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Anatoli Karpow

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Der reichste Schachkönig der Welt

Frankfurter Allgemeine Zeitung (Print), Stefan Löffler

Kein Schachweltmeister hat es zu solchem Wohlstand gebracht wie Anatoli Karpow. Das schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Grundlage seines Reichtums ist Landbesitz westlich des Baikalsees, wo seine Firma Petromir erhebliche Gasvorkommen gemeldet hat. Dazu kommt eine Briefmarkensammlung, die als eine der wertvollsten der Welt gilt – kein Zufall, denn schon als Sowjetbürger legte Karpow Devisen lieber in Briefmarken an, als sie dem sowjetischen Fiskus zu überlassen. Honorare ließ er sich direkt in Briefmarken auszahlen. Drei Bankkonten unterhielt er im Westen.

Das Doppelleben des Musterkommunisten

Sein Ruf als loyaler Vorzeigekommunist bekam Risse, als Karpow einen deutschen Mittelsmann, der seine Werbe-, Buch- und Auftrittshonorare verwaltete, wegen Unterschlagung vor Gericht brachte. Der Prozess legte offen, was er lieber im Verborgenen gehalten hätte. Der „Spiegel" berichtete kurz vor seinem zweiten WM-Kampf gegen Garri Kasparow darüber – und Karpow schob seinen Titelverfall 1985 auf diese Enthüllung. Das oft zitierte Bekenntnis, seine beiden Lieben seien Schach und der Marxismus, sei ihm von einem Journalisten untergejubelt worden, erklärte er später. Eine mehrseitige Liste seines Eigentums kursiert; sie entstand vermutlich, als er sie als Mitglied der russischen Staatsduma vorlegen musste.

Duma-Abgeordneter in Putins Partei

Seit 2011 gehört Karpow der Duma als Fraktionsmitglied von Putins Partei Vereintes Russland an. Sein Wahlkreis liegt im westsibirischen Tjumen, unweit von Slatust, der Industriestadt, in der er aufgewachsen ist. Seine sichtbarste politische Rolle war die Organisation von Schachkontakten mit Parlamenten anderer Länder. Seit Russlands Überfall auf die Ukraine kamen diese zum Erliegen. Weil Karpow in der Duma für die Annexion ukrainischer Gebiete stimmte, steht er auf mehreren Sanktionslisten und reist kaum noch.

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Im Herbst 2022 stürzte er schwer und lag mit schweren Kopfverletzungen zwei Tage im Koma. Seitdem tritt er kaum mehr öffentlich auf. Eine Delegation der Komsomolskaja Prawda besuchte ihn kürzlich in seiner Villa am Moskauer Stadtrand – die Adresse bleibt geheim, um keine Einbrecher anzulocken. Auf einem Video des Besuchs spricht Karpow mit krächzender Stimme und wirkt älter als seine 75 Jahre. Ein Bekannter soll allerdings gesagt haben, er habe vor ein oder zwei Jahren noch gebrechlicher ausgesehen.

Anlässlich seines runden Geburtstags an diesem Samstag läuft im Moskauer Michail-Botwinnik-Schachhaus, früher bekannt als Zentralschachklub, ein hochrangig besetztes Schnellturnier. Zu seinem siebzigsten Geburtstag hatte er eine aufwändigere Huldigung erfahren: das Biopic Schempion Mira über seinen ersten WM-Kampf 1978. Viktor Kortschnoi erscheint darin als Fiesling und Vaterlandsverräter, Karpow als Held. Der hübsche Schluss der 8. Matchpartie, mit der er damals in Führung ging, fand ebenfalls den Weg auf die Leinwand.

Schachlegende Karpow wird 75 – krank und isoliert

Quelle: El País – „El ajedrecista Kárpov, un héroe irrepetible, cumple 75 años", veröffentlicht am 23. Mai 2026

Anatoli Jewgenjewitsch Karpow, sechsfacher Schachweltmeister und einer der erfolgreichsten Sportler der Sowjetunion, feiert an diesem Samstag seinen 75. Geburtstag – unter schwierigen Umständen. Das berichtet El País. Der Großmeister leidet unter ernsten gesundheitlichen Problemen und ist in Russland eingeschlossen, da er als Parlamentsabgeordneter der Partei Wladimir Putins auf der westlichen Sanktionsliste steht und nicht ins Ausland reisen darf.

Karpow hatte sich 2022 gegen den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ausgesprochen, hatte jedoch kurz zuvor für die Annexion der ukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk gestimmt. Wenige Monate nach seiner öffentlichen Kritik wurde er bewusstlos auf einer Straße nahe dem Parlament aufgefunden, mit einem schweren Kopftrauma. Ob es sich um einen Unfall oder einen Anschlag handelte, blieb ungeklärt. Seitdem, berichten ihm nahestehende Personen, sei er nicht mehr derselbe.

Ein Leben zwischen Ruhm und politischem Druck

Karpow wurde in der Sowjetunion zum nationalen Helden. Er gewann den Weltmeistertitel 1975, nachdem der Amerikaner Bobby Fischer ihn kampflos abgegeben hatte, und verteidigte ihn zweimal gegen den Dissidenten Wiktor Kortschnoi – in politisch hochaufgeladenen Wettkämpfen, die weit über den Sport hinaus Aufsehen erregten. Die Duelle gegen Gari Kasparow zwischen 1984 und 1990, fünf Matches mit insgesamt 144 Partien, gelten als die intensivste sportliche Rivalität in der Geschichte von Einzelsportarten.

Noch als Vierzigjähriger gewann Karpow dreimal den offiziellen FIDE-Weltmeistertitel und engagierte sich als UNICEF-Botschafter für Osteuropa sowie als Vorsitzender einer Hilfsorganisation für Opfer der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. Zuletzt führte er neben seinem Parlamentsmandat ein aktives Leben als Referent und Turnierspieler – bis 2022 alles zum Stillstand kam.

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Automatisch KI-generierter Beitrag

Karpow zum 75.: Ein Schachweltmeister, der sich für die falsche Seite entschied

Der Standard, 24. Mai 2026, Anatol Vitouch (Abo)

Das Werk Anatoli Karpows am Schachbrett ist unbestritten – aber sein politisches Handeln lässt sich nicht vom Menschen trennen, der es vollbrachte. Das schreibt Der Standard. Karpow, der 12. Weltmeister der Schachgeschichte, feierte am 23. Mai seinen 75. Geburtstag.

Anatol Vitouch legt dabei eine klare Unterscheidung vor: Die privaten Verfehlungen und Charakterschwächen großer Künstler rechtfertigen seiner Einschätzung nach kein pauschales Verwerfen ihres Werks. In diesem Sinne fällt sein Urteil über Karpows frühere Fragwürdigkeiten noch vergleichsweise milde aus.

Joghurt und KGB

Dass Karpow als Weltmeister öffentlich den linientreuen Sowjetkommunisten gab, dabei aber laut Spiegel-Recherchen der 1980er-Jahre ein erhebliches Privatvermögen im Westen aufbaute, bewertet Vitouch als bekannte und letztlich untergeordnete Verfehlung. Ähnlich sieht er die Ereignisse rund um die berüchtigte WM 1978 in Baguio auf den Philippinen, bei der Karpow und Herausforderer Viktor Kortschnoi auf beiden Seiten zu psychologischer Kriegsführung griffen – von Parapsychologen bis zu orange gekleideten Mitgliedern einer Sekte. Den KGB hatte Karpow dabei auf seiner Seite; die schmutzigen Mittel, mit denen Kortschnoi zermürbt wurde, billigte er zumindest stillschweigend. Kortschnoi seinerseits behauptete, Karpows Team übermittle diesem durch verschiedenfarbige Joghurts geheime Informationen. Auch beim WM-Abbruch 1984/85 gegen Garri Kasparow nach 48 Partien – just als das Match sich zugunsten Kasparows zu drehen schien – dürfte Karpow kaum fair agiert haben.

Der Besuch im Gefängnis – und was danach kam

Einen Moment, der auf ein versöhnlicheres Ende der Geschichte hinzudeuten schien, gab es: Karpow besuchte Kasparow im Gefängnis, nachdem dieser 2007 vom Putin-Regime wegen oppositioneller Aktivitäten verhaftet worden war.

Diesen Eindruck räumte Karpow in den folgenden Jahren selbst aus. Seit 2011 sitzt er für Putins Partei Einiges Russland in der Staatsduma. Er unterstützte die Annexion der Krim, die russische Vollinvasion der Ukraine und die Annexion weiterer ukrainischer Gebiete – und stimmte namentlich für diese Völkerrechtsverletzungen. Einen im März 2022 von 40 russischen Schachgroßmeistern unterzeichneten Brief, der ein Ende des Krieges forderte, kritisierte Karpow öffentlich und bezeichnete seine Kollegen als „Verräter".

Für Vitouch markiert genau das die Grenze: Hier handelt es sich nicht mehr um persönliche Schwäche oder politische Opportunismus aus Zwang, sondern um eine aus freien Stücken getroffene Entscheidung. Karpow ist für ihn damit kein Schachspieler mehr, sondern ein Politiker – der sich für die Seite der Verbrecher entschieden hat.

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