Paul Felix Schmidt (1916-1984)
Zitat von Conrad Schormann am 21. August 2025, 19:21 UhrDer Weltklassespieler, der Chemiker wurde
Paul Felix Schmidt besiegte Keres und Aljechin, stand in den 1940ern in den Top Ten der Welt – und kehrte dem Schach dann den Rücken, um in den USA ein neues Leben aufzubauen
Als junger Mann misst sich Paul Felix Schmidt mit Paul Keres auf Augenhöhe, gewinnt Turniere gegen Größen wie Salo Flohr und Gideon Ståhlberg, steht Seite an Seite mit Alexander Aljechin auf dem Siegerpodest – und doch erinnert sich heute kaum jemand an ihn. Der Mann aus Narwa, geboren 1916, war einer der stärksten Spieler seiner Zeit, ein brillanter Kopf, der seine Schachkarriere abrupt beendete und in die Wissenschaft wechselte.
Schmidt wuchs in Estland auf, als Sohn eines deutschbaltischen Augenarztes. Früh lernte er Schach, früh galt er als Ausnahmetalent. Mit gerade 19 Jahren gewann er 1935 ein internationales Turnier in Tallinn, damals noch Reval. Ein Jahr später trat er in einem Match gegen seinen Landsmann Paul Keres an, das 3,5:3,5 endete – ein Ergebnis, das Schmidts Stärke eindrucksvoll belegte. 1937 setzte er sich in Pärnu gar vor Keres, Flohr und Ståhlberg durch. Er spielte für Estland bei den Schacholympiaden 1937 in Stockholm und 1939 in Buenos Aires, wo die Mannschaft überraschend Bronze gewann. Zweimal, 1936 und 1937, wurde er estnischer Meister.
Dann veränderte der Krieg sein Leben. Ende 1939 siedelte die Familie ins Reichsgebiet über, in den Reichsgau Wartheland. Schmidt, inzwischen in Bromberg ansässig, begann ein Chemiestudium, erst in Danzig, später in Heidelberg, wo er auch promovierte. Parallel dazu blieb er im Schach aktiv – und wie. 1940 wurde er Zweiter bei der deutschen Meisterschaft in Bad Oeynhausen, 1941 Sieger, nach einem Stichkampf gegen den blutjungen Klaus Junge. Im selben Jahr gewann er mit Alexander Aljechin das Turnier in Krakau und Warschau. Er spielte in Salzburg 1943, wurde Dritter, belegte Platz zwei bei der Großdeutschen Meisterschaft in Wien. Seine historische Elo-Zahl kletterte bis auf 2696, Rang neun der Weltbestenliste im Dezember 1943.
Doch mitten in dieser Erfolgsgeschichte zeichnete sich schon das Ende ab. Der Krieg, die politischen Umstände und Schmidts wissenschaftliche Ambitionen ließen seine Schachlaufbahn ausfransen. 1947 wurde er noch einmal Zweiter hinter Efim Bogoljubow in Kassel, 1948/49 spielte er in Hastings, 1949 beim Hoogovens-Turnier in Beverwijk, wo er geteilter Zweiter wurde. Noch zweimal trat er bei deutschen Meisterschaften an – 1949 (3.–5. Platz) und 1950 (9.–10. Platz). Dann legte er die Figuren endgültig beiseite.
Seine persönliche Entscheidung aber fiel kompromisslos: 1950 wanderte er in die USA aus, ließ die Turniere hinter sich und arbeitete in Philadelphia als Chemiker. Das, was für viele seiner Weggefährten Berufung blieb – Wettkämpfe, Titel, die Jagd nach Ruhm –, war für ihn abgeschlossen. Er war erst 34, doch seine Karriere war vorbei.
1950 erhielt er noch den Titel des Internationalen Meisters, bei der erstmaligen Vergabe der FIDE-Titel. Mehr sollte es nicht sein. In Allentown, Pennsylvania, verbrachte er seine letzten Jahre. 1984 starb er dort im Alter von 68 Jahren.
Ein Mann, der einst die Besten der Welt besiegt hatte, entschied sich für ein Leben außerhalb der Schacharena. Heute erinnern nur Tabellen, alte Partien und eine Handvoll Einträge an ihn – und doch erzählt sein Lebensweg von der Spannung zwischen zwei Welten: der des Schachs und der der Wissenschaft.
Quellen:
Chessbase
Chess History & Literature Society
Wikipedia
Amazon-Klappentext zu "Paul Felix Schmidt":1916 als Teil der deutschbaltischen Minderheit im russischen Zarenreich geboren, avancierte Paul Felix Schmidt Anfang der 30er Jahre zum Hauptrivalen des acht Monate älteren Paul Keres. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, den beide bei der Schacholympiade in Buenos Aires als Teil der estnischen Mannschaft erlebten, wurde der Volksdeutsche Schmidt unfreiwillig zum Soldaten der Wehrmacht - und zum Spitzenspieler des Großdeutschen Schachbundes. Bis 1943 etablierte er sich neben Klaus Junge als führender Meister Nazideutschlands. Nach überstandenen Kriegswirren wanderte Schmidt 1952 in die USA aus und profilierte sich dort als Chemiker. Michael Negele und Eva Regina Magacs, Schmidts Tochter, erinnern an eine zu Unrecht vergessene Koryphäe auf den 64 Feldern.
Der Weltklassespieler, der Chemiker wurde
Paul Felix Schmidt besiegte Keres und Aljechin, stand in den 1940ern in den Top Ten der Welt – und kehrte dem Schach dann den Rücken, um in den USA ein neues Leben aufzubauen
Als junger Mann misst sich Paul Felix Schmidt mit Paul Keres auf Augenhöhe, gewinnt Turniere gegen Größen wie Salo Flohr und Gideon Ståhlberg, steht Seite an Seite mit Alexander Aljechin auf dem Siegerpodest – und doch erinnert sich heute kaum jemand an ihn. Der Mann aus Narwa, geboren 1916, war einer der stärksten Spieler seiner Zeit, ein brillanter Kopf, der seine Schachkarriere abrupt beendete und in die Wissenschaft wechselte.

Schmidt wuchs in Estland auf, als Sohn eines deutschbaltischen Augenarztes. Früh lernte er Schach, früh galt er als Ausnahmetalent. Mit gerade 19 Jahren gewann er 1935 ein internationales Turnier in Tallinn, damals noch Reval. Ein Jahr später trat er in einem Match gegen seinen Landsmann Paul Keres an, das 3,5:3,5 endete – ein Ergebnis, das Schmidts Stärke eindrucksvoll belegte. 1937 setzte er sich in Pärnu gar vor Keres, Flohr und Ståhlberg durch. Er spielte für Estland bei den Schacholympiaden 1937 in Stockholm und 1939 in Buenos Aires, wo die Mannschaft überraschend Bronze gewann. Zweimal, 1936 und 1937, wurde er estnischer Meister.

Dann veränderte der Krieg sein Leben. Ende 1939 siedelte die Familie ins Reichsgebiet über, in den Reichsgau Wartheland. Schmidt, inzwischen in Bromberg ansässig, begann ein Chemiestudium, erst in Danzig, später in Heidelberg, wo er auch promovierte. Parallel dazu blieb er im Schach aktiv – und wie. 1940 wurde er Zweiter bei der deutschen Meisterschaft in Bad Oeynhausen, 1941 Sieger, nach einem Stichkampf gegen den blutjungen Klaus Junge. Im selben Jahr gewann er mit Alexander Aljechin das Turnier in Krakau und Warschau. Er spielte in Salzburg 1943, wurde Dritter, belegte Platz zwei bei der Großdeutschen Meisterschaft in Wien. Seine historische Elo-Zahl kletterte bis auf 2696, Rang neun der Weltbestenliste im Dezember 1943.
Doch mitten in dieser Erfolgsgeschichte zeichnete sich schon das Ende ab. Der Krieg, die politischen Umstände und Schmidts wissenschaftliche Ambitionen ließen seine Schachlaufbahn ausfransen. 1947 wurde er noch einmal Zweiter hinter Efim Bogoljubow in Kassel, 1948/49 spielte er in Hastings, 1949 beim Hoogovens-Turnier in Beverwijk, wo er geteilter Zweiter wurde. Noch zweimal trat er bei deutschen Meisterschaften an – 1949 (3.–5. Platz) und 1950 (9.–10. Platz). Dann legte er die Figuren endgültig beiseite.
Seine persönliche Entscheidung aber fiel kompromisslos: 1950 wanderte er in die USA aus, ließ die Turniere hinter sich und arbeitete in Philadelphia als Chemiker. Das, was für viele seiner Weggefährten Berufung blieb – Wettkämpfe, Titel, die Jagd nach Ruhm –, war für ihn abgeschlossen. Er war erst 34, doch seine Karriere war vorbei.
1950 erhielt er noch den Titel des Internationalen Meisters, bei der erstmaligen Vergabe der FIDE-Titel. Mehr sollte es nicht sein. In Allentown, Pennsylvania, verbrachte er seine letzten Jahre. 1984 starb er dort im Alter von 68 Jahren.
Ein Mann, der einst die Besten der Welt besiegt hatte, entschied sich für ein Leben außerhalb der Schacharena. Heute erinnern nur Tabellen, alte Partien und eine Handvoll Einträge an ihn – und doch erzählt sein Lebensweg von der Spannung zwischen zwei Welten: der des Schachs und der der Wissenschaft.
Quellen:
Chessbase
Chess History & Literature Society
Wikipedia

Amazon-Klappentext zu "Paul Felix Schmidt":
1916 als Teil der deutschbaltischen Minderheit im russischen Zarenreich geboren, avancierte Paul Felix Schmidt Anfang der 30er Jahre zum Hauptrivalen des acht Monate älteren Paul Keres. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, den beide bei der Schacholympiade in Buenos Aires als Teil der estnischen Mannschaft erlebten, wurde der Volksdeutsche Schmidt unfreiwillig zum Soldaten der Wehrmacht - und zum Spitzenspieler des Großdeutschen Schachbundes. Bis 1943 etablierte er sich neben Klaus Junge als führender Meister Nazideutschlands. Nach überstandenen Kriegswirren wanderte Schmidt 1952 in die USA aus und profilierte sich dort als Chemiker. Michael Negele und Eva Regina Magacs, Schmidts Tochter, erinnern an eine zu Unrecht vergessene Koryphäe auf den 64 Feldern.