Herman Steiner (1905-1955)
Zitat von Conrad Schormann am 1. Februar 2026, 15:09 UhrHollywoods Schachmotor
Quelle: Chess.com – Blogbeitrag von „batgirl“, aktualisiert am 25. Januar 2021Selbst unter Schachfreunden ist Herman Steiner heute kein geläufiger Name mehr. Dabei stand er in den 1930er- und 1940er-Jahren im Zentrum des amerikanischen Schachs – als Spieler, Lehrer, Organisator, Netzwerker und unermüdlicher Antreiber. Ohne Steiner sähe die Schachgeschichte Kaliforniens anders aus.
Vom Einwanderer zum Nationalspieler
Die Familie Steiner kam 1921 aus dem überwiegend ungarisch geprägten Dunaszerdahely nach New York. Herman Steiner war 16, vielseitig interessiert und ehrgeizig. Er boxte, spielte Schach in den großen New Yorker Klubs und arbeitete sich Schritt für Schritt nach oben. 1927 wurde er Dritter bei der New York State Championship, 1929 teilte er sich den Titel. Kurz darauf gehörte er zur US-Nationalmannschaft bei mehreren Olympiaden – 1928 in Den Haag, 1930 in Hamburg, 1931 in Prag, später auch 1950 in Dubrovnik als Mannschaftsführer.
Steiner war kein Wunderkind, sondern ein Arbeiter des Spiels. Seine Ergebnisse waren solide, oft sehr gut, selten spektakulär. Doch sein Einfluss reichte weit über das Brett hinaus.
Kalifornien statt New York
1932 spielte Steiner beim Pasadena International, an dem auch Alexander Aljechin, Reuben Fine und Samuel Reshevsky teilnahmen. Danach blieb er in Kalifornien. Diese Entscheidung veränderte das westamerikanische Schach nachhaltig.
Steiner gründete in Los Angeles ein „International Chess Club and College“, begann eine Schachkolumne in der Los Angeles Times – später von Historikern als „Goldstandard“ bezeichnet – und baute ein Netzwerk auf, das Spieler, Journalisten, Sponsoren und Filmstars verband. Schach wurde sichtbar. Öffentlich. Teil der Stadt.
https://bsky.app/profile/chessolympus.bsky.social/post/3krvlofcxnb27
Hollywood Chess
In Hollywood traf Steiner auf den Drehbuchautor Richard Schayer, der den Hollywood Chess Club leitete. Beide Klubs gingen 1934 in der Hollywood Chess Group auf. Prominente spielten mit, unterstützten Turniere oder sorgten schlicht für Aufmerksamkeit. Douglas Fairbanks Jr. war Vereinspräsident. Später standen Jose Raul Capablanca, Humphrey Bogart oder Cecil B. DeMille im Umfeld der Veranstaltungen.
1933 organisierten Steiner und Capablanca ein „Living Chess“-Event in Hollywood – DeMille fungierte als Schiedsrichter. Schach war Unterhaltung, Bildung und Gesellschaftsereignis zugleich. Steiner verstand dieses Zusammenspiel instinktiv.
Spieler, Lehrer, Organisator
Trotz aller Öffentlichkeitsarbeit blieb Steiner ein ernsthafter Turnierspieler. 1946 gewann er das London International Masters Tournament, 1948 wurde er US-Meister. Er gewann Opens, spielte WM-Zyklen, unterlag später klar Reuben Fine und Arnold Denker, blieb aber konkurrenzfähig bis ins fünfte Lebensjahrzehnt.
Mindestens ebenso prägend war seine Arbeit als Lehrer. Steiner investierte Zeit in Jugendliche, organisierte Juniorenturniere, entwickelte eigene Trainingssysteme. Viele spätere Meister verbrachten „endlose Stunden“ bei ihm. Besonders wichtig wurde seine Rolle für Jacqueline Piatigorsky, die unter seiner Anleitung vom Anfänger zur starken Spielerin wurde und später selbst zur wichtigsten Schachförderin Kaliforniens avancierte.
Schach als Berufung
Steiner bezeichnete sich selbst als professionellen Schachspieler – obwohl er wusste, dass er damit kaum Geld verdiente. Für ihn war Schach keine Nebentätigkeit, sondern Berufung. Er entwarf Figuren, Bretter, Uhren, plante Produkte für den Markt. Er schrieb, organisierte, spielte, lehrte. Stillstand kannte er nicht.
1955, bei der Verteidigung seines kalifornischen Meistertitels, erlitt Steiner einen Herzinfarkt. Er starb am 25. November, 55 Jahre alt. Die Nachrufe beschrieben ihn als unermüdlich, optimistisch, kämpferisch, als jemanden, der „Schach lebendig machte“ – für Kinder, für Frauen, für eine ganze Region.
Hollywoods Schachmotor
Quelle: Chess.com – Blogbeitrag von „batgirl“, aktualisiert am 25. Januar 2021
Selbst unter Schachfreunden ist Herman Steiner heute kein geläufiger Name mehr. Dabei stand er in den 1930er- und 1940er-Jahren im Zentrum des amerikanischen Schachs – als Spieler, Lehrer, Organisator, Netzwerker und unermüdlicher Antreiber. Ohne Steiner sähe die Schachgeschichte Kaliforniens anders aus.
Vom Einwanderer zum Nationalspieler
Die Familie Steiner kam 1921 aus dem überwiegend ungarisch geprägten Dunaszerdahely nach New York. Herman Steiner war 16, vielseitig interessiert und ehrgeizig. Er boxte, spielte Schach in den großen New Yorker Klubs und arbeitete sich Schritt für Schritt nach oben. 1927 wurde er Dritter bei der New York State Championship, 1929 teilte er sich den Titel. Kurz darauf gehörte er zur US-Nationalmannschaft bei mehreren Olympiaden – 1928 in Den Haag, 1930 in Hamburg, 1931 in Prag, später auch 1950 in Dubrovnik als Mannschaftsführer.
Steiner war kein Wunderkind, sondern ein Arbeiter des Spiels. Seine Ergebnisse waren solide, oft sehr gut, selten spektakulär. Doch sein Einfluss reichte weit über das Brett hinaus.
Kalifornien statt New York
1932 spielte Steiner beim Pasadena International, an dem auch Alexander Aljechin, Reuben Fine und Samuel Reshevsky teilnahmen. Danach blieb er in Kalifornien. Diese Entscheidung veränderte das westamerikanische Schach nachhaltig.
Steiner gründete in Los Angeles ein „International Chess Club and College“, begann eine Schachkolumne in der Los Angeles Times – später von Historikern als „Goldstandard“ bezeichnet – und baute ein Netzwerk auf, das Spieler, Journalisten, Sponsoren und Filmstars verband. Schach wurde sichtbar. Öffentlich. Teil der Stadt.
Gary Cooper, born May 7, 1901, gets some pointers from Herman Steiner while he takes on Lilli Palmer. #chess
— Chess Olympus (@chessolympus.bsky.social) 2024-05-07T12:34:37.000Z
Hollywood Chess
In Hollywood traf Steiner auf den Drehbuchautor Richard Schayer, der den Hollywood Chess Club leitete. Beide Klubs gingen 1934 in der Hollywood Chess Group auf. Prominente spielten mit, unterstützten Turniere oder sorgten schlicht für Aufmerksamkeit. Douglas Fairbanks Jr. war Vereinspräsident. Später standen Jose Raul Capablanca, Humphrey Bogart oder Cecil B. DeMille im Umfeld der Veranstaltungen.
1933 organisierten Steiner und Capablanca ein „Living Chess“-Event in Hollywood – DeMille fungierte als Schiedsrichter. Schach war Unterhaltung, Bildung und Gesellschaftsereignis zugleich. Steiner verstand dieses Zusammenspiel instinktiv.
Spieler, Lehrer, Organisator
Trotz aller Öffentlichkeitsarbeit blieb Steiner ein ernsthafter Turnierspieler. 1946 gewann er das London International Masters Tournament, 1948 wurde er US-Meister. Er gewann Opens, spielte WM-Zyklen, unterlag später klar Reuben Fine und Arnold Denker, blieb aber konkurrenzfähig bis ins fünfte Lebensjahrzehnt.
Mindestens ebenso prägend war seine Arbeit als Lehrer. Steiner investierte Zeit in Jugendliche, organisierte Juniorenturniere, entwickelte eigene Trainingssysteme. Viele spätere Meister verbrachten „endlose Stunden“ bei ihm. Besonders wichtig wurde seine Rolle für Jacqueline Piatigorsky, die unter seiner Anleitung vom Anfänger zur starken Spielerin wurde und später selbst zur wichtigsten Schachförderin Kaliforniens avancierte.
Schach als Berufung
Steiner bezeichnete sich selbst als professionellen Schachspieler – obwohl er wusste, dass er damit kaum Geld verdiente. Für ihn war Schach keine Nebentätigkeit, sondern Berufung. Er entwarf Figuren, Bretter, Uhren, plante Produkte für den Markt. Er schrieb, organisierte, spielte, lehrte. Stillstand kannte er nicht.
1955, bei der Verteidigung seines kalifornischen Meistertitels, erlitt Steiner einen Herzinfarkt. Er starb am 25. November, 55 Jahre alt. Die Nachrufe beschrieben ihn als unermüdlich, optimistisch, kämpferisch, als jemanden, der „Schach lebendig machte“ – für Kinder, für Frauen, für eine ganze Region.

