Alexander von Gleich
Zitat von Conrad Schormann am 24. Februar 2025, 14:31 UhrAlexander von Gleich, seit drei Monaten Vizepräsident Finanzen des Deutschen Schachbundes, zieht im DSB-Gesrpäch eine positive Zwischenbilanz: Für 2024 wird ein deutlicher Haushaltsüberschuss erwartet, was eine Stabilisierung der Rücklagen ermöglicht. Er betont jedoch, dass der DSB mehr für den Leistungssport tun müsse und will sich aktiv für zusätzliche Sponsorengelder einsetzen.
Von Gleich, selbst FIDE-Meister und Oberligaspieler, kam 2023 nach dem Finanzkollaps zum DSB und half, die damals dramatische Lage aufzuarbeiten. Er will verhindern, dass es erneut zu einem Kontrollverlust kommt und sieht sich in der Pflicht, Schach in Deutschland weiter voranzubringen.
Neben seiner Rolle als Schatzmeister engagiert er sich in der Planung des 150-jährigen Jubiläums des DSB (2027) und unterstützt die Deutsche Meisterschaft in München sowie den Schachgipfel 2026 in Dresden.
Abseits des DSB setzt er sich mit seiner Schachstiftung in Kasachstan für Kinder und Jugendliche ein, um ihnen kostenlosen Zugang zu Schach auf hohem Niveau zu ermöglichen. In einem persönlichen Einblick schildert er zudem seine Erlebnisse in Russland und Kasachstan – von Bankgründungen über Schachclubs in Moskau bis hin zu wilden Anekdoten aus der Wirtschaftswelt.
https://www.schachbund.de/news/dsb-finanzen-mit-deutlichem-ueberschuss-alexander-von-gleich-wir-muessen-mehr-tun-fuer-den-leistungssport.html
https://youtu.be/xVZCjqobQP8
Alexander von Gleich, seit drei Monaten Vizepräsident Finanzen des Deutschen Schachbundes, zieht im DSB-Gesrpäch eine positive Zwischenbilanz: Für 2024 wird ein deutlicher Haushaltsüberschuss erwartet, was eine Stabilisierung der Rücklagen ermöglicht. Er betont jedoch, dass der DSB mehr für den Leistungssport tun müsse und will sich aktiv für zusätzliche Sponsorengelder einsetzen.
Von Gleich, selbst FIDE-Meister und Oberligaspieler, kam 2023 nach dem Finanzkollaps zum DSB und half, die damals dramatische Lage aufzuarbeiten. Er will verhindern, dass es erneut zu einem Kontrollverlust kommt und sieht sich in der Pflicht, Schach in Deutschland weiter voranzubringen.
Neben seiner Rolle als Schatzmeister engagiert er sich in der Planung des 150-jährigen Jubiläums des DSB (2027) und unterstützt die Deutsche Meisterschaft in München sowie den Schachgipfel 2026 in Dresden.
Abseits des DSB setzt er sich mit seiner Schachstiftung in Kasachstan für Kinder und Jugendliche ein, um ihnen kostenlosen Zugang zu Schach auf hohem Niveau zu ermöglichen. In einem persönlichen Einblick schildert er zudem seine Erlebnisse in Russland und Kasachstan – von Bankgründungen über Schachclubs in Moskau bis hin zu wilden Anekdoten aus der Wirtschaftswelt.
Zitat von Conrad Schormann am 25. Januar 2026, 9:36 UhrAlexander von Gleich – Banker zwischen Moskau und Almaty, Schachpolitiker in Hamburg
Zu Gast bei Hamburg 1: Vom Aufbau neuer Banken in Osteuropa bis zur Sanierung der DSB-Finanzen - der Lebensweg eines Hamburgers, der Zahlen, Systeme und Schach zusammenbringt
Alexander von Gleich wirkt im Gespräch mit Christian Pothe nicht wie jemand, der große Reden liebt. Sein Lebenslauf erzählt trotzdem viel: über Übergänge, über Systeme im Umbruch, über die Parallelen zwischen Bankensanierung und Schachpolitik. Es geht ihm selten um Glanz. Meist um Ordnung. Und darum, dass Dinge funktionieren.
Alexander von Gleich ist ein waschechter Hamburger. Geboren und aufgewachsen in Othmarschen, geprägt von hanseatischer Nüchternheit, aber früh mit dem Blick nach Osten. Seine Schulzeit beginnt an der Grundschule am Windmühlenweg und führt ihn ans traditionsreiche Christianeum. Dort fällt eine Entscheidung, die seinen weiteren Weg vorzeichnet: Statt Altgriechisch wählt er Russisch. Es ist kein exotischer Spleen, sondern Neugier. In der zehnten Klasse fährt er mit einer Schülergruppe zwei Wochen lang in die damalige Sowjetunion, mit dem Zug über Berlin und Polen nach Moskau und Leningrad. Für von Gleich ist das mehr als eine Reise. Es ist der erste direkte Kontakt mit einer Welt, die ihn nicht mehr loslassen wird.
https://youtu.be/VuqpyHo7jH8
Der Einstieg ins Berufsleben verläuft zunächst bodenständig. Wegen einer Meniskusverletzung bleibt ihm der Wehrdienst erspart, stattdessen beginnt er eine Banklehre bei der Dresdner Bank in Hamburg. Schon hier zeigt sich, wie eng Schach und Beruf bei ihm verbunden sind. Bei der internen „Dresdner-Bank-Olympiade“ schneidet das Hamburger Team in den sportlichen Disziplinen mäßig ab. Im Schach dagegen gewinnen sie. Der Teamleiter kommentiert trocken, man sei vielleicht nicht die Schnellsten im Laufen, dafür aber im Denken. Es ist eine kleine Episode, aber sie passt.
Parallel zur Banklehre studiert von Gleich Volkswirtschaftslehre, zunächst in Marburg, später in Bonn, wo das Studium stark mathematisch geprägt ist. Gleichzeitig spielt er Schach auf hohem Niveau, in der Schachbundesliga für Bochum. Der Spagat führt zu Spannungen im Elternhaus. Die „Extrasemester“ wegen Schachturnieren stoßen beim Vater auf Skepsis – bis von Gleich die Bonner Stadtmeisterschaft gewinnt und die Lokalzeitung darüber berichtet. Der Konflikt löst sich nicht durch Argumente, sondern durch eine Schlagzeile.
Ab den 1990er-Jahren beginnt der Abschnitt, der seinen beruflichen Ruf prägen wird. Von Gleich geht nach Osteuropa und später nach Zentralasien, dorthin, wo nach dem Zerfall der Sowjetunion neue Finanzstrukturen entstehen müssen. Für das Frankfurter Beratungsunternehmen IPC arbeitet er in Russland und berät Banken im Bereich Mikrofinanzierung für kleine und mittlere Unternehmen. Es geht um Aufbauarbeit, um Systeme, die vorher nicht existierten.
1999, mit nur 31 Jahren, ist er maßgeblich an der Gründung der Microfinance Bank of Georgia beteiligt, der heutigen ProCredit Bank. In Georgien lernt er auch seine spätere Ehefrau Nino kennen, eine Juristin, die er selbst für das Projekt einstellt. Berufliches und Privates greifen ineinander, wie so oft in dieser Phase seines Lebens.
Es folgen weitere Stationen: die Weltbank-Tochter IFC, der Private-Equity-Fonds Baring Vostok, schließlich UniCredit in Kasachstan. Dort arbeitet von Gleich als CFO der ATFBank und leitet das Problemkreditportfolio. Eine Aufgabe, die er selbstironisch als Tätigkeit eines „Geldeintreibers“ beschreibt. In einer wirtschaftlich schwierigen Phase saniert er rund 80 Prozent des Portfolios. Zahlen, Risiken, Entscheidungen unter Druck – es ist eine Arbeit, die wenig Glamour kennt, aber Wirkung zeigt.
Vor der Rückkehr nach Deutschland übernimmt er noch eine letzte große Aufgabe: drei Jahre lang leitet er den Finanzbereich der Allianz in Russland. Er ist verantwortlich für den geordneten Rückzug aus dem defizitären Autoversicherungsgeschäft. Auch hier geht es nicht um Expansion, sondern um Kontrolle, Rückbau, Stabilisierung.
2017 kehrt Alexander von Gleich nach Hamburg zurück. Der Fokus verschiebt sich. Das internationale Bankwesen lässt er hinter sich, das Schach rückt wieder in den Vordergrund – diesmal nicht als Spieler, sondern als Organisator. Beim Deutscher Schachbund übernimmt er das Amt des Vizepräsidenten Finanzen. Der Verband steckt zu diesem Zeitpunkt in einer finanziellen Schieflage. Von Gleich analysiert nüchtern. Ja, es wurde zu viel Geld ausgegeben. Aber es wurde für den Sport ausgegeben: für Turniere, Trainer, Förderung. Kein Betrug, keine Selbstbedienung. Seine Aufgabe sieht er nicht im Kahlschlag, sondern im Ordnen, Priorisieren, Stabilisieren. Besonders wichtig sind ihm Nachwuchsförderung – Namen wie Vincent Keymer fallen hier – und das Schulschach als Basis.
Am Ende des Gesprächs wird es persönlicher. Von Gleich formuliert drei Wünsche. Der erste gilt dem Frieden. Der Krieg in der Ukraine belastet ihn spürbar, nicht nur politisch, sondern menschlich. Er erzählt von russischen Bekannten, die ihn besorgt anrufen und ihm Brennholz nach Hamburg schicken wollen, weil sie glauben, Deutschland friere ohne russisches Gas. Für ihn ist das ein Beispiel dafür, wie tief Desinformation wirkt.
Der zweite Wunsch betrifft die Digitalisierung. Von Gleich lebt in Othmarschen und ärgert sich über langsames Internet. Der Vergleich fällt deutlich aus: In kasachischen Dörfern seien 250 Megabit selbstverständlich. In Hamburg oft nicht.
Der dritte Wunsch ist der schlichteste. Gesundheit. Für seine Familie, besonders für seine hochbetagten Eltern.
Alexander von Gleich – Banker zwischen Moskau und Almaty, Schachpolitiker in Hamburg
Zu Gast bei Hamburg 1: Vom Aufbau neuer Banken in Osteuropa bis zur Sanierung der DSB-Finanzen - der Lebensweg eines Hamburgers, der Zahlen, Systeme und Schach zusammenbringt
Alexander von Gleich wirkt im Gespräch mit Christian Pothe nicht wie jemand, der große Reden liebt. Sein Lebenslauf erzählt trotzdem viel: über Übergänge, über Systeme im Umbruch, über die Parallelen zwischen Bankensanierung und Schachpolitik. Es geht ihm selten um Glanz. Meist um Ordnung. Und darum, dass Dinge funktionieren.
Alexander von Gleich ist ein waschechter Hamburger. Geboren und aufgewachsen in Othmarschen, geprägt von hanseatischer Nüchternheit, aber früh mit dem Blick nach Osten. Seine Schulzeit beginnt an der Grundschule am Windmühlenweg und führt ihn ans traditionsreiche Christianeum. Dort fällt eine Entscheidung, die seinen weiteren Weg vorzeichnet: Statt Altgriechisch wählt er Russisch. Es ist kein exotischer Spleen, sondern Neugier. In der zehnten Klasse fährt er mit einer Schülergruppe zwei Wochen lang in die damalige Sowjetunion, mit dem Zug über Berlin und Polen nach Moskau und Leningrad. Für von Gleich ist das mehr als eine Reise. Es ist der erste direkte Kontakt mit einer Welt, die ihn nicht mehr loslassen wird.
Der Einstieg ins Berufsleben verläuft zunächst bodenständig. Wegen einer Meniskusverletzung bleibt ihm der Wehrdienst erspart, stattdessen beginnt er eine Banklehre bei der Dresdner Bank in Hamburg. Schon hier zeigt sich, wie eng Schach und Beruf bei ihm verbunden sind. Bei der internen „Dresdner-Bank-Olympiade“ schneidet das Hamburger Team in den sportlichen Disziplinen mäßig ab. Im Schach dagegen gewinnen sie. Der Teamleiter kommentiert trocken, man sei vielleicht nicht die Schnellsten im Laufen, dafür aber im Denken. Es ist eine kleine Episode, aber sie passt.
Parallel zur Banklehre studiert von Gleich Volkswirtschaftslehre, zunächst in Marburg, später in Bonn, wo das Studium stark mathematisch geprägt ist. Gleichzeitig spielt er Schach auf hohem Niveau, in der Schachbundesliga für Bochum. Der Spagat führt zu Spannungen im Elternhaus. Die „Extrasemester“ wegen Schachturnieren stoßen beim Vater auf Skepsis – bis von Gleich die Bonner Stadtmeisterschaft gewinnt und die Lokalzeitung darüber berichtet. Der Konflikt löst sich nicht durch Argumente, sondern durch eine Schlagzeile.
Ab den 1990er-Jahren beginnt der Abschnitt, der seinen beruflichen Ruf prägen wird. Von Gleich geht nach Osteuropa und später nach Zentralasien, dorthin, wo nach dem Zerfall der Sowjetunion neue Finanzstrukturen entstehen müssen. Für das Frankfurter Beratungsunternehmen IPC arbeitet er in Russland und berät Banken im Bereich Mikrofinanzierung für kleine und mittlere Unternehmen. Es geht um Aufbauarbeit, um Systeme, die vorher nicht existierten.
1999, mit nur 31 Jahren, ist er maßgeblich an der Gründung der Microfinance Bank of Georgia beteiligt, der heutigen ProCredit Bank. In Georgien lernt er auch seine spätere Ehefrau Nino kennen, eine Juristin, die er selbst für das Projekt einstellt. Berufliches und Privates greifen ineinander, wie so oft in dieser Phase seines Lebens.
Es folgen weitere Stationen: die Weltbank-Tochter IFC, der Private-Equity-Fonds Baring Vostok, schließlich UniCredit in Kasachstan. Dort arbeitet von Gleich als CFO der ATFBank und leitet das Problemkreditportfolio. Eine Aufgabe, die er selbstironisch als Tätigkeit eines „Geldeintreibers“ beschreibt. In einer wirtschaftlich schwierigen Phase saniert er rund 80 Prozent des Portfolios. Zahlen, Risiken, Entscheidungen unter Druck – es ist eine Arbeit, die wenig Glamour kennt, aber Wirkung zeigt.
Vor der Rückkehr nach Deutschland übernimmt er noch eine letzte große Aufgabe: drei Jahre lang leitet er den Finanzbereich der Allianz in Russland. Er ist verantwortlich für den geordneten Rückzug aus dem defizitären Autoversicherungsgeschäft. Auch hier geht es nicht um Expansion, sondern um Kontrolle, Rückbau, Stabilisierung.
2017 kehrt Alexander von Gleich nach Hamburg zurück. Der Fokus verschiebt sich. Das internationale Bankwesen lässt er hinter sich, das Schach rückt wieder in den Vordergrund – diesmal nicht als Spieler, sondern als Organisator. Beim Deutscher Schachbund übernimmt er das Amt des Vizepräsidenten Finanzen. Der Verband steckt zu diesem Zeitpunkt in einer finanziellen Schieflage. Von Gleich analysiert nüchtern. Ja, es wurde zu viel Geld ausgegeben. Aber es wurde für den Sport ausgegeben: für Turniere, Trainer, Förderung. Kein Betrug, keine Selbstbedienung. Seine Aufgabe sieht er nicht im Kahlschlag, sondern im Ordnen, Priorisieren, Stabilisieren. Besonders wichtig sind ihm Nachwuchsförderung – Namen wie Vincent Keymer fallen hier – und das Schulschach als Basis.
Am Ende des Gesprächs wird es persönlicher. Von Gleich formuliert drei Wünsche. Der erste gilt dem Frieden. Der Krieg in der Ukraine belastet ihn spürbar, nicht nur politisch, sondern menschlich. Er erzählt von russischen Bekannten, die ihn besorgt anrufen und ihm Brennholz nach Hamburg schicken wollen, weil sie glauben, Deutschland friere ohne russisches Gas. Für ihn ist das ein Beispiel dafür, wie tief Desinformation wirkt.
Der zweite Wunsch betrifft die Digitalisierung. Von Gleich lebt in Othmarschen und ärgert sich über langsames Internet. Der Vergleich fällt deutlich aus: In kasachischen Dörfern seien 250 Megabit selbstverständlich. In Hamburg oft nicht.
Der dritte Wunsch ist der schlichteste. Gesundheit. Für seine Familie, besonders für seine hochbetagten Eltern.
Zitat von Conrad Schormann am 25. März 2026, 21:55 UhrAlexander von Gleich beschreibt einen Bund unter Spannungen – und fordert saubere Strukturen
Interviewpartner: Alexander von Gleich und Michael S. Langer; Interviewer: André Schulz; Format/Medium: YouTube; 25. März 2026
Alexander von Gleich begründet seinen Rücktritt als DSB-Vizepräsident Finanzen mit fehlender Unterstützung im Präsidium, Streit über konkrete Sachfragen und einer Arbeitsweise, die er nicht mehr mittragen wollte. Das sagte Alexander von Gleich im Gespräch mit André Schulz.
https://youtu.be/2kws9m69L1g
Zu einer möglichen Kandidatur als DSB-Präsident wird von Gleich im Gespräch erstaunlicherweise nicht gefragt und äußert sich von sich aus dazu nicht. Zuletzt hatte ihm der Co-Interviewte Michael S. Langer mehrfach als potenziellen Schattenpräsidenten dargestellt.
Von Gleich erwartet jetzt einen Vorschlag, wann der außerordentliche Bundeskongress stattfinden soll. Er selbst ist nach eigener Aussage im Präsidium kaum noch aktiv eingebunden, führt aber die Finanzthemen und die Kassenprüfung zu Ende. Danach müsse man sich zusammensetzen und „in welcher Konstellation auch immer“ einen Neuanfang starten.
https://perlenvombodensee.de/2026/02/15/ruecktritt-des-dsb-finanzchefs-alexander-von-gleich-und-die-offene-machtfrage/
Von Gleich schildert seinen Rückzug als Folge eines längeren Prozesses. Schon in Hofgeismar habe er eine Vertrauensfrage stellen wollen, dazu sei es aber aus formalen Gründen nicht gekommen. Danach habe es zwar die Berliner Vereinbarung gegeben, an der er für das Präsidium beteiligt gewesen sei und zu der er seine Meinung klar geäußert habe. Gleichzeitig seien im Präsidium Spannungen gewachsen. Zum Teil, sagt er, seien sie von außen hineingetragen worden. Daran seien die Landesverbände nicht immer unschuldig. Für ihn berührt das bereits eine größere Strukturfrage des Deutschen Schachbundes.
Rücktritt nach wachsendem Konflikt
Von Gleich beschreibt, wie stark er sich in sein Amt eingebracht habe. Er sei nicht nur für Finanzen zuständig gewesen, sondern zusätzlich für die Jubiläumsorganisation. Er habe sich darum gekümmert, ob die Senioren-Mannschaftsweltmeisterschaft nach Magdeburg geholt werden könne, und weitere Aufgaben übernommen. Das alles habe ein „recht großes Ausmaß“ angenommen.
Der Bruch kam für ihn, als er im Präsidium bei wichtigen Punkten keine Unterstützung mehr sah. Er spricht von harten Differenzen in konkreten Sachfragen. Dazu kommt seine eigene berufliche Belastung. In dieser Abwägung habe er entschieden, dass es so nicht weitergehe. Es habe Dinge gegeben, die er „nicht weitertragen konnte“. Deshalb sei er am 14. Februar zurückgetreten.
„Wenn ich Finanzler bin, bin ich extrem stur und formal“
Auf die Frage nach den Streitpunkten bleibt von Gleich bei der Sache und beschreibt vor allem seinen eigenen Maßstab. Wer für Finanzen verantwortlich sei, müsse genau arbeiten. Er sagt: „Wenn ich Finanzler bin, bin ich extrem stur und formal, weil das ist die Aufgabe.“ Wenn Regeln und Abläufe nicht eingehalten würden, könne er sehr stur werden.
Er verbindet das mit einem klaren Hinweis auf die Arbeitsweise im Präsidium. Es sei gut, dass Ingrid Lauterbach sehr aktiv sei. Zugleich fügt er hinzu, Informationen müssten im Präsidium immer gut verteilt werden. Alle müssten wissen, worum es gehe. Genau daran habe er sich gestört. Darin liegt seine konkrete Kritik an Lauterbach: nicht an ihrer Aktivität, sondern an der Art, wie Informationen im Präsidium weitergegeben wurden.
Zu viele Sitzungen, zu wenig Ordnung
Ein zentraler Punkt für von Gleich war die Planung der Gremiensitzungen. Er störte sich daran, dass ein Hauptausschuss im Mai stattfinden sollte, obwohl nach seiner Wahrnehmung bereits klar gewesen sei, dass nach der Berliner Erklärung im August noch ein Bundeskongress folgen würde. Zusätzlich rechnete er im Oktober mit einem weiteren Hauptausschuss, wie es zuvor üblich gewesen sei, gerade wegen Haushaltsfragen und der Vorbereitung des Jubiläumsjahres.
Für ihn ergab das ein Übermaß an Sitzungen. Das war aus seiner Sicht nicht nur organisatorisch falsch, sondern finanziell problematisch. Er rechnet vor, dass eine solche Versammlung mit Übernachtungen, Fahrtkosten, Essen und Saalmiete schnell 20.000 bis 40.000 Euro kosten könne. Die Summe verteile sich zwar auf verschiedene Kassen, bleibe aber erheblich. Für ihn war das ein Zeichen mangelnder Ordnung.
Die Geschäftsstelle trägt zu wenig
Von Gleich verweist mehrfach auf die Geschäftsstelle. Dort liege ein Kern des Problems. Viele Aufgaben, die eigentlich in der Geschäftsstelle erledigt werden müssten, seien nicht ausreichend aufgefangen worden. Der Ausgangspunkt sei bereits die Trennung von Anja Gering gewesen. Diese Entscheidung habe er zwar mitgetragen. Die Art und Weise sei aber „nicht besonders geschickt“ gewesen, weil Gering von einem Tag auf den anderen weg gewesen sei.
Seit dem Sommer des Vorjahres habe deshalb ein riesiger Teil der Arbeit an ihm gehangen. Gerade in der Kassenprüfung spüre er das bis zuletzt. Er beschreibt einen „Heidenaufwand“, um alle offenen Fragen zu beantworten. Deshalb fordert er, die Geschäftsstelle wieder richtig auszustatten. Er nennt ausdrücklich einen neuen Geschäftsführer, Personal für Finanzen und nicht nur Personal für die Öffentlichkeitsarbeit.
Blick auf andere Länder
Einen Teil des Gesprächs nutzt von Gleich, um über Schachförderung in Zentralasien zu sprechen. Er kommt gerade aus Taschkent zurück und beschreibt Schach dort als breit getragen und politisch unterstützt. In Usbekistan und Kasachstan gebe es Erfolge, Geld und gesellschaftliche Anerkennung. In Kasachstan werde Schach in vielen Schulen unterrichtet, Lehrkräfte könnten das Fach in ihre Ausbildung aufnehmen, und das Spiel werde nicht mehr als Sache für Genies gesehen, sondern als etwas, das modern und alltagstauglich sei.
Daraus spricht indirekt ein Vergleich. In diesen Ländern, sagt er, sei Unterstützung einfacher zu organisieren. Auch für Matthias Blübaum habe man in Deutschland zwar viel erreicht – Crowdfunding, Zuschüsse, Rechenkapazität über einen Supercomputer –, aber in den Ländern, in denen er beruflich tätig sei, gehe vieles schneller.
Positives bleibt vom Streit verdeckt
Trotz aller Kritik zeichnet von Gleich kein Bild eines handlungsunfähigen Verbands. Er zählt vielmehr auf, was aus seiner Sicht gelungen ist: die Erfolge der Spitzenspieler, die DSAM-Serie, der Schachgipfel, Online-Meisterschaften und die Unterstützung für Blübaum. Sein Einwand lautet nicht, dass im DSB nichts passiere, sondern dass der Streit diese Dinge überdecke.
Alexander von Gleich beschreibt einen Bund unter Spannungen – und fordert saubere Strukturen
Interviewpartner: Alexander von Gleich und Michael S. Langer; Interviewer: André Schulz; Format/Medium: YouTube; 25. März 2026
Alexander von Gleich begründet seinen Rücktritt als DSB-Vizepräsident Finanzen mit fehlender Unterstützung im Präsidium, Streit über konkrete Sachfragen und einer Arbeitsweise, die er nicht mehr mittragen wollte. Das sagte Alexander von Gleich im Gespräch mit André Schulz.
Zu einer möglichen Kandidatur als DSB-Präsident wird von Gleich im Gespräch erstaunlicherweise nicht gefragt und äußert sich von sich aus dazu nicht. Zuletzt hatte ihm der Co-Interviewte Michael S. Langer mehrfach als potenziellen Schattenpräsidenten dargestellt.
Von Gleich erwartet jetzt einen Vorschlag, wann der außerordentliche Bundeskongress stattfinden soll. Er selbst ist nach eigener Aussage im Präsidium kaum noch aktiv eingebunden, führt aber die Finanzthemen und die Kassenprüfung zu Ende. Danach müsse man sich zusammensetzen und „in welcher Konstellation auch immer“ einen Neuanfang starten.
Rücktritt des DSB-Finanzchefs: Alexander von Gleich und die offene Machtfrage
Von Gleich schildert seinen Rückzug als Folge eines längeren Prozesses. Schon in Hofgeismar habe er eine Vertrauensfrage stellen wollen, dazu sei es aber aus formalen Gründen nicht gekommen. Danach habe es zwar die Berliner Vereinbarung gegeben, an der er für das Präsidium beteiligt gewesen sei und zu der er seine Meinung klar geäußert habe. Gleichzeitig seien im Präsidium Spannungen gewachsen. Zum Teil, sagt er, seien sie von außen hineingetragen worden. Daran seien die Landesverbände nicht immer unschuldig. Für ihn berührt das bereits eine größere Strukturfrage des Deutschen Schachbundes.
Rücktritt nach wachsendem Konflikt
Von Gleich beschreibt, wie stark er sich in sein Amt eingebracht habe. Er sei nicht nur für Finanzen zuständig gewesen, sondern zusätzlich für die Jubiläumsorganisation. Er habe sich darum gekümmert, ob die Senioren-Mannschaftsweltmeisterschaft nach Magdeburg geholt werden könne, und weitere Aufgaben übernommen. Das alles habe ein „recht großes Ausmaß“ angenommen.
Der Bruch kam für ihn, als er im Präsidium bei wichtigen Punkten keine Unterstützung mehr sah. Er spricht von harten Differenzen in konkreten Sachfragen. Dazu kommt seine eigene berufliche Belastung. In dieser Abwägung habe er entschieden, dass es so nicht weitergehe. Es habe Dinge gegeben, die er „nicht weitertragen konnte“. Deshalb sei er am 14. Februar zurückgetreten.
„Wenn ich Finanzler bin, bin ich extrem stur und formal“
Auf die Frage nach den Streitpunkten bleibt von Gleich bei der Sache und beschreibt vor allem seinen eigenen Maßstab. Wer für Finanzen verantwortlich sei, müsse genau arbeiten. Er sagt: „Wenn ich Finanzler bin, bin ich extrem stur und formal, weil das ist die Aufgabe.“ Wenn Regeln und Abläufe nicht eingehalten würden, könne er sehr stur werden.
Er verbindet das mit einem klaren Hinweis auf die Arbeitsweise im Präsidium. Es sei gut, dass Ingrid Lauterbach sehr aktiv sei. Zugleich fügt er hinzu, Informationen müssten im Präsidium immer gut verteilt werden. Alle müssten wissen, worum es gehe. Genau daran habe er sich gestört. Darin liegt seine konkrete Kritik an Lauterbach: nicht an ihrer Aktivität, sondern an der Art, wie Informationen im Präsidium weitergegeben wurden.
Zu viele Sitzungen, zu wenig Ordnung
Ein zentraler Punkt für von Gleich war die Planung der Gremiensitzungen. Er störte sich daran, dass ein Hauptausschuss im Mai stattfinden sollte, obwohl nach seiner Wahrnehmung bereits klar gewesen sei, dass nach der Berliner Erklärung im August noch ein Bundeskongress folgen würde. Zusätzlich rechnete er im Oktober mit einem weiteren Hauptausschuss, wie es zuvor üblich gewesen sei, gerade wegen Haushaltsfragen und der Vorbereitung des Jubiläumsjahres.
Für ihn ergab das ein Übermaß an Sitzungen. Das war aus seiner Sicht nicht nur organisatorisch falsch, sondern finanziell problematisch. Er rechnet vor, dass eine solche Versammlung mit Übernachtungen, Fahrtkosten, Essen und Saalmiete schnell 20.000 bis 40.000 Euro kosten könne. Die Summe verteile sich zwar auf verschiedene Kassen, bleibe aber erheblich. Für ihn war das ein Zeichen mangelnder Ordnung.
Die Geschäftsstelle trägt zu wenig
Von Gleich verweist mehrfach auf die Geschäftsstelle. Dort liege ein Kern des Problems. Viele Aufgaben, die eigentlich in der Geschäftsstelle erledigt werden müssten, seien nicht ausreichend aufgefangen worden. Der Ausgangspunkt sei bereits die Trennung von Anja Gering gewesen. Diese Entscheidung habe er zwar mitgetragen. Die Art und Weise sei aber „nicht besonders geschickt“ gewesen, weil Gering von einem Tag auf den anderen weg gewesen sei.
Seit dem Sommer des Vorjahres habe deshalb ein riesiger Teil der Arbeit an ihm gehangen. Gerade in der Kassenprüfung spüre er das bis zuletzt. Er beschreibt einen „Heidenaufwand“, um alle offenen Fragen zu beantworten. Deshalb fordert er, die Geschäftsstelle wieder richtig auszustatten. Er nennt ausdrücklich einen neuen Geschäftsführer, Personal für Finanzen und nicht nur Personal für die Öffentlichkeitsarbeit.
Blick auf andere Länder
Einen Teil des Gesprächs nutzt von Gleich, um über Schachförderung in Zentralasien zu sprechen. Er kommt gerade aus Taschkent zurück und beschreibt Schach dort als breit getragen und politisch unterstützt. In Usbekistan und Kasachstan gebe es Erfolge, Geld und gesellschaftliche Anerkennung. In Kasachstan werde Schach in vielen Schulen unterrichtet, Lehrkräfte könnten das Fach in ihre Ausbildung aufnehmen, und das Spiel werde nicht mehr als Sache für Genies gesehen, sondern als etwas, das modern und alltagstauglich sei.
Daraus spricht indirekt ein Vergleich. In diesen Ländern, sagt er, sei Unterstützung einfacher zu organisieren. Auch für Matthias Blübaum habe man in Deutschland zwar viel erreicht – Crowdfunding, Zuschüsse, Rechenkapazität über einen Supercomputer –, aber in den Ländern, in denen er beruflich tätig sei, gehe vieles schneller.
Positives bleibt vom Streit verdeckt
Trotz aller Kritik zeichnet von Gleich kein Bild eines handlungsunfähigen Verbands. Er zählt vielmehr auf, was aus seiner Sicht gelungen ist: die Erfolge der Spitzenspieler, die DSAM-Serie, der Schachgipfel, Online-Meisterschaften und die Unterstützung für Blübaum. Sein Einwand lautet nicht, dass im DSB nichts passiere, sondern dass der Streit diese Dinge überdecke.
Zitat von Conrad Schormann am 9. Mai 2026, 9:21 UhrSchach ist kein Spiel nur für Genies
Alexander von Gleich im Gespräch mit Hamburg 1 (YouTube), 8. Mai 2026
Wer Schach noch nicht ausprobiert hat, soll es einfach versuchen – ohne Angst vor der vermeintlichen Komplexität des Spiels. Das sagte Alexander von Gleich im Gespräch mit Hamburg 1.
Von Gleich, der als Kind über eine Schulpause zum Schach kam, wirbt für einen niedrigschwelligen Zugang zum Spiel. Sein damaliger Klassenlehrer Norbert Fortmann bot nach dem Unterricht Schachstunden an – daraus wurde eine lebenslange Beschäftigung. Fortmann wurde später Hauptorganisator des Großturniers „Rechtes gegen linkes Alsterufer", das mit rund 4.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Guinness-Weltrekord für die höchste Teilnehmerzahl hält.
https://youtu.be/QLhLYXo9mb0
Hamburg als Pionier im Schulschach
Hamburg und Bremen nehmen nach Einschätzung von Gleichs eine Vorreiterrolle im Schulschach ein. Als treibende Kräfte nennt er Christian Zickelbein, langjähriger Vorsitzender des Hamburger Schachclubs, sowie Björn Lengwenus und einen weiteren Förderer namens Bissinge. Schach werde in diesen Städten aktiv in Schulen unterrichtet.
Das physische Schachbrett bleibt für von Gleich trotz Digitalisierung zentral. Auch Kinder im Schulschach griffen immer wieder gern zum klassischen Brett zurück, beobachtet er.
Weltspitze und digitale Plattformen
In der Weltrangliste führt nach Auskunft von Gleichs der Norweger Magnus Carlsen, der auch für den FC St. Pauli in der Schachbundesliga gemeldet ist und in der vergangenen Saison vier Partien bestritt. Weltmeister ist derzeit der Inder Gukesh, der seinen Titel Ende des Jahres gegen einen Spieler aus Usbekistan verteidigt. Beide Kontrahenten sind nach von Gleichs Angaben erst 19 beziehungsweise 20 Jahre alt.
Wer Schach live verfolgen möchte, empfiehlt von Gleich die Plattformen ChessBase, Chess.com und Lichess. Letzteres ist kostenlos zugänglich und zählt nach seinen Angaben 150 Millionen registrierte Nutzer.
Künstliche Intelligenz als Testfeld
Schach war nach Einschätzung von Gleichs eines der ersten Felder, auf dem künstliche Intelligenz erprobt wurde. Er verweist auf das Match zwischen dem damaligen Weltmeister Kasparow und dem Programm Deep Thought, das Kasparow verlor. Entscheidend für den Sprung der Computerprogramme über das menschliche Niveau war ab etwa 2015 der Einsatz neuronaler Netzwerke: Sie kombinierten menschliche Strategievorstellung mit enormer Rechenkraft und lernten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, statt alle möglichen Varianten zu berechnen.
Schach ist kein Spiel nur für Genies
Alexander von Gleich im Gespräch mit Hamburg 1 (YouTube), 8. Mai 2026
Wer Schach noch nicht ausprobiert hat, soll es einfach versuchen – ohne Angst vor der vermeintlichen Komplexität des Spiels. Das sagte Alexander von Gleich im Gespräch mit Hamburg 1.
Von Gleich, der als Kind über eine Schulpause zum Schach kam, wirbt für einen niedrigschwelligen Zugang zum Spiel. Sein damaliger Klassenlehrer Norbert Fortmann bot nach dem Unterricht Schachstunden an – daraus wurde eine lebenslange Beschäftigung. Fortmann wurde später Hauptorganisator des Großturniers „Rechtes gegen linkes Alsterufer", das mit rund 4.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Guinness-Weltrekord für die höchste Teilnehmerzahl hält.
Hamburg als Pionier im Schulschach
Hamburg und Bremen nehmen nach Einschätzung von Gleichs eine Vorreiterrolle im Schulschach ein. Als treibende Kräfte nennt er Christian Zickelbein, langjähriger Vorsitzender des Hamburger Schachclubs, sowie Björn Lengwenus und einen weiteren Förderer namens Bissinge. Schach werde in diesen Städten aktiv in Schulen unterrichtet.
Das physische Schachbrett bleibt für von Gleich trotz Digitalisierung zentral. Auch Kinder im Schulschach griffen immer wieder gern zum klassischen Brett zurück, beobachtet er.
Weltspitze und digitale Plattformen
In der Weltrangliste führt nach Auskunft von Gleichs der Norweger Magnus Carlsen, der auch für den FC St. Pauli in der Schachbundesliga gemeldet ist und in der vergangenen Saison vier Partien bestritt. Weltmeister ist derzeit der Inder Gukesh, der seinen Titel Ende des Jahres gegen einen Spieler aus Usbekistan verteidigt. Beide Kontrahenten sind nach von Gleichs Angaben erst 19 beziehungsweise 20 Jahre alt.
Wer Schach live verfolgen möchte, empfiehlt von Gleich die Plattformen ChessBase, Chess.com und Lichess. Letzteres ist kostenlos zugänglich und zählt nach seinen Angaben 150 Millionen registrierte Nutzer.
Künstliche Intelligenz als Testfeld
Schach war nach Einschätzung von Gleichs eines der ersten Felder, auf dem künstliche Intelligenz erprobt wurde. Er verweist auf das Match zwischen dem damaligen Weltmeister Kasparow und dem Programm Deep Thought, das Kasparow verlor. Entscheidend für den Sprung der Computerprogramme über das menschliche Niveau war ab etwa 2015 der Einsatz neuronaler Netzwerke: Sie kombinierten menschliche Strategievorstellung mit enormer Rechenkraft und lernten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, statt alle möglichen Varianten zu berechnen.
Zitat von Conrad Schormann am 12. Mai 2026, 21:29 Uhr„Das reicht mir" – Ex-Vizepräsident von Gleich über den Zerfall im DSB-Präsidium
Alexander von Gleich, interviewt von André Schulz, ChessBase Deutschland (YouTube), 12. Mai 2026
Der Deutsche Schachbund steuert auf seinen außerordentlichen Bundeskongress am 16. Mai ohne einen bekannten Kandidaten für das Präsidentenamt zu. Das sagte Alexander von Gleich im Gespräch mit ChessBase Deutschland. Der frühere Vizepräsident Finanzen des DSB, der im Februar aus dem Amt zurücktrat, schildert eine Abfolge von Konflikten, Kommunikationspannen und persönlichen Angriffen, die das Präsidium zerrissen und zuletzt auch die aussichtsreiche Kandidatur von Richard Lutz scheitern ließen. „Im deutschen Schachbund ist man nicht nachtragend, aber man vergisst halt auch nichts", sagt von Gleich – eine Beobachtung, die er als Schlüssel für viele der Vorgänge versteht.
https://youtu.be/A-cJpg137OE
Knappes Wahlergebnis als erstes Signal
Von Gleich beschreibt seinen Einstieg als den eines Seiteneinsteiger, dem die historischen Querelen des Verbands zunächst fremd waren. Im Mai 2025 wurde Ingrid Lauterbach als Präsidentin mit denkbar knappem Vorsprung – einer einzigen Stimme – wiedergewählt, nachdem ein Landesverband kurz vor der Abstimmung eine Erklärung in einem Ton verlesen ließ, den von Gleich als „völlig unmöglich" bezeichnet. Die Wiederwahl galt danach als Zeichen für Stabilität, doch die Ruhe hielt nicht lange.
Konflikt um die Geschäftsführung
Der nächste Bruch kam im Sommer. Die Mehrheit des Präsidiums war der Ansicht, dass Geschäftsführerin Anja Gering den wachsenden Anforderungen nicht gewachsen sei. Jannik Kiesel, Vizepräsident Verbandsentwicklung, teilte diese Einschätzung nicht. Gering schrieb sich krank und ging in Kur; danach stand niemand mehr für die Finanzleitung zur Verfügung – Gering hatte diese Position innegehabt, bevor sie Geschäftsführerin wurde, und war nun nicht ersetzt worden. Von Gleich übernahm als Ehrenamtlicher die operative Finanzarbeit, reiste regelmäßig nach Berlin und arbeitete von zu Hause. Am 22. Oktober unterzog er sich einer siebenstündigen Herzoperation; drei Wochen später war er wieder für den DSB tätig, anstatt sich wie ärztlich empfohlen drei Monate zu erholen. Gering wurde schließlich fristlos gekündigt, nach 17 Jahren im Verband. Das empörte mehrere Landesverbandspräsidenten.
Hofgeismar und die Berliner Erklärung
Am 4. Oktober eskalierte der Streit beim Hauptausschuss in Hofgeismar. Fünf Mitgliedsverbände stellten einen Antrag auf Einberufung eines außerordentlichen Bundeskongresses. Von Gleich schlug dort eine Vertrauensabstimmung vor, die aus formalen Gründen abgelehnt wurde. Im November folgte die sogenannte Berliner Erklärung: ein Kompromiss, demzufolge Lauterbach bis zum Sommer 2026 zurücktreten solle. Von Gleich reiste zu dem Treffen vier Wochen nach seiner Herzoperation an – und erlebte dort, wie Landesverbandsvertreter auf die Frage, wer Lauterbach ablösen solle, auf ihn zeigten. Das Vertrauensverhältnis zu Lauterbach war damit beschädigt.
Rücktritt im Februar
Am 14. Februar 2026 reichte von Gleich seinen Rücktritt zum 31. März ein. Als Gründe nennt er mehrere Faktoren, die sich überlagerten. Die Wiederbesetzung der Finanzstellen wurde von Teilen des Präsidiums monatelang verschleppt, sodass er die Arbeit weiter selbst erledigen musste. Hinzu kam ein Serverzusammenbruch in der DSB-Geschäftsstelle im Januar, der erst Ende Januar behoben wurde und seinen gesamten Zeitplan für den Jahresabschluss durcheinanderbrachte. Schließlich scheiterten elementare Dokumentationsfragen: Wenn er als Finanzverantwortlicher um schriftliche Bestätigung von Zusagen bat, wurde das als persönliches Misstrauen ausgelegt. „Es gibt halt Dinge, die ich so nicht mittragen konnte", sagt er. Ein konkretes Beispiel: Für den geplanten Schachgipfel in Dresden fehlten zum Stichtag 31. Dezember die zugesagten Einnahmen auf dem Papier. „Stichtag ist Stichtag", sagt von Gleich. Als Vizepräsident trage er BGB-Haftung – das sei keine persönliche Frage, sondern eine rechtliche.
Gerüchte und Taktiken
Nach seinem Rücktritt wurde von Gleichs Name als möglicher Kandidat gehandelt. Gleichzeitig, sagt er, seien gezielt Gerüchte über ihn gestreut worden: Er pflege Kontakte zum russischen Geheimdienst FSB – „drei Buchstaben", wie er es nennt – und unterstütze russisches Gedankengut. Von Gleich führt das auf Lauterbach zurück. Wenn sie damit konfrontiert wurde, habe sie entweder alles geleugnet oder gesagt, sie habe es „nur von anderen Quellen gehört". Von Gleich nennt das „ganz bestimmte Taktiken" und eine „dermaßen bodenlose Unverschämtheit". Er war bis 2016 als Vorstand der russischen Tochter des Allianz-Konzerns tätig – mit Kontakten zur russischen Zentralbank und Steuerbehörde, wie er erklärt. Seine Frau ist Georgierin, sein Schwager kämpfte als Freiwilliger auf ukrainischer Seite und wurde verwundet, eine ukrainische Flüchtlingsfamilie lebte monatelang in seiner Wohnung.
Von Gleich schlägt Lutz vor
Den Weg zu Richard Lutz beschreibt von Gleich als schrittweise. Lutz signalisierte zunächst Bereitschaft, dem DSB als Beirat mit seinen Kontakten zu helfen. Von Gleich selbst schlug ihm dann in einem späteren Gespräch vor, direkt zu kandidieren: „Wie wäre es dann eigentlich, ob er nicht halt auch direkt ins Präsidium einziehen würde oder dafür zur Verfügung stünde? Ich fand das eine noch bessere Lösung." Lutz sei auch von anderer Seite angesprochen worden – aber den entscheidenden Schritt von Beirat zu Kandidat habe von Gleich selbst angeregt.
Das gescheiterte Team
Lutz wollte ein Team seines Vertrauens mitbringen – darunter von Gleich als Vizepräsident Finanzen und Gerald Hertneck als Vizepräsident Sport. Lutz kannte Hertneck aus gemeinsamer Bundeswehrzeit in Warendorf, wo beide ein Zimmer geteilt hatten. Von Gleich hält Hertnecks Qualifikation für unbestreitbar: vier Jahre als Leistungssportreferent, maßgebliche Mitarbeit beim Aufbau der Münchner Schachstiftung, Mitentwicklung des Konzepts der „jungen Prinzen" und – obwohl eigentlich nicht zuständig – zusätzliche Verantwortung für die IT-Projekte NU und das Mitgliederverwaltungsprogramm des DSB. Eigene Reibungspunkte mit Hertneck benennt von Gleich keine. Den Widerstand gegen ihn ordnet er ausschließlich als „persönliche Animositäten" ein: „Im deutschen Schachbund ist man nicht nachtragend, aber man vergisst halt auch nichts."
Als absehbar wurde, dass das Team keine breite Mehrheit finden würde, zog Lutz seine Kandidatur zurück – und damit das gesamte Ticket.
Offenes Ende
Zum Bundeskongress am 16. Mai gibt es nach von Gleichs Kenntnis keinen Kandidaten. Die Satzungslage hält er bewusst offen: ob der Abwahlantrag das gesamte Präsidium betrifft oder nur einzelne Personen, ob das alte Präsidium kommissarisch weitermacht – „da gibt es zwei Juristen, drei verschiedene Meinungen". Seine Gesamteinschätzung ist knapp: Eine gute Kandidatur sei abgelehnt worden, ohne dass gleichzeitig eine Alternative bereitstand.
„Das reicht mir" – Ex-Vizepräsident von Gleich über den Zerfall im DSB-Präsidium
Alexander von Gleich, interviewt von André Schulz, ChessBase Deutschland (YouTube), 12. Mai 2026
Der Deutsche Schachbund steuert auf seinen außerordentlichen Bundeskongress am 16. Mai ohne einen bekannten Kandidaten für das Präsidentenamt zu. Das sagte Alexander von Gleich im Gespräch mit ChessBase Deutschland. Der frühere Vizepräsident Finanzen des DSB, der im Februar aus dem Amt zurücktrat, schildert eine Abfolge von Konflikten, Kommunikationspannen und persönlichen Angriffen, die das Präsidium zerrissen und zuletzt auch die aussichtsreiche Kandidatur von Richard Lutz scheitern ließen. „Im deutschen Schachbund ist man nicht nachtragend, aber man vergisst halt auch nichts", sagt von Gleich – eine Beobachtung, die er als Schlüssel für viele der Vorgänge versteht.
Knappes Wahlergebnis als erstes Signal
Von Gleich beschreibt seinen Einstieg als den eines Seiteneinsteiger, dem die historischen Querelen des Verbands zunächst fremd waren. Im Mai 2025 wurde Ingrid Lauterbach als Präsidentin mit denkbar knappem Vorsprung – einer einzigen Stimme – wiedergewählt, nachdem ein Landesverband kurz vor der Abstimmung eine Erklärung in einem Ton verlesen ließ, den von Gleich als „völlig unmöglich" bezeichnet. Die Wiederwahl galt danach als Zeichen für Stabilität, doch die Ruhe hielt nicht lange.
Konflikt um die Geschäftsführung
Der nächste Bruch kam im Sommer. Die Mehrheit des Präsidiums war der Ansicht, dass Geschäftsführerin Anja Gering den wachsenden Anforderungen nicht gewachsen sei. Jannik Kiesel, Vizepräsident Verbandsentwicklung, teilte diese Einschätzung nicht. Gering schrieb sich krank und ging in Kur; danach stand niemand mehr für die Finanzleitung zur Verfügung – Gering hatte diese Position innegehabt, bevor sie Geschäftsführerin wurde, und war nun nicht ersetzt worden. Von Gleich übernahm als Ehrenamtlicher die operative Finanzarbeit, reiste regelmäßig nach Berlin und arbeitete von zu Hause. Am 22. Oktober unterzog er sich einer siebenstündigen Herzoperation; drei Wochen später war er wieder für den DSB tätig, anstatt sich wie ärztlich empfohlen drei Monate zu erholen. Gering wurde schließlich fristlos gekündigt, nach 17 Jahren im Verband. Das empörte mehrere Landesverbandspräsidenten.
Hofgeismar und die Berliner Erklärung
Am 4. Oktober eskalierte der Streit beim Hauptausschuss in Hofgeismar. Fünf Mitgliedsverbände stellten einen Antrag auf Einberufung eines außerordentlichen Bundeskongresses. Von Gleich schlug dort eine Vertrauensabstimmung vor, die aus formalen Gründen abgelehnt wurde. Im November folgte die sogenannte Berliner Erklärung: ein Kompromiss, demzufolge Lauterbach bis zum Sommer 2026 zurücktreten solle. Von Gleich reiste zu dem Treffen vier Wochen nach seiner Herzoperation an – und erlebte dort, wie Landesverbandsvertreter auf die Frage, wer Lauterbach ablösen solle, auf ihn zeigten. Das Vertrauensverhältnis zu Lauterbach war damit beschädigt.
Rücktritt im Februar
Am 14. Februar 2026 reichte von Gleich seinen Rücktritt zum 31. März ein. Als Gründe nennt er mehrere Faktoren, die sich überlagerten. Die Wiederbesetzung der Finanzstellen wurde von Teilen des Präsidiums monatelang verschleppt, sodass er die Arbeit weiter selbst erledigen musste. Hinzu kam ein Serverzusammenbruch in der DSB-Geschäftsstelle im Januar, der erst Ende Januar behoben wurde und seinen gesamten Zeitplan für den Jahresabschluss durcheinanderbrachte. Schließlich scheiterten elementare Dokumentationsfragen: Wenn er als Finanzverantwortlicher um schriftliche Bestätigung von Zusagen bat, wurde das als persönliches Misstrauen ausgelegt. „Es gibt halt Dinge, die ich so nicht mittragen konnte", sagt er. Ein konkretes Beispiel: Für den geplanten Schachgipfel in Dresden fehlten zum Stichtag 31. Dezember die zugesagten Einnahmen auf dem Papier. „Stichtag ist Stichtag", sagt von Gleich. Als Vizepräsident trage er BGB-Haftung – das sei keine persönliche Frage, sondern eine rechtliche.
Gerüchte und Taktiken
Nach seinem Rücktritt wurde von Gleichs Name als möglicher Kandidat gehandelt. Gleichzeitig, sagt er, seien gezielt Gerüchte über ihn gestreut worden: Er pflege Kontakte zum russischen Geheimdienst FSB – „drei Buchstaben", wie er es nennt – und unterstütze russisches Gedankengut. Von Gleich führt das auf Lauterbach zurück. Wenn sie damit konfrontiert wurde, habe sie entweder alles geleugnet oder gesagt, sie habe es „nur von anderen Quellen gehört". Von Gleich nennt das „ganz bestimmte Taktiken" und eine „dermaßen bodenlose Unverschämtheit". Er war bis 2016 als Vorstand der russischen Tochter des Allianz-Konzerns tätig – mit Kontakten zur russischen Zentralbank und Steuerbehörde, wie er erklärt. Seine Frau ist Georgierin, sein Schwager kämpfte als Freiwilliger auf ukrainischer Seite und wurde verwundet, eine ukrainische Flüchtlingsfamilie lebte monatelang in seiner Wohnung.
Von Gleich schlägt Lutz vor
Den Weg zu Richard Lutz beschreibt von Gleich als schrittweise. Lutz signalisierte zunächst Bereitschaft, dem DSB als Beirat mit seinen Kontakten zu helfen. Von Gleich selbst schlug ihm dann in einem späteren Gespräch vor, direkt zu kandidieren: „Wie wäre es dann eigentlich, ob er nicht halt auch direkt ins Präsidium einziehen würde oder dafür zur Verfügung stünde? Ich fand das eine noch bessere Lösung." Lutz sei auch von anderer Seite angesprochen worden – aber den entscheidenden Schritt von Beirat zu Kandidat habe von Gleich selbst angeregt.
Das gescheiterte Team
Lutz wollte ein Team seines Vertrauens mitbringen – darunter von Gleich als Vizepräsident Finanzen und Gerald Hertneck als Vizepräsident Sport. Lutz kannte Hertneck aus gemeinsamer Bundeswehrzeit in Warendorf, wo beide ein Zimmer geteilt hatten. Von Gleich hält Hertnecks Qualifikation für unbestreitbar: vier Jahre als Leistungssportreferent, maßgebliche Mitarbeit beim Aufbau der Münchner Schachstiftung, Mitentwicklung des Konzepts der „jungen Prinzen" und – obwohl eigentlich nicht zuständig – zusätzliche Verantwortung für die IT-Projekte NU und das Mitgliederverwaltungsprogramm des DSB. Eigene Reibungspunkte mit Hertneck benennt von Gleich keine. Den Widerstand gegen ihn ordnet er ausschließlich als „persönliche Animositäten" ein: „Im deutschen Schachbund ist man nicht nachtragend, aber man vergisst halt auch nichts."
Als absehbar wurde, dass das Team keine breite Mehrheit finden würde, zog Lutz seine Kandidatur zurück – und damit das gesamte Ticket.
Offenes Ende
Zum Bundeskongress am 16. Mai gibt es nach von Gleichs Kenntnis keinen Kandidaten. Die Satzungslage hält er bewusst offen: ob der Abwahlantrag das gesamte Präsidium betrifft oder nur einzelne Personen, ob das alte Präsidium kommissarisch weitermacht – „da gibt es zwei Juristen, drei verschiedene Meinungen". Seine Gesamteinschätzung ist knapp: Eine gute Kandidatur sei abgelehnt worden, ohne dass gleichzeitig eine Alternative bereitstand.

