Kirsan Ilyumzhinov
Zitat von Conrad Schormann am 3. Juli 2025, 11:56 UhrKirsan Ilyumzhinov ist wieder da. Neulich fiel der um Bedeutung ringende einstige FIDE-Chef mit Faible für blutrünstige Diktatoren schon auf, als er die Taliban bewegen wollte, ihr Schachverbot aufzuheben. Jetzt möchte er wieder FIDE-Präsident werden - und idealerweise vorher US-Präsident Donald Trump treffen. Dem nämlich verdankt er in letzter Konsequenz, dass die US-Sanktionen gegen ihn seit dem 1. Juli aufgehoben sind.
https://perlenvombodensee.de/2025/05/14/gluecksspiel-die-taliban-verbieten-schach/
Der ehemalige Präsident der Internationalen Schachföderation (FIDE) war seit 2015 von den USA sanktioniert wegen seiner vermeintlichen Unterstützung des syrischen Regimes und wegen mutmaßlicher Geschäfte mit der Terrororganisation "Islamischer Staat". Diese Sanktionen führten 2018 zum Ende seiner Tätigkeit bei der FIDE.
https://perlenvombodensee.de/2018/04/09/iljumschinows-fide-findet-keine-bank-die-ihr-geld-will/
Am 30. Juni verkündete Präsident Donald Trump die Aufhebung der Sanktionen gegen Ilyumzhinov. Diese Entscheidung wird als Zeichen für ein potenzielles Neudenken der internationalen Beziehungen durch die USA unter Trump wahrgenommen. Ilyumzhinov äußerte seine Bereitschaft, Trump persönlich zu treffen, um ihn für das "gerechte Urteil" zu danken und eine Partie Schach zu spielen.
https://twitter.com/PHChess/status/1940735477164003813
Infos:
https://www.kommersant.ru/doc/7854166
https://united24media.com/latest-news/trump-administration-delists-russian-banks-and-business-figures-from-syria-sanctions-9579
https://www.kyivpost.com/post/55597
https://radar.am/en/news/world-2702922733/
https://ofac.treasury.gov/recent-actions/20250630
Kirsan Ilyumzhinov ist wieder da. Neulich fiel der um Bedeutung ringende einstige FIDE-Chef mit Faible für blutrünstige Diktatoren schon auf, als er die Taliban bewegen wollte, ihr Schachverbot aufzuheben. Jetzt möchte er wieder FIDE-Präsident werden - und idealerweise vorher US-Präsident Donald Trump treffen. Dem nämlich verdankt er in letzter Konsequenz, dass die US-Sanktionen gegen ihn seit dem 1. Juli aufgehoben sind.
Der ehemalige Präsident der Internationalen Schachföderation (FIDE) war seit 2015 von den USA sanktioniert wegen seiner vermeintlichen Unterstützung des syrischen Regimes und wegen mutmaßlicher Geschäfte mit der Terrororganisation "Islamischer Staat". Diese Sanktionen führten 2018 zum Ende seiner Tätigkeit bei der FIDE.
Am 30. Juni verkündete Präsident Donald Trump die Aufhebung der Sanktionen gegen Ilyumzhinov. Diese Entscheidung wird als Zeichen für ein potenzielles Neudenken der internationalen Beziehungen durch die USA unter Trump wahrgenommen. Ilyumzhinov äußerte seine Bereitschaft, Trump persönlich zu treffen, um ihn für das "gerechte Urteil" zu danken und eine Partie Schach zu spielen.
Russian 🇷🇺 chess political theatrics.
It gives delegates the argument: Dvorkovich 🇷🇺 is the lesser evil.
Instead: The chess world should unite and find a Candidate who´s primary interest is not Russian interests, but the interests of chess.https://t.co/qvK0FkuEkK pic.twitter.com/7YsLbK9Z1N
— Peter Heine Nielsen (@PHChess) July 3, 2025
Infos:
https://www.kommersant.ru/doc/7854166
https://united24media.com/latest-news/trump-administration-delists-russian-banks-and-business-figures-from-syria-sanctions-9579
https://www.kyivpost.com/post/55597
https://radar.am/en/news/world-2702922733/
https://ofac.treasury.gov/recent-actions/20250630
Zitat von Conrad Schormann am 2. April 2026, 11:04 UhrIljumschinow will zurück an FIDE-Spitze
Quelle: Sport-Express – „Кирсан Илюмжинов: интервью бывшего президента ФИДЕ о желании вернуться на руководящий пост, Фишере, Карлсене", veröffentlicht am 30. März 2026
Kirsan Iljumschinow, langjähriger Präsident des Weltschachverbandes FIDE, beabsichtigt, bei den Präsidentschaftswahlen im September 2026 in Usbekistan erneut zu kandidieren. Das berichtet Sport-Express. Der frühere Chef der FIDE, der die Organisation von 1995 bis 2018 führte, erklärte, er werde im Falle seiner Wahl umgehend die Flagge und Hymne russischer Schachspieler wiederherstellen und im FIDE-Statut verankern, dass derartige Sanktionen gegen kein Land zulässig seien. Als mögliche Gegenkandidaten nannte er Vertreter aus Deutschland und England.
Iljumschinow betonte, er habe während seiner 23-jährigen Amtszeit rund 100 Millionen US-Dollar aus eigenen Mitteln und denen seiner Freunde in den Schachsport investiert. Er erinnerte an die Einführung des K.-o.-Systems bei Weltmeisterschaften in den späten 1990er-Jahren sowie an die Rolle, die er bei der Anerkennung der FIDE durch das Internationale Olympische Komitee im Jahr 1999 gespielt habe. Durch diese Anerkennung hätten nationale Verbände weltweit erstmals staatliche Unterstützung erhalten.
Olympia-Ziel und eine Milliarde Schachspieler
Als zentrale Vorhaben für eine mögliche neue Amtszeit nannte Iljumschinow die Aufnahme des Schachs in das Olympische Programm – sowohl bei Sommer- als auch bei Winterspielen – sowie die Einführung eines verpflichtenden Schachunterrichts in Schulen aller FIDE-Mitgliedsländer. Darüber hinaus strebt er an, die Zahl der Schachspieler weltweit von derzeit etwa 500 Millionen auf eine Milliarde zu steigern.
Zum aktuellen Weltmeisterschaftszyklus äußerte sich Iljumschinow zurückhaltend und sprach sich für eine breite Konsultation aus. Den Rückzug von Magnus Carlsen aus dem offiziellen Zyklus bezeichnete er als Verlust für den gesamten Schachsport: „Ohne ihn wirkt der Weltmeisterschaftszyklus verwaist." Er wolle zwar keine Entscheidung für Carlsen treffen, wünsche sich aber dessen Rückkehr. Ob Arkadi Dworkowitsch, amtierender FIDE-Präsident, ebenfalls kandidiert, ließ Iljumschinow offen; er erklärte jedoch, seine Kandidatur davon abhängig zu machen, wen Russland offiziell unterstütze.
Automatisch KI-generierter Beitrag
Iljumschinow will zurück an FIDE-Spitze
Quelle: Sport-Express – „Кирсан Илюмжинов: интервью бывшего президента ФИДЕ о желании вернуться на руководящий пост, Фишере, Карлсене", veröffentlicht am 30. März 2026
Kirsan Iljumschinow, langjähriger Präsident des Weltschachverbandes FIDE, beabsichtigt, bei den Präsidentschaftswahlen im September 2026 in Usbekistan erneut zu kandidieren. Das berichtet Sport-Express. Der frühere Chef der FIDE, der die Organisation von 1995 bis 2018 führte, erklärte, er werde im Falle seiner Wahl umgehend die Flagge und Hymne russischer Schachspieler wiederherstellen und im FIDE-Statut verankern, dass derartige Sanktionen gegen kein Land zulässig seien. Als mögliche Gegenkandidaten nannte er Vertreter aus Deutschland und England.
Iljumschinow betonte, er habe während seiner 23-jährigen Amtszeit rund 100 Millionen US-Dollar aus eigenen Mitteln und denen seiner Freunde in den Schachsport investiert. Er erinnerte an die Einführung des K.-o.-Systems bei Weltmeisterschaften in den späten 1990er-Jahren sowie an die Rolle, die er bei der Anerkennung der FIDE durch das Internationale Olympische Komitee im Jahr 1999 gespielt habe. Durch diese Anerkennung hätten nationale Verbände weltweit erstmals staatliche Unterstützung erhalten.
Olympia-Ziel und eine Milliarde Schachspieler
Als zentrale Vorhaben für eine mögliche neue Amtszeit nannte Iljumschinow die Aufnahme des Schachs in das Olympische Programm – sowohl bei Sommer- als auch bei Winterspielen – sowie die Einführung eines verpflichtenden Schachunterrichts in Schulen aller FIDE-Mitgliedsländer. Darüber hinaus strebt er an, die Zahl der Schachspieler weltweit von derzeit etwa 500 Millionen auf eine Milliarde zu steigern.
Zum aktuellen Weltmeisterschaftszyklus äußerte sich Iljumschinow zurückhaltend und sprach sich für eine breite Konsultation aus. Den Rückzug von Magnus Carlsen aus dem offiziellen Zyklus bezeichnete er als Verlust für den gesamten Schachsport: „Ohne ihn wirkt der Weltmeisterschaftszyklus verwaist." Er wolle zwar keine Entscheidung für Carlsen treffen, wünsche sich aber dessen Rückkehr. Ob Arkadi Dworkowitsch, amtierender FIDE-Präsident, ebenfalls kandidiert, ließ Iljumschinow offen; er erklärte jedoch, seine Kandidatur davon abhängig zu machen, wen Russland offiziell unterstütze.
Automatisch KI-generierter Beitrag
Zitat von Conrad Schormann am 2. April 2026, 11:11 UhrKirsan Iljumschinow will an die Spitze der FIDE zurück – und Schach in die Olympischen Spiele bringen
Interviewpartner: Kirsan Iljumschinow · Interviewer: Timur Ganeev · Sport-Express · Datum: 20.2.2026
WerbungSchach soll olympisch werden, die nationale Verbände sollen gestärkt werden, und Russland soll in der FIDE wieder mit Flagge und Hymne auftreten. Das sagte Kirsan Iljumschinow im Gespräch mit Timur Ganeev von Sport-Express. Der frühere FIDE-Präsident verbindet seine Bewerbung für die Wahl 2026 eng mit seiner eigenen Amtszeit und mit dem Anspruch, Schach politisch wie organisatorisch wieder klarer aufzustellen.
Iljumschinow beschreibt seine Jahre an der Spitze der FIDE als eine Zeit, in der er zunächst einen tief gespaltenen und finanziell schwachen Verband übernehmen musste. Als er 1995 Präsident wurde, habe die Organisation kaum Mittel gehabt, selbst zentrale Wettbewerbe seien gefährdet gewesen. Sein erster Schritt sei deshalb der Gang zum IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch gewesen. Iljumschinow schildert diese Anerkennung durch das IOC als einen Wendepunkt. Erst dadurch hätten viele nationale Verbände staatliche Unterstützung erhalten. Zugleich sei die Zahl der Föderationen weltweit stark gewachsen. Er stellt diese Entwicklung als Beleg für seine Grundüberzeugung dar, dass die FIDE nicht nur für Spitzenspieler da sei, sondern für alle Schachspieler über die nationalen Verbände.
Rückblick auf den Bruch und die Vereinigung
Einen großen Teil des Gesprächs nutzt Iljumschinow, um seine Rolle bei der Überwindung der Spaltung im Weltschach hervorzuheben. Er erinnert an das Prager Abkommen von 2002 und an den Vereinigungsmatch 2006 in Elista zwischen Wladimir Kramnik und Wesselin Topalow. Den sogenannten Toilettenskandal beschreibt er als Moment, in dem die Einheit des Schachs erneut zu kippen drohte. Er schildert, wie er aus Sotschi nach Elista flog und dort zwei Tage lang mit beiden Lagern verhandelte. Rückblickend wertet er die Bereitschaft von Kramnik und Topalow, den Wettkampf fortzusetzen, als entscheidende Geste für das gesamte Schach.
Auch die Zeit der FIDE-Weltmeister im K.-o.-Format verteidigt Iljumschinow ausdrücklich. Alexander Chalifman, Ruslan Ponomarjow, Rustom Kasimdschanow und Topalow gehörten für ihn in die Reihe der Weltmeister, weil sie sich in offenen und harten Wettbewerben durchgesetzt hätten. Den späteren Rückgriff auf Kandidatenturnier und WM-Match stellt er nicht als Korrektur eines Fehlers dar. Im Gegenteil: Ohne das K.-o.-System, sagt er, hätte sich das Schach in den neunziger Jahren kaum aus der Krise befreien lassen.
K.-o.-System als Modell für die Zukunft
Iljumschinow wirbt im Gespräch erneut für diesen Modus. Er sagt, die klassische Rundenturnierform sei für das Publikum schwerer zu verfolgen, während das K.-o.-System für Spieler und Ausrichter Vorteile habe. Wer gut spiele, komme weiter und verdiene Geld. Wer ausscheide, könne abreisen und müsse sich nicht durch lange Turniere schleppen. Dass heutige Spitzenspieler mehr K.-o.-Turniere fordern, wertet er als Bestätigung seiner damaligen Linie. Er deutet an, dass ein Ausbau dieses Formats Teil seines Wahlprogramms werden könnte.
Eng damit verknüpft er seine Darstellung der eigenen Amtszeit als Zeit starker Investitionen. Er sagt, er habe in 23 Jahren rund 100 Millionen Dollar an eigenen Mitteln und an Geld von Freunden in Schach gesteckt. Dieses Geld sei nicht nur in große Turniere geflossen, sondern in Föderationen, Bildungsprojekte und Hilfe für Veteranen. Mehrfach zeichnet er sich im Gespräch als Organisator, Geldgeber und politischer Vermittler zugleich.
Schach als globales Projekt
Iljumschinow begründet seinen politischen Stil immer wieder mit weltweiter Entwicklung. Er erzählt von Reisen in zahlreiche Länder, in denen es anfangs keine nationalen Schachverbände gegeben habe. Als Beispiel nennt er Oman. Schach erscheint bei ihm als Hebel, um Länder zu vernetzen, Institutionen aufzubauen und Regionen sichtbar zu machen. Das gilt in seiner Darstellung nicht nur global, sondern gerade für Kalmückien. Er beschreibt, wie das bis dahin wenig bekannte Elista durch Olympiaden, große Wettkämpfe und Schulschachprogramme international wahrgenommen worden sei. Namen wie Sanan Sjugirow, Baira Kowanowa, Ernesto Inarkiew und Roman Schogdschijew nennt er als Ergebnis dieser Entwicklung.
Auch seine Erinnerungen an ältere Weltmeister ordnet Iljumschinow in diese Sicht ein. Er spricht über Champion-Renten aus seinem Wohltätigkeitsfonds, über Einladungen an Veteranen und über Schaukämpfe wie die „Schlacht der Titanen“ zwischen Viktor Kortschnoi und Boris Spasski. Dabei betont er weniger deren sportlichen Wert als ihre Wirkung auf Kinder, Zuschauer und die Region.
Fischer als Mythos, Politik als Werkzeug
Einen breiten Raum nimmt seine Erinnerung an Bobby Fischer ein. Iljumschinow erzählt von privaten Partien in Budapest, von Fischers Forderung, Schach neu zu denken, und von seiner eigenen Bewunderung für den 11. Weltmeister. Die Begegnung schildert er fast ehrfürchtig. Zugleich nutzt er auch hier die Episode, um sich selbst als loyalen Unterstützer zu zeigen. So berichtet er, er habe Fischer 100.000 Dollar Honorar aus eigenen Mitteln gezahlt, nachdem ein sowjetischer Verlag dessen Buch ohne Bezahlung herausgebracht habe.
Aus diesen Anekdoten ergibt sich ein Muster, das das ganze Gespräch trägt: Iljumschinow beschreibt Schachpolitik nicht als nüchterne Verbandsarbeit, sondern als Mischung aus persönlicher Initiative, politischem Zugang und symbolischen Gesten. Treffen mit Staatschefs, Gespräche mit Sportministern und direkte Eingriffe in Krisen stellt er als normalen Teil seiner Arbeit dar.
Klare Kritik an der FIDE und an Sanktionen gegen Russland
Am deutlichsten wird Iljumschinow dort, wo er über die aktuelle FIDE spricht. Er warnt vor einer erneuten Unklarheit im Weltschach, falls neben dem offiziellen Titelzyklus ein weiterer Wettbewerb entstehe, aus dem ein „echter“ Weltmeister hervorgehen könne. Das würde aus seiner Sicht den alten Zustand mit zwei Zentren wiederbeleben. Er sagt offen, er verstehe nicht, warum die FIDE ein solches Projekt unterstütze.
Noch schärfer äußert er sich zu den Sanktionen gegen Russland. Die zwischenzeitliche Suspendierung der russischen Föderation durch die Ethikkommission nennt er einen Nonsens. Dass russische Spieler ohne Flagge und Hymne antreten, hält er für beschämend. Besonders eindringlich schildert er eine Szene bei der Jugend-WM in der Mongolei, als ein russisches Kind ihn gefragt habe, warum es so behandelt werde. Seine Antwort darauf ist politisch eindeutig: Wenn er im September an die Spitze der FIDE zurückkehre, werde er „первым делом“ Flagge und Hymne für russische Spieler zurückbringen und in der Satzung festschreiben, dass solche Sanktionen gegen kein Land verhängt werden dürften.
Bewerbung mit Programm und Loyalitätsfrage
Iljumschinow kündigt seine Kandidatur klar an, bindet sie aber an die Unterstützung Russlands. Für ihn sei entscheidend, wen das Land unterstütze und nominiere. Damit lässt er offen, ob er gegen einen anderen russischen Kandidaten antreten würde, betont aber, dass Russland aus seiner Sicht bei der Wahl vertreten sein müsse. Über eine mögliche Mannschaft für die Wahl spricht er nur allgemein. Er sagt, ihm würden verschiedene Namen vorgeschlagen.
Inhaltlich skizziert er drei große Ziele. Erstens will er die Verbände weltweit stärken und weiter selbst in viele Länder reisen. Zweitens will er Schach in das olympische Programm bringen. Seine „программа-минимум“ sei die Aufnahme in die Spiele, seine „программа-максимум“ gehe weiter: Schach solle auf Sommer- und Winterspielen vertreten sein. Drittens will er das Schulschach ausbauen und die Zahl der Menschen, die Schach spielen, von rund einer halben Milliarde auf eine Milliarde steigern. Dazu kommt ein alter Plan: ein offizieller Weltmeisterschaftswettbewerb im Fischer-Schach.
Der Blick auf Magnus Carlsen und den Titelzyklus
Im aktuellen Titelzyklus sieht Iljumschinow keinen Anlass für einen radikalen Bruch, wohl aber für eine breite Debatte. Spezialisierte Kommissionen, Föderationen, Spieler und Journalisten sollten aus seiner Sicht gemeinsam über Reformen beraten. Gegenüber Magnus Carlsen schlägt er einen versöhnlichen Ton an. Er nennt das angespannte Verhältnis zwischen Carlsen und der FIDE ein Versäumnis der Organisation. Carlsen sei ein Genie und eine Supergröße des Schachs, sagt er, und ohne ihn wirke der Titelzyklus „сиротливо“.
So verbindet Iljumschinow im Gespräch Rückblick, Bewerbung und Programm zu einer Linie. Er beschreibt sich als Mann der Einigung, der Globalisierung und der politischen Durchsetzung. Seine zentrale Botschaft bleibt dabei schlicht: Er hält seine Arbeit für unvollendet und sieht sich selbst als denjenigen, der sie fortsetzen soll.
Kirsan Iljumschinow will an die Spitze der FIDE zurück – und Schach in die Olympischen Spiele bringen
Interviewpartner: Kirsan Iljumschinow · Interviewer: Timur Ganeev · Sport-Express · Datum: 20.2.2026
Schach soll olympisch werden, die nationale Verbände sollen gestärkt werden, und Russland soll in der FIDE wieder mit Flagge und Hymne auftreten. Das sagte Kirsan Iljumschinow im Gespräch mit Timur Ganeev von Sport-Express. Der frühere FIDE-Präsident verbindet seine Bewerbung für die Wahl 2026 eng mit seiner eigenen Amtszeit und mit dem Anspruch, Schach politisch wie organisatorisch wieder klarer aufzustellen.
Iljumschinow beschreibt seine Jahre an der Spitze der FIDE als eine Zeit, in der er zunächst einen tief gespaltenen und finanziell schwachen Verband übernehmen musste. Als er 1995 Präsident wurde, habe die Organisation kaum Mittel gehabt, selbst zentrale Wettbewerbe seien gefährdet gewesen. Sein erster Schritt sei deshalb der Gang zum IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch gewesen. Iljumschinow schildert diese Anerkennung durch das IOC als einen Wendepunkt. Erst dadurch hätten viele nationale Verbände staatliche Unterstützung erhalten. Zugleich sei die Zahl der Föderationen weltweit stark gewachsen. Er stellt diese Entwicklung als Beleg für seine Grundüberzeugung dar, dass die FIDE nicht nur für Spitzenspieler da sei, sondern für alle Schachspieler über die nationalen Verbände.
Rückblick auf den Bruch und die Vereinigung
Einen großen Teil des Gesprächs nutzt Iljumschinow, um seine Rolle bei der Überwindung der Spaltung im Weltschach hervorzuheben. Er erinnert an das Prager Abkommen von 2002 und an den Vereinigungsmatch 2006 in Elista zwischen Wladimir Kramnik und Wesselin Topalow. Den sogenannten Toilettenskandal beschreibt er als Moment, in dem die Einheit des Schachs erneut zu kippen drohte. Er schildert, wie er aus Sotschi nach Elista flog und dort zwei Tage lang mit beiden Lagern verhandelte. Rückblickend wertet er die Bereitschaft von Kramnik und Topalow, den Wettkampf fortzusetzen, als entscheidende Geste für das gesamte Schach.
Auch die Zeit der FIDE-Weltmeister im K.-o.-Format verteidigt Iljumschinow ausdrücklich. Alexander Chalifman, Ruslan Ponomarjow, Rustom Kasimdschanow und Topalow gehörten für ihn in die Reihe der Weltmeister, weil sie sich in offenen und harten Wettbewerben durchgesetzt hätten. Den späteren Rückgriff auf Kandidatenturnier und WM-Match stellt er nicht als Korrektur eines Fehlers dar. Im Gegenteil: Ohne das K.-o.-System, sagt er, hätte sich das Schach in den neunziger Jahren kaum aus der Krise befreien lassen.
K.-o.-System als Modell für die Zukunft
Iljumschinow wirbt im Gespräch erneut für diesen Modus. Er sagt, die klassische Rundenturnierform sei für das Publikum schwerer zu verfolgen, während das K.-o.-System für Spieler und Ausrichter Vorteile habe. Wer gut spiele, komme weiter und verdiene Geld. Wer ausscheide, könne abreisen und müsse sich nicht durch lange Turniere schleppen. Dass heutige Spitzenspieler mehr K.-o.-Turniere fordern, wertet er als Bestätigung seiner damaligen Linie. Er deutet an, dass ein Ausbau dieses Formats Teil seines Wahlprogramms werden könnte.
Eng damit verknüpft er seine Darstellung der eigenen Amtszeit als Zeit starker Investitionen. Er sagt, er habe in 23 Jahren rund 100 Millionen Dollar an eigenen Mitteln und an Geld von Freunden in Schach gesteckt. Dieses Geld sei nicht nur in große Turniere geflossen, sondern in Föderationen, Bildungsprojekte und Hilfe für Veteranen. Mehrfach zeichnet er sich im Gespräch als Organisator, Geldgeber und politischer Vermittler zugleich.
Schach als globales Projekt
Iljumschinow begründet seinen politischen Stil immer wieder mit weltweiter Entwicklung. Er erzählt von Reisen in zahlreiche Länder, in denen es anfangs keine nationalen Schachverbände gegeben habe. Als Beispiel nennt er Oman. Schach erscheint bei ihm als Hebel, um Länder zu vernetzen, Institutionen aufzubauen und Regionen sichtbar zu machen. Das gilt in seiner Darstellung nicht nur global, sondern gerade für Kalmückien. Er beschreibt, wie das bis dahin wenig bekannte Elista durch Olympiaden, große Wettkämpfe und Schulschachprogramme international wahrgenommen worden sei. Namen wie Sanan Sjugirow, Baira Kowanowa, Ernesto Inarkiew und Roman Schogdschijew nennt er als Ergebnis dieser Entwicklung.
Auch seine Erinnerungen an ältere Weltmeister ordnet Iljumschinow in diese Sicht ein. Er spricht über Champion-Renten aus seinem Wohltätigkeitsfonds, über Einladungen an Veteranen und über Schaukämpfe wie die „Schlacht der Titanen“ zwischen Viktor Kortschnoi und Boris Spasski. Dabei betont er weniger deren sportlichen Wert als ihre Wirkung auf Kinder, Zuschauer und die Region.
Fischer als Mythos, Politik als Werkzeug
Einen breiten Raum nimmt seine Erinnerung an Bobby Fischer ein. Iljumschinow erzählt von privaten Partien in Budapest, von Fischers Forderung, Schach neu zu denken, und von seiner eigenen Bewunderung für den 11. Weltmeister. Die Begegnung schildert er fast ehrfürchtig. Zugleich nutzt er auch hier die Episode, um sich selbst als loyalen Unterstützer zu zeigen. So berichtet er, er habe Fischer 100.000 Dollar Honorar aus eigenen Mitteln gezahlt, nachdem ein sowjetischer Verlag dessen Buch ohne Bezahlung herausgebracht habe.
Aus diesen Anekdoten ergibt sich ein Muster, das das ganze Gespräch trägt: Iljumschinow beschreibt Schachpolitik nicht als nüchterne Verbandsarbeit, sondern als Mischung aus persönlicher Initiative, politischem Zugang und symbolischen Gesten. Treffen mit Staatschefs, Gespräche mit Sportministern und direkte Eingriffe in Krisen stellt er als normalen Teil seiner Arbeit dar.
Klare Kritik an der FIDE und an Sanktionen gegen Russland
Am deutlichsten wird Iljumschinow dort, wo er über die aktuelle FIDE spricht. Er warnt vor einer erneuten Unklarheit im Weltschach, falls neben dem offiziellen Titelzyklus ein weiterer Wettbewerb entstehe, aus dem ein „echter“ Weltmeister hervorgehen könne. Das würde aus seiner Sicht den alten Zustand mit zwei Zentren wiederbeleben. Er sagt offen, er verstehe nicht, warum die FIDE ein solches Projekt unterstütze.
Noch schärfer äußert er sich zu den Sanktionen gegen Russland. Die zwischenzeitliche Suspendierung der russischen Föderation durch die Ethikkommission nennt er einen Nonsens. Dass russische Spieler ohne Flagge und Hymne antreten, hält er für beschämend. Besonders eindringlich schildert er eine Szene bei der Jugend-WM in der Mongolei, als ein russisches Kind ihn gefragt habe, warum es so behandelt werde. Seine Antwort darauf ist politisch eindeutig: Wenn er im September an die Spitze der FIDE zurückkehre, werde er „первым делом“ Flagge und Hymne für russische Spieler zurückbringen und in der Satzung festschreiben, dass solche Sanktionen gegen kein Land verhängt werden dürften.
Bewerbung mit Programm und Loyalitätsfrage
Iljumschinow kündigt seine Kandidatur klar an, bindet sie aber an die Unterstützung Russlands. Für ihn sei entscheidend, wen das Land unterstütze und nominiere. Damit lässt er offen, ob er gegen einen anderen russischen Kandidaten antreten würde, betont aber, dass Russland aus seiner Sicht bei der Wahl vertreten sein müsse. Über eine mögliche Mannschaft für die Wahl spricht er nur allgemein. Er sagt, ihm würden verschiedene Namen vorgeschlagen.
Inhaltlich skizziert er drei große Ziele. Erstens will er die Verbände weltweit stärken und weiter selbst in viele Länder reisen. Zweitens will er Schach in das olympische Programm bringen. Seine „программа-минимум“ sei die Aufnahme in die Spiele, seine „программа-максимум“ gehe weiter: Schach solle auf Sommer- und Winterspielen vertreten sein. Drittens will er das Schulschach ausbauen und die Zahl der Menschen, die Schach spielen, von rund einer halben Milliarde auf eine Milliarde steigern. Dazu kommt ein alter Plan: ein offizieller Weltmeisterschaftswettbewerb im Fischer-Schach.
Der Blick auf Magnus Carlsen und den Titelzyklus
Im aktuellen Titelzyklus sieht Iljumschinow keinen Anlass für einen radikalen Bruch, wohl aber für eine breite Debatte. Spezialisierte Kommissionen, Föderationen, Spieler und Journalisten sollten aus seiner Sicht gemeinsam über Reformen beraten. Gegenüber Magnus Carlsen schlägt er einen versöhnlichen Ton an. Er nennt das angespannte Verhältnis zwischen Carlsen und der FIDE ein Versäumnis der Organisation. Carlsen sei ein Genie und eine Supergröße des Schachs, sagt er, und ohne ihn wirke der Titelzyklus „сиротливо“.
So verbindet Iljumschinow im Gespräch Rückblick, Bewerbung und Programm zu einer Linie. Er beschreibt sich als Mann der Einigung, der Globalisierung und der politischen Durchsetzung. Seine zentrale Botschaft bleibt dabei schlicht: Er hält seine Arbeit für unvollendet und sieht sich selbst als denjenigen, der sie fortsetzen soll.