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David Baramidze

David Baramidze über Georgien: „Es geht in Richtung Diktatur – und die Russen haben überall ihre Finger drin“

Quelle: Deutscher Schachbund – „David Baramidze: Die Schach-EM findet in einem Land statt, in dem die Menschen Angst haben“, Interview von Matthias Wolf, 29. September 2025

Im Gespräch mit Matthias Wolf vom Deutschen Schachbund hat David Baramidze eindringlich die politische Lage in seiner Heimat Georgien beschrieben. Der 37-Jährige, 1988 in Tiflis geboren und seit 1998 in Deutschland, sieht das Land „in Richtung Diktatur“ abgleiten. Die Bevölkerung wolle mehrheitlich nach Europa, werde jedoch von einer oligarchisch kontrollierten, russlandfreundlichen Regierung ausgebremst. „Es herrscht Angst“, sagt Baramidze, „und Russland hat die Kontrolle.“


Foto (privat) via Schachbund

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Seine Familie erlebte die Konflikte selbst: Der Großvater, Bürgermeister in der Hafenstadt Poti, musste nach dem Zerfall der Sowjetunion fliehen, als Russland separatistische Bewegungen in Abchasien und Südossetien unterstützte. Auch den Krieg von 2008, als russische Panzer fast bis Tiflis rollten, führt Baramidze als prägendes Trauma an. Viele Menschen fürchteten heute erneut, in den Ukrainekrieg hineingezogen zu werden.


Bidina Iwanischwili, der Kopf hinter der autoritären Wende in Georgien (für Abonnenten).

Dass die Schach-EM nun in Batumi ausgetragen wird, sieht er kritisch. Schach sei zwar fest im Alltag der Georgier verankert, doch die Regierung nutze die Veranstaltung, „um von den vielen Problemen abzulenken“. Der russische Einfluss auf den Sport sei ohnehin stark: „Die Russen haben überall die Finger drin.“

Sportlich traut Baramidze der deutschen Mannschaft mit Spielern wie Matthias Blübaum und Vincent Keymer viel zu. Georgien habe bei den Männern kaum Chancen, ganz anders bei den Frauen: Mit Nana Dzagnidze, Nino Batsiashvili und Bella Kotenashvili stelle das Land ein Weltklasse-Team. „Für viele sind die georgischen Schach-Frauen Heldinnen und Vorbilder“, sagt Baramidze.

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