. Ein ununterbrochener Denkprozess.
Spiele jenseits des Schachs
Später wandte er sich Bridge und Go zu – und wurde auch dort eine prägende Figur.
Und dennoch: All das – Mathematik, Philosophie, Bücher – sind nur einzelne Teile dessen, was für uns entscheidend ist. Vor allem благодаря Lasker erlangte Schach den Ruf eines Spiels der Intellektuellen.
Lasker und Fischer
Interessant ist, wie viel die in vielem so unterschiedlichen Lasker und Fischer verbindet. Vor allem die Forderung, die besten Schachspieler der Welt angemessen zu behandeln.
Hohe Honorare. Würdige Spielbedingungen. Die Bereitschaft, eine prinzipielle Haltung zu verteidigen – und notfalls aufzustehen und zu gehen.
Warum sollte man für ein Brettspiel so hohe Summen zahlen?
Weil es Lasker gab.
Das war kein künstlich geschaffenes Image. Das war Substanz. Einer der klügsten Menschen seiner Zeit. Mäzene und Herrscher wussten das zu schätzen.
Prinzipien und Pausen
Lasker hatte mehrere Phasen, in denen er überhaupt kein Schach spielte. Nachdem er 1894 den alternden, aber immer noch starken Steinitz besiegt hatte, verbrachte er mehrere Jahre damit, seine Überlegenheit gegenüber Tarrasch und später Pillsbury zu beweisen.
Nachdem er das getan hatte, hörte er für einige Jahre auf zu spielen und widmete sich der Mathematik. Die Schachwelt müsse ihr Interesse nicht in Worten, sondern in Taten beweisen, sagte er.
Lasker blieb immer prinzipientreu. Deshalb spielte er wenig – und bewahrte dennoch enorme Stärke.
Herkunft und Prägung
Sein Porträt ist außergewöhnlich. Er gehört zur ersten Generation stark assimilierter europäischer Juden. Während Steinitz aus einer großen Familie im Prager Ghetto stammte und viele dieser Prägungen bewahrte, war Lasker – wie auch der etwas ältere Tarrasch – ein Mensch völlig anderer Prägung.
Er war das vierte und letzte Kind seiner Familie, wuchs in gesicherten Verhältnissen auf und zeigte früh zahlreiche Begabungen – vor allem im Schach und in der Mathematik. Sein Bruder Berthold, der ihm das Schach beibrachte, wurde ebenfalls Meisterspieler und zugleich eine bekannte Persönlichkeit auf seinem Gebiet – seine Theaterstücke wurden an führenden deutschen Bühnen aufgeführt.
Beide waren vom Schach fasziniert.
Der Aufstieg
Der junge Emanuel, der parallel ernsthaft Mathematik studierte, spielte 1889 sein erstes internationales Turnier. Fünf Jahre später war er Weltmeister.
Was zeichnete Laskers Spiel aus?
Er hatte keinen klar umrissenen Stil. Er war schlicht ein extrem kluger Mensch, der jedes Mal den passenden Ansatz fand.
Dazu kam eine für die Zeit außergewöhnliche Stabilität und psychologische Stärke.
Er war nicht so brillant wie Pillsbury.
Nicht so tief wie Rubinstein.
Nicht so naturbegabt wie Capablanca.
Kein Neuerer wie Steinitz.
Er stellte keine Grundkonzepte infrage wie Reti oder Nimzowitsch.
Er arbeitete nicht so systematisch wie Botwinnik.
Aber er war ein überragend starker Universalspieler – durch Flexibilität und geistige Kraft.
Der Gegner im Fokus
Er löste jede Partie wie ein Problem mit neuen Voraussetzungen. Doch es war nie reine Mathematik. Lasker verstand seine Gegner – genauer gesagt: er berechnete sie. Das konnte niemand sonst. Weder damals noch später. Niemand außer Magnus, dessen Ansatz stark an Lasker erinnert.
Man sagte als Erstem über Lasker, er hypnotisiere seine Gegner. Für ihn gab es keine hoffnungslosen Stellungen. Er kämpfte. Er suchte Chancen. Er nutzte Schwächen. Und er sah das Gesamtbild des Kampfes wie kein Zweiter.
Er scheute sich nicht vor ungewöhnlichen Zügen – der Turmspaziergang gegen Tarrasch, f4–f5 gegen Capablanca. Er wusste genau, wann er riskieren konnte und wann nicht.
Deshalb hatte Lasker nie Einbrüche.
Weltmeisterschaft und Geld
Wählte er sich leichtere Gegner? Vielleicht. Aber so waren die Realitäten. Wer das Geld für einen WM-Kampf nicht aufbringen konnte, bekam keinen.
Schade, dass es nie zum Duell Lasker–Rubinstein kam. Andererseits ist Laskers Haltung verständlich: Wenn das Schachinteresse echt ist, müssen auch die Bedingungen stimmen.
Er wich Prüfungen nicht aus. Der Kampf gegen Schlechter steht bis heute im Zentrum historischer Debatten.
Seine Position war einfach: Er hatte gesehen, was mit Steinitz und anderen geschah. Er wollte nicht arm sterben.
Späte Jahre
Nach dem Ersten Weltkrieg verlor der nicht mehr junge Champion fast all seine Ersparnisse. Er musste dem Match gegen Capablanca in Havanna zustimmen.
Der Ausgang war eindeutig, aber die Bedingungen für den 53-Jährigen extrem schwierig. Frühere und spätere Partien zeigen kein klares Übergewicht Capablancas. Gegen alle anderen Spitzenspieler hatte Lasker eine positive Bilanz – von Steinitz bis in die 1930er-Jahre. Nur Botwinnik lag am Ende knapp vorn.
Alterslos stark
1921 wurde Lasker abgeschrieben. Doch 1924 gewann er in New York eines der stärksten Turniere der Geschichte. Mit 56 Jahren.
1935 zeigte er beim Moskauer Turnier erneut Weltklasse. Eine beispiellose Langlebigkeit.
Nicht ohne Grund blieb Lasker jahrzehntelang das Symbol des Schachs.
Nicht Capablanca.
Nicht Aljechin.
Sondern Lasker – Denker, Kämpfer, Spieler.
Exil und Ende
Mitte der 1930er-Jahre zwang ihn seine Herkunft, Deutschland zu verlassen. 1935 zog er in die Sowjetunion, spielte sogar für sie. Er erhielt eine große Wohnung, wurde Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften.
Doch bald verdichtete sich die Atmosphäre. 1937 ging er ein letztes Mal ins Exil – in die USA.
Er spielte nicht mehr. Reiste nicht mehr. Die innere Flamme erlosch.
Schluss
Emanuel Lasker war ein großer Champion.
Ein Denker.
Eine Persönlichkeit.
Eine Epoche.
Ein Mensch, ohne den Schach nicht zu dem geworden wäre, was es heute ist.
