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Sebastian Siebrecht

Der Wohlfühl-Kümmerer: Sebastian Siebrecht und die Internationalen Bayerischen Meisterschaften

“Alle vier sind heiß auf Wettkampf”: Sebastian Siebrecht und das Ringen ums Tegernsee Masters

Sebastian Siebrecht: Vom Schulhof bis zur Weltbühne des Schachs

Sebastian Siebrecht ist vieles zugleich: Großmeister, Organisator, Motivator, Strippenzieher – und vor allem ein Mann mit Mission. Wie das Nachrichtenportal Come On berichtet, pendelt der Zwei-Meter-Hüne derzeit zwischen Grundschulen im Sauerland und Schachgipfeln in Paris, New York oder Las Vegas. Für ihn kein Widerspruch. „Am Ende geht es um Schach“, sagt er, „und darum, Menschen ein gutes Gefühl zu geben.“

In dieser Woche tourt Siebrecht mit seinem „Faszination Schach“-Team durch Halver, Schalksmühle und Lüdenscheid. Dort bringt er Grundschulkindern das königliche Spiel bei – inzwischen zum zwölften Mal. 125.000 Kinder hat er bereits erreicht. Parallel ist er als „Chess Chief Officer“ (CCO) der Freestyle Chess Operations GmbH maßgeblich an der Organisation des Freestyle Grand Slam beteiligt, einer neuen Turnierserie mit Magnus Carlsen, Ding Liren und Gukesh im Teilnehmerfeld. „Freestyle ist energisch und frisch. Das macht einfach Spaß“, sagt Siebrecht.

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Carlsen kennt er seit dessen Kindheit, mit Niemann muss er in Paris eine heikle Atmosphäre moderieren. Doch genau das ist seine Spezialität. Als „Wohlfühl-Kümmerer“ wird er beschrieben – ein Begriff, der ihm gefällt. Er sorgt dafür, dass sich Weltstars wie Schulkinder gleichermaßen willkommen fühlen. In Weissenhaus 2024 kümmerte er sich um den damals strauchelnden Weltmeister Ding Liren, baute ihn auf, schuf Nähe und Vertrauen.

Auch bei St. Pauli hat Siebrecht seine Spuren hinterlassen. Er entwickelte die „Wikinger“-Identität des Bundesliga-Schachteams mit Carlsen und Co., brachte den Kultklub ins Rampenlicht der Szene. Medienrummel inklusive.

Von Lüdenscheid nach Las Vegas – Siebrecht meistert den Spagat. Und bleibt doch immer auf dem Boden: „Schach ist mein Herzensprojekt. Ob mit Kindern oder Weltmeistern – es geht ums Spiel.“

„Ich will das Feuer entfachen“

Interviewpartner: Sebastian Siebrecht · Interview: Jan Fischer · Neue Presse Coburg (Abo) · 27.03.2026

Kinder brauchen keine komplizierten Zugänge zum Schach, sondern Begeisterung, Ansprache und Aufgaben, die sie fordern. Das sagte Sebastian Siebrecht im Gespräch mit Neue Presse Coburg.

Der Großmeister beschreibt seinen eigenen Weg als früh geprägt durch Familie und Schule. Eine Schach-AG im Gymnasium habe den entscheidenden Impuls gegeben. Er spielte häufig, lernte schnell und übernahm früh Verantwortung, etwa als Mannschaftsführer im Jugendalter. Parallel interessierte er sich für Basketball, entschied sich aber bewusst für Schach.

Vom Spieler zum Vermittler

Den klassischen Weg als Profi schlug Siebrecht nicht ein. Nach dem Jurastudium gründete er eine Eventagentur und erfüllte parallel die letzte Norm zum Großmeister. Die Arbeit mit Kindern entwickelte sich aus dieser Tätigkeit. Er erkannte, dass er junge Menschen erreichen kann, und baute eine eigene Schachschule auf. Dort werden jedes Jahr rund 500 Kinder betreut.

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Sein Anspruch ist klar formuliert: fördern und fordern. Besonders wichtig ist ihm der Zugang für Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Erfolgserlebnisse am Brett schaffen Anerkennung und Selbstvertrauen. Netzwerke und Sponsoren helfen, solche Projekte dauerhaft zu tragen.

Schach als Erlebnis

Mit der Tour „Faszination Schach“ verfolgt Siebrecht dieses Ziel bundesweit. Seit 2012 bringt er das Spiel in Einkaufszentren. Mehr als 150.000 Kinder haben so erste Erfahrungen gesammelt oder ihre Fähigkeiten verbessert.

Der Zugang ist bewusst niedrigschwellig. Siebrecht setzt auf spielerische Elemente, spricht Kinder direkt an und baut Spannung auf. Er beschreibt sich selbst als „Anzünder“, der Interesse weckt und aufrechterhält. Trotz veränderter Aufmerksamkeitsspannen sieht er keinen grundsätzlichen Unterschied zu früher – entscheidend bleibt die Art der Ansprache.

Langfristige Bindung entsteht durch stetige Herausforderungen. Kinder wollen lernen und neue Aufgaben lösen. Einige Teilnehmer haben sich später bis in leistungsorientierte Bereiche entwickelt und Titel wie FIDE-Meister oder Internationaler Meister erreicht.

Blick auf die Spitze

Über viele Jahre hat Siebrecht enge Kontakte zur Weltelite aufgebaut. Besonders hebt er Magnus Carlsen hervor, den er seit Jahrzehnten kennt. Er beschreibt ihn als Ausnahmefigur mit fotografischem Gedächtnis und großer Arbeitsdisziplin. Zugleich sieht er Unterschiede zur jungen Generation, die stärker am Computer trainiert.

Die Entwicklung im Spitzenschach bewertet er zurückhaltend. Jüngere Spieler drängen früh nach oben, könnten aber schneller an Grenzen stoßen. Ob das langfristig trägt, lässt er offen.

Wandel im Spiel

Im Freestyle-Schach erkennt Siebrecht eine Ergänzung zum klassischen Format. Durch ausgeloste Startstellungen entfällt Vorbereitung, Entscheidungen entstehen direkt am Brett. Er sieht darin eine Rückkehr zu kreativem Spiel, ohne das klassische Schach infrage zu stellen.

Auch das Online-Schach hat neue Spielergruppen hervorgebracht. Viele kommen erstmals an reale Bretter, nachdem sie nur digital gespielt haben. Gleichzeitig spricht Siebrecht offen über Betrug im Netz. Technische Mittel helfen, doch eine vollständige Lösung sieht er nicht.

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