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Melanie Lubbe

„Am Anfang musste ich schon ein bisschen überredet werden“ – Melanie Lubbe im Gespräch

Quelle: taz – Interview von Leo Schurbohm, 1. November 2025

Die Großmeisterin Melanie Lubbe schildert ihren Weg ins Schach: Früh von den schachspielenden Eltern geprägt, „am Anfang musste ich schon ein bisschen überredet werden“, weil die Szene „sehr männerdominiert“ sei und sie sich als Mädchen „nicht so ganz richtig am Platz“ fühlte. Mit Erfolgen gegen Jungs kippte das Gefühl: „Dann hat es richtig Spaß gemacht.“

Zur Geschlechterfrage betont Lubbe: Schach sei „ein Spiel für alle, egal welches Geschlecht“. Leistungsunterschiede erkläre sie eher strukturell als biologisch: eine größere Grundgesamtheit bei Männern, Förderung und Karrierewege, die Männern öfter Profipfade eröffnen. Frauenturniere hätten einen ambivalenten Nutzen: Sie ermöglichten Sichtbarkeit, führten aber auch dazu, „dass dann auch mal der erste Platz an eine Frau vergeben wird“, während an der Spitze offener Turniere überwiegend Männer stünden. Aus ihrem Psychologiestudium berichtet sie von einer eigenen Studie: Die Hypothese, Männer spielten aggressiver, bestätigte sich nicht – „tatsächlich haben Frauen aggressiver gespielt, vor allem, wenn sie gegen Frauen gespielt haben.“

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Persönlich „spielte [sie] immer lieber gegen Männer“, weil Frauen auf hohem Niveau „in der Regel deutlich professioneller unterwegs“ seien – bei gleicher Elo bedeute das für Frauen oft Weltklasse, bei Männern eher Hobbybereich. Offene Diskriminierung habe sie wenig erlebt, aber „unterschwellig“ – etwa Sprüche wie „Du spielst ja wie ein Mädchen“. Was Schach für sie ausmacht: „Es ist ein total komplexes, vielfältiges Spiel, keine Partie ist wie die andere.

Zu Karriere und Alltag: Partien von vier bis sieben Stunden, Konzentration im Flow, viele Reisen – aber wenig Zeit, Orte zu sehen. 2024/25 zog sie sich aus dem Leistungsschach zurück: „Die schwierigste Entscheidung meines Lebens“, doch ohne Reue. Zu Hause spiele sie mit ihrem Mann nicht – „sonst hätten wir eine Scheidung riskiert.“ Eine Anekdote bleibt: „Meine wohl wichtigste Partie war die um meinen Nachnamen, aber die habe ich leider verloren.

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