Als Boris Spassky mit Blinddarm im Krankenhaus lag, hätte Vlastimil Hort das Kandidaten-Viertelfinale 1977 gegen den Exweltmeister kampflos gewinnen können. Stattdessen, Ehrenmann!, beantragte er, die Fortsetzung zu verschieben. Als dann weitergespielt wurde, stand Hort auf Gewinn - und vergaß, die Uhr zu drücken.
Eine Episode aus einer unsortierten, aber inhaltsreichen Gratulation zum 80. Geburtstag:
Vlastimil Hort bei einer Buchpräsentation beim Schachfestival in Prag 2022
Der frühere Weltklassespieler Vlastimil Hort, der seit 2019 auch Ehrenmitglied des Deutschen Schachbundes ist, wird heute 80 Jahre alt. Wir gratulieren ihm dazu sehr herzlich und wünschen ihm für die Zukunft Gesundheit und noch viel Freude am Schach!
Hort, der 2022 auch Ehrenmitglied des Weltschachverbandes FIDE wurde, gehörte ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre zu den besten Schachspielern der Welt. Beim Interzonenturnier 1976 in Manila (Philippinen) qualifizierte er sich für die Kandidatenwettkämpfe, bei denen der Herausforderer von Weltmeister Anatoli Karpow gesucht wurde. Dort traf er auf Exweltmeister Boris Spasski, der nachgerückt war, weil Karpows WM-Vorgänger Robert Fischer nicht antrat. Hort unterlag Spasski nach großem Kampf etwas unglücklich mit 7½:8½.
Werbung
Nach dem Interzonenturnier 1985 in Tunis (Tunesien), wo Hort Sechster wurde, kehrte er nicht mehr in seine Heimat ČSSR zurück und bat um Asyl in der BRD. In die Bundesrepublik bestanden schon länger Kontakte. Hier spielte er bereits seit 1979 für die SG Porz. 1986 wurde er westdeutscher Staatsbürger.
Für die Nationalmannschaft der BRD und im wiedervereinigten Deutschland war Hort bei drei Schacholympiaden von 1988 bis 1992 im Einsatz. Insgesamt absolvierte er von 1988 bis 1999 56 Länderkämpfe für deutsche Mannschaften. Im WDR-Fernsehen war Hort bei der Sendung "Schach der Großmeister" ein gern gesehener Kommentator an der Seite von GM Dr. Helmut Pfleger.
Als Boris Spassky mit Blinddarm im Krankenhaus lag, hätte Vlastimil Hort das Kandidaten-Viertelfinale 1977 gegen den Exweltmeister kampflos gewinnen können. Stattdessen, Ehrenmann!, beantragte er, die Fortsetzung zu verschieben. Als dann weitergespielt wurde, stand Hort auf Gewinn - und vergaß, die Uhr zu drücken.
Eine Episode aus einer unsortierten, aber inhaltsreichen Gratulation zum 80. Geburtstag:
Vlastimil Hort bei einer Buchpräsentation beim Schachfestival in Prag 2022
Der frühere Weltklassespieler Vlastimil Hort, der seit 2019 auch Ehrenmitglied des Deutschen Schachbundes ist, wird heute 80 Jahre alt. Wir gratulieren ihm dazu sehr herzlich und wünschen ihm für die Zukunft Gesundheit und noch viel Freude am Schach!
Hort, der 2022 auch Ehrenmitglied des Weltschachverbandes FIDE wurde, gehörte ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre zu den besten Schachspielern der Welt. Beim Interzonenturnier 1976 in Manila (Philippinen) qualifizierte er sich für die Kandidatenwettkämpfe, bei denen der Herausforderer von Weltmeister Anatoli Karpow gesucht wurde. Dort traf er auf Exweltmeister Boris Spasski, der nachgerückt war, weil Karpows WM-Vorgänger Robert Fischer nicht antrat. Hort unterlag Spasski nach großem Kampf etwas unglücklich mit 7½:8½.
Nach dem Interzonenturnier 1985 in Tunis (Tunesien), wo Hort Sechster wurde, kehrte er nicht mehr in seine Heimat ČSSR zurück und bat um Asyl in der BRD. In die Bundesrepublik bestanden schon länger Kontakte. Hier spielte er bereits seit 1979 für die SG Porz. 1986 wurde er westdeutscher Staatsbürger.
Für die Nationalmannschaft der BRD und im wiedervereinigten Deutschland war Hort bei drei Schacholympiaden von 1988 bis 1992 im Einsatz. Insgesamt absolvierte er von 1988 bis 1999 56 Länderkämpfe für deutsche Mannschaften. Im WDR-Fernsehen war Hort bei der Sendung "Schach der Großmeister" ein gern gesehener Kommentator an der Seite von GM Dr. Helmut Pfleger.
In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre gehörte er zu den besten Schachspielern der Welt: 1977 lag er mit Lew Polugajewski und Exweltmeister Michail Tal auf Platz 6 der Weltrangliste. Nach seiner Übersiedlung 1985 in die Bundesrepublik Deutschland kam er 1988 erstmals in der deutschen Nationalmannschaft zum Einsatz und erzielte bei der Schacholympiade in Saloniki am ersten Brett ein hervorragendes Ergebnis von 8 aus 12. Heute wird Vlastimil Hort 75 Jahre alt und wir gratulieren ihm dazu auf das Herzlichste!
Hort wurde am 12. Januar 1944 in Kladno, einer Industriestadt 25 km nordwestlich von Prag geboren. Zum Schachspiel kam er im Alter von 5 Jahren durch einen Aufenthalt im Krankenhaus, wo er mit Fieber zwei Monate in Quarantäne lag. Ein Arzt, der in den Nachtschichten seine Fernschachpartien analysierte, brachte ihm die Regeln bei und löste damit eine Entwicklung aus, mit der nie zu rechnen war. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus mußte sich Hort's Mutter sofort auf die Suche nach Spielpartnern machen. In der Nachbarschaft fand sie einen etwa 60-jährigen Kaninchenzüchter, der sich bereit erklärte, mit ihrem Sohn Schach zu spielen. Im Gegenzug mußte der kleine Vlastimil aber beim Füttern der Kaninchen helfen. In der ersten Partie mit dem Nachbarn hatte er Schwarz und wurde mattgesetzt. Zuvor hatte sein Gegner auf f6 einen Bauern en passant geschlagen, einen Zug den Vlastimil von dem Arzt nicht gelernt hatte. Weinend berichtete er seiner Mutter später von dem "Betrug".
Vlastimil Hort entwickelte sich in den nächsten Jahren sehr gut. Er wurde nicht nur besser im Schach und lernte viel über die Kaninchenzucht, sondern er war auch sehr interessiert an anderen Sportarten. So spielte er in seiner Heimatstadt als Torwart beim Eishockey und hatte mit dem späteren Nationalspieler František Pospíšil einen prominenten Spieler in seiner Jugendmannschaft. Hort: "Ich habe ihn immer ausgeschimpft, das er zu langsam ist." Ambitionen es im Eishockey zu etwas zu bringen hatte er aber nicht, zumal der Sport sehr anstrengend war. Ganz im Gegensatz dazu Schach, wo er sich ohne Trainer autodidaktisch mit relativ wenig Aufwand, zu einem sehr guten Spieler entwickelte. In Kladno gab es zwei Schachvereine, wo er hervorragende Fortschritte erzielte. Hort zählte damals zu einer goldenen Generation der tschechischen Schachspieler, mit Namen wie Lubomir Kavalek, Michael Janata (U20-Vizeweltmeister 1963), Jindřich Trapl (1942–2010 - Hort: "Der tschechische Tal"), Josef Augustin oder Vlastimil Jansa. Hort: "Ich will nicht sagen, ich war König da. Sie hatten aber Respekt, weil ich spielte am wenigsten Theorie." (ChessBase-Interview 2014, sh. unten)
Turnierbuch/johannes-fischer.net
Vlastimil Hort (16) in Leipzig
Bereits mit 16 Jahren war Hort stark genug um bei der Schacholympiade 1960 in Leipzig für die ČSSR zu spielen. Die beiden Großmeister Ludek Pachman (1924-2003) und Miroslav Filip (1928-2009) spielten an den Brettern eins und zwei, IM Jiri Fichtl (1921-2003) an Brett drei. Hort erzielte in Vorrunde und A-Finale ein Ergebnis von 7½ aus 13. Die ČSSR belegte Platz 5 - noch vor den beiden deutschen Mannschaften, die Achter (GER) und Neunter (DDR) wurden.
Vom 29. März bis 5. April 1970 war Hort für eine Weltauswahl nominiert, bei der in Belgrad die besten zehn nichtsowjetischen Schachspieler auf eine Auswahl der UdSSR trafen. Die sowjetischen Schachspieler dominierten zu dieser Zeit die Weltrangliste und konnten an allen Brettern neben dem amtierenden Weltmeister Boris Spasski, viele ehemalige Weltmeister und WM-Kandidaten aufstellen. Hort saß an Brett 4 Lew Polugajewski gegenüber, den er mit 2½:1½ besiegte. An den vorderen Brettern erwies sich die Weltauswahl als überlegen, doch im Unterhaus bogen die UdSSR-Spieler das Ergebnis wieder gerade und siegten mit 20½:19½. In diesem Wettkampf standen die ersten drei Bretter der Weltauswahl mit Larsen, Fischer und Portisch schnell fest. Um Brett vier gab es einen Streit zwischen Reshevsky und Najdorf. Bei einem Zusammentreffen aller Kandidaten sprach Fischer ein Machtwort: "Vlasti, you will be fourth".
Werbung
Angriff auf die Krone im Weltschach
Vlastimil Hort's Weg in den WM-Zyklus nach der kampflosen Eroberung der Krone 1975 durch Anatoli Karpow begann ohne die Qualifikationsmühle über ein Zonenturnier. Die FIDE gab ihm einen Freiplatz für das Interzonenturnier in der philippinischen Hauptstadt Manila. Er rechtfertigte die Nominierung mit einem sehr guten dritten Platz und der erst- und einmaligen Qualifikation für die Kandidatenwettkämpfe.
Pl.
Name
Land
Elo
Pkt.
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
1.
GM Henrique Mecking
2620
13,0
x
½
½
1
½
½
½
1
½
0
½
1
½
1
1
½
½
1
1
1
2.
GM Lew Polugajewski
2635
12,5
½
x
0
½
½
½
½
½
1
½
1
½
½
1
½
1
1
½
1
1
3.
GM Vlastimil Hort
CSR
2600
12,5
½
1
x
0
½
0
½
0
½
½
1
½
1
½
1
1
1
1
1
1
4.
GM Witali Zeschkowski
2550
12,0
0
½
1
x
½
½
0
1
½
½
½
½
0
1
1
1
1
½
1
1
5.
GM Zoltan Ribli
2575
11,5
½
½
½
½
x
1
1
1
½
0
½
0
1
1
½
0
½
½
1
1
6.
GM Lubomir Ljubojevic
2620
11,5
½
½
1
½
0
x
0
0
1
½
0
½
1
1
1
1
½
1
½
1
7.
GM Lubomir Kavalek
2540
10,5
½
½
½
1
0
1
x
½
½
1
½
1
0
½
0
0
½
½
1
1
8.
GM Oscar Panno
2520
10,5
0
½
1
0
0
1
½
x
1
1
0
½
½
0
½
½
1
1
½
1
9.
GM Juri Balaschow
2545
10,5
½
0
½
½
½
0
½
0
x
1
½
½
½
1
½
½
1
1
1
½
10.
GM Boris Spasski
2630
10,0
1
½
½
½
1
½
0
0
0
x
½
1
½
½
½
½
½
½
½
1
11.
GM Florin Gheorghiu
2540
10,0
½
0
0
½
½
1
½
1
½
½
x
1
½
½
½
½
0
½
1
½
12.
GM Wolfgang Uhlmann
2555
10,0
0
½
½
½
1
½
0
½
½
0
0
x
1
1
½
1
1
½
0
1
13.
GM Sergio Mariotti
2470
10,0
½
½
0
1
0
0
1
½
½
½
½
0
x
1
½
½
1
1
1
0
14.
GM Miguel Quinteros
2540
9,0
0
0
½
0
0
0
½
1
0
½
½
0
0
x
1
1
1
1
1
1
15.
GM Walter Browne
2585
8,5
0
½
0
0
½
0
1
½
½
½
½
½
½
0
x
1
1
½
0
1
16.
GM Eugenio Torre
2505
7,0
½
0
0
0
1
0
1
½
½
½
½
0
½
0
0
x
0
1
1
0
17.
IM Peter Biyiasas
2460
6,0
½
0
0
0
½
½
½
0
0
½
1
0
0
0
0
1
x
1
½
0
18.
GM Ludek Pachman
2520
5,0
0
½
0
½
½
0
½
0
0
½
½
½
0
0
½
0
0
x
½
½
19.
IM Lian-Ann Tan
SIN
2365
5,0
0
0
0
0
0
½
0
½
0
½
0
1
0
0
1
0
½
½
x
½
20.
IM Khosro Harandi
2380
5,0
0
0
0
0
0
0
0
0
½
0
½
0
1
0
0
1
1
½
½
x
Der letztplazierte Iraner verstarb erst kürzlich am 8. Januar im Alter von 69 Jahren.
Spektakulär endete die Partie zweier Qualifikanten. Nach dem Matchsieg 1970 in Belgrad könnte man fast sagen Lew Polugajewski war ein "Kunde" von Vlastimil Hort, denn auch in Manila ging für den sowjetischen Weltklassemann einiges schief. Polugajewski hatte die schwarze Dame gerade von b7 vertrieben. Hort hatte nur einen einzigen Zug, der nicht gleich die Stellung wegwirft. Und den führte er auch aus - siehe Diagramm. Polu würde gern den Bauern f7 nehmen, doch im Moment ist der Turm noch gefesselt, da die Dame auf d6 hängen würde. Also zog er 33. Dd7?? um seiner Absicht Nachdruck zu verleihen. Nach dem Zwischenschach 33. ... Te1+! wird Polu das böse Ende wahrscheinlich schon gesehen haben, denn nun muß er sich seinen Turm mit 34. Kh2 fesseln lassen. Nach 34. ... Tc1! spielte Polu noch zwei Züge und gab mit Turm weniger die Partie auf!
Spasski - Hort, Reykjavik 1977, 15. Partie nach 35. Lc5
Vom Turnier in Manila ist ein Video von der Pressekonferenz auf aparchive.com zu finden. Dort ist auch Hort kurz zu sehen.
Im Viertelfinale der Kandidatenmatches bekam es Hort 1977 in Reykjavik mit einem Exweltmeister zu tun. Aber es war nicht wie zu erwarten Bobby Fischer, sondern der zuvor in Manila ausgeschiedene Boris Spasski. Da Fischer nicht antrat, vergab die FIDE den Platz an seinen WM-Vorgänger Spasski. Nach 14 Partien stand es 7:7 und Hort stand in der 15. Partie auf Gewinn. Das Halbfinale schien nahe, doch er verlor die Partie durch Zeitüberschreitung und konnte den Wettkampf in der letzten Partie nicht mehr drehen.
In der Diagrammstellung zeigen die Engines für Schwarz ein Plus von weit über 6 an. Die beiden chancenreichsten Gewinnvarianten sind A) 35. ... Dg4 36. Dxd2 Lxd2 37. Txc2 De2 38. Lf2 Td8 39. e5 Dxe5 usw. und B) 35. ... Lxc5 36. Dxc5 Dg4 37. g3 Dh3 38. Df2 Txf2 39. Txf2 De6 usw. - Doch zu einer der Varianten kam es nicht mehr, da die Uhr unerbittlich ablief.
Interzonenturnier Tunis 1985
Pl.
Titel
Name
Land
Elo
Pkt.
SoBe
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
1.
GM
Artur Jussupow
2590
11,5
x
½
1
½
1
½
1
½
½
½
½
1
1
½
1
½
1
2.
GM
Alexander Beljawskij
2635
11,0
½
x
½
1
½
½
½
1
1
½
½
1
0
½
1
1
1
3.
GM
Lajos Portisch
2635
10,0
0
½
x
1
½
½
½
½
½
½
1
½
1
½
½
1
1
4.
GM
Alexander Tschernin
2495
9,5
65,75
½
0
0
x
½
½
½
1
0
½
½
1
½
1
1
1
1
5.
GM
Wiktor Gawrikow
2550
9,5
66,75
0
½
½
½
x
0
½
½
1
½
1
½
½
1
½
1
1
6.
GM
Vlastimil Hort
CSR
2560
9,0
66,25
½
½
½
½
1
x
½
½
0
½
½
½
½
1
0
1
1
7.
GM
Gennadi Sosonko
2535
9,0
63,25
0
½
½
½
½
½
x
½
½
½
½
½
½
½
1
1
1
8.
GM
Maxim Dlugy
2485
9,0
62,75
½
0
½
0
½
½
½
x
½
½
1
½
½
1
½
1
1
9.
GM
Nick de Firmian
2540
8,5
½
0
½
1
0
1
½
½
x
1
0
½
½
1
0
½
1
10.
GM
Predrag Nikolic
2575
8,0
58,75
½
½
½
½
½
½
½
½
0
x
1
0
½
0
½
1
1
11.
GM
Mihai Suba
2465
8,0
55,25
½
½
0
½
0
½
½
0
1
0
x
0
1
½
1
1
1
12.
Anthony Miles
2570
8,0
55,00
0
0
½
0
½
½
½
½
½
1
1
x
½
0
½
1
1
13.
GM
Ivan Morovic Fernandez
2450
7,5
0
1
0
½
½
½
½
½
½
½
0
½
x
½
1
½
½
14.
GM
Alonso Zapata
2535
6,5
50,00
½
½
½
0
0
0
½
0
0
1
½
1
½
x
½
½
½
15.
GM
Jewgenij Ermenkov
2515
6,5
45,75
0
0
½
0
½
1
0
½
1
½
0
½
0
½
x
½
1
16.
GM
Assem Afifi
2370
3,5
½
0
0
0
0
0
0
0
½
0
0
0
½
½
½
x
1
17.
IM
Slaheddine Hmadi
2285
1,0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
½
½
0
0
x
18.
IM
Slim Bouaziz
2395
0,5
-
0
-
-
-
0
-
-
0
-
0
-
½
-
-
-
0
x
zanchess.wordpress.com
Turnierbuch des IZT in französischer Sprache
Das Interzonenturnier vom 27. April bis 20. Mai 1985 in der tunesischen Hauptstadt Tunis stellte einen Wendepunkt in Vlastimil Horts Leben dar. Er entschloß sich nicht mehr in die ČSSR zurückzukehren und flüchtete nach dem Turnierende in die Bundesrepublik Deutschland. Der Plan zur Flucht für den von seiner Frau getrennt lebenden Hort bestand schon lange. Doch durch seinen einzigen Sohn blieb er der Tschechoslowakei noch einige Jahre treu, um zu warten bis er volljährig ist. Die Hoffnung, sein Sohn (der als Jugendlicher ein hervorragender Fussballspieler war) würde mit in das Nachbarland kommen, erfüllte sich aber nicht. Obwohl sich bereits die Fussballschulen in Duisburg und Köln für seinen Sohn interessierten.
In Deutschland spielte Hort nur für zwei Schachvereine - die Schachgemeinschaft Porz und den Oberhausener Schachverein 1887. Im Jahr 2001 wollte er eigentlich aufhören mit dem aktiven Schach, nachdem ihn der Porzer Mäzen Wilfried Hilgert (1933-2016) in die zweite Mannschaft versetzte. Zu diesem Zeitpunkt traten die Schachfreunde aus Oberhausen mit einem Angebot an ihn heran, in der dritten Liga zu spielen. Im neuen Verein wurde er schnell heimisch. "Ich mag die Leute, ich fühle mich da pudelwohl", sagte er in einem YouTube-Interview mit ChessBase im Jahr 2017:
In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre gehörte er zu den besten Schachspielern der Welt: 1977 lag er mit Lew Polugajewski und Exweltmeister Michail Tal auf Platz 6 der Weltrangliste. Nach seiner Übersiedlung 1985 in die Bundesrepublik Deutschland kam er 1988 erstmals in der deutschen Nationalmannschaft zum Einsatz und erzielte bei der Schacholympiade in Saloniki am ersten Brett ein hervorragendes Ergebnis von 8 aus 12. Heute wird Vlastimil Hort 75 Jahre alt und wir gratulieren ihm dazu auf das Herzlichste!
Werbung
Hort wurde am 12. Januar 1944 in Kladno, einer Industriestadt 25 km nordwestlich von Prag geboren. Zum Schachspiel kam er im Alter von 5 Jahren durch einen Aufenthalt im Krankenhaus, wo er mit Fieber zwei Monate in Quarantäne lag. Ein Arzt, der in den Nachtschichten seine Fernschachpartien analysierte, brachte ihm die Regeln bei und löste damit eine Entwicklung aus, mit der nie zu rechnen war. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus mußte sich Hort's Mutter sofort auf die Suche nach Spielpartnern machen. In der Nachbarschaft fand sie einen etwa 60-jährigen Kaninchenzüchter, der sich bereit erklärte, mit ihrem Sohn Schach zu spielen. Im Gegenzug mußte der kleine Vlastimil aber beim Füttern der Kaninchen helfen. In der ersten Partie mit dem Nachbarn hatte er Schwarz und wurde mattgesetzt. Zuvor hatte sein Gegner auf f6 einen Bauern en passant geschlagen, einen Zug den Vlastimil von dem Arzt nicht gelernt hatte. Weinend berichtete er seiner Mutter später von dem "Betrug".
Vlastimil Hort entwickelte sich in den nächsten Jahren sehr gut. Er wurde nicht nur besser im Schach und lernte viel über die Kaninchenzucht, sondern er war auch sehr interessiert an anderen Sportarten. So spielte er in seiner Heimatstadt als Torwart beim Eishockey und hatte mit dem späteren Nationalspieler František Pospíšil einen prominenten Spieler in seiner Jugendmannschaft. Hort: "Ich habe ihn immer ausgeschimpft, das er zu langsam ist." Ambitionen es im Eishockey zu etwas zu bringen hatte er aber nicht, zumal der Sport sehr anstrengend war. Ganz im Gegensatz dazu Schach, wo er sich ohne Trainer autodidaktisch mit relativ wenig Aufwand, zu einem sehr guten Spieler entwickelte. In Kladno gab es zwei Schachvereine, wo er hervorragende Fortschritte erzielte. Hort zählte damals zu einer goldenen Generation der tschechischen Schachspieler, mit Namen wie Lubomir Kavalek, Michael Janata (U20-Vizeweltmeister 1963), Jindřich Trapl (1942–2010 - Hort: "Der tschechische Tal"), Josef Augustin oder Vlastimil Jansa. Hort: "Ich will nicht sagen, ich war König da. Sie hatten aber Respekt, weil ich spielte am wenigsten Theorie." (ChessBase-Interview 2014, sh. unten)
Turnierbuch/johannes-fischer.net
Vlastimil Hort (16) in Leipzig
Bereits mit 16 Jahren war Hort stark genug um bei der Schacholympiade 1960 in Leipzig für die ČSSR zu spielen. Die beiden Großmeister Ludek Pachman (1924-2003) und Miroslav Filip (1928-2009) spielten an den Brettern eins und zwei, IM Jiri Fichtl (1921-2003) an Brett drei. Hort erzielte in Vorrunde und A-Finale ein Ergebnis von 7½ aus 13. Die ČSSR belegte Platz 5 - noch vor den beiden deutschen Mannschaften, die Achter (GER) und Neunter (DDR) wurden.
Vom 29. März bis 5. April 1970 war Hort für eine Weltauswahl nominiert, bei der in Belgrad die besten zehn nichtsowjetischen Schachspieler auf eine Auswahl der UdSSR trafen. Die sowjetischen Schachspieler dominierten zu dieser Zeit die Weltrangliste und konnten an allen Brettern neben dem amtierenden Weltmeister Boris Spasski, viele ehemalige Weltmeister und WM-Kandidaten aufstellen. Hort saß an Brett 4 Lew Polugajewski gegenüber, den er mit 2½:1½ besiegte. An den vorderen Brettern erwies sich die Weltauswahl als überlegen, doch im Unterhaus bogen die UdSSR-Spieler das Ergebnis wieder gerade und siegten mit 20½:19½. In diesem Wettkampf standen die ersten drei Bretter der Weltauswahl mit Larsen, Fischer und Portisch schnell fest. Um Brett vier gab es einen Streit zwischen Reshevsky und Najdorf. Bei einem Zusammentreffen aller Kandidaten sprach Fischer ein Machtwort: "Vlasti, you will be fourth".
Angriff auf die Krone im Weltschach
Vlastimil Hort's Weg in den WM-Zyklus nach der kampflosen Eroberung der Krone 1975 durch Anatoli Karpow begann ohne die Qualifikationsmühle über ein Zonenturnier. Die FIDE gab ihm einen Freiplatz für das Interzonenturnier in der philippinischen Hauptstadt Manila. Er rechtfertigte die Nominierung mit einem sehr guten dritten Platz und der erst- und einmaligen Qualifikation für die Kandidatenwettkämpfe.
Pl.
Name
Land
Elo
Pkt.
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
1.
GM Henrique Mecking
2620
13,0
x
½
½
1
½
½
½
1
½
0
½
1
½
1
1
½
½
1
1
1
2.
GM Lew Polugajewski
2635
12,5
½
x
0
½
½
½
½
½
1
½
1
½
½
1
½
1
1
½
1
1
3.
GM Vlastimil Hort
CSR
2600
12,5
½
1
x
0
½
0
½
0
½
½
1
½
1
½
1
1
1
1
1
1
4.
GM Witali Zeschkowski
2550
12,0
0
½
1
x
½
½
0
1
½
½
½
½
0
1
1
1
1
½
1
1
5.
GM Zoltan Ribli
2575
11,5
½
½
½
½
x
1
1
1
½
0
½
0
1
1
½
0
½
½
1
1
6.
GM Lubomir Ljubojevic
2620
11,5
½
½
1
½
0
x
0
0
1
½
0
½
1
1
1
1
½
1
½
1
7.
GM Lubomir Kavalek
2540
10,5
½
½
½
1
0
1
x
½
½
1
½
1
0
½
0
0
½
½
1
1
8.
GM Oscar Panno
2520
10,5
0
½
1
0
0
1
½
x
1
1
0
½
½
0
½
½
1
1
½
1
9.
GM Juri Balaschow
2545
10,5
½
0
½
½
½
0
½
0
x
1
½
½
½
1
½
½
1
1
1
½
10.
GM Boris Spasski
2630
10,0
1
½
½
½
1
½
0
0
0
x
½
1
½
½
½
½
½
½
½
1
11.
GM Florin Gheorghiu
2540
10,0
½
0
0
½
½
1
½
1
½
½
x
1
½
½
½
½
0
½
1
½
12.
GM Wolfgang Uhlmann
2555
10,0
0
½
½
½
1
½
0
½
½
0
0
x
1
1
½
1
1
½
0
1
13.
GM Sergio Mariotti
2470
10,0
½
½
0
1
0
0
1
½
½
½
½
0
x
1
½
½
1
1
1
0
14.
GM Miguel Quinteros
2540
9,0
0
0
½
0
0
0
½
1
0
½
½
0
0
x
1
1
1
1
1
1
15.
GM Walter Browne
2585
8,5
0
½
0
0
½
0
1
½
½
½
½
½
½
0
x
1
1
½
0
1
16.
GM Eugenio Torre
2505
7,0
½
0
0
0
1
0
1
½
½
½
½
0
½
0
0
x
0
1
1
0
17.
IM Peter Biyiasas
2460
6,0
½
0
0
0
½
½
½
0
0
½
1
0
0
0
0
1
x
1
½
0
18.
GM Ludek Pachman
2520
5,0
0
½
0
½
½
0
½
0
0
½
½
½
0
0
½
0
0
x
½
½
19.
IM Lian-Ann Tan
SIN
2365
5,0
0
0
0
0
0
½
0
½
0
½
0
1
0
0
1
0
½
½
x
½
20.
IM Khosro Harandi
2380
5,0
0
0
0
0
0
0
0
0
½
0
½
0
1
0
0
1
1
½
½
x
Der letztplazierte Iraner verstarb erst kürzlich am 8. Januar im Alter von 69 Jahren.
Spektakulär endete die Partie zweier Qualifikanten. Nach dem Matchsieg 1970 in Belgrad könnte man fast sagen Lew Polugajewski war ein "Kunde" von Vlastimil Hort, denn auch in Manila ging für den sowjetischen Weltklassemann einiges schief. Polugajewski hatte die schwarze Dame gerade von b7 vertrieben. Hort hatte nur einen einzigen Zug, der nicht gleich die Stellung wegwirft. Und den führte er auch aus - siehe Diagramm. Polu würde gern den Bauern f7 nehmen, doch im Moment ist der Turm noch gefesselt, da die Dame auf d6 hängen würde. Also zog er 33. Dd7?? um seiner Absicht Nachdruck zu verleihen. Nach dem Zwischenschach 33. ... Te1+! wird Polu das böse Ende wahrscheinlich schon gesehen haben, denn nun muß er sich seinen Turm mit 34. Kh2 fesseln lassen. Nach 34. ... Tc1! spielte Polu noch zwei Züge und gab mit Turm weniger die Partie auf!
Spasski - Hort, Reykjavik 1977, 15. Partie nach 35. Lc5
Vom Turnier in Manila ist ein Video von der Pressekonferenz auf aparchive.com zu finden. Dort ist auch Hort kurz zu sehen.
Im Viertelfinale der Kandidatenmatches bekam es Hort 1977 in Reykjavik mit einem Exweltmeister zu tun. Aber es war nicht wie zu erwarten Bobby Fischer, sondern der zuvor in Manila ausgeschiedene Boris Spasski. Da Fischer nicht antrat, vergab die FIDE den Platz an seinen WM-Vorgänger Spasski. Nach 14 Partien stand es 7:7 und Hort stand in der 15. Partie auf Gewinn. Das Halbfinale schien nahe, doch er verlor die Partie durch Zeitüberschreitung und konnte den Wettkampf in der letzten Partie nicht mehr drehen.
In der Diagrammstellung zeigen die Engines für Schwarz ein Plus von weit über 6 an. Die beiden chancenreichsten Gewinnvarianten sind A) 35. ... Dg4 36. Dxd2 Lxd2 37. Txc2 De2 38. Lf2 Td8 39. e5 Dxe5 usw. und B) 35. ... Lxc5 36. Dxc5 Dg4 37. g3 Dh3 38. Df2 Txf2 39. Txf2 De6 usw. - Doch zu einer der Varianten kam es nicht mehr, da die Uhr unerbittlich ablief.
Interzonenturnier Tunis 1985
Pl.
Titel
Name
Land
Elo
Pkt.
SoBe
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
1.
GM
Artur Jussupow
2590
11,5
x
½
1
½
1
½
1
½
½
½
½
1
1
½
1
½
1
2.
GM
Alexander Beljawskij
2635
11,0
½
x
½
1
½
½
½
1
1
½
½
1
0
½
1
1
1
3.
GM
Lajos Portisch
2635
10,0
0
½
x
1
½
½
½
½
½
½
1
½
1
½
½
1
1
4.
GM
Alexander Tschernin
2495
9,5
65,75
½
0
0
x
½
½
½
1
0
½
½
1
½
1
1
1
1
5.
GM
Wiktor Gawrikow
2550
9,5
66,75
0
½
½
½
x
0
½
½
1
½
1
½
½
1
½
1
1
6.
GM
Vlastimil Hort
CSR
2560
9,0
66,25
½
½
½
½
1
x
½
½
0
½
½
½
½
1
0
1
1
7.
GM
Gennadi Sosonko
2535
9,0
63,25
0
½
½
½
½
½
x
½
½
½
½
½
½
½
1
1
1
8.
GM
Maxim Dlugy
2485
9,0
62,75
½
0
½
0
½
½
½
x
½
½
1
½
½
1
½
1
1
9.
GM
Nick de Firmian
2540
8,5
½
0
½
1
0
1
½
½
x
1
0
½
½
1
0
½
1
10.
GM
Predrag Nikolic
2575
8,0
58,75
½
½
½
½
½
½
½
½
0
x
1
0
½
0
½
1
1
11.
GM
Mihai Suba
2465
8,0
55,25
½
½
0
½
0
½
½
0
1
0
x
0
1
½
1
1
1
12.
Anthony Miles
2570
8,0
55,00
0
0
½
0
½
½
½
½
½
1
1
x
½
0
½
1
1
13.
GM
Ivan Morovic Fernandez
2450
7,5
0
1
0
½
½
½
½
½
½
½
0
½
x
½
1
½
½
14.
GM
Alonso Zapata
2535
6,5
50,00
½
½
½
0
0
0
½
0
0
1
½
1
½
x
½
½
½
15.
GM
Jewgenij Ermenkov
2515
6,5
45,75
0
0
½
0
½
1
0
½
1
½
0
½
0
½
x
½
1
16.
GM
Assem Afifi
2370
3,5
½
0
0
0
0
0
0
0
½
0
0
0
½
½
½
x
1
17.
IM
Slaheddine Hmadi
2285
1,0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
½
½
0
0
x
18.
IM
Slim Bouaziz
2395
0,5
-
0
-
-
-
0
-
-
0
-
0
-
½
-
-
-
0
x
zanchess.wordpress.com
Turnierbuch des IZT in französischer Sprache
Das Interzonenturnier vom 27. April bis 20. Mai 1985 in der tunesischen Hauptstadt Tunis stellte einen Wendepunkt in Vlastimil Horts Leben dar. Er entschloß sich nicht mehr in die ČSSR zurückzukehren und flüchtete nach dem Turnierende in die Bundesrepublik Deutschland. Der Plan zur Flucht für den von seiner Frau getrennt lebenden Hort bestand schon lange. Doch durch seinen einzigen Sohn blieb er der Tschechoslowakei noch einige Jahre treu, um zu warten bis er volljährig ist. Die Hoffnung, sein Sohn (der als Jugendlicher ein hervorragender Fussballspieler war) würde mit in das Nachbarland kommen, erfüllte sich aber nicht. Obwohl sich bereits die Fussballschulen in Duisburg und Köln für seinen Sohn interessierten.
In Deutschland spielte Hort nur für zwei Schachvereine - die Schachgemeinschaft Porz und den Oberhausener Schachverein 1887. Im Jahr 2001 wollte er eigentlich aufhören mit dem aktiven Schach, nachdem ihn der Porzer Mäzen Wilfried Hilgert (1933-2016) in die zweite Mannschaft versetzte. Zu diesem Zeitpunkt traten die Schachfreunde aus Oberhausen mit einem Angebot an ihn heran, in der dritten Liga zu spielen. Im neuen Verein wurde er schnell heimisch. "Ich mag die Leute, ich fühle mich da pudelwohl", sagte er in einem YouTube-Interview mit ChessBase im Jahr 2017:
Im April 1968 spielte Vlastimil Hort beim Turnier in Monte Carlo – ein Schachereignis der Extraklasse, mit Stars wie Bent Larsen, Smyslow und Mikhail Botwinnik. Letzterer, 57 Jahre alt, hatte angekündigt, dass es sein letztes Turnier werden würde. Umso größer war Horts Überraschung, als eines Morgens um acht Uhr das Telefon in seinem Hotelzimmer klingelte. Am anderen Ende meldete sich: Botwinnik.
Der Altmeister bot an, Hort bei seiner Hängepartie gegen Larsen mit Analysehilfe zu unterstützen. Larsen führte im Turnier knapp vor Botwinnik. Für Hort, damals 24 Jahre alt, war das ein unerhörtes Angebot. Zwar verstand er als Bürger der Tschechoslowakei Russisch, aber er antwortete in bestem Russisch und in aller Deutlichkeit: „Das mag bei euch in der Sowjetunion so üblich sein. In der zivilisierten Welt ist es das nicht.“ Er lehnte das Angebot empört ab und beendete das Gespräch.
Ein paar Tage später trafen die beiden am Brett aufeinander. Hort kam höflich gekleidet und frisch rasiert. Botwinnik hingegen würdigte ihn keines Blickes, verweigerte den Handschlag – und behandelte ihn wie einen Geist. Während der Partie offerierte Hort in ausgeglichener Stellung ein Remis. Botwinnik antwortete nicht, spielte einfach weiter. Doch als Hort nach einem kurzen Gang zur Toilette zurückkam, war sein Gegner verschwunden. Auf dem Tisch lag das unterschriebene Partieformular: ½–½.
Der französische Schiedsrichter sagte zu Hort: „Wenn Sie protestieren, gewinnen Sie die Partie.“ Doch Hort schwieg, unterschrieb das Remis – enttäuscht von seinem einstigen Idol, das er nun in einem anderen Licht sah.
Im April 1968 spielte Vlastimil Hort beim Turnier in Monte Carlo – ein Schachereignis der Extraklasse, mit Stars wie Bent Larsen, Smyslow und Mikhail Botwinnik. Letzterer, 57 Jahre alt, hatte angekündigt, dass es sein letztes Turnier werden würde. Umso größer war Horts Überraschung, als eines Morgens um acht Uhr das Telefon in seinem Hotelzimmer klingelte. Am anderen Ende meldete sich: Botwinnik.
Der Altmeister bot an, Hort bei seiner Hängepartie gegen Larsen mit Analysehilfe zu unterstützen. Larsen führte im Turnier knapp vor Botwinnik. Für Hort, damals 24 Jahre alt, war das ein unerhörtes Angebot. Zwar verstand er als Bürger der Tschechoslowakei Russisch, aber er antwortete in bestem Russisch und in aller Deutlichkeit: „Das mag bei euch in der Sowjetunion so üblich sein. In der zivilisierten Welt ist es das nicht.“ Er lehnte das Angebot empört ab und beendete das Gespräch.
Ein paar Tage später trafen die beiden am Brett aufeinander. Hort kam höflich gekleidet und frisch rasiert. Botwinnik hingegen würdigte ihn keines Blickes, verweigerte den Handschlag – und behandelte ihn wie einen Geist. Während der Partie offerierte Hort in ausgeglichener Stellung ein Remis. Botwinnik antwortete nicht, spielte einfach weiter. Doch als Hort nach einem kurzen Gang zur Toilette zurückkam, war sein Gegner verschwunden. Auf dem Tisch lag das unterschriebene Partieformular: ½–½.
Der französische Schiedsrichter sagte zu Hort: „Wenn Sie protestieren, gewinnen Sie die Partie.“ Doch Hort schwieg, unterschrieb das Remis – enttäuscht von seinem einstigen Idol, das er nun in einem anderen Licht sah.
In einem Beitrag auf Chess.com (29. Mai 2025) erinnert sich GM Gregory Serper an das Buch „The Best Move“ von Vlastimil Hort und Vlastimil Jansa als sein prägendstes Schachbuch. Für ihn ist Hort nicht nur ein großer Spieler, sondern vor allem der Autor dieses Werks, das Generationen sowjetischer Schachspieler – darunter auch einen jungen Garry Kasparow – geprägt hat. Serper erhielt das Buch im Alter von acht Jahren. Zunächst war es viel zu schwierig für ihn, aber er spürte instinktiv, dass es viel zu lernen gab, und las es immer wieder. Die 230 Tests im Buch vergleicht Serper mit Fotos im Album: Zunächst fremd, später aber mit wachsender Spielstärke „alte Freunde“. Viele Partien und Muster wurden ihm im Lauf der Jahre vertraut. Er schildert, wie einige Stellungen selbst Weltklasse-GMs wie Tal oder Jansa Schwierigkeiten bereiteten, aber auch, wie einzelne Aufgaben schon als Kind lösbar waren.
Serper betont, dass das Buch zwar für Anfänger zu schwer, aber für ehrgeizige Spieler eine Goldgrube sei. Wer sich intensiv mit den Aufgaben beschäftigt, wird garantiert ein besserer Schachspieler.
Amazon-Klappentext:
The Best Move is a collection of very hard chess problems based on actual grandmaster games. The reader is asked who has the advantage and why. Points are awarded not only for getting the answer right but for seeing deeply into the position. These problems are based primarily on the games of Grandmasters Hort and Grandmaster Jansa. These are not the typical “White to Play and Win” problems. Rather the reader is asked to decide who is better. These are very hard problems. Do not be surprised if you to not get any of them, or if you get them only by guessing.
Gregory Serper über sein Lieblings-Schachbuch
In einem Beitrag auf Chess.com (29. Mai 2025) erinnert sich GM Gregory Serper an das Buch „The Best Move“ von Vlastimil Hort und Vlastimil Jansa als sein prägendstes Schachbuch. Für ihn ist Hort nicht nur ein großer Spieler, sondern vor allem der Autor dieses Werks, das Generationen sowjetischer Schachspieler – darunter auch einen jungen Garry Kasparow – geprägt hat. Serper erhielt das Buch im Alter von acht Jahren. Zunächst war es viel zu schwierig für ihn, aber er spürte instinktiv, dass es viel zu lernen gab, und las es immer wieder. Die 230 Tests im Buch vergleicht Serper mit Fotos im Album: Zunächst fremd, später aber mit wachsender Spielstärke „alte Freunde“. Viele Partien und Muster wurden ihm im Lauf der Jahre vertraut. Er schildert, wie einige Stellungen selbst Weltklasse-GMs wie Tal oder Jansa Schwierigkeiten bereiteten, aber auch, wie einzelne Aufgaben schon als Kind lösbar waren.
Serper betont, dass das Buch zwar für Anfänger zu schwer, aber für ehrgeizige Spieler eine Goldgrube sei. Wer sich intensiv mit den Aufgaben beschäftigt, wird garantiert ein besserer Schachspieler.
Amazon-Klappentext:
The Best Move is a collection of very hard chess problems based on actual grandmaster games. The reader is asked who has the advantage and why. Points are awarded not only for getting the answer right but for seeing deeply into the position. These problems are based primarily on the games of Grandmasters Hort and Grandmaster Jansa. These are not the typical “White to Play and Win” problems. Rather the reader is asked to decide who is better. These are very hard problems. Do not be surprised if you to not get any of them, or if you get them only by guessing.
Helmut Pflegers in der ZEIT über Vlastimil Horts Tod:
In seiner Kolumne im ZEITmagazin erinnert sich Helmut Pfleger an seinen langjährigen Weggefährten Vlastimil Hort, der am 12. Mai im Alter von 81 Jahren gestorben ist – nur wenige Monate nach dem Tod von Boris Spasski und Robert Hübner. Die Nachricht von Hübners Tod habe Hort noch schwer erschüttert, insbesondere, weil Hübner ihn bei einem letzten Besuch in der Klinik nicht mehr erkannt habe.
Pfleger würdigt Hort als einen der größten Schachspieler deutscher Geschichte, der trotz gesundheitlicher Probleme – insbesondere Diabetes – bis zuletzt geistig präsent blieb. Dank der aufopferungsvollen Pflege seiner Frau Brigitte konnte er in seinem Zuhause sterben. Pfleger zitiert in diesem Zusammenhang liebevoll Ephraim Kishon, um die Bedeutung dieser Partnerschaft zu betonen: Hort hatte die beste aller Ehefrauen – und wusste es auch.
Schachlich gehörte Hort über Jahrzehnte zur Weltspitze, verpasste 1977 nur unglücklich durch Zeitüberschreitung in Gewinnstellung gegen Spasski den Einzug ins Kandidatenfinale. Pfleger erinnert sich an ihre vielen gemeinsamen Auftritte – bei Jugendweltmeisterschaften, Fernsehübertragungen im WDR, Kommentaren für ChessBase und Simultanveranstaltungen. Hort habe ihn einmal scherzhaft als seinen „siamesischen Zwilling“ bezeichnet – Ausdruck ihrer tiefen persönlichen und schachlichen Verbundenheit.
Helmut Pflegers in der ZEIT über Vlastimil Horts Tod:
In seiner Kolumne im ZEITmagazin erinnert sich Helmut Pfleger an seinen langjährigen Weggefährten Vlastimil Hort, der am 12. Mai im Alter von 81 Jahren gestorben ist – nur wenige Monate nach dem Tod von Boris Spasski und Robert Hübner. Die Nachricht von Hübners Tod habe Hort noch schwer erschüttert, insbesondere, weil Hübner ihn bei einem letzten Besuch in der Klinik nicht mehr erkannt habe.
Pfleger würdigt Hort als einen der größten Schachspieler deutscher Geschichte, der trotz gesundheitlicher Probleme – insbesondere Diabetes – bis zuletzt geistig präsent blieb. Dank der aufopferungsvollen Pflege seiner Frau Brigitte konnte er in seinem Zuhause sterben. Pfleger zitiert in diesem Zusammenhang liebevoll Ephraim Kishon, um die Bedeutung dieser Partnerschaft zu betonen: Hort hatte die beste aller Ehefrauen – und wusste es auch.
Schachlich gehörte Hort über Jahrzehnte zur Weltspitze, verpasste 1977 nur unglücklich durch Zeitüberschreitung in Gewinnstellung gegen Spasski den Einzug ins Kandidatenfinale. Pfleger erinnert sich an ihre vielen gemeinsamen Auftritte – bei Jugendweltmeisterschaften, Fernsehübertragungen im WDR, Kommentaren für ChessBase und Simultanveranstaltungen. Hort habe ihn einmal scherzhaft als seinen „siamesischen Zwilling“ bezeichnet – Ausdruck ihrer tiefen persönlichen und schachlichen Verbundenheit.
Am 24. Mai 2025 nahmen Familie, Freunde und Wegbegleiter Abschied von Vlastimil Hort. Die Trauerfeier in der Kapelle des Eitorfer Friedhofs war liebevoll gestaltet, mit Musik von Dvořák, Chopin und Morricone sowie einem bewegenden Akkordeon-Stück von Prof. Ingo Althöfer. Die Urnenbeisetzung wird in Prag erfolgen.
Brigitte Hort wurde von Sohn Daniel, Enkel Adam und engen Vertrauten begleitet. Auf ihren Wunsch hin sprachen drei langjährige Wegbegleiter:
Bodo Schmidt, einst Horts erster Schachkontakt in Deutschland und Mitspieler bei Porz, erinnerte an Horts Integration in Köln, seine humorvolle Art im Umgang mit Problemen und seine lebenslange Hingabe an das Schach.
André Schulz (ChessBase) würdigte Horts intuitive Schachstärke und seinen persönlichen Stil, selbst bei technischen Fragen lieber das direkte Gespräch zu suchen. Auch seine literarischen Arbeiten mit Ehefrau Brigitte wurden unterstützt.
Ulrich Gass, langjähriger Freund und juristischer Berater, zeichnete Horts menschliche Wärme und seine Bescheidenheit nach – vom Tennisdoppel in Lugano über Blitzpartien bis hin zu humorvollen Lebenssprüchen wie: „Ach, Uli, so viele scheene Sachen, die ich alle nicht brauche.“
Der Bericht hebt Horts Rolle als leidenschaftlichen, humorvollen und integren Menschen hervor, der mit seiner Liebe zum Schach und zu Brigitte bleibende Spuren hinterlässt – „das einzig Wichtige im Leben“, wie Gass mit einem Zitat von Albert Schweitzer schloss.
Am 24. Mai 2025 nahmen Familie, Freunde und Wegbegleiter Abschied von Vlastimil Hort. Die Trauerfeier in der Kapelle des Eitorfer Friedhofs war liebevoll gestaltet, mit Musik von Dvořák, Chopin und Morricone sowie einem bewegenden Akkordeon-Stück von Prof. Ingo Althöfer. Die Urnenbeisetzung wird in Prag erfolgen.
Brigitte Hort wurde von Sohn Daniel, Enkel Adam und engen Vertrauten begleitet. Auf ihren Wunsch hin sprachen drei langjährige Wegbegleiter:
Bodo Schmidt, einst Horts erster Schachkontakt in Deutschland und Mitspieler bei Porz, erinnerte an Horts Integration in Köln, seine humorvolle Art im Umgang mit Problemen und seine lebenslange Hingabe an das Schach.
André Schulz (ChessBase) würdigte Horts intuitive Schachstärke und seinen persönlichen Stil, selbst bei technischen Fragen lieber das direkte Gespräch zu suchen. Auch seine literarischen Arbeiten mit Ehefrau Brigitte wurden unterstützt.
Ulrich Gass, langjähriger Freund und juristischer Berater, zeichnete Horts menschliche Wärme und seine Bescheidenheit nach – vom Tennisdoppel in Lugano über Blitzpartien bis hin zu humorvollen Lebenssprüchen wie: „Ach, Uli, so viele scheene Sachen, die ich alle nicht brauche.“
Der Bericht hebt Horts Rolle als leidenschaftlichen, humorvollen und integren Menschen hervor, der mit seiner Liebe zum Schach und zu Brigitte bleibende Spuren hinterlässt – „das einzig Wichtige im Leben“, wie Gass mit einem Zitat von Albert Schweitzer schloss.
„Call me Tom, but don’t cheat me“ – Als Vlastimil Hort in London überfallen wurde
Es war 1983, Hort spielte gerade ein auf acht Partien angesetztes Schaumatch gegen Tony Miles in London. Nach vier Runden stand es 2:2, Hort war guter Dinge. Am Abend zog er los, stolz im Maßpelz aus Jugoslawien, die Hände tief in den Taschen, Richtung U-Bahn.
Auf der Rolltreppe änderte sich die Stimmung schlagartig: Ein Mann sprang vor ihn, presste ihm ein Bajonett an den Bauch. Hort bot sofort Geld an – doch der Angreifer fauchte zurück: „Es ist nicht das Geld, das ich will!“ Der Schweiß lief, die Rolltreppe trug beide nach oben, und Hort hatte Sekunden, um sich etwas einfallen zu lassen.
Er entschloss sich zu einem bluffartigen Rettungsmanöver, fast wie in einer verlorenen Partie: Er gab vor, selbst interessiert zu sein. „Oh yes, I’m like you. I live nearby in the Westhotel. We can stay together the whole night in my room!“ Der Täter, langes blondes Haar, billiges Parfum, zwei goldene Ohrringe, ließ sich täuschen. „All right, call me Tom, but don’t cheat me!“
So marschierten sie durch einen dunklen Park zum Hotel. Hort wusste: Nur im hellen Foyer könnte er sich retten. An der Rezeption verlangte er laut einen falschen Zimmerschlüssel. Doch das Personal blieb ungerührt, verabschiedete ihn höflich. Kein Helfer weit und breit.
Hort handelte: Mit einer schnellen Drehung schlug er dem Angreifer den Schlüssel ins Kinn – „bull’s eye!“ Tom ging k.o. zu Boden. Doch noch bevor Hort aufatmen konnte, stürzten drei Hotelangestellte auf ihn und überwältigten ihn, offenbar in der Annahme, er sei der Angreifer. Erst als die Polizei eintraf und Tom immer noch mit Bajonett in der Hand auf dem Boden lag, klärte sich alles auf. Der Mann war den Beamten längst bekannt – wegen „ungewöhnlicher Überfälle“.
Für Hort blieb eine schlaflose Nacht, in der ihm der Satz im Kopf herumspukte: „Call me Tom, but don’t cheat me.“ Am nächsten Tag am Brett zitterte er noch. Miles, typisch britisch-lakonisch, kommentierte nur: „That is London for you, Vlastimil.“
Horts Fazit, mit Humor trotz Trauma: Er genieße es, den Christopher Street Day anzusehen – aber sexuelle Übergriffe hasse er.
„Call me Tom, but don’t cheat me“ – Als Vlastimil Hort in London überfallen wurde
Es war 1983, Hort spielte gerade ein auf acht Partien angesetztes Schaumatch gegen Tony Miles in London. Nach vier Runden stand es 2:2, Hort war guter Dinge. Am Abend zog er los, stolz im Maßpelz aus Jugoslawien, die Hände tief in den Taschen, Richtung U-Bahn.
Auf der Rolltreppe änderte sich die Stimmung schlagartig: Ein Mann sprang vor ihn, presste ihm ein Bajonett an den Bauch. Hort bot sofort Geld an – doch der Angreifer fauchte zurück: „Es ist nicht das Geld, das ich will!“ Der Schweiß lief, die Rolltreppe trug beide nach oben, und Hort hatte Sekunden, um sich etwas einfallen zu lassen.
Er entschloss sich zu einem bluffartigen Rettungsmanöver, fast wie in einer verlorenen Partie: Er gab vor, selbst interessiert zu sein. „Oh yes, I’m like you. I live nearby in the Westhotel. We can stay together the whole night in my room!“ Der Täter, langes blondes Haar, billiges Parfum, zwei goldene Ohrringe, ließ sich täuschen. „All right, call me Tom, but don’t cheat me!“
So marschierten sie durch einen dunklen Park zum Hotel. Hort wusste: Nur im hellen Foyer könnte er sich retten. An der Rezeption verlangte er laut einen falschen Zimmerschlüssel. Doch das Personal blieb ungerührt, verabschiedete ihn höflich. Kein Helfer weit und breit.
Hort handelte: Mit einer schnellen Drehung schlug er dem Angreifer den Schlüssel ins Kinn – „bull’s eye!“ Tom ging k.o. zu Boden. Doch noch bevor Hort aufatmen konnte, stürzten drei Hotelangestellte auf ihn und überwältigten ihn, offenbar in der Annahme, er sei der Angreifer. Erst als die Polizei eintraf und Tom immer noch mit Bajonett in der Hand auf dem Boden lag, klärte sich alles auf. Der Mann war den Beamten längst bekannt – wegen „ungewöhnlicher Überfälle“.
Für Hort blieb eine schlaflose Nacht, in der ihm der Satz im Kopf herumspukte: „Call me Tom, but don’t cheat me.“ Am nächsten Tag am Brett zitterte er noch. Miles, typisch britisch-lakonisch, kommentierte nur: „That is London for you, Vlastimil.“
Horts Fazit, mit Humor trotz Trauma: Er genieße es, den Christopher Street Day anzusehen – aber sexuelle Übergriffe hasse er.
Der Deutsche Schachbund kündigt die Beisetzung von Vlastimil Hort am 9. Dezember 2025 auf dem Vyšehrader Nationalfriedhof in Prag an – einem Ort, an dem sonst bedeutende Künstler wie Antonín Dvořák, Bedřich Smetana und Alfons Mucha ruhen. DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach nennt dies eine außergewöhnliche Ehre und betont Horts Bedeutung für Deutschland. Martin Petr, Präsident des tschechischen Verbandes, erinnert an Horts Rolle bei der Popularisierung des Schachs in Tschechien.
Horts Familie dankt für die Unterstützung, während in Prag ein neues Gedenkturnier entsteht: Es wird jährlich im Hotel Don Giovanni ausgetragen, einem Ort, den Hort selbst als sein „zweites Zuhause“ bezeichnet hatte. Organisator Petr Boleslav und Hotelbetreiber Jaroslav Svoboda würdigen Hort als warmherzigen Menschen mit großem Humor.
Der Beitrag fasst zudem Horts Bedeutung zusammen: Vlastimil Hort (1944–2025) war der prägendste tschechoslowakische Schachspieler, mehrfacher Landesmeister, Kandidatenturnier-Teilnehmer und Botschafter der Schachkultur. Mit der Beisetzung auf Vyšehrad wird sein Lebenswerk Teil des tschechischen nationalen Gedächtnisses.
Der Deutsche Schachbund kündigt die Beisetzung von Vlastimil Hort am 9. Dezember 2025 auf dem Vyšehrader Nationalfriedhof in Prag an – einem Ort, an dem sonst bedeutende Künstler wie Antonín Dvořák, Bedřich Smetana und Alfons Mucha ruhen. DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach nennt dies eine außergewöhnliche Ehre und betont Horts Bedeutung für Deutschland. Martin Petr, Präsident des tschechischen Verbandes, erinnert an Horts Rolle bei der Popularisierung des Schachs in Tschechien.
Horts Familie dankt für die Unterstützung, während in Prag ein neues Gedenkturnier entsteht: Es wird jährlich im Hotel Don Giovanni ausgetragen, einem Ort, den Hort selbst als sein „zweites Zuhause“ bezeichnet hatte. Organisator Petr Boleslav und Hotelbetreiber Jaroslav Svoboda würdigen Hort als warmherzigen Menschen mit großem Humor.
Der Beitrag fasst zudem Horts Bedeutung zusammen: Vlastimil Hort (1944–2025) war der prägendste tschechoslowakische Schachspieler, mehrfacher Landesmeister, Kandidatenturnier-Teilnehmer und Botschafter der Schachkultur. Mit der Beisetzung auf Vyšehrad wird sein Lebenswerk Teil des tschechischen nationalen Gedächtnisses.
Am 9. Dezember wurde Vlastimil Hort in Prag beigesetzt – auf dem Vyšehrader Nationalfriedhof, Seite an Seite mit Dvořák, Smetana und Mucha. Auf dem Grabstein steht: Grand Maître d’Échecs. Der Deutsche Schachbund war durch Dr. Matthias Kribben vertreten, der Hort seit den 1970ern persönlich kannte.
Die Zeremonie war würdevoll – und ungewöhnlich. Nach der Rede seiner Witwe Brigitte Hort stießen die Trauergäste mit Champagner an, ganz im Sinne des lebensfrohen Großmeisters. Unter den Gästen: David Navara und Bessel Kok.
Hort, der acht Sprachen sprach, war nicht nur Kandidatenturnier-Teilnehmer und mehrfacher Landesmeister, sondern vor allem ein leidenschaftlicher Schachbotschafter – witzig, charmant, weltläufig.
Am 9. Dezember wurde Vlastimil Hort in Prag beigesetzt – auf dem Vyšehrader Nationalfriedhof, Seite an Seite mit Dvořák, Smetana und Mucha. Auf dem Grabstein steht: Grand Maître d’Échecs. Der Deutsche Schachbund war durch Dr. Matthias Kribben vertreten, der Hort seit den 1970ern persönlich kannte.
Die Zeremonie war würdevoll – und ungewöhnlich. Nach der Rede seiner Witwe Brigitte Hort stießen die Trauergäste mit Champagner an, ganz im Sinne des lebensfrohen Großmeisters. Unter den Gästen: David Navara und Bessel Kok.
Hort, der acht Sprachen sprach, war nicht nur Kandidatenturnier-Teilnehmer und mehrfacher Landesmeister, sondern vor allem ein leidenschaftlicher Schachbotschafter – witzig, charmant, weltläufig.