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Schachfreunde Dettingen

Online-Boom trifft Vereinsalltag: Schachfreunde Dettingen zwischen Klicks und Klubraum

Quelle: Südwest-Presse – „Nischensport im Profil: Wie und warum Schach zur Trendsportart wurde“, von Larissa Renz, 15. Januar 2026

Der weltweite Online-Boom des Schachsports kommt bei den Schachfreunden Dettingen nur begrenzt an. Das macht Philipp Schmid, Vorsitzender des Vereins, im Gespräch mit der Südwest-Presse deutlich. Schmid spielt selbst seit mehr als 30 Jahren Schach und nutzt seit Beginn der Corona-Pandemie intensiv Online-Plattformen wie Lichess. Angemeldet hat er sich am 20. März 2020 – an dem Tag, an dem klar war, dass ein normaler Trainingsbetrieb im Verein vorerst nicht mehr möglich sein würde.

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Schmid beschreibt die digitale Entwicklung als massiv und dauerhaft. Online-Plattformen seien technisch ausgereift, für jedes Spielniveau geeignet und hätten eine weltweite Community geschaffen. Streams und Social Media hätten das Spiel sichtbarer gemacht, mit Figuren wie Hikaru Nakamura oder Magnus Carlsen als Zugpferden. Nakamura erreiche auf Twitch rund zwei Millionen Menschen. Für Schmid ist das dennoch kein Beleg dafür, dass Schach den Status einer Nischensportart verlässt. Dafür seien die Regeln zu komplex und das Spiel als Zuschauersport zu erklärungsbedürftig – selbst für erfahrene Spieler.

Im Verein spürt Schmid vom Online-Hype wenig direkte Effekte. Zwar habe ein Mitglied der Schachfreunde Dettingen online zur Leidenschaft zurückgefunden und sei in den Klub zurückgekehrt. Umgekehrt habe er aber noch keinen Fall erlebt, in dem jemand online mit Schach begonnen und danach gezielt einen lokalen Verein gesucht habe. Neue Mitglieder kämen weiterhin vor allem über persönliche Kontakte, Familie und Freunde. Online-Schach senke die Einstiegshürden, ersetze aber nicht den Weg in den Verein.

Gleichzeitig betont Schmid die klare Trennung zwischen digitaler und analoger Schachwelt. Manche Varianten funktionierten nur online, ihm persönlich fehle dort jedoch der direkte Blickkontakt zum Gegner. Auch das Thema Betrug spiele online eine größere Rolle, weshalb Turniere inzwischen mit mehreren Kameras überwacht würden. Die professionelle Aufmachung von Online-Events, etwa im Fernsehen oder beim E-Sports World Cup 2025, ändere aus seiner Sicht nichts an den Grundmechanismen des Sports.

Positiv fällt der Blick auf die Nachwuchsarbeit aus: Den Schachfreunden Dettingen ist es im vergangenen Jahr gelungen, ihre Jugendabteilung neu zu beleben. 14 Kinder und Jugendliche trainieren inzwischen regelmäßig. Darauf ist Schmid stolz – ohne daraus größere Trends abzuleiten. Für ihn bleibt Schach ein Sport mit zwei Welten. Wer sie verwechsle, ziehe falsche Schlüsse über Reichweite, Wachstum und die Realität der Vereine.

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