Sir George Thomas (1881-1972)
Zitat von Conrad Schormann am 14. Juni 2025, 16:19 Uhrhttps://bsky.app/profile/chessolympus.bsky.social/post/3lrl4by6zfc2d
For the chess/badminton crossover fans out there, June 14 is George Thomas' birthday--British champion in both sports! From American Chess Bulletin, January 1926.
— Chess Olympus (@chessolympus.bsky.social) 2025-06-14T13:58:49.328Z
Zitat von Conrad Schormann am 10. Juli 2025, 19:43 Uhrhttps://bsky.app/profile/johnchess.bsky.social/post/3ltmmjgbq4k24
https://saund.org.uk/britbase/pgn/thomasga-viewer.html
New at BritBase: a collection of 1,209 games played by Sir George Thomas - even allowing for the inclusion of 164 stubs, that makes it the largest collection of his games available to date. saund.org.uk/britbase/pgn...
— John Saunders (@johnchess.bsky.social) 2025-07-10T15:12:21.840Z
Zitat von Conrad Schormann am 12. Juli 2025, 9:20 Uhrhttps://www.kingpinchess.net/2025/07/a-creature-without-counterpart/
Quelle: Kingpinchess.net,
republizierter Aufsatz von Sir George Thomas aus „The Evening News“, 15. August 1927Sir George Alan Thomas – gleichzeitig Spitzenkraft in Schach, Tennis, Hockey und Badminton – widmet sich in seinem 1927 erschienenen Aufsatz Chess Fiends! der besonderen Obsession, die Schach bei seinen Anhängern hervorrufe. Keine andere Sportart, so Thomas, übe einen derart durchdringenden Einfluss auf die Gemüter ihrer „Fanatiker“ aus – und das liege an der prinzipiellen Ort- und Zeitlosigkeit des Spiels. Schach könne überall gespielt werden, sogar allein – ein klarer Vorteil gegenüber Tennis oder Golf.
https://twitter.com/KingpinEd/status/1801514425771303396
Ein Beispiel für diese Besessenheit liefert Thomas mit einer Anekdote über Akiba Rubinstein. Während des Hastings-Turniers 1922 sei Rubinstein mit einem Taschenbrett auf eine vielbefahrene Straßenkreuzung gelaufen, habe dort seelenruhig einen Zug gemacht – während Busse auf ihn zurollten. Später in diesem Turnier habe Thomas selbst mit Rubinstein eine 13-stündige Partie über 119 Züge gespielt, die die Preisverleihung verzögerte. Rubinstein weigerte sich, ein Remis zu akzeptieren, obwohl die Stellung längst ausgeglichen war – was Thomas als typischen Fehler des „Unvermeidlichen-Verweigerers“ im Schach beschreibt.
Thomas lobt das sogenannte amerikanische Rundenturniersystem, bei dem alle Teilnehmenden gegeneinander antreten. Es führe zu ausgeglicheneren Wettkämpfen als Knockout-Turniere in Tennis oder Badminton. Überraschungsergebnisse seien im Schach sogar häufiger als in diesen Sportarten, obwohl Wetter, Licht oder andere äußere Bedingungen dort eigentlich eine größere Rolle spielten. Beim Turnier in Scarborough habe z. B. der Weltklassespieler Efim Bogoljubow nur 4½ Punkte aus neun Partien geholt – eine unerwartete Schwächephase.
https://bsky.app/profile/kingpined.bsky.social/post/3lttlzuqh3k2u
Ein weiterer Vorteil des Schachs: Die Tyrannei der Uhr. Während man bei anderen Sportarten oft lange auf Matches warten müsse, beginne im Schach das Spiel pünktlich – oder die Uhr des Abwesenden laufe bereits. Das Zeitsystem mit zwei mechanisch verbundenen Uhren zwinge zur Disziplin, und wer beim Ziehen vergesse, die Uhr zu stoppen, verliere unwiederbringlich wertvolle Minuten. Dennoch herrsche meist Fairness: Die meisten Schachspieler wiesen den Gegner auf solche Fehler hin – sie folgten eher dem Geist als dem Buchstaben des Gesetzes.
Thomas’ Text ist weniger Hommage als psychologische Beobachtung: Schach zieht seine Anhänger durch Tiefe und Allgegenwärtigkeit in einen Bann, den andere Spiele kaum erreichen. Das Resultat ist ein Kosmos aus Obsession, Disziplin, gelegentlicher Selbstüberschätzung – und einer überraschend menschlichen Etikette.
Quelle: Kingpinchess.net,
republizierter Aufsatz von Sir George Thomas aus „The Evening News“, 15. August 1927
Sir George Alan Thomas – gleichzeitig Spitzenkraft in Schach, Tennis, Hockey und Badminton – widmet sich in seinem 1927 erschienenen Aufsatz Chess Fiends! der besonderen Obsession, die Schach bei seinen Anhängern hervorrufe. Keine andere Sportart, so Thomas, übe einen derart durchdringenden Einfluss auf die Gemüter ihrer „Fanatiker“ aus – und das liege an der prinzipiellen Ort- und Zeitlosigkeit des Spiels. Schach könne überall gespielt werden, sogar allein – ein klarer Vorteil gegenüber Tennis oder Golf.
Sir George Thomas (1881-1972) was born OTD. Twice British Chess Champion (1923, 1934), in tennis he competed at Wimbledon 1906-26, reaching the last 16 of the Men's Singles in 1912. In his lifetime he was best known as a #badminton ace and was British singles champion 1920-23. pic.twitter.com/tCpp0GNGiP
— Jonathan Manley (@KingpinEd) June 14, 2024
Ein Beispiel für diese Besessenheit liefert Thomas mit einer Anekdote über Akiba Rubinstein. Während des Hastings-Turniers 1922 sei Rubinstein mit einem Taschenbrett auf eine vielbefahrene Straßenkreuzung gelaufen, habe dort seelenruhig einen Zug gemacht – während Busse auf ihn zurollten. Später in diesem Turnier habe Thomas selbst mit Rubinstein eine 13-stündige Partie über 119 Züge gespielt, die die Preisverleihung verzögerte. Rubinstein weigerte sich, ein Remis zu akzeptieren, obwohl die Stellung längst ausgeglichen war – was Thomas als typischen Fehler des „Unvermeidlichen-Verweigerers“ im Schach beschreibt.
Thomas lobt das sogenannte amerikanische Rundenturniersystem, bei dem alle Teilnehmenden gegeneinander antreten. Es führe zu ausgeglicheneren Wettkämpfen als Knockout-Turniere in Tennis oder Badminton. Überraschungsergebnisse seien im Schach sogar häufiger als in diesen Sportarten, obwohl Wetter, Licht oder andere äußere Bedingungen dort eigentlich eine größere Rolle spielten. Beim Turnier in Scarborough habe z. B. der Weltklassespieler Efim Bogoljubow nur 4½ Punkte aus neun Partien geholt – eine unerwartete Schwächephase.
George Thomas reached two #Wimbledon semi-finals and four quarter-finals between 1907 and 1912.
— Jonathan Manley (@kingpined.bsky.social) 2025-07-13T09:52:18.301Z
Ein weiterer Vorteil des Schachs: Die Tyrannei der Uhr. Während man bei anderen Sportarten oft lange auf Matches warten müsse, beginne im Schach das Spiel pünktlich – oder die Uhr des Abwesenden laufe bereits. Das Zeitsystem mit zwei mechanisch verbundenen Uhren zwinge zur Disziplin, und wer beim Ziehen vergesse, die Uhr zu stoppen, verliere unwiederbringlich wertvolle Minuten. Dennoch herrsche meist Fairness: Die meisten Schachspieler wiesen den Gegner auf solche Fehler hin – sie folgten eher dem Geist als dem Buchstaben des Gesetzes.
Thomas’ Text ist weniger Hommage als psychologische Beobachtung: Schach zieht seine Anhänger durch Tiefe und Allgegenwärtigkeit in einen Bann, den andere Spiele kaum erreichen. Das Resultat ist ein Kosmos aus Obsession, Disziplin, gelegentlicher Selbstüberschätzung – und einer überraschend menschlichen Etikette.
Zitat von Conrad Schormann am 10. März 2026, 12:08 UhrSir George Thomas und der letzte Auftritt des britischen Gentleman-Schachs
Quelle: Chess.com Blog – „A Century of Chess: Hastings 1934/5“, Sam Kahn, 8. März 2026
Schach als Sport des Gentleman, geprägt von Angriffslust, Fairness und Amateurgeist – diese Haltung verkörperte Sir George Thomas noch zu einer Zeit, als sich das Spiel längst in Richtung einer „wissenschaftlichen“ Schule entwickelt hatte. Das schreibt Chess.com Blog – „A Century of Chess: Hastings 1934/5“. Thomas galt als eine Figur aus einer anderen Epoche: ein aristokratischer Amateur, der romantische Angriffe schätzte und sich dem zunehmend systematischen Schachverständnis nur begrenzt anschloss.
Thomas war nicht nur Schachspieler. Er gehörte in Großbritannien zur sportlichen Elite und galt sogar als bester Badmintonspieler seines Landes. Auch im Tennis erreichte er bei Wimbledon späte Runden. 1918 erbte er den Titel eines Baronet und blieb damit eine der letzten aristokratischen Figuren, die eng mit dem „königlichen Spiel“ verbunden waren.
Der große Moment in Hastings
Beim Turnier von Hastings 1934/35 erlebte Thomas den Höhepunkt seiner Schachlaufbahn. Das Teilnehmerfeld zählte zu den stärksten in der Geschichte des traditionsreichen Turniers und umfasste mehrere Weltmeister. Dennoch gelangen Thomas zwei bemerkenswerte Siege – gegen José Raúl Capablanca und Michail Botwinnik.
Vor der letzten Runde führte Thomas das Turnier sogar mit einem halben Punkt Vorsprung vor Max Euwe an. Sein Gegner war der Landsmann Reginald Pryce Michell. Unter anderen Umständen hätte ein Remis beiden Spielern genügen können. Doch nach der Darstellung des Autors entsprach ein arrangiertes Remis nicht dem Geist der britischen Sporttradition. Die beiden spielten eine kämpferische Partie – und Michell gewann.
Ganz verlor Thomas dadurch nicht. Euwe zeigte sich von der kämpferischen Haltung seines Gegners beeindruckt und bot ihm aus einer besseren Stellung heraus ein Remis an. Am Ende stand ein dreifacher Turniersieg zusammen mit Max Euwe und Salo Flohr.
Andere Geschichten des Turniers
Der Erfolg von Thomas überdeckte eine Entwicklung, die aus schachhistorischer Sicht bedeutender war. Max Euwe präsentierte sich in Hastings in starker Form – kurz bevor er später gegen Alexander Aljechin um die Weltmeisterschaft spielen sollte. Parallel dazu spielte Salo Flohr ein präzises Turnier. Der Autor beschreibt seine Partien als beinahe gravitationslos: Kleine positionelle Fehler der Gegner führten schnell zu entscheidenden Nachteilen.
Eine der bekanntesten Partien des Turniers stammte jedoch nicht von einem der Sieger. André Lilienthal, der am Ende Fünfter wurde, gewann gegen Capablanca eine Partie, die später große Berühmtheit erlangte. Jahrzehnte danach erinnerte sich Bobby Fischer daran. Als er Lilienthal 1992 begegnete, begrüßte er ihn mit den Worten: „Bauer e5 schlägt f6.“
https://youtu.be/6BE3bFHg9UU
Licht und Schatten der Ergebnisse
Für Capablanca blieb das Turnier trotz zweier Niederlagen kein schwerer Rückschlag. Der ehemalige Weltmeister hatte seit 1931 kaum Turniere gespielt und sollte 1936 wieder zu starken Ergebnissen zurückfinden.
Für Botwinnik war das Ergebnis deutlich schmerzhafter. Er bezeichnete Hastings später als „mein Fiasko“. Das Turnier war eine der ersten Gelegenheiten, sowjetisches Schach international zu präsentieren. Für viele Spieler hätte ein solches Resultat möglicherweise das Ende der Karriere bedeutet. Botwinnik hingegen verfügte über politische Unterstützung und erhielt weitere Chancen.
Ein Turnier zwischen zwei Schachwelten
Das Turnier von Hastings 1934/35 zeigt nach Darstellung des Autors einen Übergang. Auf der einen Seite steht mit Sir George Thomas eine Figur aus der Tradition des Gentleman-Amateurs, der romantische Angriffsideen pflegt und sportliche Fairness über taktische Vorsicht stellt. Auf der anderen Seite formiert sich eine neue Generation von Spielern, die Schach zunehmend systematisch und wissenschaftlich versteht. Thomas’ größter Erfolg fällt genau in diesen Moment des Übergangs. Sein Turnier bleibt deshalb weniger als Beginn einer neuen Epoche in Erinnerung als als letzter großer Auftritt eines älteren Schachideals.
Sir George Thomas und der letzte Auftritt des britischen Gentleman-Schachs
Quelle: Chess.com Blog – „A Century of Chess: Hastings 1934/5“, Sam Kahn, 8. März 2026
Schach als Sport des Gentleman, geprägt von Angriffslust, Fairness und Amateurgeist – diese Haltung verkörperte Sir George Thomas noch zu einer Zeit, als sich das Spiel längst in Richtung einer „wissenschaftlichen“ Schule entwickelt hatte. Das schreibt Chess.com Blog – „A Century of Chess: Hastings 1934/5“. Thomas galt als eine Figur aus einer anderen Epoche: ein aristokratischer Amateur, der romantische Angriffe schätzte und sich dem zunehmend systematischen Schachverständnis nur begrenzt anschloss.
Thomas war nicht nur Schachspieler. Er gehörte in Großbritannien zur sportlichen Elite und galt sogar als bester Badmintonspieler seines Landes. Auch im Tennis erreichte er bei Wimbledon späte Runden. 1918 erbte er den Titel eines Baronet und blieb damit eine der letzten aristokratischen Figuren, die eng mit dem „königlichen Spiel“ verbunden waren.
Der große Moment in Hastings
Beim Turnier von Hastings 1934/35 erlebte Thomas den Höhepunkt seiner Schachlaufbahn. Das Teilnehmerfeld zählte zu den stärksten in der Geschichte des traditionsreichen Turniers und umfasste mehrere Weltmeister. Dennoch gelangen Thomas zwei bemerkenswerte Siege – gegen José Raúl Capablanca und Michail Botwinnik.
Vor der letzten Runde führte Thomas das Turnier sogar mit einem halben Punkt Vorsprung vor Max Euwe an. Sein Gegner war der Landsmann Reginald Pryce Michell. Unter anderen Umständen hätte ein Remis beiden Spielern genügen können. Doch nach der Darstellung des Autors entsprach ein arrangiertes Remis nicht dem Geist der britischen Sporttradition. Die beiden spielten eine kämpferische Partie – und Michell gewann.
Ganz verlor Thomas dadurch nicht. Euwe zeigte sich von der kämpferischen Haltung seines Gegners beeindruckt und bot ihm aus einer besseren Stellung heraus ein Remis an. Am Ende stand ein dreifacher Turniersieg zusammen mit Max Euwe und Salo Flohr.
Andere Geschichten des Turniers
Der Erfolg von Thomas überdeckte eine Entwicklung, die aus schachhistorischer Sicht bedeutender war. Max Euwe präsentierte sich in Hastings in starker Form – kurz bevor er später gegen Alexander Aljechin um die Weltmeisterschaft spielen sollte. Parallel dazu spielte Salo Flohr ein präzises Turnier. Der Autor beschreibt seine Partien als beinahe gravitationslos: Kleine positionelle Fehler der Gegner führten schnell zu entscheidenden Nachteilen.
Eine der bekanntesten Partien des Turniers stammte jedoch nicht von einem der Sieger. André Lilienthal, der am Ende Fünfter wurde, gewann gegen Capablanca eine Partie, die später große Berühmtheit erlangte. Jahrzehnte danach erinnerte sich Bobby Fischer daran. Als er Lilienthal 1992 begegnete, begrüßte er ihn mit den Worten: „Bauer e5 schlägt f6.“
Licht und Schatten der Ergebnisse
Für Capablanca blieb das Turnier trotz zweier Niederlagen kein schwerer Rückschlag. Der ehemalige Weltmeister hatte seit 1931 kaum Turniere gespielt und sollte 1936 wieder zu starken Ergebnissen zurückfinden.
Für Botwinnik war das Ergebnis deutlich schmerzhafter. Er bezeichnete Hastings später als „mein Fiasko“. Das Turnier war eine der ersten Gelegenheiten, sowjetisches Schach international zu präsentieren. Für viele Spieler hätte ein solches Resultat möglicherweise das Ende der Karriere bedeutet. Botwinnik hingegen verfügte über politische Unterstützung und erhielt weitere Chancen.
Ein Turnier zwischen zwei Schachwelten
Das Turnier von Hastings 1934/35 zeigt nach Darstellung des Autors einen Übergang. Auf der einen Seite steht mit Sir George Thomas eine Figur aus der Tradition des Gentleman-Amateurs, der romantische Angriffsideen pflegt und sportliche Fairness über taktische Vorsicht stellt. Auf der anderen Seite formiert sich eine neue Generation von Spielern, die Schach zunehmend systematisch und wissenschaftlich versteht. Thomas’ größter Erfolg fällt genau in diesen Moment des Übergangs. Sein Turnier bleibt deshalb weniger als Beginn einer neuen Epoche in Erinnerung als als letzter großer Auftritt eines älteren Schachideals.
