Björn Lengwenus
Zitat von Conrad Schormann am 3. Juni 2021, 12:14 UhrSchule und Bildung in der Pandemie - das war das Thema eines 50-minütigen Instagram-Livegesprächs, das jetzt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Gattin Elke Büdenbender mit zwei Schulleitern geführt haben, deren Schulen für ihre Konzepte zum Unterricht in der Coronazeit ausgezeichnet worden sind.
Einer dieser Schulleiter ist in der Schachszene bestens bekannt: Björn Lengwenus, Direktor der Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg in Hamburg.
Zur Aufzeichnung des Gesprächs
Schule und Bildung in der Pandemie - das war das Thema eines 50-minütigen Instagram-Livegesprächs, das jetzt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Gattin Elke Büdenbender mit zwei Schulleitern geführt haben, deren Schulen für ihre Konzepte zum Unterricht in der Coronazeit ausgezeichnet worden sind.
Einer dieser Schulleiter ist in der Schachszene bestens bekannt: Björn Lengwenus, Direktor der Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg in Hamburg.
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Zitat von Conrad Schormann am 16. März 2026, 21:02 Uhr„Schule muss ein guter Ort sein“ – Björn Lengwenus über Schach, Bildung und Motivation
Interviewpartner: Björn Lengwenus – Interviewer: Michael Busse, Jonathan Carlstedt – Format: Schachtalk – 15. März
Schach könne Kinder stärken, Verantwortung lehren und ihnen Selbstvertrauen geben. Björn Lengwenus sieht das Spiel nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug für Bildung und Gemeinschaft. „Schach und Jugendarbeit sind zwei ganz große Pfeiler meines Lebens.“ Das sagte Lengwenus im Gespräch mit Michael Busse und Jonathan Carlstedt.
Der Hamburger Pädagoge beschreibt Schule vor allem als sozialen Raum. Lernen sei nicht nur Unterricht, sondern Begegnung. Kinder sollten erleben, dass sie Verantwortung übernehmen können und Teil einer Gemeinschaft sind. Seine Überzeugung speist sich aus der eigenen Jugend im Schulschach. In einer Hamburger Schulschachgruppe habe er früh gelernt, Reisen zu organisieren, Training zu geben und Verantwortung zu übernehmen. Diese Erfahrungen prägen bis heute sein Verständnis von Schule.
https://youtu.be/WLVcxic_iec
WerbungSchach als pädagogisches Werkzeug
Für Lengwenus liegt die Stärke des Spiels in seiner Struktur. Am Brett müssen Kinder Entscheidungen treffen und deren Folgen tragen. Ausreden gebe es nicht. Gleichzeitig verschwänden soziale Unterschiede. Herkunft, Sprache oder Schulnoten spielten keine Rolle.
Deshalb hält er Schach im Unterricht für sinnvoll, auch ohne umfassende wissenschaftliche Beweise. Entscheidend sei die Erfahrung im Alltag. Wenn Kinder konzentriert spielen, fair miteinander umgehen und Spaß haben, sei das bereits ein pädagogischer Gewinn. Selbst wenn sich die Mathematikleistungen nicht verbesserten, wäre eine Unterrichtsstunde Schach aus seiner Sicht gerechtfertigt.
Der Erfolg einzelner Projekte sieht er dennoch als Bestätigung. An einer Hamburger Grundschule wurde zeitweise eine Mathematikstunde durch Schach ersetzt. Zwei Jahre später lösten dort alle Kinder eine Koordinatenaufgabe in einem hamburgweiten Test – ein Format, das stark an das Schachbrett erinnerte.
Lernen durch Kreativität
Lengwenus entwickelte gemeinsam mit dem Illustrator Jörg Hilbert die Kinderschachreihe „Fritz und Fertig“. Die Idee entstand aus der Beobachtung, dass Kinder leichter lernen, wenn sie spielerisch an Inhalte herangeführt werden. In dem Programm sollen sie Schach verstehen, ohne zu merken, dass sie Unterricht erhalten.
Der Ansatz verbindet Abenteuer, Humor und Lernaufgaben. Figurenbewegungen werden etwa durch Spiele erklärt. Begriffe aus dem Programm wie „Treppenmatt“ oder „Einknasten“ haben sich später im Sprachgebrauch vieler Kinder etabliert. Weltweit wurde die Software laut Lengwenus rund eine halbe Million Mal verkauft und in etwa zwanzig Sprachen übersetzt.
Auch in der Trainerarbeit setzt er auf kreative Methoden. Mit der Deutschen Schachjugend entwickelte er einen „Methodenkoffer“, der zahlreiche didaktische Ideen für Training und Unterricht bündelt. Ziel sei es, Trainerinnen und Trainern Werkzeuge an die Hand zu geben, um Schachunterricht abwechslungsreich zu gestalten.
Schule als Gemeinschaft
Während der Pandemie versuchte Lengwenus, den sozialen Charakter von Schule aufrechtzuerhalten. An seiner Hamburger Schule entstand eine tägliche Online-Late-Night-Show. Schülerinnen und Schüler schickten Beiträge ein, Prominente traten auf, und die Sendung wurde jeden Abend aus der Aula übertragen. Insgesamt entstanden rund 1600 Beiträge von Kindern.
Für Lengwenus war das mehr als Unterhaltung. Schule müsse Beziehungen ermöglichen. Gerade in einer großen Schule mit vielen sozialen Herausforderungen sei es entscheidend, Gemeinschaft zu schaffen.
Kritik an Machtstrukturen in Schulen
Ein ungewöhnliches Kunstprojekt an seiner Schule griff das Thema Macht im Bildungssystem auf. Während eines Sabbaticals wurde die Schulleitung nacheinander symbolisch von einer Schildkröte, von Grundschulkindern und schließlich von einer fiktiven KI übernommen. Die Aktion sollte zeigen, wie Autorität funktioniert und welche Erwartungen an Leitung entstehen.
Lengwenus sieht darin ein grundsätzliches Problem. Schulen erzeugten oft Hierarchien und Beschämung. In Jugendgruppen, etwa im Schach, erlebe er häufig einen respektvolleren Umgang. Diese Haltung versucht er in den Schulalltag zu übertragen.
Begeisterung für Schachkultur
Auch außerhalb der Schule engagiert sich Lengwenus stark für Schachveranstaltungen. Ein Beispiel ist das Hamburger Alsteruferturnier, bei dem mehrere tausend Schülerinnen und Schüler gleichzeitig spielen. Das Turnier existiert seit 1958 und wurde zeitweise mit mehr als 4000 Teilnehmenden ausgetragen.
Der Pädagoge wünscht sich, dass Schach stärker öffentlich inszeniert wird. Große Veranstaltungen, ungewöhnliche Orte oder neue Formate könnten das Spiel aus seiner Sicht sichtbarer machen.
Inspiration durch das Jugendschach
Am Ende des Gesprächs richtet Lengwenus seinen Blick auf die Menschen, die Kinder im Verein trainieren. Die Zeit im Jugendschach habe sein Leben geprägt. Die Atmosphäre, die Reisen und die Begegnungen hätten ihm gezeigt, wie motivierend gemeinsames Lernen sein kann.
Diese Erfahrungen versuche er in die Schule zu übertragen. Sein Ziel sei eine Bildung, die Kinder stärkt. Schulen müssten Orte sein, an denen Menschen gern lernen und miteinander wachsen.
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„Schule muss ein guter Ort sein“ – Björn Lengwenus über Schach, Bildung und Motivation
Interviewpartner: Björn Lengwenus – Interviewer: Michael Busse, Jonathan Carlstedt – Format: Schachtalk – 15. März
Schach könne Kinder stärken, Verantwortung lehren und ihnen Selbstvertrauen geben. Björn Lengwenus sieht das Spiel nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug für Bildung und Gemeinschaft. „Schach und Jugendarbeit sind zwei ganz große Pfeiler meines Lebens.“ Das sagte Lengwenus im Gespräch mit Michael Busse und Jonathan Carlstedt.
Der Hamburger Pädagoge beschreibt Schule vor allem als sozialen Raum. Lernen sei nicht nur Unterricht, sondern Begegnung. Kinder sollten erleben, dass sie Verantwortung übernehmen können und Teil einer Gemeinschaft sind. Seine Überzeugung speist sich aus der eigenen Jugend im Schulschach. In einer Hamburger Schulschachgruppe habe er früh gelernt, Reisen zu organisieren, Training zu geben und Verantwortung zu übernehmen. Diese Erfahrungen prägen bis heute sein Verständnis von Schule.
Schach als pädagogisches Werkzeug
Für Lengwenus liegt die Stärke des Spiels in seiner Struktur. Am Brett müssen Kinder Entscheidungen treffen und deren Folgen tragen. Ausreden gebe es nicht. Gleichzeitig verschwänden soziale Unterschiede. Herkunft, Sprache oder Schulnoten spielten keine Rolle.
Deshalb hält er Schach im Unterricht für sinnvoll, auch ohne umfassende wissenschaftliche Beweise. Entscheidend sei die Erfahrung im Alltag. Wenn Kinder konzentriert spielen, fair miteinander umgehen und Spaß haben, sei das bereits ein pädagogischer Gewinn. Selbst wenn sich die Mathematikleistungen nicht verbesserten, wäre eine Unterrichtsstunde Schach aus seiner Sicht gerechtfertigt.
Der Erfolg einzelner Projekte sieht er dennoch als Bestätigung. An einer Hamburger Grundschule wurde zeitweise eine Mathematikstunde durch Schach ersetzt. Zwei Jahre später lösten dort alle Kinder eine Koordinatenaufgabe in einem hamburgweiten Test – ein Format, das stark an das Schachbrett erinnerte.
Lernen durch Kreativität
Lengwenus entwickelte gemeinsam mit dem Illustrator Jörg Hilbert die Kinderschachreihe „Fritz und Fertig“. Die Idee entstand aus der Beobachtung, dass Kinder leichter lernen, wenn sie spielerisch an Inhalte herangeführt werden. In dem Programm sollen sie Schach verstehen, ohne zu merken, dass sie Unterricht erhalten.
Der Ansatz verbindet Abenteuer, Humor und Lernaufgaben. Figurenbewegungen werden etwa durch Spiele erklärt. Begriffe aus dem Programm wie „Treppenmatt“ oder „Einknasten“ haben sich später im Sprachgebrauch vieler Kinder etabliert. Weltweit wurde die Software laut Lengwenus rund eine halbe Million Mal verkauft und in etwa zwanzig Sprachen übersetzt.
Auch in der Trainerarbeit setzt er auf kreative Methoden. Mit der Deutschen Schachjugend entwickelte er einen „Methodenkoffer“, der zahlreiche didaktische Ideen für Training und Unterricht bündelt. Ziel sei es, Trainerinnen und Trainern Werkzeuge an die Hand zu geben, um Schachunterricht abwechslungsreich zu gestalten.
Schule als Gemeinschaft
Während der Pandemie versuchte Lengwenus, den sozialen Charakter von Schule aufrechtzuerhalten. An seiner Hamburger Schule entstand eine tägliche Online-Late-Night-Show. Schülerinnen und Schüler schickten Beiträge ein, Prominente traten auf, und die Sendung wurde jeden Abend aus der Aula übertragen. Insgesamt entstanden rund 1600 Beiträge von Kindern.
Für Lengwenus war das mehr als Unterhaltung. Schule müsse Beziehungen ermöglichen. Gerade in einer großen Schule mit vielen sozialen Herausforderungen sei es entscheidend, Gemeinschaft zu schaffen.
Kritik an Machtstrukturen in Schulen
Ein ungewöhnliches Kunstprojekt an seiner Schule griff das Thema Macht im Bildungssystem auf. Während eines Sabbaticals wurde die Schulleitung nacheinander symbolisch von einer Schildkröte, von Grundschulkindern und schließlich von einer fiktiven KI übernommen. Die Aktion sollte zeigen, wie Autorität funktioniert und welche Erwartungen an Leitung entstehen.
Lengwenus sieht darin ein grundsätzliches Problem. Schulen erzeugten oft Hierarchien und Beschämung. In Jugendgruppen, etwa im Schach, erlebe er häufig einen respektvolleren Umgang. Diese Haltung versucht er in den Schulalltag zu übertragen.
Begeisterung für Schachkultur
Auch außerhalb der Schule engagiert sich Lengwenus stark für Schachveranstaltungen. Ein Beispiel ist das Hamburger Alsteruferturnier, bei dem mehrere tausend Schülerinnen und Schüler gleichzeitig spielen. Das Turnier existiert seit 1958 und wurde zeitweise mit mehr als 4000 Teilnehmenden ausgetragen.
Der Pädagoge wünscht sich, dass Schach stärker öffentlich inszeniert wird. Große Veranstaltungen, ungewöhnliche Orte oder neue Formate könnten das Spiel aus seiner Sicht sichtbarer machen.
Inspiration durch das Jugendschach
Am Ende des Gesprächs richtet Lengwenus seinen Blick auf die Menschen, die Kinder im Verein trainieren. Die Zeit im Jugendschach habe sein Leben geprägt. Die Atmosphäre, die Reisen und die Begegnungen hätten ihm gezeigt, wie motivierend gemeinsames Lernen sein kann.
Diese Erfahrungen versuche er in die Schule zu übertragen. Sein Ziel sei eine Bildung, die Kinder stärkt. Schulen müssten Orte sein, an denen Menschen gern lernen und miteinander wachsen.
