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1935: Moskau

Moskau 1935: Ein Turnier zwischen Aufbruch und Kontrolle

Quelle: Chess.com Blogs – „A Century of Chess: Moscow 1935“, 23. März 2026

Im Jahr 1935 sitzt Michail Botwinnik in Moskau am Brett, gewinnt Partien gegen internationale Gegner und wird zum Symbol eines neuen sowjetischen Selbstbewusstseins. Das berichtet Chess.com Blogs. Für seinen Erfolg erhält er ein Auto – eine Auszeichnung, die in der Sowjetunion bis dahin kaum vorstellbar ist.

Zehn Jahre Aufbau

Zehn Jahre zuvor hatte das Moskauer Turnier von 1925 ein anderes Bild gezeigt. Die Säle sind überfüllt, draußen drängen sich Zuschauer in den Straßen. Internationale Meister erleben dort eine Aufmerksamkeit, die sie sonst nie erhalten. Doch es fehlt an einheimischer Spitze. Efim Bogoljubow gewinnt, gehört aber nicht dauerhaft zum sowjetischen System und verlässt das Land bald darauf.

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Bis 1935 verändert sich die Lage. Die sowjetische Schachstruktur wächst, entwickelt eigene Spieler und tritt selbstbewusster auf. Botwinnik teilt sich den ersten Platz und behauptet sich gegen die ausländische Konkurrenz ebenso wie gegen die eigene.

Ein geteilter Sieg

Neben ihm rückt Salomon Flohr ins Zentrum. Er spielt ein starkes Turnier, beendet es jedoch mit mehreren Remis. Am Ende steht er punktgleich mit Botwinnik. Beide treffen in der Schlussrunde auf sowjetische Gegner. Kurze Remis sichern ihnen den gemeinsamen Turniersieg.

Flohr gewinnt damit nicht nur Punkte. Er gewinnt Vertrauen. In einer Zeit politischer Unsicherheit sucht er Rückhalt und findet ihn beim sowjetischen Publikum, das seine Haltung und sein Spiel anerkennt.

Laskers spätes Ausrufezeichen

Eine andere Szene gehört Emanuel Lasker. Mit 66 Jahren erreicht er den dritten Platz und besiegt José Raúl Capablanca. Es ist die letzte entschiedene Partie zwischen zwei Spielern, die über Jahre hinweg das Schach geprägt haben.

Sowjetische Stärke und leise Grenzen

Mehrere sowjetische Spieler treten überzeugend auf. Ilja Kan und Grigori Levenfish erzielen gute Ergebnisse. Wjatscheslaw Ragosin gewinnt eine herausragende Partie. Fedor Bogatyrtschuk schlägt Botwinnik, doch das Publikum reagiert nicht mit Applaus, sondern mit Stille.

Das Turnier zeigt zwei Seiten zugleich. Es markiert den Aufstieg einer neuen Schachmacht. Gleichzeitig bleibt spürbar, dass Erfolge und Reaktionen nicht allein am Brett entschieden werden.

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