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Eine Geschichte der Diebstähle im Schach
Zitat von Conrad Schormann am 18. September 2026, 15:04 UhrWas Schachspielern beim Raubzug am meisten fehlt, ist für Diebe wertlos
Quelle: Chess.com – „Pirates, Pawns, and Plunder: A History of Chess Theft", 18. September 2026, Leticia (PokeGirl93)
Der größte Verlust bei einem Überfall auf einen Schachspieler ist selten das Geld. Vasyl Ivanchuk nannte nach einem bewaffneten Raub in São Paulo sein über Jahre benutztes Schachspiel als das wertvollste Stück der Beute. Andere trauerten Manuskripten und handschriftlichen Analysen nach, die für die Täter keinen Cent wert waren. Das kommentiert Leticia. Acht Fälle aus vier Jahrhunderten zeigen aus dieser Sicht dasselbe Muster – und dieselbe Lehre für Turnierveranstalter.
Ein Raub im Jahr 1622
Der erste überlieferte Fall betrifft den italienischen Meister Gioacchino Greco, vielleicht den stärksten Spieler seiner Zeit. Nach der Darstellung von H. J. R. Murray in „A History of Chess" reiste Greco 1622 nach England und führte 5.000 Kronen mit sich, umgerechnet 1.250 Pfund, die er in Paris mit dem Schachspiel und möglicherweise mit Wetten verdient hatte. Schätzungen setzen den heutigen Wert bei etwa 170.000 Pfund an. Über den Kanal kam das Geld nie: Greco wurde auf der Reise überfallen und verlor sein Vermögen. Er setzte die Fahrt dennoch fort und spielte gegen die englische Elite.
Ein Fall mit umgekehrten Rollen betrifft Bobby Fischer, der im Mai 1981 in Pasadena verhaftet wurde, weil er der Beschreibung eines Bankräubers entsprach. Zwei Tage saß er fest, dann kam er gegen 1.000 Dollar Kaution frei. In einer eigenen Schrift mit dem Titel „I Was Tortured in the Pasadena Jailhouse!" behauptete er, ein Polizist habe ihn gewürgt, man habe ihn nackt in unbeheizten Zellen gehalten und ihm Essen, Wasser und Telefonate verweigert. Schlimmer als als Pirat erwischt zu werden sei nur, für das Verbrechen eines anderen Piraten erwischt zu werden. 1992 warnte die amerikanische Regierung Fischer, ein Auftritt in Jugoslawien verstoße gegen Sanktionen; er spielte trotzdem, wurde angeklagt und lebte danach im Ausland.
Zehn Jahre Analyse, auf Papier
Der in der Ukraine geborene Großmeister Gregory Kaidanov erlebte seinen ersten Tag in den USA 1990 in New York und wurde binnen 24 Stunden zweimal bestohlen: zunächst das Gepäck aus dem Kofferraum des Mietwagens während des Abendessens, am nächsten Morgen Geld und Flugtickets durch eine Gruppe von Angreifern. In der Beute steckte etwas Kostbareres als Bargeld: zehn Jahre Analysearbeit, in der Zeit vor den Computern auf Papier notiert, ohne jede Sicherung. Kaidanov blieb dennoch, zog 1991 nach Lexington in Kentucky und vertritt seither die Vereinigten Staaten.
2006 verlor der frühere Weltmeister Anatoly Karpov in Brüssel seine Aktentasche. Nach seiner Schilderung lenkte ihn ein Täter ab, während ein zweiter von hinten zugriff. In der Tasche lagen rund 300 fertige Seiten eines Manuskripts über seine Sammlung von Schachbriefmarken und -münzen, samt der historischen Ereignisse dazu; er hielt das Werk für einzigartig. Sonst befanden sich dort nur Bankkarten, die er sofort sperren ließ. Die Enttäuschung der Diebe beim Öffnen der Tasche dürfte beträchtlich gewesen sein – 300 Seiten für sie vollkommen nutzloses Papier.
Wenn das Hotelzimmer nicht sicher ist
Im Februar 2007 wurde der aserbaidschanische Großmeister Teimour Radjabov in Patzcuaro kurz vor dem Turnier Morelia-Linares bestohlen. Er und sein Vater verließen das Hotel zum Abendessen und kehrten nach etwa 30 Minuten zurück; die Wertsachen waren fort. Spuren gewaltsamen Eindringens fanden sich nicht. Radjabov hielt die Tat wegen des engen Zeitfensters und der Auswahl der gestohlenen Gegenstände für genau geplant und erklärte, er habe die Anzeige erstattet, aber von den örtlichen Behörden keinerlei Hilfe erhalten, nicht einmal eine polizeiliche Untersuchung. Die Veranstalter lehnten seine Bitte um Entschädigung ab, er zog sich vom Turnier zurück.
2008 traf es einen echten Edelstein. Der ukrainische Großmeister Leonid Timoshenko reiste mit dem Pokal der ukrainischen Nationalmannschaft von der Schacholympiade in Dresden; im Pokal saß ein Diamant. Auf dem ersten Flug nach Frankfurt durfte die Trophäe in die Kabine, für den Weiterflug nach Kyjiw musste sie ins aufgegebene Gepäck. Nach der Landung war die Tasche geöffnet, der Pokal beschädigt, der Diamant verschwunden. Verbandspräsident Viktor Petrov erstattete Anzeige. Mykhaylo Kravets, stellvertretender Sicherheitschef am Flughafen Boryspil, bestätigte den Diebstahl und machte die Gepäckabfertiger verantwortlich. Dass ein Sicherheitsverantwortlicher die eigenen Leute beschuldige und nicht zurücktrete, sei bemerkenswert schamlos.
Ivanchuk und seine Frau wurden am 4. Oktober 2011 in São Paulo mit Pistolen bedroht, etwa 20 Meter vom Hotel entfernt, während sie auf ein Taxi zum Flughafen warteten – kurz nach seinem Sieg bei der brasilianischen Etappe des Grand Slam. Die Täter nahmen die Koffer mit, übersahen aber den Laptop zu seinen Füßen und seinen Pass in der Innentasche der Jacke. Der Pass seiner Frau war weg; Ivanchuk drohte, die nächste Etappe in Bilbao ohne sie nicht zu spielen.
2023 verloren beim Sunway Sitges in Spanien mehrere indische Spieler Laptops, Bargeld und Wertsachen, in drei Einbrüchen an fast aufeinanderfolgenden Tagen – in Wohnungen des Sunway Hotels, der offiziell zugewiesenen Unterkunft. IM Dushyant Sharma fand nach der siebten Runde am 19. Dezember seinen Laptop nicht mehr vor, ohne Spuren eines gewaltsamen Eindringens; mit ihm verschwanden jahrelange Eröffnungsanalysen, sein Pass, 400 Euro und Kleidung. Gekaufte Dinge seien ersetzbar, seine eigene Arbeit nicht, sagte er; ein Backup habe er nicht. Viele indische Teilnehmer zogen in Hotels nach Barcelona um.
Der leichte Ton der Piratengeschichten ändert nichts an der Mahnung: Sicherheit gehört zu den Pflichten der Veranstalter. Manches lasse sich nicht steuern, doch Diebstähle aus den Zimmern der Teilnehmer vertrieben Spitzenspieler zuverlässig von einem Turnier. Bemerkenswert bleibe, wie wenig die Betroffenen an Geld und Wertsachen hingen – und wie sehr an Notizen und Schachmaterial, das sie besser schützen sollten.
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Was Schachspielern beim Raubzug am meisten fehlt, ist für Diebe wertlos
Quelle: Chess.com – „Pirates, Pawns, and Plunder: A History of Chess Theft", 18. September 2026, Leticia (PokeGirl93)
Der größte Verlust bei einem Überfall auf einen Schachspieler ist selten das Geld. Vasyl Ivanchuk nannte nach einem bewaffneten Raub in São Paulo sein über Jahre benutztes Schachspiel als das wertvollste Stück der Beute. Andere trauerten Manuskripten und handschriftlichen Analysen nach, die für die Täter keinen Cent wert waren. Das kommentiert Leticia. Acht Fälle aus vier Jahrhunderten zeigen aus dieser Sicht dasselbe Muster – und dieselbe Lehre für Turnierveranstalter.
Ein Raub im Jahr 1622
Der erste überlieferte Fall betrifft den italienischen Meister Gioacchino Greco, vielleicht den stärksten Spieler seiner Zeit. Nach der Darstellung von H. J. R. Murray in „A History of Chess" reiste Greco 1622 nach England und führte 5.000 Kronen mit sich, umgerechnet 1.250 Pfund, die er in Paris mit dem Schachspiel und möglicherweise mit Wetten verdient hatte. Schätzungen setzen den heutigen Wert bei etwa 170.000 Pfund an. Über den Kanal kam das Geld nie: Greco wurde auf der Reise überfallen und verlor sein Vermögen. Er setzte die Fahrt dennoch fort und spielte gegen die englische Elite.
Ein Fall mit umgekehrten Rollen betrifft Bobby Fischer, der im Mai 1981 in Pasadena verhaftet wurde, weil er der Beschreibung eines Bankräubers entsprach. Zwei Tage saß er fest, dann kam er gegen 1.000 Dollar Kaution frei. In einer eigenen Schrift mit dem Titel „I Was Tortured in the Pasadena Jailhouse!" behauptete er, ein Polizist habe ihn gewürgt, man habe ihn nackt in unbeheizten Zellen gehalten und ihm Essen, Wasser und Telefonate verweigert. Schlimmer als als Pirat erwischt zu werden sei nur, für das Verbrechen eines anderen Piraten erwischt zu werden. 1992 warnte die amerikanische Regierung Fischer, ein Auftritt in Jugoslawien verstoße gegen Sanktionen; er spielte trotzdem, wurde angeklagt und lebte danach im Ausland.
Zehn Jahre Analyse, auf Papier
Der in der Ukraine geborene Großmeister Gregory Kaidanov erlebte seinen ersten Tag in den USA 1990 in New York und wurde binnen 24 Stunden zweimal bestohlen: zunächst das Gepäck aus dem Kofferraum des Mietwagens während des Abendessens, am nächsten Morgen Geld und Flugtickets durch eine Gruppe von Angreifern. In der Beute steckte etwas Kostbareres als Bargeld: zehn Jahre Analysearbeit, in der Zeit vor den Computern auf Papier notiert, ohne jede Sicherung. Kaidanov blieb dennoch, zog 1991 nach Lexington in Kentucky und vertritt seither die Vereinigten Staaten.
2006 verlor der frühere Weltmeister Anatoly Karpov in Brüssel seine Aktentasche. Nach seiner Schilderung lenkte ihn ein Täter ab, während ein zweiter von hinten zugriff. In der Tasche lagen rund 300 fertige Seiten eines Manuskripts über seine Sammlung von Schachbriefmarken und -münzen, samt der historischen Ereignisse dazu; er hielt das Werk für einzigartig. Sonst befanden sich dort nur Bankkarten, die er sofort sperren ließ. Die Enttäuschung der Diebe beim Öffnen der Tasche dürfte beträchtlich gewesen sein – 300 Seiten für sie vollkommen nutzloses Papier.
Wenn das Hotelzimmer nicht sicher ist
Im Februar 2007 wurde der aserbaidschanische Großmeister Teimour Radjabov in Patzcuaro kurz vor dem Turnier Morelia-Linares bestohlen. Er und sein Vater verließen das Hotel zum Abendessen und kehrten nach etwa 30 Minuten zurück; die Wertsachen waren fort. Spuren gewaltsamen Eindringens fanden sich nicht. Radjabov hielt die Tat wegen des engen Zeitfensters und der Auswahl der gestohlenen Gegenstände für genau geplant und erklärte, er habe die Anzeige erstattet, aber von den örtlichen Behörden keinerlei Hilfe erhalten, nicht einmal eine polizeiliche Untersuchung. Die Veranstalter lehnten seine Bitte um Entschädigung ab, er zog sich vom Turnier zurück.
2008 traf es einen echten Edelstein. Der ukrainische Großmeister Leonid Timoshenko reiste mit dem Pokal der ukrainischen Nationalmannschaft von der Schacholympiade in Dresden; im Pokal saß ein Diamant. Auf dem ersten Flug nach Frankfurt durfte die Trophäe in die Kabine, für den Weiterflug nach Kyjiw musste sie ins aufgegebene Gepäck. Nach der Landung war die Tasche geöffnet, der Pokal beschädigt, der Diamant verschwunden. Verbandspräsident Viktor Petrov erstattete Anzeige. Mykhaylo Kravets, stellvertretender Sicherheitschef am Flughafen Boryspil, bestätigte den Diebstahl und machte die Gepäckabfertiger verantwortlich. Dass ein Sicherheitsverantwortlicher die eigenen Leute beschuldige und nicht zurücktrete, sei bemerkenswert schamlos.
Ivanchuk und seine Frau wurden am 4. Oktober 2011 in São Paulo mit Pistolen bedroht, etwa 20 Meter vom Hotel entfernt, während sie auf ein Taxi zum Flughafen warteten – kurz nach seinem Sieg bei der brasilianischen Etappe des Grand Slam. Die Täter nahmen die Koffer mit, übersahen aber den Laptop zu seinen Füßen und seinen Pass in der Innentasche der Jacke. Der Pass seiner Frau war weg; Ivanchuk drohte, die nächste Etappe in Bilbao ohne sie nicht zu spielen.
2023 verloren beim Sunway Sitges in Spanien mehrere indische Spieler Laptops, Bargeld und Wertsachen, in drei Einbrüchen an fast aufeinanderfolgenden Tagen – in Wohnungen des Sunway Hotels, der offiziell zugewiesenen Unterkunft. IM Dushyant Sharma fand nach der siebten Runde am 19. Dezember seinen Laptop nicht mehr vor, ohne Spuren eines gewaltsamen Eindringens; mit ihm verschwanden jahrelange Eröffnungsanalysen, sein Pass, 400 Euro und Kleidung. Gekaufte Dinge seien ersetzbar, seine eigene Arbeit nicht, sagte er; ein Backup habe er nicht. Viele indische Teilnehmer zogen in Hotels nach Barcelona um.
Der leichte Ton der Piratengeschichten ändert nichts an der Mahnung: Sicherheit gehört zu den Pflichten der Veranstalter. Manches lasse sich nicht steuern, doch Diebstähle aus den Zimmern der Teilnehmer vertrieben Spitzenspieler zuverlässig von einem Turnier. Bemerkenswert bleibe, wie wenig die Betroffenen an Geld und Wertsachen hingen – und wie sehr an Notizen und Schachmaterial, das sie besser schützen sollten.
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