Forum

Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Lubomir Kavalek (1943-2021)

Von Prag nach New York: Der lange Weg des Lubomir Kavalek in die Freiheit

Quelle: ABC Color – „Schach von Zenón Franco: Lubomir Kavalek", 18.01.2023, Zenón Franco

Ein Emigrant, aber noch kein Immigrant zu sein, prägt zwei Jahre im Leben des Lubomir Kavalek entscheidend. Das schreibt ABC Color, anlässlich des zweiten Jahrestags seines Todes am 18. Januar 2021, gestützt auf das zwei Monate zuvor erschienene Buch „Lubomir Kavalek Life at Play: A Chess Memoir" mit seinen Memoiren und kommentierten Partien – ein faszinierendes Werk, das bei Themen jenseits seiner eigenen Erfahrung mitunter ungenau bleibt. Nach dem Einmarsch sowjetischer Panzer in die Tschechoslowakei entscheidet er sich 1968 während eines Turniers in Polen, nicht in sein Heimatland zurückzukehren, und sucht politisches Asyl in Westdeutschland. Was folgt, ist ein Leben zwischen München, Basel und Leiden – ohne klare Zukunft, aber mit einer Karriere, die ihn zuvor bereits zum Internationalen Meister und Großmeister gemacht, zweimal zum tschechoslowakischen Meister gekrönt und bei Schacholympiaden in Tel Aviv und Havanna hatte antreten lassen.

Ein Netz aus Unterstützern

Bei der Olympiade 1968 in Lugano ist Kavalek zwar nicht Teil des tschechoslowakischen Teams, aber vor Ort – und trifft dort auf Menschen, die seinen weiteren Weg prägen. Olympiadirektor Alois Nagler akkreditiert ihn als Journalisten und verschafft ihm eine befristete Stelle im Schweizer Team. Der Belgier George Koltanowsky, bekannt für seinen Weltrekord im Blindsimultan, versichert ihm, dass sich in den USA mühelos vom Schach leben lasse: „Es ist der beste Beruf der Welt, da gibt es nichts zu befürchten." Skeptischer äußert sich Großmeister Cenek Kottnauer, der 1953 aus der Tschechoslowakei geflohen war: „Ehrlich gesagt, es ist schwierig, und ich würde es nicht empfehlen." Der Geschäftsführer des US-Schachverbandes, Ed Edmonson, erkennt in Kavalek einen möglichen Landsmann für Amerika, sobald er erfährt, dass dessen Vater bereits amerikanischer Staatsbürger ist.

Asyl, ein Verein und eine Entscheidung

Im März 1969 erreicht Kavalek während eines Wettkampfs in den Niederlanden die Nachricht, dass ihm Westdeutschland politisches Asyl gewährt. Finanziell trägt ihn in dieser Zeit vor allem der Stahlunternehmer Egon Evertz, der ihn für seinen Verein in Solingen gewinnen will und sein Angebot verdreifacht, nachdem eine erste Offerte abgelehnt worden war. Kavalek rechtfertigt das Vertrauen: 1969 gewinnt er alle drei Partien am ersten Brett der Bundesliga, Solingen wird zum ersten Mal deutscher Meister. Als er später von seinem geplanten Wechsel in die USA berichtet, bietet ihm Evertz sogar die Übernahme der Flugkosten zwischen beiden Kontinenten an, damit Kavalek weiterhin für Solingen spielen kann.

Ankunft in der Neuen Welt

Im Juni 1970 verabschiedet sich Kavalek von München und reist über Amsterdam und Caracas in die USA. In Caracas nimmt er am Präsidentenpokal teil, tritt erstmals mit amerikanischer statt tschechoslowakischer Flagge an und gewinnt seine einzige Partie gegen den jungen Anatoly Karpov – ausgezeichnet mit dem Schönheitspreis. Mit 13 von 17 möglichen Punkten sichert er sich den Turniersieg. Am 13. Juli 1970 landet er auf dem JFK-Flughafen in New York, übergibt dem Einwanderungsbeamten seinen Pass und zwei versiegelte Umschläge, die dieser öffnet und wieder verschließt. Er erhält seine Green Card. „Willkommen in den Vereinigten Staaten", sagt der Beamte und lädt ihn ein, die Neue Welt zu betreten.