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Max Euwe (1901-1981)

Capablanca–Euwe 1931

Quelle: chess.com – „A Century of Chess: Capablanca–Euwe 1931“, Sam Kahn (16. Oktober 2025)

Im Beitrag von Sam Kahn erscheint das Match zwischen José Raúl Capablanca und Max Euwe aus dem Jahr 1931 als Wendepunkt zwischen zwei Schachepochen – zwischen intuitivem Genie und methodischer Vorbereitung.

Euwe, der zu diesem Zeitpunkt noch kein großer Turniersieger war, profitierte von der gut organisierten Schachkultur seiner Heimat. Die Niederlande, schreibt Kahn, hätten einem ambitionierten Spieler mit bürgerlichem Berufsumfeld den Aufstieg durch systematische Förderung und Organisation überhaupt erst ermöglicht. Das Match gegen Capablanca war Teil dieses Weges, der ihn wenige Jahre später zum Weltmeistertitel führen sollte.

Capablanca, längst eine Legende, verkörperte für Kahn das alte Ideal: müheloses Spiel, natürliche Harmonie, Verteidigungskunst. Euwe stand für das Neue – für Disziplin, Theorie, analytische Vorbereitung. Das Duell war damit nicht nur sportlich interessant, sondern sinnbildlich für eine Verschiebung im Denken über Schach.

Kahn greift dabei auf Alexander Munninghoffs Biografie Max Euwe zurück, die Euwes beharrlichen Aufstieg beschreibt, und verweist auf die Einschätzungen von Edward Winter, der einzelne Partien des Matches analysiert hat. Aus dieser Perspektive wird das Duell zu einem Lehrstück über den Wandel des Spiels: Capablanca verteidigte noch einmal die Kunst des Instinkts – doch Euwe kündigte mit seinem wissenschaftlichen Ansatz bereits das Schach der Zukunft an.

Amazon-Klappentext:

Alexander M nninghoff tells the unforgettable tale of the fifth World Chess Champion. Filling a gap in the literature of chess, he shows that Euwes world title was the result of his iron will, his methodical drive and his energetic handling of all aspects of the game. By bringing his world title under the aegis of the world chess federation FIDE, Euwe profoundly changed the history of chess, and it was Euwes diplomatic determination as President of FIDE that saved the Match of the Century in 1972 between Bobby Fischer and Boris Spassky. This gripping story is illuminated by numerous photos and fifty games with the original annotations by Max Euwe.

Der höfliche Weltmeister: Max Euwe, Mathematiker, Schachkönig und FIDE-Präsident

Moritex Schach-Podcast, 27. September 2025

Vielleicht war Max Euwe der erste und letzte echte Amateur unter den Schachweltmeistern. Das stelltt Moritex' Schach-Podcast fest. Nicht weil er das Spiel nicht ernst genommen hätte, sondern weil er nie davon abhängig war, seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen – und weil er trotzdem Weltmeister wurde.

Euwe wurde am 20. Mai 1901 in Amsterdam geboren, studierte Mathematik bis 1923, promovierte drei Jahre später und unterrichtete von 1924 bis 1956 an verschiedenen Schulen, überwiegend an einem Mädchengymnasium. Während des Zweiten Weltkriegs, von 1941 bis 1946, leitete er einen Lebensmittelbetrieb. Schach war stets Nebensache – im zeitlichen Sinne. In der Sache war es das nicht.

Monopoly-Prinzip und Amateurweltmeister

Mit zwölf Jahren trat Euwe einem Schachklub bei, mit achtzehn spielte er erstmals die niederländische Meisterschaft, mit zwanzig wurde er zum ersten Mal niederländischer Landesmeister – insgesamt zwölf Mal. 1928 gewann er in Den Haag das Einzelturnier einer Schacholympiade, das offiziell als Amateurweltmeisterschaft ausgeschrieben war. Diesen Titel hat es danach nie wieder gegeben.

Sieg über Aljechin – und fairer Rückkampf

1935 forderte Euwe den amtierenden Weltmeister Alexander Aljechin heraus und gewann knapp: neun Siege, acht Niederlagen, dreizehn Remis. Aljechin kam schlecht vorbereitet. Euwe war danach für vierzehn Monate die Nummer eins der nachträglich berechneten historischen Weltrangliste.

Den Rückkampf hätte er frühestens 1940 ansetzen müssen. Er stimmte bereits 1937 zu. Sein Verständnis von Fairness ließ es nicht anders zu, schreibt sein Freund und Biograf Hans Kmoch. Aljechin war diesmal perfekt vorbereitet und gewann deutlich: zehn Siege gegen vier. Euwe verlor den Titel nach zwei Jahren.

Während der NS-Zeit lehnte Euwe konsequent Turniereinladungen im besetzten Osten ab. Als Aljechin in seinen bekannten antisemitischen Artikeln das niederländische Umfeld Euwes beleidigte, forderte Euwe eine Entschuldigung – und erhielt sie. Ihn selbst griff Aljechin in diesen Texten nie an.

Der Mann, der Fischer stoppte

1948 nahm Euwe am FIDE-Weltmeisterschaftsturnier zur Nachfolgeregelung nach Aljechins Tod teil und wurde Letzter unter fünf Spitzenspielern. Das schadete seinem Ruf kaum. 1970 übernahm er das Amt des FIDE-Präsidenten und führte den Weltverband bis 1978.

In diese Amtszeit fiel der legendäre WM-Kampf 1972 zwischen Bobby Fischer und Boris Spasski. Euwe moderierte die Vorgespräche und hielt Fischer halbwegs im Rahmen. Drei Jahre später, als Fischer vor dem Titelkampf gegen Anatoli Karpow 147 Forderungen stellte, zog Euwe schließlich die Grenze. Fischer blieb fern, Karpow wurde kampflos Weltmeister. Kein FIDE-Präsident vor oder nach Euwe habe laut dieser Einschätzung dessen Format, Seriosität und Verlässlichkeit erreicht.

Der kleine Euwe

Euwe war korrekt, pünktlich und humorvoll ohne Pedanterie. Eine Anekdote, die er selbst gern erzählte: Im Zug spielte er Schach gegen einen Mitreisenden, gewann drei Partien in Folge. Der Mitreisende schüttelte den Kopf. Er sei in seinem Schachklub stets der Beste, sagte er. Man nenne ihn dort nur den kleinen Euwe. Dann fragte er nach dem Namen seines Gegenübers. Euwe antwortete langsam und bedächtig. Das Gesicht des Mannes, sagte Euwe später, werde er nie vergessen.

Euwe starb 1981 im Alter von 80 Jahren in Amsterdam, der Stadt, in der er geboren worden war.

Max Euwe: Unterschätzter Schachweltmeister

Quelle: GM Alex Colovic's Newsletter – „Max Euwe", veröffentlicht am 25. April 2026

Max Euwe gilt vielen als bloßer Profiteur der Schwäche seines Rivalen – doch diese Einschätzung wird seiner Stärke nicht gerecht. Das berichtet GM Alex Colovic's Newsletter. Der niederländische Schachweltmeister sei keineswegs nur deshalb Weltmeister geworden, weil Alexander Alekhine zu seinem Alkoholproblem neigte – Euwe habe Alekhine auch in Phasen geschlagen, in denen dieser nüchtern war.

Bereits im Wettkampf von 1926 zeigte sich ein wiederkehrendes Muster: Alekhine dominierte zunächst klar, ließ jedoch nach und musste zwei Niederlagen in Folge hinnehmen. Im WM-Kampf von 1935 wiederholte sich diese Dynamik. Alekhine führte zeitweise mit 6:3, doch Euwe kämpfte sich zurück, glich aus und gewann schließlich den Titel. Entscheidend war dabei seine Fähigkeit, nach Rückschlägen unmittelbar zu antworten – ein Zeichen von Charakterstärke und Selbstvertrauen.

Rückkampf 1937: Alekhine revanchiert sich

Im Rückkampf 1937 verlief die Partie anders. Euwe geriet früh unter Druck, kämpfte sich mehrfach zurück, konnte jedoch entscheidende Vorteile nicht verwerten. Mehrfach stand er kurz vor dem Anschluss, verspielte aber gewonnene Stellungen durch Ungeduld und taktische Fehler. Alekhine zeigte diesmal die größere Resilienz und gewann den Titel zurück.

Das Endergebnis täuscht über die tatsächliche Ausgeglichenheit des Wettkampfs hinweg. Die Partienanalyse zeigt, dass Euwe mehrfach kurz vor einem Comeback stand. Wie Garri Kasparov einmal formulierte: Es gibt keine leichten Weltmeisterschaftskämpfe – und Euwe war, trotz aller gegenteiligen Wahrnehmung, ein außergewöhnlich starker Spieler.

Automatisch KI-generierter Beitrag