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Schiedsrichter versus Fair-Play-Zuständige

Es gibt hier ja diese Liste mit Themen, die jede Schachwebsite oder -zeitschrift mit Ambition längst hätte machen sollen. Seit April steht darauf der neue Konflikt am Brettrand, Schiedsrichter vs. Fair-Play-Officer. Im April hat dazu Malcolm Pein aus England eine bemerkenswerte Kolumne veröffentlicht:

Zusammenfassung der Kolumne „Unfair Play“ von Malcolm Pein 

Malcolm Pein kritisiert scharf die Entwicklung innerhalb der FIDE, bei der die Fair Play Commission (FPC) zunehmend Kontrolle über Turniere übernimmt – auf Kosten der Schiedsrichter, des Turnierklimas und der Spielkultur. Die ursprünglich sinnvolle Idee, Betrug besser zu bekämpfen, sei pervertiert worden: Die FPC agiere mit überzogenen Befugnissen, während erfahrene Schiedsrichter entmachtet und respektlos behandelt würden.

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Pein zieht einen Vergleich zur Machtverschiebung im sowjetischen System – von normalen Polizisten zur allmächtigen Geheimpolizei. Praktisch habe das dazu geführt, dass Fair Play Officer heute Turnierverläufe diktieren, willkürliche Eingriffe vornehmen und selbst Topspieler wie Mamedyarov oder Kapitäne wie Pein selbst maßregeln, teilweise auf lächerliche Weise.

Seit der Schacholympiade 2022 in Chennai sei die Situation eskaliert: unnötige Kontrollen, willkürliche Zutrittsverbote, entwürdigende Leibesvisitationen – darunter auch mutmaßlich eine Art "Stripsearch" bei einer Spielerin. Die Kritik wachse: ein „Rebellengruppchen“ erfahrener Schiedsrichter, 13 internationale Veranstalter, mehrere Verbände und Spielergruppen (etwa bei den Senioren-Weltmeisterschaften) protestieren massiv. Sogar ein geplanter Protestbrief wurde angesichts der breiten Ablehnung überflüssig.

Pein fordert eine Rückverlagerung der Kontrolle: Die Fair Play-Kommission solle sich auf technologische Betrugserkennung konzentrieren, während Turniere wieder unter der Leitung erfahrener Schiedsrichter stehen sollten. Die Absetzung von Yuri Garrett als FPC-Vorsitzender reiche nicht aus – die Struktur müsse reformiert oder aufgelöst werden. Der gegenwärtige Zustand sei entwürdigend, kostspielig und abschreckend für Ausrichter, Spieler und Offizielle.

Pressemitteilung

FIDE Official Statement on Fair Play

FIDE is aware of recent online publications alleging that the Fair Play Commission is unwilling to cooperate with arbiters, as well as personal attacks directed at members of the Arbiters Commission and Fair Play Commission. These claims are unfounded and misrepresent the extensive collaborative work undertaken in recent months.

FIDE firmly reiterates that the strengthening of fair play in chess is a shared responsibility. Significant progress has already been made in aligning the functions of arbiters and fair play specialists, improving the pathways for fair play title acquisition, and enhancing training standards across both areas. This work continues with the full support of FIDE leadership.

In accordance with the decision of the FIDE Council, the Fair Play Commission will convene another consultation meeting in the nearest days with all relevant stakeholders. The goal of this meeting is to finalize the next steps for improved coordination, training, and functional alignment between fair play and arbiter responsibilities, ensuring a unified and systematic approach to fair play control at major FIDE events.

FIDE unequivocally denounces any publications, statements, or personal attacks that undermine these cooperative efforts or hinder the development of a strong, integrated fair play framework. We call on all members of the chess community to support constructive dialogue, professionalism, and respect for the institutions and individuals working to protect the integrity of our sport.

FIDE – the International Chess Federation – remains fully committed to fair, transparent, and unified standards in chess.

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