Forum

Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Peter Heine Nielsen

(für Abonnenten)

„Wenn du mit Magnus arbeitest, gewöhnst du dich an Wunder"

Peter Heine Nielsen im Gespräch mit Susan Ninan, Hindustan Times, 30. Mai 2026

Magnus Carlsen ist nicht ehrgeizig — zumindest nicht im üblichen Sinne. Das sagte Peter Heine Nielsen im Gespräch mit Susan Ninan von der Hindustan Times.

Der dänische Großmeister, der Carlsen seit dessen 13. Lebensjahr begleitet, beschreibt seinen Schützling als jemanden, der in jedem einzelnen Spiel auf Sieg spielt, ohne dabei von übergeordnetem Titelstreben getrieben zu werden. „Es klingt vielleicht falsch, aber ich habe Magnus nie als sehr ehrgeizig erlebt", sagt Nielsen — und meint das nicht als Kritik. Wer in jedem Turnier jeden Gegner unter Druck setze, Risiken eingehe und verkompliziere, der spiele eben nicht weniger, sondern anders.

Werbung

Weniger Vorbereitung, gleicher Anspruch

Die Arbeitsweise hat sich verändert. Trainingslager, große Teams, intensive Eröffnungsvorbereitung — das gehört der Vergangenheit an. „Die Arbeit, die wir leisten, ist nicht vergleichbar mit dem, was wir während seiner WM-Zeit getan haben", räumt Nielsen ein. Carlsen bereite sich weniger vor als die meisten seiner Konkurrenten. Dass er dabei dennoch mithalte, liegt für Nielsen an einer Stärke, die keine Vorbereitung ersetzen kann: „Seine stärkste Seite ist nicht die Eröffnung — und das muss sie auch nicht sein."

Gukesh: gefährlich, aber noch nicht fertig

Zum amtierenden Weltmeister Dommaraju Gukesh fällt Nielsens Urteil differenziert aus. Er hält ihn für stark, mutig und gefährlich — jemanden, der gegen jeden gewinnen, aber auch gegen jeden verlieren kann. „Wenn er verliert, verliert er manchmal auf sehr hässliche Weise", sagt Nielsen. Das sei der Preis eines Stils, der permanent auf maximalen Druck setzt. Gukeshes Talent sei immens, aber noch nicht vollständig entwickelt. Dass er dennoch im Alter von 18 Jahren Weltmeister geworden sei, nennt Nielsen „lächerlich gut".

Für das bevorstehende WM-Match zwischen Gukesh und Nodirbek Sindarov traut Nielsen beiden Seiten alles zu: „Meine Einschätzung geht in beide Richtungen — Sieg mit drei Punkten Vorsprung. Es fühlt sich an, als könnte alles passieren."

Eine Ära geht zu Ende — und kehrt nicht zurück

Nielsen glaubt nicht, dass die Schachfans bald einen weiteren Spieler vom Kaliber Carlsens erleben werden. „Wir waren etwas verwöhnt — von Kasparov und besonders von Magnus." Ein Feld, in dem viele Spieler reelle Chancen hätten, sei eigentlich der Normalzustand. Zehn Großmeister sieht Nielsen als ernsthafte Herausforderer für Gukesh — mit einer Ausnahme: Gegen Carlsen hätte der Weltmeister seiner Einschätzung nach keine reellen Gewinnchancen.

Nielsen selbst hat die Weltmeisterschaften sowohl unter Viswanathan Anand als auch unter Carlsen betreut. Heute passt ihm Carlsens Abwesenheit von der WM-Bühne ins Leben: Er hat eine Familie, Kinder — und spielt mit Carlsen Golf, wenn er nicht analysiert.

Carlsens Coach: Russland hat den Weltschach-Zirkel übernommen

Quelle: EUobserver – „Russia has captured world chess, Carlsen's coach says", veröffentlicht am 20. Juni 2026

Der dänische Schachtrainer Peter Heine Nielsen, Coach von Weltklassespieler Magnus Carlsen, erhebt schwere Vorwürfe gegen den russischen Einfluss auf den Weltschachverband FIDE und dessen Präsidenten Arkady Dvorkovich. Das berichtet EUobserver. In einem Interview schildert Nielsen, wie russische Elitepolitiker, Oligarchen und Kreml-nahe Strukturen den internationalen Schachzirkel seit Jahren systematisch durchdrungen haben.

Werbung

Nielsen beschreibt konkrete Begegnungen mit hochrangigen russischen Vertretern bei Weltmeisterschaften: Beim WM-Match 2016 in New York erschien Dmitry Peskov, Sprecher von Präsident Vladimir Putin, persönlich, um den russischen Herausforderer Sergey Karjakin zu unterstützen. Bei der WM 2021 in Dubai überreichte Düngemittel-Milliardär Andrey Guryev den Pokal, während Moskaus Bürgermeister Sergei Sobyanin und andere hochrangige Russen als VIPs auftraten – jeweils eingeführt von Dvorkovich.

Dvorkovich und der Druck von außen

Nielsen betont, dass ohne externen Druck – etwa durch EU-Sanktionen, IOC-Entscheidungen oder Urteile des Sportschiedsgerichts CAS – die FIDE-Delegationen russische Teams wahrscheinlich längst wieder zugelassen hätten. Dvorkovich habe öffentlich versprochen, im Falle von EU-Sanktionen zurückzutreten, habe aber bereits zuvor eingeführte Amtszeitbegrenzungen für sich selbst wieder aufgehoben, was seine Verlässlichkeit infrage stelle.

Carlsen selbst halte sich politisch weitgehend zurück, habe jedoch bei der FIDE-Generalversammlung 2024 in Budapest eine seltene Ausnahme gemacht. Bei der Verleihung einer Auszeichnung durch Dvorkovich appellierte er öffentlich daran, russische Teams nicht wieder zuzulassen – mit Verweis auf den früheren Weltmeister Garry Kasparov. Nielsen zufolge bewirke Carlsen mit solchen Momenten mehr als er selbst mit lauten Aussagen.

Mit Blick auf mögliche EU-Sanktionen gegen Dvorkovich erklärt Nielsen, diese könnten Putin spürbaren Schaden zufügen – bei vergleichsweise geringen Kosten für Europa. Schach werde im Westen als Nischensport wahrgenommen, in Russland hingegen genieße es bei der Elite einen ganz anderen Stellenwert.

Automatisch KI-generierter Beitrag

Werbung