Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Thomas Weischede

Weischede sieht im DSB-Streit eine vertane Chance

Interviewpartner: Thomas Weischede – Interviewer: André Schulz – Medium: ChessBase / YouTube – 19. März 2026

Die anhaltenden Streitigkeiten im Deutschen Schachbund erschweren aus Sicht von Thomas Weischede genau das, was in einem Jahr mit vielen Jubiläen und sportlichen Erfolgen möglich wäre: Schach gemeinsam nach außen zu stärken. Das sagte Thomas Weischede im Gespräch mit André Schulz.

Weischede beschreibt 2026 als Jahr mit ungewöhnlich vielen Anlässen: 25 Jahre Emanuel-Lasker-Gesellschaft, 25 Jahre Karl, 125 Jahre Berliner Schachverband, 100 Jahre Dresdner Schachkongress und im kommenden Jahr 150 Jahre Deutscher Schachbund. Zugleich verweist er auf die sportliche Lage mit erfolgreichen Nationalspielern, Vincent Keymer, Matthias Blübaum und einer Frauen-Nationalmannschaft, deren Qualität aus seiner Sicht oft unterschätzt werde. Vor diesem Hintergrund sei viel Raum entstanden, um Schach kulturell und öffentlich weiter zu fördern.

Nähe zum DSB – dann Distanz

Die Lasker-Gesellschaft sei deshalb im vergangenen Jahr bewusst näher an den Deutschen Schachbund herangerückt, um gemeinsame Veranstaltungen bis Ende 2027 auf den Weg zu bringen. Weischede macht aber deutlich, dass die aktuellen Turbulenzen diesen Plan stören. Partner außerhalb der Schachwelt achteten genau darauf, mit wem sie sich verbänden. Wenn es in einem Verband Streit um Personen, Führung und Verfahren gebe, müsse die Lasker-Gesellschaft darauf Rücksicht nehmen.

Genau deshalb habe die Gesellschaft bereits geplante Vorhaben zunächst gestoppt und auf Abstand geschaltet. Zwei kulturelle Schachabende auf dem Schachgipfel in Dresden nennt Weischede ausdrücklich als Beispiel. Er sagt, man wolle abwarten, wie sich die Lage weiterentwickelt.

Vertraulichkeit nach dem Vermittlungsversuch

Weischede spricht auch die Bemühungen aus dem Vorjahr an, die Auseinandersetzungen ohne öffentliche Eskalation zu beenden. Er stellt klar, dass nicht nur er selbst, sondern auch andere daran mitgewirkt hätten. Weischede hätte es lieber gesehen, wenn die offenen Fragen frühzeitig geklärt worden wären. Die Vorstellung, bis August in einer Hängepartie zu bleiben, hält er für problematisch. Er fragt, warum man die Sache nicht kurzfristig im Rahmen eines Bundeskongresses klären könne. Entscheiden könne das die Lasker-Gesellschaft nicht, aber sie müsse mit den Folgen umgehen.

Weischede spricht von einem „Füllhorn von Möglichkeiten“, das durch die Streitigkeiten belastet werde. Für ihn geht es deshalb weniger um einzelne Personen als um die Frage, ob das gemeinsame Ziel – das Schach zu fördern – hinter persönlichen und internen Auseinandersetzungen zurücktritt.

Schachkultur als Netzwerk

Über den aktuellen Streit hinaus beschreibt Weischede die Lasker-Gesellschaft als Organisation, die Schachkultur über Partnerschaften und internationale Kontakte fördern will. Er nennt ein europaweites Netzwerk mit dem Projekt „Chess for Europe“, Kontakte nach Polen, Frankreich, Irland, in die Niederlande und in die Schweiz sowie Kooperationen mit Vereinen, Museen, Unternehmen und kulturellen Einrichtungen. Ziel sei es, Menschen und Institutionen zu vernetzen, damit daraus neue Projekte entstehen.

Für das Jubiläumsjahr kündigt er eine breite Palette an Vorhaben an: Unterstützung der Schachärztemeisterschaft in Bad Homburg, Präsenz beim Finale der Frauenbundesliga in Bad Königshofen, Veranstaltungen in Berlin, ein internationales Frauen-Schnellschachturnier in Chemnitz, Turniere in Tyrol und Barlinek sowie eine Wiederbelebung eigener Meisterschaften für MINT-Berufe. Dazu kommen längerfristige Projekte wie „Lasker Table on Tour“, eine Wanderausstellung zur Geschichte der Schacholympiaden und soziale Initiativen wie „Chess in Prison“.

 

Ob der seit Monaten laufenden Chessbase-Serie "Leute, die nichts Gutes über Ingrid Lauterbach sagen" die Protagonisten ausgehen? Es wiederholt sich doch arg, und es riecht nach bestellter Gefälligkeitsberichterstattung. Vor dem Hintergrund ist es heute ein bisschen komisch, dass sich der Interviewte im Gefälligkeitsinterview über ein "Gefälligkeitsgutachten" echauffiert.

Ein Kongress, unverzüglich

In der Sache liegt Thomas Weischede richtig. "Unverzüglich" hatte das Schiedsgericht angeordnet - vor bald drei Wochen. 

Werbung