José Raúl Capablanca (1888-1942)
Zitat von Conrad Schormann am 5. Oktober 2025, 15:58 Uhrhttps://twitter.com/usefulchess/status/1974809166876205255
4-year-old Capablanca playing chess 1892 : He learned to play chess at the age of four by watching his father play with friends, pointed out an illegal move by his father, and then beat his father. #chess #Capablanca pic.twitter.com/aLO4s50vYi
— Chess news (@usefulchess) October 5, 2025
Zitat von Conrad Schormann am 12. Oktober 2025, 11:15 UhrCapablanca’s Late Brilliance in New York 1931
Quelle: Chess.com – „A Century of Chess: New York 1931“, Sam Kahn, 7. Oktober 2025Beim New-York-Turnier 1931 zeigte José Raúl Capablanca noch einmal, warum er als Inbegriff eleganter Schachkunst gilt. Mit neun Siegen und zwei Remis dominierte der frühere Weltmeister das Feld – ein spätes Glanzstück in einer Stadt, in der er bereits viele seiner größten Erfolge gefeiert hatte. Doch unter der makellosen Bilanz verbarg sich auch Glück: Gegen Arthur Dake und Alexander Kevitz stand Capablanca klar auf Verlust, gegen Herman Steiner verlor er eine ganze Figur und rettete dennoch ein Remis.
Trotz dieser Aussetzer blitzte sein Genie in Partien wie dem berühmten Sieg gegen Israel A. Horowitz auf – ein „kaltes, unerbittliches Schach“, das Schriftsteller Raymond Chandler später in The High Window literarisch verewigte. Das Turnier markierte zugleich den Aufbruch einer neuen amerikanischen Generation: Dake, Kevitz und Steiner prägten fortan das US-Schach, während Isaac Kashdan, der mit +6 =5 ungeschlagen blieb, als „kleiner Capablanca“ gefeiert wurde.
Raymond Thornton Chandler was an American-British novelist and screenwriter. In 1932, at the age of forty-four, Chandler became a detective fiction writer after losing his job as an oil company executive during the Great Depression. His first short story, "Blackmailers Don't Shoot", was published in 1933 in Black Mask, a popular pulp magazine. His first novel, The Big Sleep, was published in 1939. In addition to his short stories, Chandler published seven novels during his lifetime (an eighth, in progress at the time of his death, was completed by Robert B. Parker). All but Playback have been made into motion pictures, some more than once. In the year before his death, he was elected president of the Mystery Writers of America. Chandler had an immense stylistic influence on American popular literature. He is a founder of the hardboiled school of detective fiction, along with Dashiell Hammett, James M. Cain and other Black Mask writers. The protagonist of his novels, Philip Marlowe, like Hammett's Sam Spade, is considered by some to be synonymous with "private detective". Both were played in films by Humphrey Bogart, whom many consider to be the quintessential Marlowe. At least three of Chandler's novels have been regarded as masterpieces, including Farewell, My Lovely (1940), The Little Sister (1949), and The Long Goodbye (1953). The Long Goodbye was praised in an anthology of American crime stories as "arguably the first book since Hammett's The Glass Key, published more than twenty years earlier, to qualify as a serious and significant mainstream novel that just happened to possess elements of mystery".
Capablanca’s Late Brilliance in New York 1931
Quelle: Chess.com – „A Century of Chess: New York 1931“, Sam Kahn, 7. Oktober 2025
Beim New-York-Turnier 1931 zeigte José Raúl Capablanca noch einmal, warum er als Inbegriff eleganter Schachkunst gilt. Mit neun Siegen und zwei Remis dominierte der frühere Weltmeister das Feld – ein spätes Glanzstück in einer Stadt, in der er bereits viele seiner größten Erfolge gefeiert hatte. Doch unter der makellosen Bilanz verbarg sich auch Glück: Gegen Arthur Dake und Alexander Kevitz stand Capablanca klar auf Verlust, gegen Herman Steiner verlor er eine ganze Figur und rettete dennoch ein Remis.
Trotz dieser Aussetzer blitzte sein Genie in Partien wie dem berühmten Sieg gegen Israel A. Horowitz auf – ein „kaltes, unerbittliches Schach“, das Schriftsteller Raymond Chandler später in The High Window literarisch verewigte. Das Turnier markierte zugleich den Aufbruch einer neuen amerikanischen Generation: Dake, Kevitz und Steiner prägten fortan das US-Schach, während Isaac Kashdan, der mit +6 =5 ungeschlagen blieb, als „kleiner Capablanca“ gefeiert wurde.
Raymond Thornton Chandler was an American-British novelist and screenwriter. In 1932, at the age of forty-four, Chandler became a detective fiction writer after losing his job as an oil company executive during the Great Depression. His first short story, "Blackmailers Don't Shoot", was published in 1933 in Black Mask, a popular pulp magazine. His first novel, The Big Sleep, was published in 1939. In addition to his short stories, Chandler published seven novels during his lifetime (an eighth, in progress at the time of his death, was completed by Robert B. Parker). All but Playback have been made into motion pictures, some more than once. In the year before his death, he was elected president of the Mystery Writers of America. Chandler had an immense stylistic influence on American popular literature. He is a founder of the hardboiled school of detective fiction, along with Dashiell Hammett, James M. Cain and other Black Mask writers. The protagonist of his novels, Philip Marlowe, like Hammett's Sam Spade, is considered by some to be synonymous with "private detective". Both were played in films by Humphrey Bogart, whom many consider to be the quintessential Marlowe. At least three of Chandler's novels have been regarded as masterpieces, including Farewell, My Lovely (1940), The Little Sister (1949), and The Long Goodbye (1953). The Long Goodbye was praised in an anthology of American crime stories as "arguably the first book since Hammett's The Glass Key, published more than twenty years earlier, to qualify as a serious and significant mainstream novel that just happened to possess elements of mystery".
Zitat von Conrad Schormann am 30. Januar 2026, 19:33 UhrDer Mann, der Schach „einfach konnte“: José Raúl Capablanca
Quelle: Video von Stefan Breuer (MoritexChess), „Moritex Schach-Podcast“
José Raúl Capablanca wächst in Havanna auf, geboren am 19. November 1888. Sein Vater, ein spanischer Kolonialbeamter, spielt zu Hause Schach. Capablanca schaut zu. Später erzählt man sich die Szene, wie der Junge den Vater korrigiert: „Papa, der Zug ist nicht erlaubt.“ Breuer sagt: Das klingt nach Legende. Aber das Grundmotiv passt: Capablanca lernt früh, schnell, fast beiläufig.
https://youtu.be/Baewj_axJjc
1901 ist Capablanca zwölf. Er spielt einen Wettkampf gegen den amtierenden kubanischen Meister und gewinnt knapp 7:6. Ein Jahr später sitzt er in der Endrunde der kubanischen Meisterschaft, sechs Teilnehmer, Capablanca wird Vierter. Der Meister, den er im Match geschlagen hat, „fegt“ ihn diesmal vom Brett. Das gehört zur Geschichte: Wunderkind, ja – unverwundbar, nein.
New York: Schachclub statt Hörsaal
1905 geht Capablanca von Kuba nach New York, ans Columbia College. Er spielt Schach, aber Breuer erzählt es so: Eigentlich will er erst mal ins Baseballteam. Das gelingt wohl. Und trotzdem ist es das Schach, das ihn im Manhattan Chess Club sichtbar macht – als Spieler, der schnell entscheidet, intuitiv, wie gemacht für Rapid und Simultan.
Er studiert kurz, irgendwas Richtung Chemieingenieurwesen, dann lässt er es. Zwischen 1908 und 1910 ist das Studium Thema, danach nicht mehr. Schach zieht stärker. 1909 reist er durch 27 US-Städte und gibt Simultans. Geld verdienen, Namen machen. Und dann kommt der Moment, der alles kippt: ein Match gegen Frank Marshall, einen US-Topspieler. Capablanca „fegt“ ihn weg: 8 Siege, 14 Remis, nur 1 Niederlage. Marshall ist nicht nachtragend, sondern wirkt wie ein Talentscout. Er sorgt dafür, dass Capablanca 1911 in San Sebastián starten darf.
https://bsky.app/profile/chessolympus.bsky.social/post/3lbcrdu3hy224
San Sebastián 1911 und der Aufstieg zur Weltspitze
San Sebastián ist ein Superturnier. Einige meckern, weil Capablanca die „inoffizielle Qualifikation“ nicht erfüllt habe. Aaron Nimzowitsch protestiert sogar. Die Turnierleitung lässt Capablanca spielen. Er gewinnt. Sechs Siege, eine Niederlage, sieben Remis – Breuer betont: effizient, Kräfte einteilen, Remis oft kurz. Das klingt nach dem, was Capablanca später ausmacht: Er tut selten mehr als nötig. Aber er tut das Nötige fast fehlerfrei.
Damit steht er im Kreis der Herausforderer von Emanuel Lasker, dem Weltmeister. Capablanca fordert ihn 1911/12. Lasker stellt Bedingungen. Breuer macht einen Punkt, der wichtig ist: Lasker will den Kampf nicht verhindern, er will ihn „vernünftig“ organisiert und so, dass es sich lohnt – auch finanziell. Lasker hat Angst vor Armut im Alter. Capablanca hat dieses Problem weniger: 1913 bekommt er einen Posten im kubanischen Außenministerium, als Diplomat. Breuer beschreibt das fast wie ein Rollenprofil: Capablanca reist, repräsentiert Kuba, elegant, charmant, „Liebling der Damenwelt“. In Europa wirkt er exotisch, auf Fotos geschniegelt, leichtfüßig.
https://bsky.app/profile/swirlosquirrel.bsky.social/post/3kfb5uihb4m2j
1914 spielt er in St. Petersburg, einem Turnier mit zwei Phasen. In Phase 1 führt Capablanca klar. In Phase 2 holt Lasker auf und gewinnt am Ende knapp. Danach reden die Meister über Regeln für künftige WM-Kämpfe. Noch gibt es keine FIDE. Dann kommt der Erste Weltkrieg, und alles liegt brach.
1920, 1921 – und der Titel
Die eigentliche WM zwischen Lasker und Capablanca kommt erst 1921 – und Breuer erzählt die Vorgeschichte ungewöhnlich: 1920 bietet Lasker an, den Titel kampflos abzugeben, wenn kein Match unter passenden Bedingungen zustande kommt. Er schreibt sinngemäß: Ohne Klima, das ihm zusagt, und ohne angemessene Bedingungen spiele er nicht als Weltmeister. Capablanca nimmt die „Übergabe“ an. Die Öffentlichkeit akzeptiert es nicht. Also wird doch gespielt.
1921 reist Lasker nach Kuba. Die Bedingungen sind nicht so, wie er es sich wünscht. Er fühlt sich nicht optimal vorbereitet. Capablanca gewinnt den Kampf. Breuer legt Wert auf Laskers Haltung: kein Drama, kein beleidigtes Abtreten. Lasker gibt vorzeitig auf und beglückwünscht ihn. In Laskers Kopf war Capablanca schon vor der ersten Partie Weltmeister.
1922 folgen die „Londoner Regeln“. Sechs Siege entscheiden einen WM-Kampf, Remis zählen nicht. Der Herausforderer muss 10.000 Dollar aufbringen, 20 Prozent sind dem Titelverteidiger sicher. Breuer macht klar: An dieser Hürde scheitern viele – selbst Alexander Aljechin lange.
1927: Die große Überraschung
Es dauert bis 1927, dann trifft Capablanca auf Aljechin. Capablanca ist Favorit. Aljechin kratzt Geld und Unterstützer zusammen. Und dann passiert das, was Breuer als Sensation erzählt: Der Kampf ist endlos – 25 Remis. Capablanca gewinnt drei Partien, verliert aber sechs. Nach den Regeln reicht das: Aljechin wird Weltmeister.
Breuer nennt Gründe, die Capablanca wehtun: Er unterschätzt Aljechin. Er bereitet sich nicht hart genug vor. Er bleibt stur in der Eröffnung, spielt „stur Damengambit“, obwohl es nicht gut läuft. Capablanca ist kein Eröffnungsarbeiter. Breuer zitiert die Haltung: Capablanca habe sinngemäß gesagt, er habe schon große Turniere gewonnen, bevor er überhaupt je in ein Eröffnungsbuch geschaut habe. Übertrieben, sagt Breuer. Aber der Kern stimmt: Theoriearbeit war nicht sein Motor.
Nach 1927 will Capablanca den Rückkampf. Aljechin stellt Bedingungen, härter als zuvor. Und gegen Capablanca ist er besonders stur. Die Stimmung kippt. Breuer beschreibt es drastisch: Das Tischtuch ist zerschnitten. Die beiden meiden sich fast zehn Jahre, spielen bis 1936 nicht im selben Turnier. Capablanca sammelt weiter Turniersiege, gilt mindestens als Nummer zwei der Welt.
Rückzug, Rückkehr und Ende in New York
Dann kommt eine Pause, und 1934 ein Comeback – Breuer erzählt es wie ein Romanmotiv: neue Liebe. Olga. Capablanca ist da noch verheiratet, die Scheidung dauert, vier Jahre später heiratet er Olga. Aber die Energie ist da: Er spielt wieder Turniere, gewinnt wieder. Nur: Die Gesundheit macht nicht mehr mit. Hoher Blutdruck, Warnungen der Ärzte. Capablanca findet keine Ruhe. Breuer erzählt einen bitteren Satz in Capablanca-Stil: „Wo soll ich Ruhe herkriegen?“
https://bsky.app/profile/ledchess.bsky.social/post/3lbd4cwj7nc2p
Er erleidet einen ersten leichten Schlaganfall auf einem Turnier. 1942 trifft es ihn tödlich – in New York, im Manhattan Chess Club. Nicht während einer Partie, eher am Rand einer Veranstaltung, vielleicht beim Blitz im Nebenraum. Er bricht zusammen, erholt sich nicht mehr und stirbt 1942 in New York. Breuer zieht eine makabre Linie: Steinitz, Lasker, Capablanca – die ersten drei Weltmeister sterben alle in New York.
Und dann bleibt die Frage: Was war Capablanca als Spieler?
Breuer gibt eine klare Antwort: Endspiel, Bauernstrukturen, Intuition. Eröffnung – zweitrangig. Capablanca sagt: Wer besser werden will, soll zuerst Endspiele studieren. Breuer unterschreibt das sofort. Capablanca hat ein Gespür dafür, wann Figuren getauscht werden müssen, welche Struktur bleibt, welches Endspiel entsteht. Er wirkt, als sähe er zwei Züge weniger – und trotzdem zehn Züge weiter.
Breuer nennt Capablanca ein Genie. Und er zitiert Lasker: Viele Schachspieler habe er gekannt, aber nur ein Schachgenie – Capablanca. Die Zahlen, die dazu herumgereicht werden, sind Teil des Mythos. Breuer nennt sie und bremst zugleich: angeblich 1916–1924 in 63 Turnierpartien ungeschlagen, 40 Siege; angeblich in fast 600 Turnierpartien nur 36 Niederlagen. In Datenbanken tauchen über 1200 Partien auf, inklusive Simultan und freie Partien – da hat Capablanca mehr verloren. Breuer sagt es offen: Das müsste jemand sauber sortieren. Er tut es nicht. Er bleibt beim Kern: Capablanca verlor wenig, gewann viel, und tat es mit einer Leichtigkeit, die andere nervös machte.
Der Mann, der Schach „einfach konnte“: José Raúl Capablanca
Quelle: Video von Stefan Breuer (MoritexChess), „Moritex Schach-Podcast“
José Raúl Capablanca wächst in Havanna auf, geboren am 19. November 1888. Sein Vater, ein spanischer Kolonialbeamter, spielt zu Hause Schach. Capablanca schaut zu. Später erzählt man sich die Szene, wie der Junge den Vater korrigiert: „Papa, der Zug ist nicht erlaubt.“ Breuer sagt: Das klingt nach Legende. Aber das Grundmotiv passt: Capablanca lernt früh, schnell, fast beiläufig.
1901 ist Capablanca zwölf. Er spielt einen Wettkampf gegen den amtierenden kubanischen Meister und gewinnt knapp 7:6. Ein Jahr später sitzt er in der Endrunde der kubanischen Meisterschaft, sechs Teilnehmer, Capablanca wird Vierter. Der Meister, den er im Match geschlagen hat, „fegt“ ihn diesmal vom Brett. Das gehört zur Geschichte: Wunderkind, ja – unverwundbar, nein.
New York: Schachclub statt Hörsaal
1905 geht Capablanca von Kuba nach New York, ans Columbia College. Er spielt Schach, aber Breuer erzählt es so: Eigentlich will er erst mal ins Baseballteam. Das gelingt wohl. Und trotzdem ist es das Schach, das ihn im Manhattan Chess Club sichtbar macht – als Spieler, der schnell entscheidet, intuitiv, wie gemacht für Rapid und Simultan.
Er studiert kurz, irgendwas Richtung Chemieingenieurwesen, dann lässt er es. Zwischen 1908 und 1910 ist das Studium Thema, danach nicht mehr. Schach zieht stärker. 1909 reist er durch 27 US-Städte und gibt Simultans. Geld verdienen, Namen machen. Und dann kommt der Moment, der alles kippt: ein Match gegen Frank Marshall, einen US-Topspieler. Capablanca „fegt“ ihn weg: 8 Siege, 14 Remis, nur 1 Niederlage. Marshall ist nicht nachtragend, sondern wirkt wie ein Talentscout. Er sorgt dafür, dass Capablanca 1911 in San Sebastián starten darf.
J.R. Capablanca, born November 19, 1888, takes on all comers at the Imperial Chess Club of London in 1911. #chess
— Chess Olympus (@chessolympus.bsky.social) 2024-11-19T15:38:37.016Z
San Sebastián 1911 und der Aufstieg zur Weltspitze
San Sebastián ist ein Superturnier. Einige meckern, weil Capablanca die „inoffizielle Qualifikation“ nicht erfüllt habe. Aaron Nimzowitsch protestiert sogar. Die Turnierleitung lässt Capablanca spielen. Er gewinnt. Sechs Siege, eine Niederlage, sieben Remis – Breuer betont: effizient, Kräfte einteilen, Remis oft kurz. Das klingt nach dem, was Capablanca später ausmacht: Er tut selten mehr als nötig. Aber er tut das Nötige fast fehlerfrei.
Damit steht er im Kreis der Herausforderer von Emanuel Lasker, dem Weltmeister. Capablanca fordert ihn 1911/12. Lasker stellt Bedingungen. Breuer macht einen Punkt, der wichtig ist: Lasker will den Kampf nicht verhindern, er will ihn „vernünftig“ organisiert und so, dass es sich lohnt – auch finanziell. Lasker hat Angst vor Armut im Alter. Capablanca hat dieses Problem weniger: 1913 bekommt er einen Posten im kubanischen Außenministerium, als Diplomat. Breuer beschreibt das fast wie ein Rollenprofil: Capablanca reist, repräsentiert Kuba, elegant, charmant, „Liebling der Damenwelt“. In Europa wirkt er exotisch, auf Fotos geschniegelt, leichtfüßig.
Chess match between Jose Raul Capablanca and Alexander Alekhine, circa 1913
— swirlOsquirrel (@swirlosquirrel.bsky.social) 2023-11-28T16:31:54.720Z
1914 spielt er in St. Petersburg, einem Turnier mit zwei Phasen. In Phase 1 führt Capablanca klar. In Phase 2 holt Lasker auf und gewinnt am Ende knapp. Danach reden die Meister über Regeln für künftige WM-Kämpfe. Noch gibt es keine FIDE. Dann kommt der Erste Weltkrieg, und alles liegt brach.
1920, 1921 – und der Titel
Die eigentliche WM zwischen Lasker und Capablanca kommt erst 1921 – und Breuer erzählt die Vorgeschichte ungewöhnlich: 1920 bietet Lasker an, den Titel kampflos abzugeben, wenn kein Match unter passenden Bedingungen zustande kommt. Er schreibt sinngemäß: Ohne Klima, das ihm zusagt, und ohne angemessene Bedingungen spiele er nicht als Weltmeister. Capablanca nimmt die „Übergabe“ an. Die Öffentlichkeit akzeptiert es nicht. Also wird doch gespielt.
1921 reist Lasker nach Kuba. Die Bedingungen sind nicht so, wie er es sich wünscht. Er fühlt sich nicht optimal vorbereitet. Capablanca gewinnt den Kampf. Breuer legt Wert auf Laskers Haltung: kein Drama, kein beleidigtes Abtreten. Lasker gibt vorzeitig auf und beglückwünscht ihn. In Laskers Kopf war Capablanca schon vor der ersten Partie Weltmeister.
1922 folgen die „Londoner Regeln“. Sechs Siege entscheiden einen WM-Kampf, Remis zählen nicht. Der Herausforderer muss 10.000 Dollar aufbringen, 20 Prozent sind dem Titelverteidiger sicher. Breuer macht klar: An dieser Hürde scheitern viele – selbst Alexander Aljechin lange.
1927: Die große Überraschung
Es dauert bis 1927, dann trifft Capablanca auf Aljechin. Capablanca ist Favorit. Aljechin kratzt Geld und Unterstützer zusammen. Und dann passiert das, was Breuer als Sensation erzählt: Der Kampf ist endlos – 25 Remis. Capablanca gewinnt drei Partien, verliert aber sechs. Nach den Regeln reicht das: Aljechin wird Weltmeister.
Breuer nennt Gründe, die Capablanca wehtun: Er unterschätzt Aljechin. Er bereitet sich nicht hart genug vor. Er bleibt stur in der Eröffnung, spielt „stur Damengambit“, obwohl es nicht gut läuft. Capablanca ist kein Eröffnungsarbeiter. Breuer zitiert die Haltung: Capablanca habe sinngemäß gesagt, er habe schon große Turniere gewonnen, bevor er überhaupt je in ein Eröffnungsbuch geschaut habe. Übertrieben, sagt Breuer. Aber der Kern stimmt: Theoriearbeit war nicht sein Motor.
Nach 1927 will Capablanca den Rückkampf. Aljechin stellt Bedingungen, härter als zuvor. Und gegen Capablanca ist er besonders stur. Die Stimmung kippt. Breuer beschreibt es drastisch: Das Tischtuch ist zerschnitten. Die beiden meiden sich fast zehn Jahre, spielen bis 1936 nicht im selben Turnier. Capablanca sammelt weiter Turniersiege, gilt mindestens als Nummer zwei der Welt.
Rückzug, Rückkehr und Ende in New York
Dann kommt eine Pause, und 1934 ein Comeback – Breuer erzählt es wie ein Romanmotiv: neue Liebe. Olga. Capablanca ist da noch verheiratet, die Scheidung dauert, vier Jahre später heiratet er Olga. Aber die Energie ist da: Er spielt wieder Turniere, gewinnt wieder. Nur: Die Gesundheit macht nicht mehr mit. Hoher Blutdruck, Warnungen der Ärzte. Capablanca findet keine Ruhe. Breuer erzählt einen bitteren Satz in Capablanca-Stil: „Wo soll ich Ruhe herkriegen?“
Happy Birthday to the legendary José Raúl Capablanca, born on this day in 1888, who would become the 3rd World Chess Champion from 1921 to 1927.Pictured below is Capablanca at age 21, and at age 50 with his wife, Olga Chagodaef.He would die 3 years later in 1942 of a brain hemorrhage.
Er erleidet einen ersten leichten Schlaganfall auf einem Turnier. 1942 trifft es ihn tödlich – in New York, im Manhattan Chess Club. Nicht während einer Partie, eher am Rand einer Veranstaltung, vielleicht beim Blitz im Nebenraum. Er bricht zusammen, erholt sich nicht mehr und stirbt 1942 in New York. Breuer zieht eine makabre Linie: Steinitz, Lasker, Capablanca – die ersten drei Weltmeister sterben alle in New York.
Und dann bleibt die Frage: Was war Capablanca als Spieler?
Breuer gibt eine klare Antwort: Endspiel, Bauernstrukturen, Intuition. Eröffnung – zweitrangig. Capablanca sagt: Wer besser werden will, soll zuerst Endspiele studieren. Breuer unterschreibt das sofort. Capablanca hat ein Gespür dafür, wann Figuren getauscht werden müssen, welche Struktur bleibt, welches Endspiel entsteht. Er wirkt, als sähe er zwei Züge weniger – und trotzdem zehn Züge weiter.
Breuer nennt Capablanca ein Genie. Und er zitiert Lasker: Viele Schachspieler habe er gekannt, aber nur ein Schachgenie – Capablanca. Die Zahlen, die dazu herumgereicht werden, sind Teil des Mythos. Breuer nennt sie und bremst zugleich: angeblich 1916–1924 in 63 Turnierpartien ungeschlagen, 40 Siege; angeblich in fast 600 Turnierpartien nur 36 Niederlagen. In Datenbanken tauchen über 1200 Partien auf, inklusive Simultan und freie Partien – da hat Capablanca mehr verloren. Breuer sagt es offen: Das müsste jemand sauber sortieren. Er tut es nicht. Er bleibt beim Kern: Capablanca verlor wenig, gewann viel, und tat es mit einer Leichtigkeit, die andere nervös machte.
