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Paula Czäczine

Geduld am Brett, Geduld hinterm Objektiv

Quelle: Deutscher Schachbund, Frauen-Referat – „Sie kann so vieles - vor allem richtig gut Schach spielen", 04.08.2026

Paula Czäczine ist fünfzehn Jahre alt und spielt Fagott, übt zweimal die Woche Klavier, klettert mindestens einmal pro Woche, läuft ausdauernd und kocht gerne für ihre Familie. Das schreibt der Deutsche Schachbund. Vor allem aber spielt sie richtig gut Schach: Beim Kandidatinnenturnier der Deutschen Einzelmeisterschaft in Dresden gewinnt sie mit einem Zugewinn von 63 Elo-Punkten und steigt damit in die Top Ten der deutschen Frauen-Rangliste auf.


Foto: Finn Engesser/DSB

Eine Schachfamilie

Vater Norman Thielsch ist Fidemeister mit 2300 Elo und erfolgreicher Trainer, Mutter Anne Czäczine führt als Mannschaftsführerin den SCS Aufbau 95 Chemnitz an und trägt 2133 Elo auf dem Konto. Schwester Laura Czäczine, 18 Jahre alt, startet ebenfalls stark ins Turnier, hält das Tempo aber nicht durch und trifft in Runde sieben auf die drei Jahre jüngere Paula. Trainiert wird bei Papa Thielsch und bei Privatcoach Tom George, mindestens dreimal pro Woche.

Kämpferisch bis zum letzten Zug

In der letzten Runde hätte ein Remis Paula bereits den alleinigen Turniersieg gesichert. Sie lehnt die Remis-Angebote ihrer Gegnerin trotzdem ab und kämpft 99 Züge lang um den vollen Punkt – bis sie gewinnt. Selbst räumt sie ein: „Manchmal habe ich auch in Dresden nicht den besten Zug gefunden." Ihren Erfolg selbst nennt sie überraschend, „da musste ja schon einiges zusammenkommen". Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler beschreibt ihren Auftritt so: „Sie hat das Turnier gerockt. Das war sehr, sehr souverän." Elisabeth Pähtz zählt sie zu den Talenten, die die Lücke zu den aktuellen Spitzenspielerinnen Deutschlands schließen könnten.

Zwei Leidenschaften, eine offene Zukunft

Das Preisgeld von 2.000 Euro fließt in ein neues Teleobjektiv für ihr zweites großes Interesse: die Fotografie. Auf Reisen wie zuletzt in die Hohe Tatra und ins Slowakische Paradies fängt sie Bären, Füchse und Greifvögel ein – mit derselben Geduld, die sie auch am Brett zeigt. Für die Zeit nach dem Abitur denkt sie über ein Jahr mit Schachkomponente nach, entscheidet sich in der Abwägung aber eher für die Kamera: „Ich glaube, ich würde eher ein Fotografie-Jahr einlegen. Ich will reisen, die Welt sehen."