Semyon Furman (1920–1978)
Zitat von Conrad Schormann am 5. Dezember 2025, 11:26 Uhr„Weltmeister mit Weiß“ – das Leben des Trainers Semjon Furman
dgriffinchess.wordpress.com – „Semyon Furman (1920–1978)“, Douglas Griffin
Douglas Griffin zeichnet Semjon Abramowitsch Furman als späten, aber außergewöhnlich tiefen Kopf der sowjetischen Schachszene – stärker als Theoretiker und Trainer als als Turnierstar.
Furman wurde 1920 in Pinsk geboren, wuchs ab 1931 in Leningrad auf und lernte bei Ilja Rabinowitsch, einem positionsstarken Endspielexperten. Statt Studium arbeitete Furman in einer Fabrik, steckte aber bald seine ganze Energie in Schach. Zeitzeugen wie Mark Taimanow schildern, wie Furman nächtelang Varianten prüfte, alles in dicke Hefte schrieb und mit enormer Sturheit in Eröffnungen und Endspiele hineinanalysierte.
Als Spieler kam Furman vergleichsweise spät nach oben: Nach Kriegsdienst und Auszeichnung gewann er 1945 ein UdSSR-Turnier der 1. Kategorie, wurde 1946 Meister und sorgte 1948 bei der UdSSR-Meisterschaft für Aufsehen, als er bis kurz vor Schluss um den Turniersieg mitspielte und am Ende Dritter wurde – vor vielen bekannten Namen. Insgesamt spielte er achtmal im Finale der UdSSR-Meisterschaft und wurde 1966 Großmeister, erreichte diese frühe Höhe von 1948 aber nicht mehr.
Parallel reifte sein Ruf als Theoretiker. Furman arbeitete an Spanisch, Nimzo-Indisch, Damenindisch und anderen Strukturen, oft gemeinsam mit Leningrader Kollegen. In der Sowjetunion galt er als „Weltmeister mit Weiß“, weil seine Weißpartien in bestimmten Systemen als Modellpartien galten.
Noch prägender war seine Rolle als Trainer. Furman half David Bronstein beim WM-Kampf gegen Michail Botwinnik 1951 und bei späteren Kandidatenturnieren, arbeitete mit Botwinnik selbst, unterstützte Wiktor Kortschnoi in Kandidatenmatches und war gemeinsam mit Isaak Boleslawski Trainer der UdSSR-Mannschaft vor dem „Match des Jahrhunderts“ 1970.
Sein Name ist heute vor allem mit Anatoli Karpow verbunden. Ab 1968 arbeiteten beide eng zusammen, Karpow zog sogar von Moskau nach Leningrad, um näher bei Furman zu sein. Karpow beschreibt Furman als seltene Kombination aus starkem praktischen Spieler und herausragendem Trainer, der ihn über rund zehn Jahre von Meisterniveau bis zum Weltmeistertitel führte. Für diese Arbeit erhielt Furman 1973 den Titel „Verdienter Trainer der UdSSR“. In dieser Phase erlebte er selbst noch einmal ein spielerisches Hoch, etwa mit starken Turnieren in Madrid 1973 und Bad Lauterberg 1977.
Furman war starker Raucher und gesundheitlich angeschlagen, wurde 1966 wegen Magenkrebs operiert, die Krankheit kehrte zurück. Er starb 1978 in Leningrad. Für Karpow, der im selben Jahr gegen Kortschnoi um die Weltmeisterschaft spielte, war das ein schwerer Verlust.
Der Beitrag schließt mit einer langen Liste kommentierter Furman-Partien gegen Größen wie Keres, Smyslow, Spasski, Petrosjan, Polugajewski oder Gligorić – als spielerisches Erbe eines Mannes, dessen größte Stärke oft am Analysenbrett lag, im Schatten der Stars, die er besser gemacht hat.
https://dgriffinchess.wordpress.com/2020/11/30/semyon-furman-1920-1978/
„Weltmeister mit Weiß“ – das Leben des Trainers Semjon Furman
dgriffinchess.wordpress.com – „Semyon Furman (1920–1978)“, Douglas Griffin
Douglas Griffin zeichnet Semjon Abramowitsch Furman als späten, aber außergewöhnlich tiefen Kopf der sowjetischen Schachszene – stärker als Theoretiker und Trainer als als Turnierstar.
Furman wurde 1920 in Pinsk geboren, wuchs ab 1931 in Leningrad auf und lernte bei Ilja Rabinowitsch, einem positionsstarken Endspielexperten. Statt Studium arbeitete Furman in einer Fabrik, steckte aber bald seine ganze Energie in Schach. Zeitzeugen wie Mark Taimanow schildern, wie Furman nächtelang Varianten prüfte, alles in dicke Hefte schrieb und mit enormer Sturheit in Eröffnungen und Endspiele hineinanalysierte.
Als Spieler kam Furman vergleichsweise spät nach oben: Nach Kriegsdienst und Auszeichnung gewann er 1945 ein UdSSR-Turnier der 1. Kategorie, wurde 1946 Meister und sorgte 1948 bei der UdSSR-Meisterschaft für Aufsehen, als er bis kurz vor Schluss um den Turniersieg mitspielte und am Ende Dritter wurde – vor vielen bekannten Namen. Insgesamt spielte er achtmal im Finale der UdSSR-Meisterschaft und wurde 1966 Großmeister, erreichte diese frühe Höhe von 1948 aber nicht mehr.
Parallel reifte sein Ruf als Theoretiker. Furman arbeitete an Spanisch, Nimzo-Indisch, Damenindisch und anderen Strukturen, oft gemeinsam mit Leningrader Kollegen. In der Sowjetunion galt er als „Weltmeister mit Weiß“, weil seine Weißpartien in bestimmten Systemen als Modellpartien galten.
Noch prägender war seine Rolle als Trainer. Furman half David Bronstein beim WM-Kampf gegen Michail Botwinnik 1951 und bei späteren Kandidatenturnieren, arbeitete mit Botwinnik selbst, unterstützte Wiktor Kortschnoi in Kandidatenmatches und war gemeinsam mit Isaak Boleslawski Trainer der UdSSR-Mannschaft vor dem „Match des Jahrhunderts“ 1970.
Sein Name ist heute vor allem mit Anatoli Karpow verbunden. Ab 1968 arbeiteten beide eng zusammen, Karpow zog sogar von Moskau nach Leningrad, um näher bei Furman zu sein. Karpow beschreibt Furman als seltene Kombination aus starkem praktischen Spieler und herausragendem Trainer, der ihn über rund zehn Jahre von Meisterniveau bis zum Weltmeistertitel führte. Für diese Arbeit erhielt Furman 1973 den Titel „Verdienter Trainer der UdSSR“. In dieser Phase erlebte er selbst noch einmal ein spielerisches Hoch, etwa mit starken Turnieren in Madrid 1973 und Bad Lauterberg 1977.
Furman war starker Raucher und gesundheitlich angeschlagen, wurde 1966 wegen Magenkrebs operiert, die Krankheit kehrte zurück. Er starb 1978 in Leningrad. Für Karpow, der im selben Jahr gegen Kortschnoi um die Weltmeisterschaft spielte, war das ein schwerer Verlust.
Der Beitrag schließt mit einer langen Liste kommentierter Furman-Partien gegen Größen wie Keres, Smyslow, Spasski, Petrosjan, Polugajewski oder Gligorić – als spielerisches Erbe eines Mannes, dessen größte Stärke oft am Analysenbrett lag, im Schatten der Stars, die er besser gemacht hat.