Dragoljub Velimirovic (1942-2014)
Zitat von Conrad Schormann am 12. Mai 2026, 10:09 UhrForgotten Genius: Velimirovic endlich gerecht gewürdigt ★★★★★
Quelle: New In Chess – Rezension von Matthew Sadler, Januar 2026
Matthew Sadler vergibt fünf Sterne – und macht gleich klar: Forgotten Genius – The Life and Games of Grandmaster Dragoljub Velimirovic ist weit mehr als eine klassische Schachbiografie. Die Doppelbiografie von Georg Mohr und Ana Velimirovic-Zorica verbindet Lebensgeschichte, Zeitzeugnisse und ein außergewöhnliches Partiearchiv zu einem dichten Porträt eines zu Unrecht übersehenen Großmeisters. Sadlers Urteil ist eindeutig: ein bewegendes, kenntnisreiches Buch über einen großen Kämpfer des Schachs – historisch wertvoll, schachlich elektrisierend.
Leben zwischen Genie und Blockaden
Sadler zeigt, wie Dragoljub Velimirovic früh zur Weltklasse aufschloss – und wie ihn Entscheidungen des jugoslawischen Verbands, bizarre Qualifikationsregeln und persönliche Enttäuschungen immer wieder ausbremsten. Besonders scharf zeichnet er die verpassten WM-Zyklen 1962 und 1966 nach: sportlich stark, organisatorisch benachteiligt.
Die besondere Perspektive der Tochter
Dass Velimirovics Tochter Ana mitschreibt, wertet das Buch spürbar auf. Ihre privaten Fotos, Cartoons und die handschriftlichen Analysen ihres Vaters geben Einblick in Persönlichkeit und Alltag. Mohr ergänzt das Material durch Gespräche mit Weggefährten – ein vielstimmiges Bild entsteht.
Feuer auf dem Brett
Sadler schwärmt von den Partien. Velimirovic als kompromissloser Angreifer, berüchtigt für seine Benoni-Interpretationen und Springeropfer auf f5 und d5. Die Sammlung, so Sadler, garantiere beim Nachspielen regelmäßige „Oohs“ und „Aahs“.
Mehr als nur Spieler
Überraschend für Sadler: Velimirovics hohes Ansehen als Trainer. Er arbeitete mit Svetozar Gligoric, war Sekundant von Viktor Korchnoi und prägte Talente wie Ivan Sokolov.
Forgotten Genius: Velimirovic endlich gerecht gewürdigt ★★★★★
Quelle: New In Chess – Rezension von Matthew Sadler, Januar 2026
Matthew Sadler vergibt fünf Sterne – und macht gleich klar: Forgotten Genius – The Life and Games of Grandmaster Dragoljub Velimirovic ist weit mehr als eine klassische Schachbiografie. Die Doppelbiografie von Georg Mohr und Ana Velimirovic-Zorica verbindet Lebensgeschichte, Zeitzeugnisse und ein außergewöhnliches Partiearchiv zu einem dichten Porträt eines zu Unrecht übersehenen Großmeisters. Sadlers Urteil ist eindeutig: ein bewegendes, kenntnisreiches Buch über einen großen Kämpfer des Schachs – historisch wertvoll, schachlich elektrisierend.
Leben zwischen Genie und Blockaden
Sadler zeigt, wie Dragoljub Velimirovic früh zur Weltklasse aufschloss – und wie ihn Entscheidungen des jugoslawischen Verbands, bizarre Qualifikationsregeln und persönliche Enttäuschungen immer wieder ausbremsten. Besonders scharf zeichnet er die verpassten WM-Zyklen 1962 und 1966 nach: sportlich stark, organisatorisch benachteiligt.
Die besondere Perspektive der Tochter
Dass Velimirovics Tochter Ana mitschreibt, wertet das Buch spürbar auf. Ihre privaten Fotos, Cartoons und die handschriftlichen Analysen ihres Vaters geben Einblick in Persönlichkeit und Alltag. Mohr ergänzt das Material durch Gespräche mit Weggefährten – ein vielstimmiges Bild entsteht.
Feuer auf dem Brett
Sadler schwärmt von den Partien. Velimirovic als kompromissloser Angreifer, berüchtigt für seine Benoni-Interpretationen und Springeropfer auf f5 und d5. Die Sammlung, so Sadler, garantiere beim Nachspielen regelmäßige „Oohs“ und „Aahs“.
Mehr als nur Spieler
Überraschend für Sadler: Velimirovics hohes Ansehen als Trainer. Er arbeitete mit Svetozar Gligoric, war Sekundant von Viktor Korchnoi und prägte Talente wie Ivan Sokolov.
Zitat von Conrad Schormann am 12. Mai 2026, 10:10 UhrDer Mann, der selbst Kasparow aus der Sizilianischen trieb
ABC Color (Paraguay), 12. Mai 2015, GM Zenón Franco Ocampos
Dragoljub Velimirovic war einer der gefährlichsten Angreifer der Schachgeschichte – und sein Stil hatte einen messbaren Effekt selbst auf die Stärksten. Das schreibt GM Zenón Franco Ocampos. Als Garry Kasparow 1982 beim Moskauer Interzonenturnier zum ersten Mal auf den jugoslawischen Großmeister traf, wählte er bewusst nicht seine übliche Sizilianische Verteidigung. Er wich auf die Caro-Kann aus – aus Respekt vor Velimirovics Angriffsrepertoire, insbesondere dem nach ihm benannten Velimirovic-Angriff mit 6. Lc4.
Der niederländische Großmeister Hans Ree formulierte es direkt: Sein persönliches Ergebnis gegen Velimirovic war 4:0 – zugunsten des Jugoslawen. Normalsterbliche, so Ree, hätten vor Velimirovics Opfern auf d5, f5 oder e6 schlicht gezittert.
https://twitter.com/JustChessSports/status/2054082089180364846
Talent als Risiko
Lubomir Kavalek nannte Velimirovic in einer Kolumne „den Mann mit dem zu viel Talent" und zitierte dabei Bobby Fischer, der denselben Begriff verwendet hatte. Velimirovics Spielstil wurde mit dem von Michail Tal verglichen: fantasievoll, voller Überraschungen, stets auf der Suche nach dem Unmöglichen. Kasparow selbst räumte ein, dass Velimirovics spektakuläre Kombinationen manchmal mehr Lärm als tatsächliche Kraft besaßen – doch das, fügte er hinzu, lasse sich erst durch gründliche Heimanalyse feststellen. Am Brett, unter Turnierbedingungen, war Velimirovic ein anderes Problem.
Genau dieses ständige Streben nach dem Unmöglichen hatte seinen Preis. Es verbrauchte enorme Energie, war wenig praktikabel und begrenzte seine Chancen auf größere Turniererfolge. Dreimal wurde er jugoslawischer Meister – 1970, 1975 und 1997 –, bei der Schacholympiade 1974 in Nizza gewann er Silber sowohl mit der Mannschaft als auch an seinem Einzelbrett.
Eine Schulmutter als Ursprung
Velimirovic, geboren am 12. Mai 1942 in Valjevo, lernte das Schachspielen im Alter von sieben Jahren von seiner Mutter Jovanka Velimirović, die zu den besten Schachspielerinnen Jugoslawiens zählte. Viktor Korchnoi, zu seiner Zeit einer der drei besten Spieler der Welt, äußerte gegenüber Franco den Wunsch, mit Velimirovic zusammenzuarbeiten – ein Zeugnis dafür, wie hoch das Ansehen war, das der Serbe selbst in der Weltspitze genoss.
Velimirovic starb am 22. Mai 2014 in Belgrad.
Der Mann, der selbst Kasparow aus der Sizilianischen trieb
ABC Color (Paraguay), 12. Mai 2015, GM Zenón Franco Ocampos
Dragoljub Velimirovic war einer der gefährlichsten Angreifer der Schachgeschichte – und sein Stil hatte einen messbaren Effekt selbst auf die Stärksten. Das schreibt GM Zenón Franco Ocampos. Als Garry Kasparow 1982 beim Moskauer Interzonenturnier zum ersten Mal auf den jugoslawischen Großmeister traf, wählte er bewusst nicht seine übliche Sizilianische Verteidigung. Er wich auf die Caro-Kann aus – aus Respekt vor Velimirovics Angriffsrepertoire, insbesondere dem nach ihm benannten Velimirovic-Angriff mit 6. Lc4.
Der niederländische Großmeister Hans Ree formulierte es direkt: Sein persönliches Ergebnis gegen Velimirovic war 4:0 – zugunsten des Jugoslawen. Normalsterbliche, so Ree, hätten vor Velimirovics Opfern auf d5, f5 oder e6 schlicht gezittert.
The Hague zonal 1966
Dragoljub Velimirović (12 May 1942 – 22 May 2014) in his game against Svetozar Gligorić.
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— JustChessAndSports (@JustChessSports) May 12, 2026
Talent als Risiko
Lubomir Kavalek nannte Velimirovic in einer Kolumne „den Mann mit dem zu viel Talent" und zitierte dabei Bobby Fischer, der denselben Begriff verwendet hatte. Velimirovics Spielstil wurde mit dem von Michail Tal verglichen: fantasievoll, voller Überraschungen, stets auf der Suche nach dem Unmöglichen. Kasparow selbst räumte ein, dass Velimirovics spektakuläre Kombinationen manchmal mehr Lärm als tatsächliche Kraft besaßen – doch das, fügte er hinzu, lasse sich erst durch gründliche Heimanalyse feststellen. Am Brett, unter Turnierbedingungen, war Velimirovic ein anderes Problem.
Genau dieses ständige Streben nach dem Unmöglichen hatte seinen Preis. Es verbrauchte enorme Energie, war wenig praktikabel und begrenzte seine Chancen auf größere Turniererfolge. Dreimal wurde er jugoslawischer Meister – 1970, 1975 und 1997 –, bei der Schacholympiade 1974 in Nizza gewann er Silber sowohl mit der Mannschaft als auch an seinem Einzelbrett.
Eine Schulmutter als Ursprung
Velimirovic, geboren am 12. Mai 1942 in Valjevo, lernte das Schachspielen im Alter von sieben Jahren von seiner Mutter Jovanka Velimirović, die zu den besten Schachspielerinnen Jugoslawiens zählte. Viktor Korchnoi, zu seiner Zeit einer der drei besten Spieler der Welt, äußerte gegenüber Franco den Wunsch, mit Velimirovic zusammenzuarbeiten – ein Zeugnis dafür, wie hoch das Ansehen war, das der Serbe selbst in der Weltspitze genoss.
Velimirovic starb am 22. Mai 2014 in Belgrad.


