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Klaus Bischoff

„Die Atmosphäre beim DSB ist ziemlich vergiftet“

Interviewpartner: Klaus Bischoff – Interviewer: Jonathan Carlstedt – Format: Schachtalk – 9. März 2026

Die Atmosphäre im Deutschen Schachbund sei „ziemlich vergiftet“. Kaum eine Diskussion vergehe, ohne dass juristische Schritte drohten oder Anwälte eingeschaltet würden. „Man ist beim Deutschen Schachbund im Moment immer nur ein oder zwei Sätze davon weg, dass man sich vor Gericht wiedersieht.“ Das sagte Klaus Bischoff im Gespräch mit Jonathan Carlstedt.

Der Konflikt betrifft ihn auch persönlich: Seine Frau Ingrid Lauterbach steht als Präsidentin an der Spitze des Deutschen Schachbundes und ist seit Monaten Ziel politischer Angriffe.

Streit um den Zeitpunkt des Rücktritts

Nach Bischoffs Darstellung ist der Rücktritt seiner Frau grundsätzlich beschlossen. Strittig sei allein der Zeitpunkt. Grundlage des aktuellen Plans ist eine Vereinbarung aus Gesprächen in Berlin zwischen Vertretern beider Lager im Verband. Demnach soll der Deutsche Schachbund im Mai seinen regulären Hauptausschuss abhalten. Ein außerordentlicher Kongress ist für August vorgesehen. Dort wolle Lauterbach ihren Rücktritt erklären.

Teile des Verbandes drängen jedoch darauf, die Entscheidung früher herbeizuführen. Für Bischoff ist diese Forderung kaum nachvollziehbar. „Es geht um läppische zwölf Wochen“, sagt er. „Ich verstehe diese Dringlichkeit nicht.“ Bischoff kritisiert zugleich, dass die Berliner Vereinbarung inzwischen infrage gestellt werde. Der damals präsentierte „Berliner Vertrag“ sei aus seiner Sicht ohnehin kein wirklicher Kompromiss gewesen. Vielmehr habe es sich um „ein der Präsidentin aufoktroyiertes Zugeständnis“ gehandelt.

Scharfer Ton im Verband

Der Konflikt beschränkt sich nach Bischoffs Eindruck längst nicht mehr auf sachliche Fragen. Der Ton innerhalb des Verbandes sei deutlich rauer geworden. „Es wird volle Rohre geschossen mit Juristen und Vorschriften und sonstwas“, sagt er. „Ich finde die Streiterei im Moment eigentlich lächerlich.“

Besonders problematisch findet er die persönliche Ebene der Auseinandersetzung. „Im Moment ist es leider so, dass meine Frau wirklich von jedem beleidigt werden kann“, sagt Bischoff. Als Beispiel nennt er den Vorwurf, Lauterbach habe sich ein „Gefälligkeitsgutachten“ von ihrem Rechtsberater erstellen lassen. Diese Behauptung sei frei erfunden und zugleich eine Beleidigung gegenüber dem beteiligten Juristen. (Bischoff lässt offen, wer das behauptet hat bzw. "Gefälligkeitsgutachten" gesagt hat, Anm. d. Red.)

Kritik an einzelnen Gegnern

Scharfe Kritik übt Bischoff an Paul Meyer-Dunker, einem der Kritiker des Präsidiums und speziell seiner Frau. Meyer-Dunker habe öffentlich erklärt, Lauterbach fehle es an Fingerspitzengefühl und sie habe Mitarbeiter aus persönlichen Gründen entlassen. Bischoff weist solche Darstellungen zurück und bezeichnet den Umgangston als problematisch. Gleichzeitig verweist er darauf, dass Aussagen im Internet dauerhaft bestehen bleiben und Konflikte so über Jahre nachwirken können. „Beim Schachbund ist es sagenhaft, wie nachtragend die Leute sind“, sagt er.

Früh einsetzender Widerstand

Nach Bischoffs Darstellung begann der politische Druck bereits kurz nach Lauterbachs Amtsantritt. Das Präsidium habe zunächst Zeit gebraucht, um sich einzuarbeiten. Doch schon früh hätten Gegner versucht, Mehrheiten zu organisieren, um die Präsidentin wieder abzusetzen.

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Als er selbst einmal beim bayerischen Schachpräsidenten Ingo Thorn nach Gründen für diese Forderungen gefragt habe, habe er keine konkrete Antwort erhalten.

Sorge um den Schachgipfel

Ein wichtiger Grund für Lauterbachs Festhalten am bisherigen Zeitplan ist nach Bischoffs Worten der geplante Schachgipfel im Juli in Dresden. Die Veranstaltung soll rund tausend Teilnehmer zusammenbringen und damit eine der größten deutschen Meisterschaften darstellen. „Es wäre ausgesprochen schade, wenn das gefährdet würde wegen so einer blöden Streiterei“, sagt Bischoff.

Finanzielle Probleme sieht er für das Projekt nicht. Für den Gipfel gebe es Zusagen und konkrete Planungen. Kritische Berichte über angeblich hohe Kosten oder teure Hotels bezeichnet er als unzutreffend.

Zweifel an der Zukunft des Amts

Der Konflikt wirft für Bischoff auch eine grundsätzliche Frage auf: Wer werde künftig noch bereit sein, Verantwortung im Verband zu übernehmen? „Ich bin gespannt, wer denn der nächste Präsident oder die nächste Präsidentin werden könnte“, sagt er. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, wie schnell das Amt in öffentliche Konflikte geraten könne.

Bischoff selbst zieht daraus eine persönliche Konsequenz. Er habe sich nie aktiv an der Verbandspolitik beteiligt und wolle sich künftig wieder stärker dem Spiel widmen. „Mir ist das zu viel Schachpolitik.“

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