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Efim Bogoljubow

Happy Birthday! Efim Bogoljubow (1889-1952) wäre heute 136 Jahre alt geworden. Sein stärkstes Jahr, 1925, jährt sich jetzt zum 100. Mal

Über Bogoljubows zweimaligen WM-Anlauf:

Efim Bogoljubow gegen Alexander Aljechin – Aufstieg, Scheitern, Tragödie

Zweimal trat Efim Bogoljubow gegen Alexander Aljechin um die Schach-Weltmeisterschaft an. Zweimal scheiterte er. Doch kaum ein WM-Kampf der Geschichte erzählt so viel über Kampfgeist, Erschöpfung und die Härte des Spitzenschachs wie Bogoljubows Duell von 1934.

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Die folgende Darstellung basiert auf einem Beitrag von Nagesh Havanur auf Chessbase.com. Havanur hat sich darin ausführlich mit Bogoljubows WM-Kämpfen beschäftigt und besonders das Drama der 21. Partie von 1934 nachgezeichnet – unter anderem gestützt auf Augenzeugenberichte von Aaron Nimzowitsch.


1929: Bogoljubows erste Chance

Als Aljechin 1927 den scheinbar unbesiegbaren Capablanca entthront hatte, wollte der Kubaner sofort eine Revanche. Doch Aljechin wich aus. Er bestimmte lieber selbst seinen nächsten Herausforderer – und entschied sich für Bogoljubow.

1929 kam es zum ersten Duell. Bogoljubow spielte mutig, angriffslustig, stets auf Sieg. Doch Aljechin war stärker. Er gewann das Match, wenn auch nach vielen harten Kämpfen. Ein klarer, aber kein vernichtender Sieg.

Quelle: audiovis.nac.gov.pl/


1934: Der verhängnisvolle Rückkampf

Fünf Jahre später bekam Bogoljubow noch einmal eine Chance. Wieder trat er gegen Aljechin an. Doch diesmal war alles anders.

Havanur schildert, dass Bogoljubow ausgelaugt zum Match erschien. Acht Monate hatte er ununterbrochen Simultanspiele gegeben, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Gerade einmal zwei Wochen gönnte er sich zur Vorbereitung auf die wichtigste Partie seines Lebens.

Das Ergebnis: ein Debakel. Aljechin dominierte von Beginn an. Am Ende lautete der Score nach 26 Partien: 3 Siege für Bogoljubow, 8 Niederlagen, 15 Remis.

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Die 21. Partie – ein Stück Schachtragödie

Unvergessen bleibt laut Havanur die 21. Partie dieses Matches. Bogoljubow hatte eine Traumstellung. Ein Freibauer auf b7 fesselte Aljechins Türme. Der Weltmeister war gefangen, machtlos, hilflos.

Der Sieg schien nur noch Formsache.

Doch dann geschah das Unglaubliche: Bogoljubow fürchtete ein Gespenst. Er glaubte, in einem harmlosen Zug Aljechins eine tödliche Drohung zu erkennen. Aus Angst gab er freiwillig seinen mächtigen Bauern her – und war praktisch sofort verloren.

Aron Nimzowitsch, der Augenzeuge, schildert in seinem Bericht (zitiert von Havanur) dramatisch, wie Aljechin, eben noch bleich und verkrampft, plötzlich aufsprang – stolz, befreit, triumphierend. Bogoljubow hingegen floh durch den Hinterausgang, um niemandem begegnen zu müssen.


Bogoljubows Offenheit nach der Niederlage

Am nächsten Tag sprach Bogoljubow offen über seine Erschöpfung. Acht Monate Simultan, keine echte Pause – „das muss schrecklich sein“, kommentiert Havanur. Mindestens sechs gewonnene Partien habe Bogoljubow in diesem Match noch aus der Hand gegeben.

Sein eigenes Buch über das Match zeigt, dass Bogoljubow fair blieb. In einer kritischen Endspielstellung der Partie 21 war es der Leipziger Spieler G. Normann, der eine Remis-Ressource fand. Bogoljubow erkannte das an und erwähnte Normann ausdrücklich.


Zwei Matches, zwei Geschichten

Havanur zieht in seinem Beitrag auf Chessbase.com ein klares Fazit: Das WM-Match 1929 zwischen Aljechin und Bogoljubow war ein Fest für Liebhaber des Kombinationsspiels. Angriff und Gegenangriff wechselten ständig.

Das Match 1934 hingegen war menschliches Drama. Ein erschöpfter Herausforderer gegen einen überlegenen Weltmeister. Ein unvergesslicher Zusammenbruch in der 21. Partie. Und ein Spieler, der trotz allem offen, fair und selbstkritisch blieb.

Bogoljubow gewann nie den WM-Titel. Aber sein Name bleibt untrennbar mit der Geschichte der Schachweltmeisterschaften verbunden – nicht nur wegen seiner Siege, sondern wegen seines Scheiterns.

Über seinen größten Triumph, Moskau 1925, hat Bogoljubow selbst geschrieben.

Vom Internierten zum Herausforderer: Bogoljubows kometenhafter Aufstieg in den 1920er-Jahren

Quelle: Chess.com, 22. Juni 2025 (kahns)

Efim Bogoljubow war 1914 kaum jemandem ein Begriff, als er zum Turnier in Mannheim eingeladen wurde. Statt Ruhm brachte ihm die Reise die Internierung: Mit Kriegsbeginn wurde er als russischer Staatsbürger festgesetzt – und blieb die gesamten Kriegsjahre in Deutschland. Für ihn war die Haft kein Bruch, sondern ein Anfang. Er spielte acht interne Turniere mit anderen Festgehaltenen und verbesserte sich still, aber stetig.

Als der internationale Schachbetrieb nach dem Krieg neu anlief, war Bogoljubow plötzlich da. 1920 und 1921 gelangen ihm starke Resultate: Dritter in Göteborg, Zweiter in Berlin, Matchsieg gegen Nimzowitsch, beinahe ein Erfolg gegen Rubinstein. Sein Stil: kompromissloser Angriff, volle Initiative, wenig Rücksicht auf Kontrolle. In gemischten Feldern brillierte er – Bad Pistyan 1922, Karlsbad 1923 –, in Topturnieren schwankte er.

Während viele Schachspieler der neuen Sowjetunion entkamen, kehrte Bogoljubow zurück. Zwei Jahre lang war er die dominierende Figur: Sieg bei der UdSSR-Meisterschaft 1924, Triumph in Moskau 1925. Der auffällig hohe Score gegen sowjetische Teilnehmer (7 aus 8) weckte später Zweifel, zementierte aber seinen internationalen Ruf.

1926 ließ ihn die Sowjetunion ziehen. Bogoljubow ließ sich im Schwarzwald nieder – und startete neu. Er gewann Bad Kissingen 1928, schlug Max Euwe zweimal im Match und wurde 1929 offizieller WM-Herausforderer gegen Aljechin. Der hielt lange dagegen, doch Bogoljubow gewann zwei Partien – der Kampf war enger, als es später schien.

Bogoljubow lebte vom Angriff. Er liebte chaotische Stellungen, mied Positionsspiel, wenn möglich. Taktik, Initiative, Überraschung – das war sein Revier. Und so wurde aus einem Internierten einer der gefährlichsten Spieler seiner Zeit.


Teil 1 des 2020 erschienenen Zweiteilers über Bogoljubow.

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Amazon-Klappentext:

Efim Bogoljubov was one of the world’s very strongest players in the 1920s and 1930s. Twice he played Alexander Alekhine for the world championship title (1929 and 1934) and he won the famous Moscow 1925 tournament, ahead of Jose Capablanca, Emanuel Lasker and many other stars. He also won the Soviet championship in 1924 and 1925, as well as a host of other international tournaments. His play featured many sparkling combinations, as well as a deep positional understanding.International Master Grigory Bogdanovich has written a two-volume treatise on Bogoljubov’s life and games, covering over four hundred fully annotated games and fragments over both volumes. His analysis of Bogoljubov’s games is split into instructive themes, making his treatise a fantastic textbook for learning a huge range of winning techniques. In the present Volume I, which contains 194 games and fragments, Bogdanovich covers the topics of objectivity, imagination, combinational play, piece and pawn sacrifices, play with rook’s pawns, pawn phalanxes, restriction play, conversion of an advantage, exchanges and central strategy. Drawing on contemporary sources with the addition of modern computer analysis, the author provides annotations by Bogoljubov himself, Alekhine, Lasker, Mikhail Botvinnik, Aron Nimzowitsch, Savielly Tartakower, Hans Kmoch and many other famous players and teachers. The biographical section will also be of immense interest to chess historians. It contains a number of original documents written by and to Bogoljubov previously unpublished in the West, and in some cases not published at all. They were originally selected by the late Anatoly Matsukevich, who had planned to write his own biography of Bogoljubov and who had obtained these documents from Bogoljubov’s personal archive. Topics covered include plans for a match against Capablanca and an earlier match against Alekhine before the latter became world champion, neither of which materialized. The book also contains a number of photos of Bogoljubov, from both chess and family life.

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