Ivan Sokolov
Zitat von Conrad Schormann am 17. September 2025, 17:42 UhrZum Simultan in Salzgitter-Bad:
https://nsv-online.de/2025/09/simultan-mit-gm-ivan-sokolov-ein-nachmittag-voller-schachmagie-in-salzgitter-bad/
http://www.schachvereinigung-salzgitter.de/blog/2025/09/ivan-sokolov-glaenzt-beim-simultan-am-gymnasium-salzgitter-bad-und-gewinnt-mit-30505/
https://de.chessbase.com/post/sokolov-in-topform-beim-simultan-in-salzgitter-bad
Ivan Sokolov: Erinnerungen an Karpow, Kortschnoi und die Kunst des Simultans
Wenn Ivan Sokolov heute ein Simultan gibt, dann nicht in der Erwartung, ein Rekordergebnis zu erzielen. „Simultans sind in erster Linie Unterhaltung, ein angenehmer Schachtag“, sagt er. Aber zugleich betont er, wie sehr Konzentration und Tempo gefordert sind, wenn man über Stunden hinweg 30 oder mehr Bretter bedient. „Man muss das Tempo halten, man muss die Fokussierung behalten. Irgendwann kommt die Krise, und die gilt es zu überwinden.“
https://youtu.be/sTEnem0vKDo
Seine eigene Geschichte mit Simultans reicht weit zurück – bis ins Jahr 1975, als er gerade sieben Jahre alt war. Anatoli Karpow war frischgebackener Weltmeister und auf Tournee durch Jugoslawien. In Sokolovs Heimatstadt spielte er ein Simultan – und der kleine Ivan erkämpfte ein Remis. „Das war natürlich eine Riesensache. Alle Journalisten waren da, und ich sagte, nächstes Mal werde ich ihm kein Remis geben.“ Auf das „nächste Mal“ musste er 20 Jahre warten: 1995 traf er in Linares auf Karpow – und verlor.
Noch intensiver ist seine Erinnerung an Viktor Kortschnoi, der 1984 bei einem Turnier in Sarajevo ein Simultan in Jajce, Sokolovs Geburtsstadt, gab. Sokolovs Vater organisierte die Fahrt – im selben Wagen wie Kortschnoi. Der junge Ivan spielte stark, zu stark für ein Simultan, und brachte den berühmten Großmeister in Rage. „An einer Stelle sagte er auf Serbokroatisch zu mir: ‘Und was guckst du so?’ – ‘Ich warte, dass Sie ziehen.’ – ‘Natürlich werde ich nicht ziehen. Die Stellung ist verloren.’“ Kortschnoi beruhigte sich erst wieder auf der Rückfahrt. Zwei Stunden lang analysierten sie blind die Partie im Auto, und am Ende lobte er den Jungen: „Du bist zu stark für Simultans. Du solltest Opens spielen.“
Solche Begegnungen prägen Sokolovs Blick auf die Simultankunst bis heute. Er weiß, dass die größten Gefahren von den unscheinbarsten Gegnern drohen: „Meist verliert man gegen Leute, von denen man es am wenigsten erwartet. Einer spielt völligen Unsinn in der Eröffnung, und man schenkt der Partie keine Aufmerksamkeit – und plötzlich steht man eine Figur weniger.“
Als Unterhalter, Erzähler und zugleich harter Kämpfer zwischen den Brettern bleibt Sokolov damit ein würdiger Erbe jener alten Simultankultur, in der ein Karpow oder Kortschnoi ganze Städte begeisterten. Seine Botschaft klingt einfach, aber sie hat Gewicht: Schach ist im Simultan kein reines Kräftemessen, sondern ein Erlebnis – für den Meister ebenso wie für die Herausforderer.
Zum Simultan in Salzgitter-Bad:
Simultan mit GM Ivan Sokolov: Ein Nachmittag voller Schachmagie in Salzgitter-Bad
https://de.chessbase.com/post/sokolov-in-topform-beim-simultan-in-salzgitter-bad
Ivan Sokolov: Erinnerungen an Karpow, Kortschnoi und die Kunst des Simultans
Wenn Ivan Sokolov heute ein Simultan gibt, dann nicht in der Erwartung, ein Rekordergebnis zu erzielen. „Simultans sind in erster Linie Unterhaltung, ein angenehmer Schachtag“, sagt er. Aber zugleich betont er, wie sehr Konzentration und Tempo gefordert sind, wenn man über Stunden hinweg 30 oder mehr Bretter bedient. „Man muss das Tempo halten, man muss die Fokussierung behalten. Irgendwann kommt die Krise, und die gilt es zu überwinden.“
Seine eigene Geschichte mit Simultans reicht weit zurück – bis ins Jahr 1975, als er gerade sieben Jahre alt war. Anatoli Karpow war frischgebackener Weltmeister und auf Tournee durch Jugoslawien. In Sokolovs Heimatstadt spielte er ein Simultan – und der kleine Ivan erkämpfte ein Remis. „Das war natürlich eine Riesensache. Alle Journalisten waren da, und ich sagte, nächstes Mal werde ich ihm kein Remis geben.“ Auf das „nächste Mal“ musste er 20 Jahre warten: 1995 traf er in Linares auf Karpow – und verlor.
Noch intensiver ist seine Erinnerung an Viktor Kortschnoi, der 1984 bei einem Turnier in Sarajevo ein Simultan in Jajce, Sokolovs Geburtsstadt, gab. Sokolovs Vater organisierte die Fahrt – im selben Wagen wie Kortschnoi. Der junge Ivan spielte stark, zu stark für ein Simultan, und brachte den berühmten Großmeister in Rage. „An einer Stelle sagte er auf Serbokroatisch zu mir: ‘Und was guckst du so?’ – ‘Ich warte, dass Sie ziehen.’ – ‘Natürlich werde ich nicht ziehen. Die Stellung ist verloren.’“ Kortschnoi beruhigte sich erst wieder auf der Rückfahrt. Zwei Stunden lang analysierten sie blind die Partie im Auto, und am Ende lobte er den Jungen: „Du bist zu stark für Simultans. Du solltest Opens spielen.“
Solche Begegnungen prägen Sokolovs Blick auf die Simultankunst bis heute. Er weiß, dass die größten Gefahren von den unscheinbarsten Gegnern drohen: „Meist verliert man gegen Leute, von denen man es am wenigsten erwartet. Einer spielt völligen Unsinn in der Eröffnung, und man schenkt der Partie keine Aufmerksamkeit – und plötzlich steht man eine Figur weniger.“
Als Unterhalter, Erzähler und zugleich harter Kämpfer zwischen den Brettern bleibt Sokolov damit ein würdiger Erbe jener alten Simultankultur, in der ein Karpow oder Kortschnoi ganze Städte begeisterten. Seine Botschaft klingt einfach, aber sie hat Gewicht: Schach ist im Simultan kein reines Kräftemessen, sondern ein Erlebnis – für den Meister ebenso wie für die Herausforderer.