Carl Schlechter
Zitat von Conrad Schormann am 2. März 2025, 9:00 UhrMatch gegen Akiba Rubinstein in Berlin 1918:
https://www.chessmarginalia.com/chess-in-1918-rubinstein-schlechter/
Zusammenfassung (AI):
Im Januar 1918, während der Erste Weltkrieg Europa weiter erschütterte, trafen sich zwei der stärksten Schachmeister ihrer Zeit zu einem Wettkampf im Berliner Kerkau-Palast: Akiba Rubinstein aus Warschau und Carl Schlechter aus Wien. Die Begegnung war ursprünglich für Dezember 1917 angesetzt, wurde aber verschoben, weil Rubinstein „in letzter Minute völlig andere Bedingungen verlangte“, wie die Deutsche Schachzeitung berichtete. Letztlich einigte man sich auf ein Match über sechs Partien, der Sieger sollte 1.000 Mark erhalten, der Verlierer 600 Mark.
„Ein Schachmatch im Schatten des Krieges“
Der bekannte Schachpublizist Jacques Mieses würdigte den Wettkampf in einem Artikel für das Berliner Tageblatt:
„Trotz des entsetzlichen Kampfes, der unsere gesamte Kraft fordert und den wir seit dreieinhalb Jahren führen, bleibt das Interesse an geistigen Dingen ungebrochen. Dass es inmitten dieser Zeit des Waffenklirrens möglich ist, erneut ein bedeutendes Schachmatch in der Reichshauptstadt zu veranstalten, ist ein freudiges Ereignis, nicht nur aus schachlicher Sicht.“
Das Match fand unter schwierigen Umständen statt. Die Versorgungslage in Berlin war angespannt, und das tägliche Leben wurde von der Kriegswirtschaft bestimmt. Dennoch reiste Schlechter einige Tage vor Beginn des Wettkampfs nach Prag, wo er eine Simultanvorstellung gab. Er spielte gegen 37 Gegner, gewann 24 Partien, verlor 4 und erzielte 9 Remis. Rubinstein, der bereits in Berlin war, trat am 19. Januar 1918 zu einem eigenen Simultan an und konnte 24 von 25 Partien gewinnen.
Ein ausgeglichener Start
Die erste Partie wurde am 21. Januar 1918 gespielt und endete unentschieden. Auch die zweite Begegnung brachte keine Entscheidung. Beide Spieler waren für ihre präzise Technik bekannt, und keiner wollte sich eine frühe Niederlage leisten.
In der dritten Partie geriet Rubinstein unter Druck. Ein Fehler reichte Schlechter, um die Partie zu gewinnen und mit 1,5:0,5 in Führung zu gehen. Doch Rubinstein glich in der vierten Partie aus. Mit einem starken Bauernvorstoß übernahm er die Initiative und zwang Schlechter zur Aufgabe.
Nach vier Partien stand es 2:2, und das Match wurde zur Nervensache.
Schlechter kritisiert das Format
Schlechter selbst äußerte sich in der Deutschen Schachzeitung skeptisch über die kurze Distanz des Wettkampfs:
„Jede einzelne Partie kann entscheidend sein, und das lähmt die Spieler. Sechs Partien sind zu wenig, um wirklich zur Form zu finden.“
Tatsächlich führte die fünfte Partie zu einem unerwarteten Umschwung. Schlechter unterlief ein grober Fehler, den Rubinstein sofort ausnutzte. Damit stand es 3:2 für den Warschauer Meister. In der sechsten Partie genügte ihm ein Remis, um das Match mit 3,5:2,5 für sich zu entscheiden.
Politische Kontroversen um Rubinstein
Die britische Presse nahm das Match nicht nur als sportliches Ereignis wahr, sondern sah in Rubinsteins Teilnahme in Berlin einen politischen Affront. In der Falkirk Herald vom 20. März 1918 hieß es:
„Rubinstein scheint sich endgültig auf die Seite der Feinde seines Landes geschlagen zu haben. Sollte das zutreffen, können wir ihn von unserer Liste streichen. Russland zerfällt, und das Habsburgerreich steht in Flammen.“
Die Realität war komplizierter. Rubinstein war russischer Staatsbürger, lebte aber in Warschau, das seit 1915 von deutschen Truppen besetzt war. Als im März 1918 der Frieden von Brest-Litowsk zwischen Deutschland und Sowjetrussland unterzeichnet wurde, blieb unklar, welche politische Zukunft Polen haben würde. Erst im November 1918 erlangte das Land die Unabhängigkeit, und Rubinstein erhielt automatisch die polnische Staatsbürgerschaft.
Nach dem Match
Rubinstein kehrte nach dem Wettkampf vermutlich nach Warschau zurück. Schlechter blieb noch einige Tage in Berlin und gab am 31. Januar eine Simultanvorstellung, bei der er 19 Siege und ein Remis erzielte. Auf seiner Heimreise nach Wien machte er Halt in Aussig (heute Ústí nad Labem), wo er gegen mehrere Beraterteams spielte.
Nur wenige Monate später sollten sich Rubinstein und Schlechter erneut in Berlin treffen, diesmal bei einem Vier-Spieler-Turnier. Doch der Wettkampf vom Januar 1918 blieb ein besonderes Kapitel der Schachgeschichte – ein Aufeinandertreffen zweier Meister in einer unruhigen Zeit, ausgetragen in einer Stadt, die selbst vom Krieg gezeichnet war.
Match gegen Akiba Rubinstein in Berlin 1918:
Zusammenfassung (AI):
Im Januar 1918, während der Erste Weltkrieg Europa weiter erschütterte, trafen sich zwei der stärksten Schachmeister ihrer Zeit zu einem Wettkampf im Berliner Kerkau-Palast: Akiba Rubinstein aus Warschau und Carl Schlechter aus Wien. Die Begegnung war ursprünglich für Dezember 1917 angesetzt, wurde aber verschoben, weil Rubinstein „in letzter Minute völlig andere Bedingungen verlangte“, wie die Deutsche Schachzeitung berichtete. Letztlich einigte man sich auf ein Match über sechs Partien, der Sieger sollte 1.000 Mark erhalten, der Verlierer 600 Mark.
„Ein Schachmatch im Schatten des Krieges“
Der bekannte Schachpublizist Jacques Mieses würdigte den Wettkampf in einem Artikel für das Berliner Tageblatt:
„Trotz des entsetzlichen Kampfes, der unsere gesamte Kraft fordert und den wir seit dreieinhalb Jahren führen, bleibt das Interesse an geistigen Dingen ungebrochen. Dass es inmitten dieser Zeit des Waffenklirrens möglich ist, erneut ein bedeutendes Schachmatch in der Reichshauptstadt zu veranstalten, ist ein freudiges Ereignis, nicht nur aus schachlicher Sicht.“
Das Match fand unter schwierigen Umständen statt. Die Versorgungslage in Berlin war angespannt, und das tägliche Leben wurde von der Kriegswirtschaft bestimmt. Dennoch reiste Schlechter einige Tage vor Beginn des Wettkampfs nach Prag, wo er eine Simultanvorstellung gab. Er spielte gegen 37 Gegner, gewann 24 Partien, verlor 4 und erzielte 9 Remis. Rubinstein, der bereits in Berlin war, trat am 19. Januar 1918 zu einem eigenen Simultan an und konnte 24 von 25 Partien gewinnen.
Ein ausgeglichener Start
Die erste Partie wurde am 21. Januar 1918 gespielt und endete unentschieden. Auch die zweite Begegnung brachte keine Entscheidung. Beide Spieler waren für ihre präzise Technik bekannt, und keiner wollte sich eine frühe Niederlage leisten.
In der dritten Partie geriet Rubinstein unter Druck. Ein Fehler reichte Schlechter, um die Partie zu gewinnen und mit 1,5:0,5 in Führung zu gehen. Doch Rubinstein glich in der vierten Partie aus. Mit einem starken Bauernvorstoß übernahm er die Initiative und zwang Schlechter zur Aufgabe.
Nach vier Partien stand es 2:2, und das Match wurde zur Nervensache.
Schlechter kritisiert das Format
Schlechter selbst äußerte sich in der Deutschen Schachzeitung skeptisch über die kurze Distanz des Wettkampfs:
„Jede einzelne Partie kann entscheidend sein, und das lähmt die Spieler. Sechs Partien sind zu wenig, um wirklich zur Form zu finden.“
Tatsächlich führte die fünfte Partie zu einem unerwarteten Umschwung. Schlechter unterlief ein grober Fehler, den Rubinstein sofort ausnutzte. Damit stand es 3:2 für den Warschauer Meister. In der sechsten Partie genügte ihm ein Remis, um das Match mit 3,5:2,5 für sich zu entscheiden.
Politische Kontroversen um Rubinstein
Die britische Presse nahm das Match nicht nur als sportliches Ereignis wahr, sondern sah in Rubinsteins Teilnahme in Berlin einen politischen Affront. In der Falkirk Herald vom 20. März 1918 hieß es:
„Rubinstein scheint sich endgültig auf die Seite der Feinde seines Landes geschlagen zu haben. Sollte das zutreffen, können wir ihn von unserer Liste streichen. Russland zerfällt, und das Habsburgerreich steht in Flammen.“
Die Realität war komplizierter. Rubinstein war russischer Staatsbürger, lebte aber in Warschau, das seit 1915 von deutschen Truppen besetzt war. Als im März 1918 der Frieden von Brest-Litowsk zwischen Deutschland und Sowjetrussland unterzeichnet wurde, blieb unklar, welche politische Zukunft Polen haben würde. Erst im November 1918 erlangte das Land die Unabhängigkeit, und Rubinstein erhielt automatisch die polnische Staatsbürgerschaft.
Nach dem Match
Rubinstein kehrte nach dem Wettkampf vermutlich nach Warschau zurück. Schlechter blieb noch einige Tage in Berlin und gab am 31. Januar eine Simultanvorstellung, bei der er 19 Siege und ein Remis erzielte. Auf seiner Heimreise nach Wien machte er Halt in Aussig (heute Ústí nad Labem), wo er gegen mehrere Beraterteams spielte.
Nur wenige Monate später sollten sich Rubinstein und Schlechter erneut in Berlin treffen, diesmal bei einem Vier-Spieler-Turnier. Doch der Wettkampf vom Januar 1918 blieb ein besonderes Kapitel der Schachgeschichte – ein Aufeinandertreffen zweier Meister in einer unruhigen Zeit, ausgetragen in einer Stadt, die selbst vom Krieg gezeichnet war.
Zitat von Conrad Schormann am 28. Mai 2026, 8:38 Uhrhttps://twitter.com/dgriffinchess/status/2059346054189834418
Grigory Levenfish had this to say about Schlechter (from 'Soviet Outcast', in the section on Carlsbad, 1911). pic.twitter.com/0JcGtomg7F
— Douglas Griffin (@dgriffinchess) May 26, 2026

