Philadelphia 1993: "John von Neumann", der amerikanische Clemens Allwermann
Zitat von Conrad Schormann am 18. April 2026, 8:59 UhrDer Mann mit den falschen Dreadlocks: Wie Spieler einen Schachgroßmeister mit einem Computer überlisteten
Quelle: WIRED – „The Gamblers Behind One of the Weirdest Cheating Mysteries in Chess Have Been Unmasked", 14. April 2026, Kit Chellel
Ein Mann mit Dreadlocks und einem Summen in der Hosentasche betrat im Juli 1993 das World Open Schachturnier in Philadelphia und trug sich als John von Neumann ein. Das berichtet WIRED. Der echte Von Neumann – Mathematiker, Mitbegründer der Spieltheorie – war 1957 gestorben. Der falsche spielte sich durch die ersten Runden, remisierte gegen einen Großmeister und verschwand, bevor irgendjemand herausfand, wer er war. Über dreißig Jahre blieb es ein Rätsel.
Zwei Freunde, ein Plan und ein Koffer voller Technik
Der Mann unter der Perücke war John Wayne, genannt „der Duke" – ein ehemaliger Soldat mit militärischer Haltung und einem breiten Lächeln. Sein bester Freund Rob Reitzen, ein dyslexischer Tüftler mit Baseballmütze über einem Wust aus Locken, hatte sich in den Jahren zuvor einen Zilog-Z80-Mikroprozessor in einen Gürtel eingebaut, mit dem er Blackjack-Wahrscheinlichkeiten berechnete. Für ein anderes Projekt postierten er und Wayne einen Kleinkamera im Gürtelschnallen-Knopfloch eines Mitspielers und empfingen die Bilder in einem Truck mit Kommunikationsantenne. Ob das Betrug war? Wahrscheinlich, räumten beide später ein. Aber der Gewinn übertönte jeden Einwand.
Für Philadelphia packten sie Rechner, Schalter, Kabel und Vibrationsgeber in einen Koffer und flogen von Los Angeles aus. Der Plan: Wayne würde am Brett sitzen, die Züge des Gegners per Zehenschalter im Schuh an Reitzen übermitteln, der in einem Hotelzimmer vor Monitoren seine Schach-Software laufen lassen würde. Die Antworten käme als Vibration zurück – codiert in Impulse an einem Gerät, das Wayne am Körper trug. Die falschen Dreadlocks dienten dazu, die Kopfhörer an Ort zu halten. Den Namen Von Neumann wählten sie für einen Witz. „Wie der Vater der Spieltheorie?", fragte ein Turniermitarbeiter ungläubig. Wayne nickte. Der Beamte trug ihn ins Startfeld ein.
67 Minuten Stille und ein ratloser Großmeister
In Runde zwei saß Wayne einem der stärksten Spieler des Turniers gegenüber: dem isländischen Großmeister Helgi Ólafsson, einem früheren Wunderkind. Wayne hob und senkte die Zehen, wartete auf Impulse, starrte an die Decke. Es dauerte jeweils viel länger als erwartet. Die Verbindung riss mehrfach ab. In der Schlussphase spielte Wayne ohne jede Computerhilfe – und Ólafsson bot Remis an. Der Isländer sagte Journalisten hinterher, er sei überzeugt gewesen, gegen einen kompletten Anfänger zu sitzen. Der Mann habe keine Ahnung vom Spiel gehabt und wirke, als stehe er unter Drogen. Er habe viel zu lang über offensichtliche Züge nachgedacht.
Technische Pannen, $500 auf dem Tisch und das Ende der Karriere
In den nächsten Runden versagte die Funkverbindung erneut. Wayne überschritt zweimal die Bedenkzeit und schied aus. Zwischen den Partien marschierte er in den Schnellschach-Bereich des Turniersaals, warf fünfhundert Dollar auf den Tisch und bot Partien ohne Uhr an – drei Minuten pro Zug. Niemand nahm an.
Als ein Turnierverantwortlicher ihn schließlich nach einem Ausweis fragte, antwortete Wayne, seine Frau liege in den Wehen, und verließ den Raum. Als er zurückkam, verlangten die Organisatoren eine Beweispartie am Brett, um auszuschließen, dass er Unterstützung erhielt. Wayne weigerte sich, warf dem Veranstalter Rassismus vor und verließ das Turnier endgültig.
Ein Platz in der Geschichte
Das Magazin Inside Chess druckte Wochen später einen Bericht unter der Schlagzeile „The Von Neumann Affair Rocks the World Open" – mit einer Karikatur eines schattenhaften Rastafari-Mannes auf dem Titel. Die Autoren tippten korrekt auf Computerunterstützung, vermuteten aber fälschlich, die Anweisungen seien über die Kopfhörer übermittelt worden. Der Preisanteil für unerfahrene Spieler blieb Wayne verwehrt.
Reitzen entwickelte später einige der ersten übermenschlichen Pokerprogramme, gewann und verlor Vermögen und schaffte es in die Blackjack Hall of Fame. Wayne starb 2018 an Krebs, sein bester Freund an seiner Seite. Die Identität des Mannes mit den falschen Dreadlocks blieb bis zu diesem Artikel unbekannt.
Der Mann mit den falschen Dreadlocks: Wie Spieler einen Schachgroßmeister mit einem Computer überlisteten
Quelle: WIRED – „The Gamblers Behind One of the Weirdest Cheating Mysteries in Chess Have Been Unmasked", 14. April 2026, Kit Chellel
Ein Mann mit Dreadlocks und einem Summen in der Hosentasche betrat im Juli 1993 das World Open Schachturnier in Philadelphia und trug sich als John von Neumann ein. Das berichtet WIRED. Der echte Von Neumann – Mathematiker, Mitbegründer der Spieltheorie – war 1957 gestorben. Der falsche spielte sich durch die ersten Runden, remisierte gegen einen Großmeister und verschwand, bevor irgendjemand herausfand, wer er war. Über dreißig Jahre blieb es ein Rätsel.
Zwei Freunde, ein Plan und ein Koffer voller Technik
Der Mann unter der Perücke war John Wayne, genannt „der Duke" – ein ehemaliger Soldat mit militärischer Haltung und einem breiten Lächeln. Sein bester Freund Rob Reitzen, ein dyslexischer Tüftler mit Baseballmütze über einem Wust aus Locken, hatte sich in den Jahren zuvor einen Zilog-Z80-Mikroprozessor in einen Gürtel eingebaut, mit dem er Blackjack-Wahrscheinlichkeiten berechnete. Für ein anderes Projekt postierten er und Wayne einen Kleinkamera im Gürtelschnallen-Knopfloch eines Mitspielers und empfingen die Bilder in einem Truck mit Kommunikationsantenne. Ob das Betrug war? Wahrscheinlich, räumten beide später ein. Aber der Gewinn übertönte jeden Einwand.
Für Philadelphia packten sie Rechner, Schalter, Kabel und Vibrationsgeber in einen Koffer und flogen von Los Angeles aus. Der Plan: Wayne würde am Brett sitzen, die Züge des Gegners per Zehenschalter im Schuh an Reitzen übermitteln, der in einem Hotelzimmer vor Monitoren seine Schach-Software laufen lassen würde. Die Antworten käme als Vibration zurück – codiert in Impulse an einem Gerät, das Wayne am Körper trug. Die falschen Dreadlocks dienten dazu, die Kopfhörer an Ort zu halten. Den Namen Von Neumann wählten sie für einen Witz. „Wie der Vater der Spieltheorie?", fragte ein Turniermitarbeiter ungläubig. Wayne nickte. Der Beamte trug ihn ins Startfeld ein.
67 Minuten Stille und ein ratloser Großmeister
In Runde zwei saß Wayne einem der stärksten Spieler des Turniers gegenüber: dem isländischen Großmeister Helgi Ólafsson, einem früheren Wunderkind. Wayne hob und senkte die Zehen, wartete auf Impulse, starrte an die Decke. Es dauerte jeweils viel länger als erwartet. Die Verbindung riss mehrfach ab. In der Schlussphase spielte Wayne ohne jede Computerhilfe – und Ólafsson bot Remis an. Der Isländer sagte Journalisten hinterher, er sei überzeugt gewesen, gegen einen kompletten Anfänger zu sitzen. Der Mann habe keine Ahnung vom Spiel gehabt und wirke, als stehe er unter Drogen. Er habe viel zu lang über offensichtliche Züge nachgedacht.
Technische Pannen, $500 auf dem Tisch und das Ende der Karriere
In den nächsten Runden versagte die Funkverbindung erneut. Wayne überschritt zweimal die Bedenkzeit und schied aus. Zwischen den Partien marschierte er in den Schnellschach-Bereich des Turniersaals, warf fünfhundert Dollar auf den Tisch und bot Partien ohne Uhr an – drei Minuten pro Zug. Niemand nahm an.
Als ein Turnierverantwortlicher ihn schließlich nach einem Ausweis fragte, antwortete Wayne, seine Frau liege in den Wehen, und verließ den Raum. Als er zurückkam, verlangten die Organisatoren eine Beweispartie am Brett, um auszuschließen, dass er Unterstützung erhielt. Wayne weigerte sich, warf dem Veranstalter Rassismus vor und verließ das Turnier endgültig.
Ein Platz in der Geschichte
Das Magazin Inside Chess druckte Wochen später einen Bericht unter der Schlagzeile „The Von Neumann Affair Rocks the World Open" – mit einer Karikatur eines schattenhaften Rastafari-Mannes auf dem Titel. Die Autoren tippten korrekt auf Computerunterstützung, vermuteten aber fälschlich, die Anweisungen seien über die Kopfhörer übermittelt worden. Der Preisanteil für unerfahrene Spieler blieb Wayne verwehrt.
Reitzen entwickelte später einige der ersten übermenschlichen Pokerprogramme, gewann und verlor Vermögen und schaffte es in die Blackjack Hall of Fame. Wayne starb 2018 an Krebs, sein bester Freund an seiner Seite. Die Identität des Mannes mit den falschen Dreadlocks blieb bis zu diesem Artikel unbekannt.

