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Daniil Dubov

Am Rande des Grand Prix hat Spiegel-Autor Florian Pütz mit Daniil Dubov gesprochen:

"Die einzige Möglichkeit, in Russland etwas zu ändern, ist eine Revolution" 
(hinter der Bezahlschranke)

Jetzt frei zugänglich auf Englisch:

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https://www.spiegel.de/international/world/interview-with-chess-grandmaster-daniil-dubov-the-only-way-to-change-anything-in-russia-is-a-revolution-a-a4fb9574-a4f0-4f98-a457-fc6287faee81

https://chesspro.ru/interview/dubov_interview

Zusammenfassung:

Daniil Dubov: Ein Großmeister mit klaren Meinungen

Daniil Dubov ist bekannt für sein kompromissloses Schach, seine scharfen Analysen und seine ehrlichen, oft provokanten Aussagen. In einem ausführlichen Interview sprach er über seine familiären Wurzeln, die Monetarisierung des Schachs, seine Ansichten zur Weltmeisterschaft und die Herausforderungen der modernen Schachwelt. Seine Gedanken sind so ungeschminkt wie sein Spielstil – ein Fest für jeden Schachinteressierten.

Familiäre Wurzeln und das Dubov-Ratingsystem

Dubov stammt aus einer Familie mit tiefen Schachtraditionen. Sein Großvater, der sowjetische Mathematiker und Schachtheoretiker Eduard Dubov, entwickelte in den 1970er Jahren ein alternatives Ratingsystem zur Elo-Zahl. Daniil erinnert sich an regelmäßige Gespräche mit ihm, wenn auch weniger intensiv als es manche erwarten würden. „Wir haben nie speziell über das System gesprochen, aber er sagte mir immer, es sei besser als das jetzige. Mit der Zeit wurde mir klar, dass er Recht hatte“, sagt Dubov. Eine amüsante Randnotiz: Das Computerprogramm für das System schrieb nicht sein Großvater selbst, sondern seine Großmutter, die im IT-Bereich arbeitete.

Schach als Unterhaltungsindustrie?

Dubov sieht Schach nicht als eine echte Unterhaltungssportart – zumindest noch nicht. Während Millionen Menschen die Weltmeisterschaft und Online-Turniere verfolgen, bleibt die Monetarisierung hinter anderen Sportarten weit zurück. „Wir bekommen keinen Cent davon“, stellt er fest. Wenn Schach irgendwann ein echtes Spektakel sein soll, müsse sich das Geschäftsmodell ändern. Er fordert ein Umdenken bei den Fans: „Wenn ihr Eintrittskarten kauft, dann habt ihr jedes Recht, etwas zu verlangen. Aber solange wir nicht bezahlt werden, warum sollten wir spielen, nur um zu unterhalten?“

Als Beispiel nennt er die Magnus Carlsen Chess Tour, die Online ausgetragen wurde und bei der die Spieler gut bezahlt wurden. Dort sah er sich eher als Entertainer und war bereit, kreatives Schach zu zeigen. Doch solange das klassische Schach nicht ähnlich monetarisiert wird, bleibt es aus seiner Sicht ein reiner Sport – und nicht primär eine Show.

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Das Weltmeisterschaftssystem: Ein veraltetes Format?

Dubov ist kein Freund der aktuellen Struktur des Weltmeisterschaftszyklus. Das mehrstufige System sei schwerfällig, unnötig kompliziert und letztlich ineffektiv. Als Beispiel nennt er den Fall von Ding Liren, der 2023 Weltmeister wurde, obwohl er ursprünglich nicht qualifiziert war und nur durch die Sperre von Sergej Karjakin ins Kandidatenturnier rutschte. Der Rückzug von Magnus Carlsen verschärfte die Situation weiter.

Seine Lösung? Ein offenes System, ähnlich wie im Tennis, bei dem sich die besten Spieler über das Jahr hinweg messen, ohne dass ein einzelner Wettkampf den absoluten Titelträger bestimmt. Alternativ schlägt er ein Finale zwischen den beiden bestplatzierten Spielern der Jahreswertung vor. „Es ist Zeit, den ‚heiligen Status‘ des Weltmeisterschaftsmatches zu überdenken“, so Dubov.

Magnus Carlsen: Respekt, aber auch Enttäuschung

Dubov gehörte lange zum Team von Magnus Carlsen, half ihm bei der Weltmeisterschaftsvorbereitung und kennt den Norweger gut. Er beschreibt ihn als geselligen, humorvollen Menschen, der aber wenig Interesse an der Schach-Elite zeigt: „Er meinte einmal zu mir: ‚Ich bin kein ungeselliger Mensch, aber wenn ich mir die meisten Top-Schachspieler anschaue, dann sind das einfach nicht die Leute, mit denen ich zu Abend essen möchte.‘“

Während Dubov Carlsens spielerische und kreative Klasse bewundert, war er enttäuscht über dessen Verhalten nach dem Niemann-Vorfall und sein Hin und Her bei der Weltmeisterschaft: „Man kann nicht an einem Dienstag sagen, dass die FIDE zur Hölle gehen soll, und sich dann am Mittwoch mit ihnen einigen. Wenn man solche Worte sagt, müssen sie auch etwas bedeuten.“ Auch die „Jeansgate“-Affäre sei für ihn eher ein Nebenschauplatz gewesen: „Er hat eine Entscheidung getroffen, dann musste er auch konsequent dabei bleiben.“

Schachboxen und körperliche Fitness

Dubov hält sich sportlich fit, geht ins Fitnessstudio und trainierte früher sogar Boxen – aus praktischen Gründen, da er in einem schwierigen Viertel aufwuchs. Auf die Frage, ob er an einem Schachboxkampf teilnehmen würde, antwortet er augenzwinkernd: „Wenn die Regeln fair sind, warum nicht? Aber realistisch gesehen würde jeder Profiboxer Weltmeister im Schachboxen werden. Usyk hätte drei Minuten Zeit, um mich auszuknocken – und ich bin sicher, er würde es schaffen!“

Blitz- und Schnellschach: Dubovs Spezialdisziplin

Dubov gilt als einer der besten Blitz- und Schnellschachspieler der Welt. Er beschreibt seine Turniervorbereitung als gezielt, aber nicht übertrieben. „Ich spiele keine Trainingspartien, bereite aber immer einige Eröffnungen vor, die ich über Monate hinweg in Online-Blitzpartien teste. Ich brauche immer etwas Neues auf Lager.“ Besonders wichtig sei dabei das psychologische Element: „Ich spiele nicht immer auf Sieg. Es gibt Spieler, die jedes Spiel mit vollem Risiko angehen – ich passe meine Strategie an die Situation an. Das macht mich unberechenbar.“

Freestyle Chess: Ein interessantes Experiment

Angesprochen auf Freestyle Chess zeigt Dubov Interesse, hat sich aber bisher nicht qualifiziert. „Es ist ein reines Show-Event – und genau das brauchen wir im Schach! Sie verkaufen Tickets, die Spieler werden bezahlt, und das Rating bleibt außen vor. Wenn Schach als Unterhaltung funktionieren soll, dann so.“ Er zeigt sich offen für neue Formate und Experimente: „Solange es gutes Geld gibt, ist alles erlaubt!“

Schachgeschichte und Bücher

Dubov ist ein Kenner der Schachgeschichte und beschäftigt sich intensiv mit alten Meisterschaften der UdSSR. Besonders beeindruckt haben ihn die Partien von Michail Botwinnik in seinen besten Jahren: „Er spielte damals schon unglaublich modernes Schach, zehn Jahre seiner Zeit voraus.“ Auch Tigran Petrosjans Stil gefällt ihm besonders: „Sehr präzise, ohne Bluff, immer positionsgetreu – genau mein Stil.“

Sein eigenes Buchprojekt? Eine Sammlung seiner Lieblingspartien, sowohl eigene als auch historische. „Es gibt kaum Bücher über modernes Schach. Magnus, Fabi, Ding – großartige Spieler, aber niemand hat bisher etwas geschrieben. Ich war bei vielen Ereignissen dabei, kenne die Hintergründe. Vielleicht schreibe ich irgendwann ein Buch darüber.“

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