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Alexander von Gleich

Alexander von Gleich, seit drei Monaten Vizepräsident Finanzen des Deutschen Schachbundes, zieht im DSB-Gesrpäch eine positive Zwischenbilanz: Für 2024 wird ein deutlicher Haushaltsüberschuss erwartet, was eine Stabilisierung der Rücklagen ermöglicht. Er betont jedoch, dass der DSB mehr für den Leistungssport tun müsse und will sich aktiv für zusätzliche Sponsorengelder einsetzen.

Von Gleich, selbst FIDE-Meister und Oberligaspieler, kam 2023 nach dem Finanzkollaps zum DSB und half, die damals dramatische Lage aufzuarbeiten. Er will verhindern, dass es erneut zu einem Kontrollverlust kommt und sieht sich in der Pflicht, Schach in Deutschland weiter voranzubringen.

Neben seiner Rolle als Schatzmeister engagiert er sich in der Planung des 150-jährigen Jubiläums des DSB (2027) und unterstützt die Deutsche Meisterschaft in München sowie den Schachgipfel 2026 in Dresden.

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Abseits des DSB setzt er sich mit seiner Schachstiftung in Kasachstan für Kinder und Jugendliche ein, um ihnen kostenlosen Zugang zu Schach auf hohem Niveau zu ermöglichen. In einem persönlichen Einblick schildert er zudem seine Erlebnisse in Russland und Kasachstan – von Bankgründungen über Schachclubs in Moskau bis hin zu wilden Anekdoten aus der Wirtschaftswelt.

https://www.schachbund.de/news/dsb-finanzen-mit-deutlichem-ueberschuss-alexander-von-gleich-wir-muessen-mehr-tun-fuer-den-leistungssport.html

Alexander von Gleich – Banker zwischen Moskau und Almaty, Schachpolitiker in Hamburg

Zu Gast bei Hamburg 1: Vom Aufbau neuer Banken in Osteuropa bis zur Sanierung der DSB-Finanzen - der Lebensweg eines Hamburgers, der Zahlen, Systeme und Schach zusammenbringt

Alexander von Gleich wirkt im Gespräch mit Christian Pothe nicht wie jemand, der große Reden liebt. Sein Lebenslauf erzählt trotzdem viel: über Übergänge, über Systeme im Umbruch, über die Parallelen zwischen Bankensanierung und Schachpolitik. Es geht ihm selten um Glanz. Meist um Ordnung. Und darum, dass Dinge funktionieren.

Alexander von Gleich ist ein waschechter Hamburger. Geboren und aufgewachsen in Othmarschen, geprägt von hanseatischer Nüchternheit, aber früh mit dem Blick nach Osten. Seine Schulzeit beginnt an der Grundschule am Windmühlenweg und führt ihn ans traditionsreiche Christianeum. Dort fällt eine Entscheidung, die seinen weiteren Weg vorzeichnet: Statt Altgriechisch wählt er Russisch. Es ist kein exotischer Spleen, sondern Neugier. In der zehnten Klasse fährt er mit einer Schülergruppe zwei Wochen lang in die damalige Sowjetunion, mit dem Zug über Berlin und Polen nach Moskau und Leningrad. Für von Gleich ist das mehr als eine Reise. Es ist der erste direkte Kontakt mit einer Welt, die ihn nicht mehr loslassen wird.

Der Einstieg ins Berufsleben verläuft zunächst bodenständig. Wegen einer Meniskusverletzung bleibt ihm der Wehrdienst erspart, stattdessen beginnt er eine Banklehre bei der Dresdner Bank in Hamburg. Schon hier zeigt sich, wie eng Schach und Beruf bei ihm verbunden sind. Bei der internen „Dresdner-Bank-Olympiade“ schneidet das Hamburger Team in den sportlichen Disziplinen mäßig ab. Im Schach dagegen gewinnen sie. Der Teamleiter kommentiert trocken, man sei vielleicht nicht die Schnellsten im Laufen, dafür aber im Denken. Es ist eine kleine Episode, aber sie passt.

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Parallel zur Banklehre studiert von Gleich Volkswirtschaftslehre, zunächst in Marburg, später in Bonn, wo das Studium stark mathematisch geprägt ist. Gleichzeitig spielt er Schach auf hohem Niveau, in der Schachbundesliga für Bochum. Der Spagat führt zu Spannungen im Elternhaus. Die „Extrasemester“ wegen Schachturnieren stoßen beim Vater auf Skepsis – bis von Gleich die Bonner Stadtmeisterschaft gewinnt und die Lokalzeitung darüber berichtet. Der Konflikt löst sich nicht durch Argumente, sondern durch eine Schlagzeile.

Ab den 1990er-Jahren beginnt der Abschnitt, der seinen beruflichen Ruf prägen wird. Von Gleich geht nach Osteuropa und später nach Zentralasien, dorthin, wo nach dem Zerfall der Sowjetunion neue Finanzstrukturen entstehen müssen. Für das Frankfurter Beratungsunternehmen IPC arbeitet er in Russland und berät Banken im Bereich Mikrofinanzierung für kleine und mittlere Unternehmen. Es geht um Aufbauarbeit, um Systeme, die vorher nicht existierten.

1999, mit nur 31 Jahren, ist er maßgeblich an der Gründung der Microfinance Bank of Georgia beteiligt, der heutigen ProCredit Bank. In Georgien lernt er auch seine spätere Ehefrau Nino kennen, eine Juristin, die er selbst für das Projekt einstellt. Berufliches und Privates greifen ineinander, wie so oft in dieser Phase seines Lebens.

Es folgen weitere Stationen: die Weltbank-Tochter IFC, der Private-Equity-Fonds Baring Vostok, schließlich UniCredit in Kasachstan. Dort arbeitet von Gleich als CFO der ATFBank und leitet das Problemkreditportfolio. Eine Aufgabe, die er selbstironisch als Tätigkeit eines „Geldeintreibers“ beschreibt. In einer wirtschaftlich schwierigen Phase saniert er rund 80 Prozent des Portfolios. Zahlen, Risiken, Entscheidungen unter Druck – es ist eine Arbeit, die wenig Glamour kennt, aber Wirkung zeigt.

Vor der Rückkehr nach Deutschland übernimmt er noch eine letzte große Aufgabe: drei Jahre lang leitet er den Finanzbereich der Allianz in Russland. Er ist verantwortlich für den geordneten Rückzug aus dem defizitären Autoversicherungsgeschäft. Auch hier geht es nicht um Expansion, sondern um Kontrolle, Rückbau, Stabilisierung.

2017 kehrt Alexander von Gleich nach Hamburg zurück. Der Fokus verschiebt sich. Das internationale Bankwesen lässt er hinter sich, das Schach rückt wieder in den Vordergrund – diesmal nicht als Spieler, sondern als Organisator. Beim Deutscher Schachbund übernimmt er das Amt des Vizepräsidenten Finanzen. Der Verband steckt zu diesem Zeitpunkt in einer finanziellen Schieflage. Von Gleich analysiert nüchtern. Ja, es wurde zu viel Geld ausgegeben. Aber es wurde für den Sport ausgegeben: für Turniere, Trainer, Förderung. Kein Betrug, keine Selbstbedienung. Seine Aufgabe sieht er nicht im Kahlschlag, sondern im Ordnen, Priorisieren, Stabilisieren. Besonders wichtig sind ihm Nachwuchsförderung – Namen wie Vincent Keymer fallen hier – und das Schulschach als Basis.

Am Ende des Gesprächs wird es persönlicher. Von Gleich formuliert drei Wünsche. Der erste gilt dem Frieden. Der Krieg in der Ukraine belastet ihn spürbar, nicht nur politisch, sondern menschlich. Er erzählt von russischen Bekannten, die ihn besorgt anrufen und ihm Brennholz nach Hamburg schicken wollen, weil sie glauben, Deutschland friere ohne russisches Gas. Für ihn ist das ein Beispiel dafür, wie tief Desinformation wirkt.

Der zweite Wunsch betrifft die Digitalisierung. Von Gleich lebt in Othmarschen und ärgert sich über langsames Internet. Der Vergleich fällt deutlich aus: In kasachischen Dörfern seien 250 Megabit selbstverständlich. In Hamburg oft nicht.

Der dritte Wunsch ist der schlichteste. Gesundheit. Für seine Familie, besonders für seine hochbetagten Eltern.

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