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FIDE ändert Elo-Regeln - Anti-Nakamura-Klausel?

 

FIDE verschärft Elo-Regeln – Kritik an „Anti-Nakamura“-Klausel

Quellen: FIDE – „FIDE Council approves targeted amendment to Rating Regulation“, 29. September 2025; DamasReyes – „La FIDE se inventa la regla anti-Nakamura“, Federico Marín Bellón, 29. September 2025

Der Weltschachbund FIDE hat Änderungen an seinem Wertungsreglement beschlossen, die ab 1. Oktober gelten. Laut offizieller Mitteilung betrifft die Neuregelung rund 70 Großmeister mit einer Elozahl über 2650. Für diese entfällt künftig die 400-Punkte-Grenze, die bisher bei großen Ratingunterschieden angesetzt wurde. Stattdessen wird immer die tatsächliche Differenz berücksichtigt. Damit solle die Genauigkeit der Wertungen verbessert und Fairness im Spitzenschach gewährleistet werden, heißt es von FIDE-Seite.

Das spanische Portal DamasReyes spricht dagegen von einer „Regel gegen Hikaru Nakamura“. Der US-Großmeister hatte zuletzt in offenen Turnieren gegen deutlich schwächere Gegner Punkte gesammelt und war Magnus Carlsen bis auf 24 Elo nähergekommen. Mit der neuen Regel bekommt er für solche Siege künftig kaum Zuwachs, während eine Niederlage oder ein Remis stärker bestraft wird. Nakamuras Plan, die notwendige Partienzahl für das Kandidatenturnier zu erfüllen, bleibt davon unberührt – er braucht nur noch elf Partien.

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Während FIDE-CEO Emil Sutovsky die Reform mit dem Schlagwort „No more farming“ verteidigt, kritisieren Spieler wie David Howell oder Jacob Aagaard eine Ungleichbehandlung zugunsten der absoluten Weltspitze. Befürworter wie Michael Rahal und David Llada sehen in der Änderung hingegen eine notwendige Reaktion auf Schlupflöcher im System.

Streit um FIDE-Regeln: Punktabzüge und Vorwürfe der „Rating-Manipulation“

Quelle: Chess.com – „FIDE Faces Backlash After Rule Changes, Accused Of ‘Stealing’ Rating Points“, Tarjei J. Svensen

Die FIDE steht nach mehreren Änderungen im Bewertungssystem in der Kritik. Auslöser ist die Abschaffung der sogenannten 400-Punkte-Regel: Für Spieler mit über 2650 Elo wird der volle Unterschied zur gegnerischen Wertungszahl berechnet. Gewinne gegen schwächere Gegner bringen dadurch weniger Punkte, Niederlagen kosten mehr.

FIDE-Geschäftsführer Emil Sutovsky begründet das mit dem Versuch, sogenanntes „Farming“ zu verhindern – also das gezielte Sammeln leichter Punkte in kleineren Turnieren. Er räumte ein, dass die Änderung durch Hikaru Nakamuras Teilnahme an mehreren US-Open-Turnieren ausgelöst wurde, mit denen dieser seine Qualifikation für das Kandidatenturnier sichern wollte.

Die Maßnahme stößt auf breite Kritik. Levy Rozman (GothamChess) hält sie für unfair gegenüber Spielern, die sich außerhalb großer Einladungsturniere verbessern wollen. Nakamura selbst sagte, er verdiene mit Streaming weit mehr als mit Schach und warf der FIDE vor, zu wenig für Profispieler zu tun.

Noch mehr Unmut löste ein weiterer Punkt aus: Der ukrainische Großmeister Oleksandr Bortnyk bemerkte, dass ihm und Daniel Naroditsky plötzlich Blitz-Wertungs­punkte abgezogen wurden. FIDE erklärte dies mit einer technischen Korrektur: Bereits im Dezember 2024 war eine Regel eingeführt worden, nach der Partien nicht gezählt werden, wenn der Ratingunterschied 600 Punkte oder mehr beträgt und einer der Spieler über 2600 Elo hat. Wegen eines Softwarefehlers war die Regel aber lange nicht angewendet worden. Die nachträgliche Anpassung führe deshalb nicht zu einer „Rückwirkung“, so Sutovsky, sondern zu einer verspäteten Berechnung.

Andere Großmeister halten das Vorgehen dennoch für problematisch. David Howell und Bartlomiej Macieja warnten, dass ständige Änderungen und fehlende Transparenz das Vertrauen in das Elo-System schwächen. Macieja betonte, dass dies bereits die vierte Änderung der Bewertungsregel in wenigen Jahren sei – und dass starke Spieler künftig sogar Punkte verlieren könnten, wenn sie gegen deutlich schwächere Gegner gewinnen.

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Sutovsky verteidigte die Reformen als notwendig, um Missbrauch zu verhindern, und kündigte an, die Vorschläge seiner Kritiker zu prüfen. Ziel sei ein einfaches und nachvollziehbares Bewertungssystem, das Spielerleistung fair widerspiegelt – ohne komplizierte Rechenformeln und ohne Schlupflöcher.

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