Hussain Besou
Zitat von Conrad Schormann am 4. Juli 2025, 14:24 UhrKaum zu glauben: Hussain im Fernsehen:
Kaum zu glauben: Hussain im Fernsehen:

Zitat von Conrad Schormann am 30. Oktober 2025, 15:00 UhrHussain Besou vor der Jugend-EM: „Im Idealfall werde ich 2025 Europameister und schaffe den IM-Titel“
Quelle: Deutscher Schachbund – Interview von Matthias Wolf, 29. Oktober 2025Kurz vor Beginn der Jugend-Europameisterschaft in Budva zeigt sich FM Hussain Besou selbstbewusst, aber realistisch. „Ich bin sehr gut in Form“, sagt das 14-jährige Talent aus Ostwestfalen. „Ich hoffe auf gute Partien, das wird schon.“
Bekannt wurde Besou zuletzt durch seinen Auftritt in der NDR-Show Kaum zu glauben, den er als „cooles Erlebnis“ beschreibt. Vor der Kamera sei er anfangs aufgeregt gewesen, dann habe es sich normal angefühlt – und bei der EM sei es ähnlich: „Ich versuche so gut es geht zu spielen, aber die Aufregung ist immer da.“
In Montenegro teilt er sich das Zimmer mit seinem Bruder Jad und wird von Trainer Matthias Krallmann betreut. „Er bereitet mich auf die Gegner vor, so gut wie es geht“, sagt Besou. Krallmann, der schon mit Familie Besou arbeitet, begleitet ihn während des Turniers.
Als Nummer zwei der Setzliste in der Altersklasse U14 gilt Besou als einer der Favoriten – ohne sich davon unter Druck setzen zu lassen: „Ich freue mich, wenn ich gut spiele. Wenn ich an zwei gesetzt bin, dann denke ich mal, dass ich auch gute Chancen habe.“
Eine Medaille hält er trotz der starken Konkurrenz für schwierig, aber nicht unmöglich: „Der an Nummer eins gesetzte Ahmad Khagan ist ein IM – und sehr stark. Es gibt viele gute FM-Titelträger. Das wird nicht einfach. Aber wenn ich das schaffen würde, wäre das natürlich sehr bedeutend. Das ist ein internationales Turnier und schon etwas Besonderes.“
Auch wenn Schach ein Einzelsport ist, empfindet Besou Teamgefühl: „Wenn es mehr Spieler aus der eigenen Nation gibt, dann kann man sich gegenseitig besser supporten. Und man freut sich auch für die anderen, wenn die was erreichen.“
Sein Jahr 2025 bilanziert er positiv: „Ich habe meine zweite IM-Norm erreicht und die 2400-Marke geknackt.“ Und er formuliert ein klares Ziel: „Im Idealfall werde ich bis Ende des Jahres Europameister und IM.“
Hussain Besou vor der Jugend-EM: „Im Idealfall werde ich 2025 Europameister und schaffe den IM-Titel“
Quelle: Deutscher Schachbund – Interview von Matthias Wolf, 29. Oktober 2025
Kurz vor Beginn der Jugend-Europameisterschaft in Budva zeigt sich FM Hussain Besou selbstbewusst, aber realistisch. „Ich bin sehr gut in Form“, sagt das 14-jährige Talent aus Ostwestfalen. „Ich hoffe auf gute Partien, das wird schon.“
Bekannt wurde Besou zuletzt durch seinen Auftritt in der NDR-Show Kaum zu glauben, den er als „cooles Erlebnis“ beschreibt. Vor der Kamera sei er anfangs aufgeregt gewesen, dann habe es sich normal angefühlt – und bei der EM sei es ähnlich: „Ich versuche so gut es geht zu spielen, aber die Aufregung ist immer da.“
In Montenegro teilt er sich das Zimmer mit seinem Bruder Jad und wird von Trainer Matthias Krallmann betreut. „Er bereitet mich auf die Gegner vor, so gut wie es geht“, sagt Besou. Krallmann, der schon mit Familie Besou arbeitet, begleitet ihn während des Turniers.
Als Nummer zwei der Setzliste in der Altersklasse U14 gilt Besou als einer der Favoriten – ohne sich davon unter Druck setzen zu lassen: „Ich freue mich, wenn ich gut spiele. Wenn ich an zwei gesetzt bin, dann denke ich mal, dass ich auch gute Chancen habe.“
Eine Medaille hält er trotz der starken Konkurrenz für schwierig, aber nicht unmöglich: „Der an Nummer eins gesetzte Ahmad Khagan ist ein IM – und sehr stark. Es gibt viele gute FM-Titelträger. Das wird nicht einfach. Aber wenn ich das schaffen würde, wäre das natürlich sehr bedeutend. Das ist ein internationales Turnier und schon etwas Besonderes.“
Auch wenn Schach ein Einzelsport ist, empfindet Besou Teamgefühl: „Wenn es mehr Spieler aus der eigenen Nation gibt, dann kann man sich gegenseitig besser supporten. Und man freut sich auch für die anderen, wenn die was erreichen.“
Sein Jahr 2025 bilanziert er positiv: „Ich habe meine zweite IM-Norm erreicht und die 2400-Marke geknackt.“ Und er formuliert ein klares Ziel: „Im Idealfall werde ich bis Ende des Jahres Europameister und IM.“
Zitat von Conrad Schormann am 5. März 2026, 12:05 UhrHussain Besou will den nächsten Schritt gehen
Quelle: Deutscher Schachbund – „Hussain Bessou: ‘Ich bin bereit für die nächste Stufe.’“, 3. März 2026
Der nächste Schritt im Schach erscheint Hussain Besou greifbar nah. „Mein Verständnis für Schach hat sich weiterentwickelt und ich bin bereit für die nächste Stufe.“ So zitiert ihn der Deutsche Schachbund.
Der 14-Jährige arbeitet bereits an seiner ersten Norm für den Großmeistertitel. Parallel dazu steht seine Anerkennung als Internationaler Meister kurz bevor. Andreas Klein, Elo-Officer des Deutschen Schachbundes, übermittelte die notwendigen Unterlagen an die FIDE, die Anträge liegen inzwischen online vor. Die endgültige Entscheidung über die Titelvergabe fällt beim nächsten Council des Weltverbands. Neben Besou betrifft das Verfahren auch Marius Deuer, der demnach den Großmeistertitel erhalten soll.
Ein halber Punkt fehlte
Besou versuchte im Februar beim internationalen Großmeisterturnier im belgischen Wachtebeke seine erste GM-Norm zu erreichen. Das Ziel verpasste er knapp. Mit 6,5 Punkten aus neun Partien belegte er Platz zwei. Für die Norm hätte er das Turnier gewinnen müssen.
Der Rückschlag fällt gering aus. „Mit 0,5 Punkten weniger. Naja“, sagt Besou mit einem Augenzwinkern. Nach eigener Einschätzung gehört Enttäuschung zunächst dazu. „Zuerst empfindet man Verbitterung“, erklärt er, erkennt jedoch schnell, dass er weiterarbeiten muss. Er sieht sich „auf dem richtigen Weg“.
Im selben Turnier startete Christian Glöckler, ein weiteres Talent des Jahrgangs 2011. Glöckler kam auf vier Punkte. Das direkte Duell entschied Besou für sich.
Der Blick richtet sich auf die nächsten Turniere
Besou plant eine Reihe weiterer Turniere. Im März startet er beim internationalen ChessOrg-Festival in Bad Wörishofen. Im April folgt das Grenke Open. Direkt danach reist er zur Einzel-Europameisterschaft nach Polen.
Er tritt dort im offenen Wettbewerb der Erwachsenen an, nicht in einer Jugendkategorie. Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler sieht darin ein Zeichen gewachsenen Selbstvertrauens. Besou arbeite ehrgeizig und befinde sich derzeit in einer sehr guten Phase.
Das Turnier in Belgien brachte ihm zudem ein Elo-Plus von 22 Punkten.
Unterstützung aus dem Verein
Sein Heimatverein LSV Turm Lippstadt begleitet die Entwicklung aufmerksam. Vorsitzender Olaf Winterwerb bezeichnet das Ergebnis von Wachtebeke als beachtlich. Der Verein freue sich besonders darüber, dass Besou weiterhin Freude am Schach habe und konsequent auf sein Ziel hinarbeite.
Winterwerb kündigt weitere Unterstützung an. Ein Sponsor übernehme die Kosten voraussichtlich mindestens bis zum möglichen Großmeistertitel.
Auch familiär hat sich für Besou zuletzt etwas verändert. Nach einem zwischenzeitlichen Umzug nach Ludwigshafen lebt die Familie wieder in Ostwestfalen. Winterwerb beschreibt die Rückkehr als positiv für die Kinder. Seit der Rückkehr nach Lippstadt seien sie wieder regelmäßig im Verein präsent.
Hussain Besou will den nächsten Schritt gehen
Quelle: Deutscher Schachbund – „Hussain Bessou: ‘Ich bin bereit für die nächste Stufe.’“, 3. März 2026
Der nächste Schritt im Schach erscheint Hussain Besou greifbar nah. „Mein Verständnis für Schach hat sich weiterentwickelt und ich bin bereit für die nächste Stufe.“ So zitiert ihn der Deutsche Schachbund.
Der 14-Jährige arbeitet bereits an seiner ersten Norm für den Großmeistertitel. Parallel dazu steht seine Anerkennung als Internationaler Meister kurz bevor. Andreas Klein, Elo-Officer des Deutschen Schachbundes, übermittelte die notwendigen Unterlagen an die FIDE, die Anträge liegen inzwischen online vor. Die endgültige Entscheidung über die Titelvergabe fällt beim nächsten Council des Weltverbands. Neben Besou betrifft das Verfahren auch Marius Deuer, der demnach den Großmeistertitel erhalten soll.
Ein halber Punkt fehlte
Besou versuchte im Februar beim internationalen Großmeisterturnier im belgischen Wachtebeke seine erste GM-Norm zu erreichen. Das Ziel verpasste er knapp. Mit 6,5 Punkten aus neun Partien belegte er Platz zwei. Für die Norm hätte er das Turnier gewinnen müssen.
Der Rückschlag fällt gering aus. „Mit 0,5 Punkten weniger. Naja“, sagt Besou mit einem Augenzwinkern. Nach eigener Einschätzung gehört Enttäuschung zunächst dazu. „Zuerst empfindet man Verbitterung“, erklärt er, erkennt jedoch schnell, dass er weiterarbeiten muss. Er sieht sich „auf dem richtigen Weg“.
Im selben Turnier startete Christian Glöckler, ein weiteres Talent des Jahrgangs 2011. Glöckler kam auf vier Punkte. Das direkte Duell entschied Besou für sich.
Der Blick richtet sich auf die nächsten Turniere
Besou plant eine Reihe weiterer Turniere. Im März startet er beim internationalen ChessOrg-Festival in Bad Wörishofen. Im April folgt das Grenke Open. Direkt danach reist er zur Einzel-Europameisterschaft nach Polen.
Er tritt dort im offenen Wettbewerb der Erwachsenen an, nicht in einer Jugendkategorie. Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler sieht darin ein Zeichen gewachsenen Selbstvertrauens. Besou arbeite ehrgeizig und befinde sich derzeit in einer sehr guten Phase.
Das Turnier in Belgien brachte ihm zudem ein Elo-Plus von 22 Punkten.
Unterstützung aus dem Verein
Sein Heimatverein LSV Turm Lippstadt begleitet die Entwicklung aufmerksam. Vorsitzender Olaf Winterwerb bezeichnet das Ergebnis von Wachtebeke als beachtlich. Der Verein freue sich besonders darüber, dass Besou weiterhin Freude am Schach habe und konsequent auf sein Ziel hinarbeite.
Winterwerb kündigt weitere Unterstützung an. Ein Sponsor übernehme die Kosten voraussichtlich mindestens bis zum möglichen Großmeistertitel.
Auch familiär hat sich für Besou zuletzt etwas verändert. Nach einem zwischenzeitlichen Umzug nach Ludwigshafen lebt die Familie wieder in Ostwestfalen. Winterwerb beschreibt die Rückkehr als positiv für die Kinder. Seit der Rückkehr nach Lippstadt seien sie wieder regelmäßig im Verein präsent.
Zitat von Conrad Schormann am 13. März 2026, 19:15 UhrSchach als Weg – Hussain Besou über Training, Druck und seinen Aufstieg
Interviewpartner: Hussain Besou – Interviewer: Michael Busse – Format: Schachtalk – 10. Februar
Warum Hussain Besou so viel Zeit ins Schach investiert? „Mir macht Schach generell Spaß. Wenn man Spaß daran hat, arbeitet man automatisch daran.“ Das sagte Hussain Besou jetzt im Gespräch mit Michael Busse.
Als Kind syrischer Eltern, geboren in Saudi-Arabien, kam er im Alter von fünf Jahren nach Deutschland. An diese Zeit erinnert er sich kaum. Vieles kenne er nur aus Erzählungen seiner Eltern und Großeltern. Schach spielte er damals schon mit seinem Großvater. An konkrete Partien erinnert er sich nicht, aber daran, dass sie oft spielten.
https://youtu.be/QTadkgz7Vz8
Der Weg über den Verein
In Deutschland meldete sich Besou in einem Verein an und blieb beim Schach. Er spielte häufiger, fuhr zu Turnieren und arbeitete immer mehr an seinem Spiel. Bis heute tritt er für den LSV Turm Lippstadt an. Den Verein sieht er als wichtige Stütze. Dort habe er Hilfe bei Turnieren und beim Training bekommen. Über den Verein fand er nach eigenen Angaben auch einen Sponsor aus Lippstadt, der allerdings anonym bleiben will.
Diese Bindung an Verein und Sponsor prägt seine Lage bis heute. Besou sagt, er könne Lippstadt derzeit nicht verlassen, weil der Sponsor daran geknüpft habe, dass er weiter für den Klub spielt. Anfragen anderer Vereine seien deshalb für ihn aktuell kein Thema.
30 Stunden pro Woche
Besou trainiert nach eigener Aussage im Schnitt rund 30 Stunden pro Woche. Meist erledigt er nach der Schule zuerst seine Hausaufgaben und arbeitet dann an Schach. Einen Teil des Trainings macht er allein, einen Teil mit Trainern, meist online.
Sein aktueller Trainer ist Ufuk Tunçer. Mit ihm arbeitet er seit kurzer Zeit, vor allem an Eröffnungen. Dort sieht Besou selbst noch Schwächen – nicht allgemein, sondern auf dem Niveau, auf dem er inzwischen spielt. Früher trainierte er unter anderem mit Artur Jussupow. Über ihn sagt Besou, Jussupow habe stark mit Büchern gearbeitet und ihm genau das empfohlen. Er selbst versucht, möglichst viele Quellen zu nutzen: Bücher, Schachzeitungen, Podcasts und Material aus dem Internet.
Lernen ohne Engine
Beim Verfolgen starker Partien setzt Besou auf eigenes Denken. Er schaut sich Partien auf Plattformen wie Chess.com oder Lichess an und schaltet die Engine aus, um selbst Varianten zu berechnen. Streams sieht er eher als Unterhaltung. Zum Lernen taugen sie aus seiner Sicht nur begrenzt.
Besonders beeindruckt hat ihn das Buch „Game Changer“ über AlphaZero. Besou hebt daraus vor allem strategische Ideen hervor: den Abtausch aktiver gegnerischer Figuren, gutes Figurenspiel und den Einsatz des Königs. Gerade diese Mischung aus Strategie und Angriff habe ihn geprägt.
Druck und Rückschläge
Mit Niederlagen geht er heute besser um als früher. Er sagt offen, dass er kein guter Verlierer sei, aber Fortschritte gemacht habe. Als Beispiel nennt er ein geschlossenes Großmeisterturnier in Belgien. Dort verlor er die erste Runde aus Gewinnstellung, holte danach aber noch sechseinhalb Punkte aus acht Runden. Für eine Großmeisternorm reichte es am Ende knapp nicht.
Auch mit öffentlicher Aufmerksamkeit musste er erst umgehen lernen. Als er mit elf Jahren zum jüngsten deutschen Nationalspieler wurde, folgten viele Interviews und Berichte. Für ihn selbst sei das damals nicht leicht gewesen. Beim Mitropa Cup, zu dem er anschließend eingeladen wurde, habe er den Druck gespürt und nicht gut gespielt. Inzwischen komme er mit positiver wie negativer Aufmerksamkeit besser zurecht.
Unterstützung – und der Wunsch nach mehr
Besou zählt mehrere Säulen seiner Förderung auf: Verein, Sponsor, Familie, Trainer und den Deutschen Schachbund. Vom Verband erhält er als Kadermitglied nach eigener Aussage etwa 500 Euro im Jahr. Dazu kommen Lehrgänge. Europa- und Weltmeisterschaften würden meist ganz oder teilweise bezahlt.
Dankbar ist er trotzdem nicht ohne Vorbehalt. „Ich wünsche mir natürlich mehr, aber ich bin dankbar für das, was ich bekomme.“ Zugleich macht er deutlich, dass Unterstützung für seine Laufbahn ein zentrales Thema bleibt. Am Ende des Gesprächs wirbt er deshalb offen für Hilfe und verweist auf seine Homepage: Wer ihn unterstützen wolle, könne dort spenden.
IM-Titel erreicht, offizielle Bestätigung steht aus
Besou sagt in dem Gespräch nicht, dass sich sein Weg zum IM-Titel wegen sportlicher Probleme verzögert habe. Er erklärt es anders: Er habe die Voraussetzungen erfüllt, die offizielle Anerkennung stehe aber noch aus. Nach seinen Worten hängt das am Beschluss des FIDE-Councils, der erst Ende März oder Anfang April fallen solle. Deshalb sei er praktisch schon Internationaler Meister, formal aber noch nicht endgültig bestätigt.
Seine aktuelle Elozahl beziffert er mit 2422. Eine Großmeisternorm hat er noch nicht, auch wenn er in Belgien knapp daran vorbeiging. Sein Ziel formuliert er trotzdem klar: idealerweise noch in diesem Jahr den Großmeistertitel erreichen. Den Schwerpunkt setzt er aber nicht auf Titel, sondern auf Spielstärke. Wenn die stärker werde, kämen die Ergebnisse von selbst.
Viele Turniere, klare Prioritäten
Für die nächsten Monate plant Besou ein dichtes Programm. Er spielt beim Grenke Open, danach bei der Europameisterschaft der Herren, später beim Mitropa Cup und im Sommer beim deutschen Schachgipfel im Kandidatenturnier zur deutschen Meisterschaft. Freestyle-Schach findet er interessant, sieht für sich im Moment aber noch das klassische Schach im Vordergrund. Er brauche erst mehr Praxis auf hohem Niveau.
Schach als Weg – Hussain Besou über Training, Druck und seinen Aufstieg
Interviewpartner: Hussain Besou – Interviewer: Michael Busse – Format: Schachtalk – 10. Februar
Warum Hussain Besou so viel Zeit ins Schach investiert? „Mir macht Schach generell Spaß. Wenn man Spaß daran hat, arbeitet man automatisch daran.“ Das sagte Hussain Besou jetzt im Gespräch mit Michael Busse.
Als Kind syrischer Eltern, geboren in Saudi-Arabien, kam er im Alter von fünf Jahren nach Deutschland. An diese Zeit erinnert er sich kaum. Vieles kenne er nur aus Erzählungen seiner Eltern und Großeltern. Schach spielte er damals schon mit seinem Großvater. An konkrete Partien erinnert er sich nicht, aber daran, dass sie oft spielten.
Der Weg über den Verein
In Deutschland meldete sich Besou in einem Verein an und blieb beim Schach. Er spielte häufiger, fuhr zu Turnieren und arbeitete immer mehr an seinem Spiel. Bis heute tritt er für den LSV Turm Lippstadt an. Den Verein sieht er als wichtige Stütze. Dort habe er Hilfe bei Turnieren und beim Training bekommen. Über den Verein fand er nach eigenen Angaben auch einen Sponsor aus Lippstadt, der allerdings anonym bleiben will.
Diese Bindung an Verein und Sponsor prägt seine Lage bis heute. Besou sagt, er könne Lippstadt derzeit nicht verlassen, weil der Sponsor daran geknüpft habe, dass er weiter für den Klub spielt. Anfragen anderer Vereine seien deshalb für ihn aktuell kein Thema.
30 Stunden pro Woche
Besou trainiert nach eigener Aussage im Schnitt rund 30 Stunden pro Woche. Meist erledigt er nach der Schule zuerst seine Hausaufgaben und arbeitet dann an Schach. Einen Teil des Trainings macht er allein, einen Teil mit Trainern, meist online.
Sein aktueller Trainer ist Ufuk Tunçer. Mit ihm arbeitet er seit kurzer Zeit, vor allem an Eröffnungen. Dort sieht Besou selbst noch Schwächen – nicht allgemein, sondern auf dem Niveau, auf dem er inzwischen spielt. Früher trainierte er unter anderem mit Artur Jussupow. Über ihn sagt Besou, Jussupow habe stark mit Büchern gearbeitet und ihm genau das empfohlen. Er selbst versucht, möglichst viele Quellen zu nutzen: Bücher, Schachzeitungen, Podcasts und Material aus dem Internet.
Lernen ohne Engine
Beim Verfolgen starker Partien setzt Besou auf eigenes Denken. Er schaut sich Partien auf Plattformen wie Chess.com oder Lichess an und schaltet die Engine aus, um selbst Varianten zu berechnen. Streams sieht er eher als Unterhaltung. Zum Lernen taugen sie aus seiner Sicht nur begrenzt.
Besonders beeindruckt hat ihn das Buch „Game Changer“ über AlphaZero. Besou hebt daraus vor allem strategische Ideen hervor: den Abtausch aktiver gegnerischer Figuren, gutes Figurenspiel und den Einsatz des Königs. Gerade diese Mischung aus Strategie und Angriff habe ihn geprägt.
Druck und Rückschläge
Mit Niederlagen geht er heute besser um als früher. Er sagt offen, dass er kein guter Verlierer sei, aber Fortschritte gemacht habe. Als Beispiel nennt er ein geschlossenes Großmeisterturnier in Belgien. Dort verlor er die erste Runde aus Gewinnstellung, holte danach aber noch sechseinhalb Punkte aus acht Runden. Für eine Großmeisternorm reichte es am Ende knapp nicht.
Auch mit öffentlicher Aufmerksamkeit musste er erst umgehen lernen. Als er mit elf Jahren zum jüngsten deutschen Nationalspieler wurde, folgten viele Interviews und Berichte. Für ihn selbst sei das damals nicht leicht gewesen. Beim Mitropa Cup, zu dem er anschließend eingeladen wurde, habe er den Druck gespürt und nicht gut gespielt. Inzwischen komme er mit positiver wie negativer Aufmerksamkeit besser zurecht.
Unterstützung – und der Wunsch nach mehr
Besou zählt mehrere Säulen seiner Förderung auf: Verein, Sponsor, Familie, Trainer und den Deutschen Schachbund. Vom Verband erhält er als Kadermitglied nach eigener Aussage etwa 500 Euro im Jahr. Dazu kommen Lehrgänge. Europa- und Weltmeisterschaften würden meist ganz oder teilweise bezahlt.
Dankbar ist er trotzdem nicht ohne Vorbehalt. „Ich wünsche mir natürlich mehr, aber ich bin dankbar für das, was ich bekomme.“ Zugleich macht er deutlich, dass Unterstützung für seine Laufbahn ein zentrales Thema bleibt. Am Ende des Gesprächs wirbt er deshalb offen für Hilfe und verweist auf seine Homepage: Wer ihn unterstützen wolle, könne dort spenden.
IM-Titel erreicht, offizielle Bestätigung steht aus
Besou sagt in dem Gespräch nicht, dass sich sein Weg zum IM-Titel wegen sportlicher Probleme verzögert habe. Er erklärt es anders: Er habe die Voraussetzungen erfüllt, die offizielle Anerkennung stehe aber noch aus. Nach seinen Worten hängt das am Beschluss des FIDE-Councils, der erst Ende März oder Anfang April fallen solle. Deshalb sei er praktisch schon Internationaler Meister, formal aber noch nicht endgültig bestätigt.
Seine aktuelle Elozahl beziffert er mit 2422. Eine Großmeisternorm hat er noch nicht, auch wenn er in Belgien knapp daran vorbeiging. Sein Ziel formuliert er trotzdem klar: idealerweise noch in diesem Jahr den Großmeistertitel erreichen. Den Schwerpunkt setzt er aber nicht auf Titel, sondern auf Spielstärke. Wenn die stärker werde, kämen die Ergebnisse von selbst.
Viele Turniere, klare Prioritäten
Für die nächsten Monate plant Besou ein dichtes Programm. Er spielt beim Grenke Open, danach bei der Europameisterschaft der Herren, später beim Mitropa Cup und im Sommer beim deutschen Schachgipfel im Kandidatenturnier zur deutschen Meisterschaft. Freestyle-Schach findet er interessant, sieht für sich im Moment aber noch das klassische Schach im Vordergrund. Er brauche erst mehr Praxis auf hohem Niveau.


