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1983: Hannover - als Hartmann Karpow besiegte

Karpows Niederlage gegen Wolfram Hartmann und die Krise im Weltschach

Quelle: DER SPIEGEL – „Russische Rätsel“, 14. August 1983

Wolfram Hartmann saß am 6. August 1983 in Hannover dem Weltmeister Anatolij Karpow gegenüber – und schlug ihn nach knapp fünf Stunden. Das berichtet DER SPIEGEL. Der 27 Jahre alte Bamberger brachte eine zweite Dame aufs Brett, Karpow gab auf. Zum ersten Mal in seinen acht Jahren als Weltmeister verlor Karpow in einem Turnier gegen einen Amateur. Die kommentierte Partie findet sich bei Chessbase.

Zwischen beiden lagen auf der Weltrangliste mehr als 1800 Spieler. Mehr als hundert Bundesdeutsche standen höher als Hartmann. Der Bamberger hatte im Juni sein zweites juristisches Staatsexamen bestanden und sollte ab Oktober im Bonner Justizministerium als Richter auf Probe an Gesetzentwürfen arbeiten. Schach spielte er mit anderem Takt als die Profis: etwa 20 Stunden Training im Monat, dazu vier Stunden Vorbereitung in Hannover mit Büchern, die er in zwei Koffern mitgebracht hatte.

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Ein Amateur schlägt den Weltmeister

Hartmann kam über eine Sonderregel ins Turnier. Der Deutsche Schachbund lud die Bestplatzierten der letzten Deutschen Meisterschaft ein, obwohl dort meist der Nachwuchs unter sich blieb. Für Hartmann öffnete diese Regel den Weg an ein Brett, an dem er sonst kaum gesessen hätte.

Sein Sieg bekam Gewicht, weil Karpow kaum verlor. Vor Hannover hatte der Weltmeister von knapp 500 Partien nur 28 verloren, stets gegen Spitzenprofis. Selbst Robert Hübner, damals Nummer fünf der Weltrangliste und zweimaliger WM-Kandidat, hatte Karpow in 13 Partien nicht besiegt. Hartmann schaffte, was keinem Deutschen zuvor gelungen war.

Karpow unter Druck

Die Niederlage fiel in eine unruhige Phase. Karpow hatte sich kurz zuvor von seiner Frau Irina getrennt. Sein alter Gegner Wiktor Kortschnoi reichte fast zur selben Zeit die Scheidung von seiner Frau Isabella ein, um deren Ausreise aus der Sowjetunion er von 1976 bis 1982 gekämpft hatte.

Am Tag von Karpows Niederlage entstand in Pasadena ein zweites Schachbild, das die Lage weiter verschärfte. Kortschnoi machte im Kandidaten-Halbfinale gegen den 20 Jahre alten Garri Kasparow einen einzigen Zug, blieb eine Stunde am Brett sitzen und erhielt den Sieg zugesprochen. Die sowjetischen Funktionäre ließen Kasparow nicht antreten. Sie boykottierten zudem das andere Halbfinale zwischen Zoltan Ribli und Wassilij Smyslow in Abu Dhabi. Der Weltschachbund Fide erklärte deshalb Kortschnoi und Ribli zu Siegern ohne Kampf.

Moskau gegen die Fide

Die sowjetische Seite verwies auf die Wünsche der Spieler, auf Hitze an beiden Austragungsorten und auf Sicherheitsfragen in den USA. In der westlichen Schachwelt galten diese Gründe als vorgeschoben. Drei Deutungen standen im Raum: Irritationen im Moskauer Sportministerium nach dem Wechsel von Leonid Breschnew zu Juri Andropow, ein politisches Interesse an Karpow als Weltmeister oder Sorgen um Kasparows Mutter als Begleiterin in den USA.

Der Streit konnte den Weltschachbund spalten. Anfang Oktober sollte ein Fide-Kongress in Manila über die Lage beraten. Präsident Florencio Campomanes hatte in Pasadena erklärt, das Weltschach stehe am Scheideweg.

Hartmann bleibt Amateur

Für Karpow machte der Konflikt die Zukunft unsicher. Sein Titel verlor an Gewicht, solange sein stärkster Rivale Kasparow nicht gegen ihn antreten konnte. Für Hartmann änderte der Sieg weniger. Er hatte weder Zeit noch Lust, seine Spielstärke so weit zu steigern, dass ihn Turniere der Weltspitze regelmäßig einladen würden.

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Nach seinem Sieg fand Hartmann einen knappen Satz für seine Art, Schach zu spielen: „Es ist gut, ziemlich wenig Schach zu spielen. Es macht dann mehr Spaß.“

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