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Irina Bulmaga

Irina Bulmaga über das Leben nach dem Frauen-Weltcup in Batumi

Quelle: Irina Bulmaga, Blogeintrag vom 14. Juli 2025

Irina Bulmaga schreibt nach ihrer Rückkehr vom Frauen-Weltcup in Batumi über zehn Tage, die sich wie ein kleines Leben anfühlten: harte Arbeit, Emotionen, existenzielle Fragen, Freude, Frust und die Leere nach dem Ausscheiden. Sie beschreibt, wie sie nach ihrer Niederlage erleichtert war, heimzukehren – nicht zuletzt, um zu prüfen, ob ihre Katze noch lebt. Die habe die Abwesenheit sogar genossen.

Auf langen Spaziergängen in Batumi reflektierte Bulmaga über die fremdbestimmte Natur des Lebens: Die massenhaft hochgezogenen Wohnhochhäuser mit offenen Balkonen symbolisieren für sie ein Leben, das oft von äußeren Kräften geprägt wird, nicht von eigenen Entscheidungen. Sie spielt mit dem Gedanken, ob sie die Existenz führt, die sie selbst gewählt hat, oder ob „fremde Architekten“ den Weg entworfen haben.

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Ihre Rückreise nach Hause schildert sie mit trockenem Humor: kurze Wege, ein 8-Euro-Cappuccino am Flughafen, turbulente Flüge, die sie gelassen hinnimmt. Beim Blick auf ihre Turnierbilanz denkt sie an die Opfer, die Profispieler bringen, und an die Schwere des Ausscheidens. Sie beschreibt einen Moment auf der Flugzeugtoilette, als sie einer Mitspielerin begegnet und in deren Augen denselben Schmerz erkennt, den sie selbst fühlt. 107 Spielerinnen waren gestartet, nur 16 sind noch dabei. Sie verpasst knapp den Einzug in diese Runde, obwohl sie gegen eine Ex- oder künftige Weltmeisterin mithalten und sie sogar übertreffen konnte.

Zurück in Bukarest sorgt ein bizarrer Vorfall für einen unerwarteten Abschluss: Ein Fremder kontaktiert sie mit einem ungewöhnlichen, masochistischen Angebot. Bulmaga begegnet der Nachricht mit Neugier, schwarzem Humor und einer Spur Selbstironie – erkennt sogar Parallelen zwischen ihrem Leben und seinem Verlangen nach Schmerz. Am Ende zieht sie sich in ihre eigene „zweiwöchige Erholungszeit“ zurück, mit Bier, Koriander, Katze und bodennaher Ruhe.

Eine kleine Ode an das Leben in den Dreißigern

Quelle: The blog of Irina Bulmaga – „Thirties’ Eulogy“, 7. März 2026, Irina Bulmaga

Das Leben in den Dreißigern fühlt sich anders an als zuvor – nicht unbedingt schlechter, aber spürbar verändert. Irina Bulmaga beschreibt diesen Lebensabschnitt als Mischung aus neuen Gewohnheiten, mehr Gelassenheit und kleinen Verschiebungen im Alltag.

Der Text beginnt mit einer Szene an einem Flughafenfenster. Bulmaga trägt einen neuen rosa Pullover und trinkt Matcha. Der Tag hatte allerdings anders begonnen: mit Kopfschmerzen, Kamillentee und Haferbrei. Nach einer Nacht mit wenig Schlaf merkt sie, dass sich ihr Körper inzwischen anders verhält als früher. Früher konnte sie nach einer durchfeierten Nacht sogar noch am Morgen eine Partie spielen. Mit dreißig funktioniert das nicht mehr so selbstverständlich.

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Mehr Selbstvertrauen und mehr Abstand

Trotz solcher Veränderungen beschreibt Bulmaga die Dreißiger als Phase mit eigenen Vorteilen. Sie erlebt mehr Selbstvertrauen – selbst nach einer Partie gegen ein zehnjähriges Kind, die nur remis endet, oder nach einem Turnier, in dem sie überwiegend gegen ältere Gegner spielt.

Auch im Alltag spürt sie eine neue Form von Respekt. Als sie im Hotel an die Tür eines Nachbarzimmers klopft und um Ruhe bittet, reagiert ein fünfzehnjähriger Junge sofort entschuldigend und spricht sie mit „Ma’am“ an. Die Szene überrascht sie so sehr, dass sie anschließend im Spiegel überprüft, ob ihr Aussehen tatsächlich so einschüchternd wirkt.

Neue Gewohnheiten

Bulmaga beschreibt mehrere Veränderungen, die mit diesem Lebensabschnitt einhergehen. Sie verdient etwas mehr Geld, auch wenn die Summen überschaubar bleiben. In einem aktuellen Turnier bringt ihr der neunte Platz knapp hundert Euro ein – für zehn Tage Arbeit.

Zugleich entwickeln sich andere Routinen. Frühstück wird wichtiger. In diesem Turnier lässt sie es nur einmal aus. Der Grund liegt weniger in gesundheitlichen Problemen als in einer einfachen Rechnung: Wenn das Frühstück ohnehin im Preis enthalten ist und der Turniersieg unwahrscheinlich erscheint, lohnt es sich, die Gelegenheit zu nutzen.

Beziehungen und Erinnerung

Auch im Umgang mit anderen Menschen erkennt Bulmaga Veränderungen. Sie kennt viele interessante Leute, entscheidet sich aber manchmal bewusst dagegen, sie zu treffen. Die Erinnerung an die Nebenwirkungen eines langen Abends wirkt noch nach.

Diese Erinnerung verblasst allerdings schneller, schreibt sie. Nach einigen Tagen – vielleicht sogar nach wenigen – verschwindet sie wieder, als hätte sie nie existiert.

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