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Geheime Helfer: Die Sekundanten

Schach ist ein Teamsport – nur weiß das kaum jemand

Der Spiegel, 23. April 2026, Florian Pütz (Abo)

Schach gilt als das Spiel des einsamen Genies. Das schreibt Der Spiegel. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Hinter jedem Großmeister, der sich an sein Brett setzt, steckt ein Team aus Analysten, Sparringspartnern und Computerexperten – die sogenannten Sekundanten. Ihre Namen gehören zu den am besten gehüteten Geheimnissen der Sportwelt. Kennen die Gegner die Helfer, kennen sie das Eröffnungsrepertoire – und damit die Waffen des Gegners.

Vom Fechtduell zum Analysemarathon

Der Begriff hat seine Wurzeln außerhalb des Schachs. Sekundanten begleiteten ursprünglich Fechtduelle. Im Schach machte Michail Botwinnik, Patriarch der sowjetischen Schachschule, die Teamarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg zum System. Mit der Computerrevolution verschob sich die Arbeit vom Brett an den Rechner. Als sich Viswanathan Anand 2008 auf seine Weltmeisterschaft vorbereitete, suchten seine Helfer in Datenbanken nach noch nie gespielten Zügen – kein Schachbrett war dafür nötig. Einer der Sekundanten, Rustam Kasimdzhanov, arbeitete ganze Nächte durch, die Hände zitternd, zehn leere Kaffeetassen um ihn herum. Drei der vier Sekundanten litten nach dem Turnier an Burn-out.

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Psychologie statt Eröffnungstheorie

Bei Magnus Carlsen reisten 2021 nicht mehr alle Sekundanten zum WM-Ort – einige arbeiteten von Thailand aus und hielten dank der Zeitverschiebung den Betrieb rund um die Uhr aufrecht. Das aktuelle Kandidatenturnier auf Zypern gewann Javokhir Sindarov, betreut von Trainer Roman Vidonyak und einem öffentlich sichtbaren Sekundanten. Wer sonst noch zum Team gehört, bleibt geheim – so wie es die Logik des Spiels verlangt.

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