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Ingrid Lauterbach

Zusammenfassung (AI):

Positive sportliche Entwicklung und Herausforderungen
Ingrid Lauterbach, Präsidentin des Deutschen Schachbundes, zeigt sich optimistisch über die sportliche Entwicklung der Nationalmannschaften. Trotz einiger Rückschläge bei der Schacholympiade, bei der die Erwartungen höher waren, konnten bedeutende Erfolge wie die Goldmedaille von Frederik Svane und die Silbermedaille von Elisabeth Pähtz gefeiert werden. Lauterbach sieht großes Potenzial in den Teams und erwartet in Zukunft weitere Fortschritte.

Stabile Finanzen und ehrenamtliches Engagement
Die finanzielle Lage des Deutschen Schachbundes hat sich stabilisiert, jedoch bringt dies neue Herausforderungen mit sich. Begehrlichkeiten müssen sorgsam verwaltet werden, um die finanzielle Sicherheit nicht zu gefährden. Besonders hob Lauterbach die Bedeutung von ehrenamtlicher Arbeit und den oft unsichtbaren Helfern hervor, ohne die der Schachbetrieb nicht möglich wäre.

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Erfolge und Verluste im vergangenen Jahr
Zu den Höhepunkten des Jahres zählte die erfolgreiche Durchführung der Deutschen Meisterschaften sowie die Schacholympiade in Chennai. Trotz Kritik an der Zuschauerfreundlichkeit bot die Olympiade eine wertvolle Plattform zur Vernetzung. Ein schwerer Verlust für den DSB war der plötzliche Tod von Gregor Johann, der über Jahre hinweg eine zentrale Rolle spielte und dessen Fehlen stark spürbar ist.

Starke Leistungen und politische Erfolge
Lauterbach hob die positive Entwicklung von Frederik Svane hervor und unterstrich den Erfolg des DSB bei der Abwehr eines Antrags aus Belarus, der die uneingeschränkte Teilnahme russischer und belarussischer Athleten an internationalen Wettbewerben gefordert hatte. Dieser Erfolg, der durch internationale Zusammenarbeit ermöglicht wurde, setzte ein klares Signal.

Ausblick auf kommende Veranstaltungen
Für 2024 freut sich Lauterbach besonders auf die gemeinsame Austragung der Frauen- und offenen Bundesliga in Deggendorf sowie ein geplantes Schachfestival im Kulturzentrum Gasteig in München. Die steigenden Mitgliederzahlen des DSB, die bald die 100.000-Marke erreichen könnten, sieht sie als äußerst positives Signal.

Erfolge bei der Inklusion und Seniorenwettbewerben
Die erste Deutsche Meisterschaft für Menschen mit Behinderungen wurde als großer Erfolg bewertet, und Lauterbach betonte die Notwendigkeit, Schach inklusiver zu gestalten. Auch die Weltmeistertitel der Senioren Reiner Knack und Brigitte Burchardt sowie die starke Leistung von Christian Meier bei der Seniorenweltmeisterschaft fanden besondere Erwähnung.

Wünsche für das kommende Jahr
Zum Abschluss äußerte Lauterbach den Wunsch, im nächsten Jahr mehr Zeit für sich selbst zu finden. Sie wünschte allen Schachspielern und -spielerinnen in Deutschland ein erfolgreiches und freudvolles Schachjahr, geprägt von Gemeinschaft und Begeisterung am Spiel.

Interview mit der Präsidentin des Deutschen Schachbundes, Ingrid Lauterbach: Ziel sind die 100 000 Mitglieder und eine

Zusammenfassung:

Ingrid Lauterbach, Präsidentin des Deutschen Schachbundes (DSB), zieht nach zwei Jahren im Amt eine Zwischenbilanz. Sie betont, dass der DSB bei Amtsantritt in einer tiefen finanziellen Krise steckte. Durch Beitragserhöhungen, strikte Sparmaßnahmen und Unterstützung der Mitgliedsverbände sei es gelungen, die Finanzen zu stabilisieren. Besonders hebt sie hervor, dass das Projekt zur Mitgliederverwaltung erfolgreich und im vorgesehenen Budget abgeschlossen wurde.

Einige weitere Erfolge ihrer Amtszeit:

  • Die DSB-Position zur Nicht-Wiederaufnahme von Russland und Belarus wurde auf internationaler Ebene bestätigt.

  • Die Ethikkommission wurde mit einer unabhängigen Vorsitzenden besetzt.

  • Die Deutschen Meisterschaften wurden unter strengen finanziellen Vorgaben durchgeführt, etwa in Ruit.

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  • Für 2025 ist ein großes Event in München geplant, gefördert u. a. von Roman Krulich.

  • 2026 soll es wieder einen Schachgipfel in Dresden geben.

  • Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Schachjugend (DSJ) habe sich spürbar verbessert.

  • Der Schachsport sei international erfolgreich, u. a. durch Medaillen bei EM, Olympiade und Mitropacup sowie Keymers Sieg beim Freestyle Grand Slam.

Mit Blick auf die Zukunft nennt Lauterbach drei Hauptziele:

  1. Finanzielle Stabilität weiter sichern, neue Einnahmequellen erschließen und gezielt investieren.

  2. Mitgliederwachstum – das Ziel von 100.000 Mitgliedern sei realistisch.

  3. IT und Digitalisierung stärken, insbesondere zur Prozessvereinfachung.

Ein Problem sieht sie im Ehrenamt: Es sei schwierig, geeignete und belastbare Personen zu finden, die Zeit und Kompetenz für verantwortungsvolle Aufgaben mitbringen. Hier seien Vereine und Landesverbände gefragt, aktiv zu unterstützen.

Auch persönlich äußert sich Lauterbach. Zu ihren größten Erfolgen als Spielerin zählt sie den Gewinn der Welt- und Europameisterschaft im Seniorinnenteam sowie den englischen Meistertitel. Derzeit kommt das Reisen wegen der DSB-Arbeit zu kurz – ebenso wie Gartenprojekte. Doch das sei nachholbar.

Schach lernen, unter Druck entscheiden

Quelle: FAU Alumni – Interview mit Ingrid Lauterbach, veröffentlicht am 2. Februar 2026

Als Ingrid Lauterbach nach mehr als zwanzig Jahren erstmals wieder das ehemalige Mathematikgebäude der Universität Erlangen betritt, ist es kein Nostalgietrip. Es ist ein Ort, an dem vieles zusammenläuft: Studium, Schach, Beruf, Verantwortung. Vieles hat sich verändert, sagt sie, aber dass das Gebäude noch immer eine Bibliothek ist, beeindruckt sie. Der Raum steht für Konzentration – und genau darum geht es im Gespräch immer wieder.

Zum Schach kam Lauterbach früh, aber ohne großen Ehrgeiz. Sie lernte die Regeln zu Hause, sah ihrem Bruder und dem Vater zu, spielte ein Schulturnier, ließ sich überreden, weiterzumachen. Erst regionale Meisterschaften, dann bayerische Titel – und irgendwann war klar, dass das Spiel geblieben war. Heute sagt sie, sie habe am Ende deutlich mehr Zeit ins Schach investiert als ihr Bruder jemals.

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Parallel studierte sie Mathematik. Was sie dort lernte, beschreibt sie nüchtern: logisch denken, strukturiert vorgehen, sich lange und tief konzentrieren. Diese Fähigkeiten hätten ihr im Schach geholfen – und später im Beruf. Über zwanzig Jahre arbeitete sie bei der Deutschen Bank, zuletzt im Bereich Cybersecurity. Bedrohungen erkennen, Risiken bewerten, Gegenmaßnahmen entwickeln, Fristen einhalten. Auch hier sieht sie die Nähe zum Schach: Die Uhr läuft, Entscheidungen müssen rechtzeitig fallen. Verlängerungen gibt es nicht.

Seit 2023 ist Lauterbach Präsidentin des Deutschen Schachbundes – als erste Frau in diesem Amt. Die Aufgabe beschreibt sie als vielschichtig und zeitintensiv. Turniere organisieren, international vertreten, gleichzeitig Ansprechpartnerin für fast 100.000 Mitglieder sein. Die Bandbreite der Anliegen überrasche sie immer wieder. Besonders wichtig seien ihr die Momente, in denen Entwicklung sichtbar wird: sportliche Erfolge, aber auch Projekte an der Basis, etwa Schulen, in denen Kinder andere Kinder trainieren und Begeisterung weitergeben.

Schach versteht Lauterbach als verbindend und inklusiv. Gleichzeitig spricht sie offen über strukturelle Probleme. In Mathematik wie im Schach seien Frauen deutlich unterrepräsentiert. Das führe zu Situationen, in denen sie nicht ernst genommen würden oder sich behaupten müssten. Fortschritte gebe es, aber sie reichten nicht aus. Ihr Rat an junge Frauen ist klar: sich nicht entmutigen lassen, Grenzen setzen, Selbstvertrauen zeigen.

Am Ende wird sie konkret. Ihr wichtigster Tipp für Schachspieler – und für alle anderen – lautet: viel spielen, Fehler analysieren, daraus lernen. Fehler seien unvermeidlich. Entscheidend sei, ob man aus ihnen etwas macht. Schach, sagt Lauterbach, lehre genau das.

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