Anatol Vitouch im Standard
Zitat von Conrad Schormann am 11. September 2025, 17:06 Uhr
Anatol Vitouch startet neue Kolumne im Standard
Quelle: „Schach macht süchtig: Über eine Welt voller Säufer“, Der Standard
Zum Auftakt seiner neuen wöchentlichen Kolumne im Standard räumt Anatol Vitouch mit dem Bild vom asketischen Schachspieler auf. Statt Yogis und Asketen sei die Schachwelt seit jeher „voller Säufer“. Beispiele reichen von Alexander Aljechin, der 1935 sein WM-Match gegen Max Euwe weitgehend betrunken bestritt, bis zu Michail Tal, der neben exzessivem Alkoholkonsum auch am Brett Kette rauchte.
Vitouch erinnert an seine eigenen Jugendjahre in der Wiener Schachszene der 1990er, wo bei Klubabenden selbstverständlich geraucht und getrunken wurde – Kinder galten als eher geduldet. Er erzählt eine Episode von einem Vereinskollegen, der bei einer Landesligapartie nach wenigen Zügen einschlief und die Partie durch Zeitüberschreitung verlor.
Auch in der Gegenwart gebe es Parallelen: Ex-Weltmeister Magnus Carlsen tritt online gelegentlich unter dem Pseudonym „Dr. Drunkenstein“ an. Vitouch verweist auf ein Video, in dem Carlsen lallend einen Popsong singt und zugleich eine eigentlich verlorene Bullet-Partie noch zum Sieg dreht.
https://youtu.be/K-Kz7bo5tKE
Die Kolumne wird künftig jede Woche erscheinen, nicht immer über Alkohol, aber immer über Schach. Jedes Mal enthält sie ein interaktives Rätsel – diesmal ein Matt in zwei Zügen aus einer Simultanpartie von Joseph Henry Blackburne im Jahr 1876.
Anatol Vitouch startet neue Kolumne im Standard
Quelle: „Schach macht süchtig: Über eine Welt voller Säufer“, Der Standard
Zum Auftakt seiner neuen wöchentlichen Kolumne im Standard räumt Anatol Vitouch mit dem Bild vom asketischen Schachspieler auf. Statt Yogis und Asketen sei die Schachwelt seit jeher „voller Säufer“. Beispiele reichen von Alexander Aljechin, der 1935 sein WM-Match gegen Max Euwe weitgehend betrunken bestritt, bis zu Michail Tal, der neben exzessivem Alkoholkonsum auch am Brett Kette rauchte.
Vitouch erinnert an seine eigenen Jugendjahre in der Wiener Schachszene der 1990er, wo bei Klubabenden selbstverständlich geraucht und getrunken wurde – Kinder galten als eher geduldet. Er erzählt eine Episode von einem Vereinskollegen, der bei einer Landesligapartie nach wenigen Zügen einschlief und die Partie durch Zeitüberschreitung verlor.
Auch in der Gegenwart gebe es Parallelen: Ex-Weltmeister Magnus Carlsen tritt online gelegentlich unter dem Pseudonym „Dr. Drunkenstein“ an. Vitouch verweist auf ein Video, in dem Carlsen lallend einen Popsong singt und zugleich eine eigentlich verlorene Bullet-Partie noch zum Sieg dreht.
Die Kolumne wird künftig jede Woche erscheinen, nicht immer über Alkohol, aber immer über Schach. Jedes Mal enthält sie ein interaktives Rätsel – diesmal ein Matt in zwei Zügen aus einer Simultanpartie von Joseph Henry Blackburne im Jahr 1876.
Zitat von Conrad Schormann am 21. September 2025, 8:53 Uhr
Deutsches Schachwunder mit Keymer und Blübaum
Quelle: Der Standard – „Vitouchs Schacheck: Ein deutsches Schachwunder im Doppelpack“, Anatol Vitouch
In seiner Kolumne beschreibt Anatol Vitouch die jüngsten Erfolge von Vincent Keymer und Matthias Blübaum als ein „deutsches Schachwunder“. Während in Deutschland vielerorts Krisenstimmung herrsche, sei das Schach ein Lichtblick.
Keymer habe mit seinem Sieg beim Chennai International Chess Festival, 20 gewonnenen Elo-Punkten und dem Sprung in die Top 10 gezeigt, dass er endgültig zur Weltspitze gehöre. Unterstützt von Trainer Péter Lékó habe er seinen langfristigen Aufstieg krönen können.
Blübaum dagegen sei die Überraschung der Stunde: Der 28-Jährige aus Lemgo gewann im März die Europameisterschaft bereits zum zweiten Mal und sicherte sich dann beim Grand Swiss in Samarkand mit Siegen über Stars wie Praggnanandhaa und Erigaisi den Platz im Kandidatenturnier. Im direkten Duell mit Keymer hielt er mit einem taktischen Trick ein wichtiges Remis und machte den Weg frei für seine Qualifikation. Gemeinsam mit Keymer sorge Blübaum nun dafür, dass Deutschland plötzlich wieder zwei Spieler auf höchstem internationalen Niveau habe – ein Ereignis, das man bislang eher mit Indien oder China verbunden habe.
Deutsches Schachwunder mit Keymer und Blübaum
Quelle: Der Standard – „Vitouchs Schacheck: Ein deutsches Schachwunder im Doppelpack“, Anatol Vitouch
In seiner Kolumne beschreibt Anatol Vitouch die jüngsten Erfolge von Vincent Keymer und Matthias Blübaum als ein „deutsches Schachwunder“. Während in Deutschland vielerorts Krisenstimmung herrsche, sei das Schach ein Lichtblick.
Keymer habe mit seinem Sieg beim Chennai International Chess Festival, 20 gewonnenen Elo-Punkten und dem Sprung in die Top 10 gezeigt, dass er endgültig zur Weltspitze gehöre. Unterstützt von Trainer Péter Lékó habe er seinen langfristigen Aufstieg krönen können.
Blübaum dagegen sei die Überraschung der Stunde: Der 28-Jährige aus Lemgo gewann im März die Europameisterschaft bereits zum zweiten Mal und sicherte sich dann beim Grand Swiss in Samarkand mit Siegen über Stars wie Praggnanandhaa und Erigaisi den Platz im Kandidatenturnier. Im direkten Duell mit Keymer hielt er mit einem taktischen Trick ein wichtiges Remis und machte den Weg frei für seine Qualifikation. Gemeinsam mit Keymer sorge Blübaum nun dafür, dass Deutschland plötzlich wieder zwei Spieler auf höchstem internationalen Niveau habe – ein Ereignis, das man bislang eher mit Indien oder China verbunden habe.
Zitat von Conrad Schormann am 29. September 2025, 21:06 UhrAnatol Vitouch über Schachwunderkinder: „Von einem Stöpsel Matt gesetzt“
Quelle: Der Standard – „Vitouchs Schacheck: Warum ich es hasse, gegen Kinder zu verlieren“, Anatol Vitouch, 28. September 2025
In seiner neuen Kolumne beschreibt Anatol Vitouch den Boom junger Schachtalente – und warum Niederlagen gegen Kinder für erfahrene Spieler besonders schmerzhaft sind.
Vitouch verweist auf aktuelle Beispiele: die zehnjährige Bodhana Sivanandan, die bei den britischen Meisterschaften einen Großmeister schlug und bereits Internationale Meisterin ist; den elfjährigen Argentinier Faustino Oro, „Messi des Schachs“, der als jüngster Spieler die 2500-Elo-Marke überschritt und jüngst ein starkes Turnier in Madrid gewann; und den 13-jährigen Kai Hanache, der in England mehrere Großmeister im Blitz bezwang.
Das Problem für erwachsene Gegner: Kinder seien fast immer stärker als ihre Elozahl erkennen lässt, Siege gegen sie bringen wenig, Niederlagen dafür einen hohen Elo-Verlust. Hinzu kommt die psychologische Dimension: „Von einem Stöpsel Matt gesetzt zu werden, der das Spiel während der Pandemie erlernt hat, ist einfach nicht gut für das Selbstwertgefühl“, schreibt Vitouch.
Auch die Unterschiede am Brett betont er: Während Ältere sich mit Kaffee wachhalten, treten Kinder frisch, schnell und mit gesunden Snacks ausgestattet auf. Selbst knappe Siege seien kein Trost – die Entourage der Talente spreche ohnehin von der künftigen Unbesiegbarkeit der Kinder.
Vitouch erinnert daran, dass Wunderkinder kein neues Phänomen sind: Schon Samuel Reshevsky tourte als Neunjähriger durch die USA. Neu sei heute die Masse der Talente, die dank Pandemie, Online-Plattformen und professionellem Training immer früher auf Weltniveau aufschließen.
Anatol Vitouch über Schachwunderkinder: „Von einem Stöpsel Matt gesetzt“
Quelle: Der Standard – „Vitouchs Schacheck: Warum ich es hasse, gegen Kinder zu verlieren“, Anatol Vitouch, 28. September 2025
In seiner neuen Kolumne beschreibt Anatol Vitouch den Boom junger Schachtalente – und warum Niederlagen gegen Kinder für erfahrene Spieler besonders schmerzhaft sind.
Vitouch verweist auf aktuelle Beispiele: die zehnjährige Bodhana Sivanandan, die bei den britischen Meisterschaften einen Großmeister schlug und bereits Internationale Meisterin ist; den elfjährigen Argentinier Faustino Oro, „Messi des Schachs“, der als jüngster Spieler die 2500-Elo-Marke überschritt und jüngst ein starkes Turnier in Madrid gewann; und den 13-jährigen Kai Hanache, der in England mehrere Großmeister im Blitz bezwang.
Das Problem für erwachsene Gegner: Kinder seien fast immer stärker als ihre Elozahl erkennen lässt, Siege gegen sie bringen wenig, Niederlagen dafür einen hohen Elo-Verlust. Hinzu kommt die psychologische Dimension: „Von einem Stöpsel Matt gesetzt zu werden, der das Spiel während der Pandemie erlernt hat, ist einfach nicht gut für das Selbstwertgefühl“, schreibt Vitouch.
Auch die Unterschiede am Brett betont er: Während Ältere sich mit Kaffee wachhalten, treten Kinder frisch, schnell und mit gesunden Snacks ausgestattet auf. Selbst knappe Siege seien kein Trost – die Entourage der Talente spreche ohnehin von der künftigen Unbesiegbarkeit der Kinder.
Vitouch erinnert daran, dass Wunderkinder kein neues Phänomen sind: Schon Samuel Reshevsky tourte als Neunjähriger durch die USA. Neu sei heute die Masse der Talente, die dank Pandemie, Online-Plattformen und professionellem Training immer früher auf Weltniveau aufschließen.
Zitat von Conrad Schormann am 5. Oktober 2025, 12:50 UhrAuch im Schach ist der Mensch ein Mannschaftstier
Quelle: Der Standard – „Vitouchs Schacheck“, Anatol Vitouch, 5. Oktober 2025 (für Abonnenten)In seiner neuen Kolumne beschreibt Anatol Vitouch, warum Schach trotz seines Einzelcharakters in vieler Hinsicht ein Mannschaftssport ist. Für die meisten Profis, so Vitouch, seien ihre Clubs die wichtigste und oft einzige verlässliche Einnahmequelle. Anders als im Fußball, wo Spieler exklusiv an einen Verein gebunden sind, herrsche im Schach eine Art „Polyamorie“: Großmeister treten gleichzeitig für mehrere Clubs an – etwa in Deutschland, Österreich, Polen oder China. Die nationalen Ligen koordinieren ihre Termine so, dass diese Mehrfachverpflichtungen möglich bleiben.
Nur beim European Club Cup, der Champions League des Schachs, müssen sich die Spieler für ein einziges Team entscheiden. Vitouch erinnert sich an seine eigene Erfahrung als Betreuer des österreichischen Frauenteams ASVÖ Pamhagen, das 2022 in Mayrhofen überraschend Europacup-Sieger wurde. Seine Rolle sei dabei eher organisatorisch als schachlich gewesen – etwa darauf zu achten, dass die Spielerinnen rechtzeitig am Brett sitzen und nach langen Partien noch warmes Essen bekommen.
Der Kolumnist erzählt auch mit ironischem Unterton, wie wenig Außenstehende dieses System verstehen: Die Spielerinnen lebten nicht in Pamhagen und flogen direkt nach dem Turnier in alle Richtungen davon – teils, um wenige Tage später gegeneinander zu spielen.
Zum Abschluss schlägt Vitouch den Bogen zur Team-Europameisterschaft in Batumi, die am heutigen Sonntag beginnt. Er nennt Deutschland mit Vincent Keymer und Matthias Blübaum den Favoriten, während Österreich in der offenen Klasse an Platz 17 und im Damenbewerb auf Platz 21 gesetzt ist. Trotz des Mannschaftsformats, so Vitouch, müsse am Brett jeder allein seine Entscheidungen treffen – „Beratungen sind auch im Falle eines Time-Outs nicht gestattet“.
Die Kolumne endet mit einem Rätsel, das diesmal ein Mattproblem von Kirill Alekseenko aufgreift, der bei der EM erstmals das Spitzenbrett Österreichs besetzt.
Auch im Schach ist der Mensch ein Mannschaftstier
Quelle: Der Standard – „Vitouchs Schacheck“, Anatol Vitouch, 5. Oktober 2025 (für Abonnenten)
In seiner neuen Kolumne beschreibt Anatol Vitouch, warum Schach trotz seines Einzelcharakters in vieler Hinsicht ein Mannschaftssport ist. Für die meisten Profis, so Vitouch, seien ihre Clubs die wichtigste und oft einzige verlässliche Einnahmequelle. Anders als im Fußball, wo Spieler exklusiv an einen Verein gebunden sind, herrsche im Schach eine Art „Polyamorie“: Großmeister treten gleichzeitig für mehrere Clubs an – etwa in Deutschland, Österreich, Polen oder China. Die nationalen Ligen koordinieren ihre Termine so, dass diese Mehrfachverpflichtungen möglich bleiben.
Nur beim European Club Cup, der Champions League des Schachs, müssen sich die Spieler für ein einziges Team entscheiden. Vitouch erinnert sich an seine eigene Erfahrung als Betreuer des österreichischen Frauenteams ASVÖ Pamhagen, das 2022 in Mayrhofen überraschend Europacup-Sieger wurde. Seine Rolle sei dabei eher organisatorisch als schachlich gewesen – etwa darauf zu achten, dass die Spielerinnen rechtzeitig am Brett sitzen und nach langen Partien noch warmes Essen bekommen.
Der Kolumnist erzählt auch mit ironischem Unterton, wie wenig Außenstehende dieses System verstehen: Die Spielerinnen lebten nicht in Pamhagen und flogen direkt nach dem Turnier in alle Richtungen davon – teils, um wenige Tage später gegeneinander zu spielen.
Zum Abschluss schlägt Vitouch den Bogen zur Team-Europameisterschaft in Batumi, die am heutigen Sonntag beginnt. Er nennt Deutschland mit Vincent Keymer und Matthias Blübaum den Favoriten, während Österreich in der offenen Klasse an Platz 17 und im Damenbewerb auf Platz 21 gesetzt ist. Trotz des Mannschaftsformats, so Vitouch, müsse am Brett jeder allein seine Entscheidungen treffen – „Beratungen sind auch im Falle eines Time-Outs nicht gestattet“.
Die Kolumne endet mit einem Rätsel, das diesmal ein Mattproblem von Kirill Alekseenko aufgreift, der bei der EM erstmals das Spitzenbrett Österreichs besetzt.
Zitat von Conrad Schormann am 17. Oktober 2025, 9:20 UhrVitouch über Chess960: Warum Auslosen die Eröffnung rettet
Quelle: DER STANDARD – „Warum Schach-Weltmeister heute 960 Anfangsstellungen auslosen“, Anatol Vitouch, 12. Oktober 2025Seit Jahrzehnten geistert die Angst vor dem „Remistod“ durchs Spitzenschach: Wenn alle alles wissen, enden Topduelle zu oft remis. Anatol Vitouch zeichnet die Linie nach – von Capablanca (jahrelang ungeschlagen, Idee: größeres Brett, neue Figuren) über Fischers Sorge vor überanalysierten Eröffnungen bis zur heute praxistauglichen Antwort: Chess960/Fischerschach (auch „Freestyle Chess“ genannt).
Kern der Reform: Die Grundreihen werden ausgelost (960 mögliche Startpositionen), die Mechanik des klassischen Schachs bleibt – inklusive spezieller Rochaderegeln. Ergebnis: Eröffnungstheorie verliert Dominanz, Kreativität rückt nach vorn. Viele Spitzenspieler schätzen das, weil stundenlange Vorbereitung entfällt. Zugleich gilt: Klassisches Schach ist 2025 nicht tot, doch Chess960 wirkt wie Frischluft im Turniersaal.
Aktueller Aufhänger der Kolumne: Kasparow vs. Anand spielten in St. Louis ein rasantes Chess960-Match; Kasparow gewann – genau 30 Jahre nach seinem WM-Sieg im klassischen Schach gegen denselben Gegner. Die Kolumne endet mit einem kleinen Retro-Schmankerl: einem hübschen Kasparow-Matt von 1981 als Rätsel.
Vitouch über Chess960: Warum Auslosen die Eröffnung rettet
Quelle: DER STANDARD – „Warum Schach-Weltmeister heute 960 Anfangsstellungen auslosen“, Anatol Vitouch, 12. Oktober 2025
Seit Jahrzehnten geistert die Angst vor dem „Remistod“ durchs Spitzenschach: Wenn alle alles wissen, enden Topduelle zu oft remis. Anatol Vitouch zeichnet die Linie nach – von Capablanca (jahrelang ungeschlagen, Idee: größeres Brett, neue Figuren) über Fischers Sorge vor überanalysierten Eröffnungen bis zur heute praxistauglichen Antwort: Chess960/Fischerschach (auch „Freestyle Chess“ genannt).
Kern der Reform: Die Grundreihen werden ausgelost (960 mögliche Startpositionen), die Mechanik des klassischen Schachs bleibt – inklusive spezieller Rochaderegeln. Ergebnis: Eröffnungstheorie verliert Dominanz, Kreativität rückt nach vorn. Viele Spitzenspieler schätzen das, weil stundenlange Vorbereitung entfällt. Zugleich gilt: Klassisches Schach ist 2025 nicht tot, doch Chess960 wirkt wie Frischluft im Turniersaal.
Aktueller Aufhänger der Kolumne: Kasparow vs. Anand spielten in St. Louis ein rasantes Chess960-Match; Kasparow gewann – genau 30 Jahre nach seinem WM-Sieg im klassischen Schach gegen denselben Gegner. Die Kolumne endet mit einem kleinen Retro-Schmankerl: einem hübschen Kasparow-Matt von 1981 als Rätsel.
Zitat von Conrad Schormann am 19. Oktober 2025, 19:04 UhrWie Schach auf zwei Wellen surft – digital und analog zugleich
Quelle: Der Standard – „Die digitale Analogie: Wie das Schach erfolgreich auf zwei Wellen surft“, Anatol Vitouch, 19. Oktober 2025 (für Abonnenten)Anatol Vitouch beschreibt in seiner Kolumne, warum Schach seit einigen Jahren ein dauerhaftes Comeback erlebt – getrieben von zwei gegensätzlichen Kräften: Digitalisierung und Entschleunigung.
Einerseits hat die digitale Kultur das Schach globalisiert. Plattformen wie chess.com verzeichnen täglich Millionen Nutzer, Blitzpartien auf dem Smartphone sind zum perfekten Zeitvertreib geworden, und durch Streaming-Stars wie Hikaru Nakamura ist Schach zum Pop-Phänomen geworden. Der Boom begann bereits vor The Queen’s Gambit und setzte sich nach der Pandemie fort.
Andererseits erfüllt das klassische Schach – etwa bei Weltmeisterschaften mit stundenlangen Partien – das Bedürfnis vieler Menschen nach Ruhe, Konzentration und analoger Tiefe. Vitouch sieht darin die zweite Welle des Erfolgs: Schach ist zugleich Teil der digitalen Schnelllebigkeit und Gegenmittel dazu.
Diese Spannung erzeugt laut Vitouch die anhaltende Faszination. Schach bleibt so beides: ein digitales Massenphänomen und eine stille Kultur der Langsamkeit – ein Spiel, das in zwei Welten gleichzeitig zu Hause ist.
Wie Schach auf zwei Wellen surft – digital und analog zugleich
Quelle: Der Standard – „Die digitale Analogie: Wie das Schach erfolgreich auf zwei Wellen surft“, Anatol Vitouch, 19. Oktober 2025 (für Abonnenten)
Anatol Vitouch beschreibt in seiner Kolumne, warum Schach seit einigen Jahren ein dauerhaftes Comeback erlebt – getrieben von zwei gegensätzlichen Kräften: Digitalisierung und Entschleunigung.
Einerseits hat die digitale Kultur das Schach globalisiert. Plattformen wie chess.com verzeichnen täglich Millionen Nutzer, Blitzpartien auf dem Smartphone sind zum perfekten Zeitvertreib geworden, und durch Streaming-Stars wie Hikaru Nakamura ist Schach zum Pop-Phänomen geworden. Der Boom begann bereits vor The Queen’s Gambit und setzte sich nach der Pandemie fort.
Andererseits erfüllt das klassische Schach – etwa bei Weltmeisterschaften mit stundenlangen Partien – das Bedürfnis vieler Menschen nach Ruhe, Konzentration und analoger Tiefe. Vitouch sieht darin die zweite Welle des Erfolgs: Schach ist zugleich Teil der digitalen Schnelllebigkeit und Gegenmittel dazu.
Diese Spannung erzeugt laut Vitouch die anhaltende Faszination. Schach bleibt so beides: ein digitales Massenphänomen und eine stille Kultur der Langsamkeit – ein Spiel, das in zwei Welten gleichzeitig zu Hause ist.
Zitat von Conrad Schormann am 10. November 2025, 9:59 UhrWie man im Schach Weltmeister wird
Anatol Vitouch erklärt im „Standard“, warum nicht einmal Weltklasse allein für den höchsten Titel reicht – und welche Hürden der World Cup bereithält (für Abonnenten)Weltmeister im Schach wird nur, wer sich durch ein rigides, rein leistungsbasiertes System kämpft. Anatol Vitouch erinnert in seiner Kolumne an große Namen wie Schlechter, Keres oder Kortschnoi, die trotz überragender Klasse nie den Titel erringen konnten – sei es wegen Reglements, politischer Umstände oder psychologischer Brüche.
Ein besonders steiniger Weg führt über den „World Cup“, ein K.-o.-Turnier mit 156 Spielern. Dort reicht schon ein einziger Fehler, um auch Topfavoriten aus dem Rennen zu werfen. Wer acht Matches übersteht, kann sich fürs Kandidatenturnier qualifizieren – das wiederum den Herausforderer für den Weltmeister bestimmt.
2025 findet der World Cup im indischen Goa statt. Für Österreich war Kirill Alexejenko in Runde 3 noch im Rennen, Felix Blohberger schied knapp gegen Yu Yangyi aus. Und: Vincent Keymer, als Favorit ins Turnier gestartet, lebt inzwischen offenbar in Wien – und könnte bei einem Sieg als „Neo-Österreicher“ gefeiert werden. Scheitert er, bleibt er halt „der Deutsche“.
Wie man im Schach Weltmeister wird
Anatol Vitouch erklärt im „Standard“, warum nicht einmal Weltklasse allein für den höchsten Titel reicht – und welche Hürden der World Cup bereithält (für Abonnenten)
Weltmeister im Schach wird nur, wer sich durch ein rigides, rein leistungsbasiertes System kämpft. Anatol Vitouch erinnert in seiner Kolumne an große Namen wie Schlechter, Keres oder Kortschnoi, die trotz überragender Klasse nie den Titel erringen konnten – sei es wegen Reglements, politischer Umstände oder psychologischer Brüche.
Ein besonders steiniger Weg führt über den „World Cup“, ein K.-o.-Turnier mit 156 Spielern. Dort reicht schon ein einziger Fehler, um auch Topfavoriten aus dem Rennen zu werfen. Wer acht Matches übersteht, kann sich fürs Kandidatenturnier qualifizieren – das wiederum den Herausforderer für den Weltmeister bestimmt.
2025 findet der World Cup im indischen Goa statt. Für Österreich war Kirill Alexejenko in Runde 3 noch im Rennen, Felix Blohberger schied knapp gegen Yu Yangyi aus. Und: Vincent Keymer, als Favorit ins Turnier gestartet, lebt inzwischen offenbar in Wien – und könnte bei einem Sieg als „Neo-Österreicher“ gefeiert werden. Scheitert er, bleibt er halt „der Deutsche“.
Zitat von Conrad Schormann am 24. November 2025, 18:02 UhrWarum Schachprofis von Fußball träumen – und warum das riskant wäre
Quelle: derStandard.de – „Was Großmeister an der Armutsgrenze von der Monetarisierung des Fußballs lernen möchten“Vitouch schildert zuerst seinen Besuch im Stadion des LASK – das ist der Linzer Athletik-Sport-Klub, ein Fußball-Bundesligist mit einer neuen, teuren Arena. Dort sieht er Luxus, Profistrukturen und Geldströme, die im Schach unvorstellbar sind. Genau darum geht es ihm: Der Kontrast zeigt, wie weit der Fußball monetarisiert wurde und wie wenig Schach davon abbekommt.
Er beschreibt, wie viele Großmeister seit dem Streaming-Boom und „The Queen’s Gambit“ merken, dass ihr Können miserabel bezahlt wird. Felix Blohberger legt öffentlich offen, wie gering seine Einnahmen sind. Matthias Blübaum – Nummer 43 der Welt – muss Crowdfunding nutzen, um sich überhaupt einen Trainer für das Kandidatenturnier leisten zu können. Vitouch nennt das sinngemäß absurd: Im Fußball müsste kein Bundesligist Spenden sammeln, um sich Grundausstattung zu leisten.
Trotz allem warnt er vor einer blinden Übernahme der Fußballlogik. Der Sport habe seine Seele durch totale Vermarktung verloren. Ihn selbst stößt das seit Jahren ab. Diese Entwicklung möchte er im Schach nicht sehen, auch wenn die finanzielle Not vieler Profis real ist.
Am Schluss verweist Vitouch auf ein Carlsen-Matt aus seiner Rätselrubrik – als leise Pointe: Talent kann Ausreißer nach oben erzeugen, aber es löst die strukturelle Armut des Schachs nicht.
Warum Schachprofis von Fußball träumen – und warum das riskant wäre
Quelle: derStandard.de – „Was Großmeister an der Armutsgrenze von der Monetarisierung des Fußballs lernen möchten“
Vitouch schildert zuerst seinen Besuch im Stadion des LASK – das ist der Linzer Athletik-Sport-Klub, ein Fußball-Bundesligist mit einer neuen, teuren Arena. Dort sieht er Luxus, Profistrukturen und Geldströme, die im Schach unvorstellbar sind. Genau darum geht es ihm: Der Kontrast zeigt, wie weit der Fußball monetarisiert wurde und wie wenig Schach davon abbekommt.
Er beschreibt, wie viele Großmeister seit dem Streaming-Boom und „The Queen’s Gambit“ merken, dass ihr Können miserabel bezahlt wird. Felix Blohberger legt öffentlich offen, wie gering seine Einnahmen sind. Matthias Blübaum – Nummer 43 der Welt – muss Crowdfunding nutzen, um sich überhaupt einen Trainer für das Kandidatenturnier leisten zu können. Vitouch nennt das sinngemäß absurd: Im Fußball müsste kein Bundesligist Spenden sammeln, um sich Grundausstattung zu leisten.
Trotz allem warnt er vor einer blinden Übernahme der Fußballlogik. Der Sport habe seine Seele durch totale Vermarktung verloren. Ihn selbst stößt das seit Jahren ab. Diese Entwicklung möchte er im Schach nicht sehen, auch wenn die finanzielle Not vieler Profis real ist.
Am Schluss verweist Vitouch auf ein Carlsen-Matt aus seiner Rätselrubrik – als leise Pointe: Talent kann Ausreißer nach oben erzeugen, aber es löst die strukturelle Armut des Schachs nicht.
Zitat von glor am 25. November 2025, 2:51 UhrIch weiß nicht ob man 100.000€ für ein Analyseteam "Grundausstattung" nennen kann. Ich weiß auch nicht ob in einer Einzelsportart außer Tennis und Golf die Nummer 43 der Welt gutes Geld verdienen kann. Die Nummer 43 im Hammerwerfen tut es sicherlich nicht.
Ich denke dies ist das übliche Gejammere bekannt von den Fußball Frauen, die wie die Männer bezahlt werden wollen.
Ich weiß nicht ob man 100.000€ für ein Analyseteam "Grundausstattung" nennen kann. Ich weiß auch nicht ob in einer Einzelsportart außer Tennis und Golf die Nummer 43 der Welt gutes Geld verdienen kann. Die Nummer 43 im Hammerwerfen tut es sicherlich nicht.
Ich denke dies ist das übliche Gejammere bekannt von den Fußball Frauen, die wie die Männer bezahlt werden wollen.
Zitat von Conrad Schormann am 15. Dezember 2025, 17:31 UhrNatürlich hat die Reclam-PR-Abteilung auch am Bodensee versucht, eine Rezension zu bekommen. Und es ist ja auch eine schöne Nachricht, dass es in der 100-Seiten-Reihe von Reclam jetzt ein Werk über Schach gibt, geschrieben von Jens Wietschorke, SK Caissa Augsburg, DWZ 1865, Kulturwissenschaftler. Erkenntnisgewinn für Leute, die sich auskennen, hält es nicht bereit. Außerdem, das fiel beim ersten Anblättern auf, ist schon auf der ersten Seite ein Turnier falsch benannt und auf der zweiten ein Name falsch geschrieben, darum kam es hier unter "Bücher" nicht vor.
André Schulz, vielleicht berauscht davon, dass (nicht nur) er im Buch als "Edelfeder" vorkommt, hat jetzt ein Jubelstück verfasst. "Kann man diese Welt auf nur 100 Seiten erschöpfend und kompetent vorstellen? Jens Wietschorke kann es!", huldigt er ungeachtet des Umstands, dass das offensichtlich niemand kann, auch nicht Jens Wietschorke. "Selbst wenn man in der Materie gut drin ist, erfährt man noch interessante Dinge oder Zusammenhänge", edelfedert er etwas später. Auch das ist falsch. Wer Neues erfahren oder seinen Schachhorizont erweitern möchte, liest nicht 100 Seiten Reclam, sondern 400 Seiten "The Chess Revolution".
Als Weihnachtsgeschenk für Leute, die sich für Schach interessieren, ohne darin aufzugehen, ist das leichtgängige und keinesfalls beliebige Reclam-Werk gleichwohl wunderbar geeignet. Jetzt gibt es die erste relevante Rezension von jemandem, dessen Fehlen in der "Edelfeder"-Aufzählung eine von vielen weißen Stellen im Buch repräsentiert. Anatol Vitouch sagt es, wie es ist. Das muss nicht ja nicht schlecht sein, im Gegenteil.
100 Seiten Schach – mutig, zwangsläufig unvollständig
Quelle: DER STANDARD – „Vitouchs Schacheck: Fischer, Spasski, Winnetou“, Anatol Vitouch, 14. Dezember 2025
Anatol Vitouch bespricht ein neues Buch aus der Reclam-Reihe „100 Seiten“, diesmal zum Thema Schach. Autor ist der Kulturwissenschaftler und starke Amateur Jens Wietschorke, der auf engem Raum erklären will, was Schach ausmacht. Vitouch hält das Vorhaben für mutig – und im Grunde für unmöglich. Über kaum ein Spiel seien je so viele Bücher erschienen, Schätzungen lägen bei rund 500.000 Titeln.
Vitouch nutzt die Rezension weniger für eine Detailkritik des Buchs als für eine Einordnung. Er zeigt, wie absurd jede Reduktion sein muss, und illustriert das an einer Figur, die im Buch gar nicht im Mittelpunkt steht: Lothar Schmid. Der deutsche Großmeister war manischer Sammler, Karl-May-Verleger und Schiedsrichter der WM Fischer gegen Spasski 1972. Allein diese eine Weltmeisterschaft, so Vitouch, fülle problemlos mehr als hundert Seiten.
Er erzählt die bekannte Szene vor Partie drei in Reykjavík, als Bobby Fischer abbrechen wollte, sich von Kameras gestört fühlte und schon das Rückflugticket hatte. Schmid griff ein, drückte Fischer und Boris Spasski in die Stühle und sagte nur: „Spielt!“ Die Partie begann, Fischer gewann später den Wettkampf – und die Schachgeschichte nahm ihren Lauf. Für Vitouch ein Beispiel, wie viel Stoff hinter scheinbar kleinen Episoden steckt.
Jens Wietschorke gebühre Respekt, weil er sich der Auswahl gestellt habe. Was auf 100 Seiten Schach Platz findet und was draußen bleibt, sei zwangsläufig eine Zumutung. Vitouch selbst, schreibt er, hätte diese Entscheidung ungern treffen müssen.
Natürlich hat die Reclam-PR-Abteilung auch am Bodensee versucht, eine Rezension zu bekommen. Und es ist ja auch eine schöne Nachricht, dass es in der 100-Seiten-Reihe von Reclam jetzt ein Werk über Schach gibt, geschrieben von Jens Wietschorke, SK Caissa Augsburg, DWZ 1865, Kulturwissenschaftler. Erkenntnisgewinn für Leute, die sich auskennen, hält es nicht bereit. Außerdem, das fiel beim ersten Anblättern auf, ist schon auf der ersten Seite ein Turnier falsch benannt und auf der zweiten ein Name falsch geschrieben, darum kam es hier unter "Bücher" nicht vor.
André Schulz, vielleicht berauscht davon, dass (nicht nur) er im Buch als "Edelfeder" vorkommt, hat jetzt ein Jubelstück verfasst. "Kann man diese Welt auf nur 100 Seiten erschöpfend und kompetent vorstellen? Jens Wietschorke kann es!", huldigt er ungeachtet des Umstands, dass das offensichtlich niemand kann, auch nicht Jens Wietschorke. "Selbst wenn man in der Materie gut drin ist, erfährt man noch interessante Dinge oder Zusammenhänge", edelfedert er etwas später. Auch das ist falsch. Wer Neues erfahren oder seinen Schachhorizont erweitern möchte, liest nicht 100 Seiten Reclam, sondern 400 Seiten "The Chess Revolution".
Als Weihnachtsgeschenk für Leute, die sich für Schach interessieren, ohne darin aufzugehen, ist das leichtgängige und keinesfalls beliebige Reclam-Werk gleichwohl wunderbar geeignet. Jetzt gibt es die erste relevante Rezension von jemandem, dessen Fehlen in der "Edelfeder"-Aufzählung eine von vielen weißen Stellen im Buch repräsentiert. Anatol Vitouch sagt es, wie es ist. Das muss nicht ja nicht schlecht sein, im Gegenteil.
100 Seiten Schach – mutig, zwangsläufig unvollständig
Quelle: DER STANDARD – „Vitouchs Schacheck: Fischer, Spasski, Winnetou“, Anatol Vitouch, 14. Dezember 2025
Anatol Vitouch bespricht ein neues Buch aus der Reclam-Reihe „100 Seiten“, diesmal zum Thema Schach. Autor ist der Kulturwissenschaftler und starke Amateur Jens Wietschorke, der auf engem Raum erklären will, was Schach ausmacht. Vitouch hält das Vorhaben für mutig – und im Grunde für unmöglich. Über kaum ein Spiel seien je so viele Bücher erschienen, Schätzungen lägen bei rund 500.000 Titeln.
Vitouch nutzt die Rezension weniger für eine Detailkritik des Buchs als für eine Einordnung. Er zeigt, wie absurd jede Reduktion sein muss, und illustriert das an einer Figur, die im Buch gar nicht im Mittelpunkt steht: Lothar Schmid. Der deutsche Großmeister war manischer Sammler, Karl-May-Verleger und Schiedsrichter der WM Fischer gegen Spasski 1972. Allein diese eine Weltmeisterschaft, so Vitouch, fülle problemlos mehr als hundert Seiten.
Er erzählt die bekannte Szene vor Partie drei in Reykjavík, als Bobby Fischer abbrechen wollte, sich von Kameras gestört fühlte und schon das Rückflugticket hatte. Schmid griff ein, drückte Fischer und Boris Spasski in die Stühle und sagte nur: „Spielt!“ Die Partie begann, Fischer gewann später den Wettkampf – und die Schachgeschichte nahm ihren Lauf. Für Vitouch ein Beispiel, wie viel Stoff hinter scheinbar kleinen Episoden steckt.
Jens Wietschorke gebühre Respekt, weil er sich der Auswahl gestellt habe. Was auf 100 Seiten Schach Platz findet und was draußen bleibt, sei zwangsläufig eine Zumutung. Vitouch selbst, schreibt er, hätte diese Entscheidung ungern treffen müssen.
