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Boris Spasski

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Boris Spasskys Brief für Bobby Fischer

Quelle: Substack – „Spassky's surprise move: Empathy“, John Nogowski

Arrest me. And put me in the same cell with Bobby Fischer. And give us a chess set.“ – mit diesem Satz endete Boris Spassky 2004 seinen Brief an den damaligen US-Präsidenten George H. W. Bush. Darin bat der zehnte Schachweltmeister nicht um eine Rechtfertigung, sondern um Barmherzigkeit und Gnade für seinen einstigen Rivalen Bobby Fischer. Spassky schilderte Fischer als „tragische Persönlichkeit“, ehrlich und gutmütig, aber unfähig, sich anzupassen – einen Menschen, der fast alles gegen sich selbst richte.

Diese überraschende Geste passte zu Spasskys Haltung über Jahrzehnte. Schon im WM-Match 1972 war er es, der Fischer nach dessen Protesten ein kamerafreies Nebenzimmer gewährte und ihm damit den Weg zum Titel öffnete. Und er war es, der nach Fischers berühmtem Sieg in der sechsten Partie aufstand und den Amerikaner applaudierend ehrte – ein Zeichen, das Fischer tief bewegte.

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John Nogowski würdigt in seiner Analyse, dass Spassky nie Bitterkeit zeigte, sondern seinem größten Gegner Empathie entgegenbrachte. Für ihn war es die Fähigkeit, „den richtigen Zug“ auch jenseits des Schachbretts zu finden.

„Sperrt mich mit Bobby Fischer ein“ – Spasskys ungewöhnlicher Appell

Quelle: Hypermedia Magazin – Frederic Friedel, 11. Mai 2025

Im Sommer 2004 sitzt Bobby Fischer in Japan fest. Am Flughafen Narita wird er verhaftet, weil er mit einem ungültigen US-Pass ausreisen will. Was wie ein formaler Zwischenfall wirkt, ist der Endpunkt einer langen Geschichte. Die US-Regierung betrachtet Fischer seit Jahren als flüchtigen Straftäter. Der Grund liegt zwölf Jahre zurück: 1992 hatte er trotz amerikanischer Sanktionen ein Schachmatch in Jugoslawien gespielt – ausgerechnet gegen seinen alten Rivalen Boris Spassky.

Fischer drohen bis zu zehn Jahre Haft, hohe Geldstrafen und der Verlust seines Vermögens. Eine Rückkehr in die USA ist für ihn unmöglich. Während er in japanischer Haft festsitzt, beginnt die Schachwelt zu reagieren. Medien, Spieler und Unterstützer mobilisieren sich. Auch ChessBase berichtet ausführlich über den Fall.

Doch der ungewöhnlichste Einsatz kommt von Spassky. Der Mann, den Fischer 1972 in Reykjavík entthront hatte, schreibt einen Brief an den amerikanischen Präsidenten George W. Bush. Spassky schildert Fischer nicht als politischen Provokateur, sondern als tragische Figur: kompromisslos, einsam, von starkem Gerechtigkeitssinn – unfähig, sich anzupassen. Er erinnert an Fischer als Symbolfigur des Kalten Krieges, an den Einzelkämpfer, der einst ein ganzes System erschütterte und danach verschwand.

Spassky bittet nicht um Freispruch. Er bittet um Milde. Und falls diese unmöglich sei, schlägt er etwas Radikales vor: Auch er habe 1992 dasselbe „Verbrechen“ begangen. Also solle man ihn ebenfalls bestrafen. Ihn festnehmen. Ihn in dieselbe Zelle sperren wie Fischer. Und ihnen ein Schachbrett geben.

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Der Brief ist kein juristisches Argument, sondern ein moralisches. Er zeigt eine Loyalität, die über Rivalität und Geschichte hinausgeht. Zwei alte Gegner, verbunden durch ein Spiel, das größer war als sie selbst. Spasskys Worte bleiben als eines der eindrücklichsten Dokumente dieser Affäre – und als Erinnerung daran, dass Schach manchmal weit über das Brett hinausreicht.

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