1934: WM-Match Aljechin-Bogoljubow
Zitat von Conrad Schormann am 23. Januar 2026, 17:53 UhrAljechin gegen Bogoljubow 1934 – ein Weltmeisterschaftskampf auf Reisen
Ein Rückkampf mit klaren Vorzeichen
Fünf Jahre nach ihrem ersten Duell trafen Alexander Aljechin und Efim Bogoljubow erneut aufeinander. Wieder war Aljechin Weltmeister, wieder Bogoljubow der Herausforderer. Schon vor dem ersten Zug galt das Match vielen als einseitig. Zu groß schien Aljechins Überlegenheit, zu deutlich Bogoljubows Niederlage von 1929. Andere Kandidaten, allen voran José Raúl Capablanca, standen bereit – kamen aber nicht zum Zug.
Organisation im politischen Schatten
Der Vertrag wurde erst kurz vor Jahresende 1933 in Karlsruhe unterzeichnet. Möglich gemacht hatte ihn Herbert Kraft, Leiter des Badischen Schachverbandes und NSDAP-Funktionär. Gespielt wurde vom 1. April bis 14. Juni 1934 in zwölf deutschen Städten – ein Wander-Match, das Schach ins Land tragen sollte. Die Kosten waren hoch, die Reibungen ebenfalls. Der Großdeutsche Schachbund kritisierte Kraft offen, ebenso die Tatsache, dass zwei eingebürgerte Spieler als Aushängeschilder dienten. Der Wettkampf war sportlich, aber nie unpolitisch.
Auftakt in Baden-Baden
Der Start erfolgte feierlich im Kurhaus von Baden-Baden. Prominente Funktionäre, der FIDE-Präsident und internationale Beobachter waren anwesend. Aaron Nimzowitsch berichtete für ausländische Zeitungen. Gespielt wurde mit klassischer Bedenkzeit: zweieinhalb Stunden für 40 Züge, danach Hängepartie. Bogoljubow führte in der ersten Partie Weiß – und ließ mehrfach einen Gewinn aus. Aljechin reklamierte Remis durch Stellungswiederholung. Der Schiedsrichter gab ihm recht. Später stellte sich heraus: Die Stellung hatte sich gar nicht dreimal wiederholt. Ein halber Punkt, der Bogoljubow wohl entglitt.
Das Grundmuster des Matches
Was folgte, wiederholte sich. Bogoljubow erreichte immer wieder gute, teils gewonnene Stellungen. Aljechin nutzte Fehler, Zeitnot und Nerven. Besonders auffällig: die vielen Schwarzsiege. Aljechin gewann fünf seiner acht Partien mit Schwarz, Bogoljubow zwei seiner drei. In der vierten Partie zeigte Aljechin eine Kombination, die in Lehrbücher einging. Bogoljubow dagegen ließ Vorteile versanden – oft spät, oft abrupt.
Schach als Ereignis
Der Wettkampf war mehr als ein Duell am Brett. Es gab Simultanveranstaltungen, Vorträge, sogar eine Lebendschachpartie auf dem Villinger Münsterplatz, festgehalten von der UFA für die Wochenschau. In Konstanz spielte Aljechin simultan gegen 38 Gegner. Zuschauer wurden unterhalten, wenn Partien kurz ausfielen. Das Match war sportlicher Wettbewerb und öffentliches Spektakel zugleich.
Entscheidung vorzeitig gefallen
Geplant waren 30 Partien oder sechs Siege. Doch nach 26 Partien war alles entschieden. Aljechin führte uneinholbar mit 15½:10½. Bogoljubow gewann nur drei Partien, verlor acht, remisierte fünfzehnmal. In der letzten Partie bot Aljechin mit Mehrbauer Remis an – Bogoljubow nahm an. Der Titel blieb beim Weltmeister.
Zeitgenössische Urteile
Die Kritik fiel hart aus. Capablanca sprach von „25 Prozent Begabung und 75 Prozent Bluff“. Andere lobten Aljechins Widerstandskraft und psychologisches Gespür. Hans Kmoch sah Kampfgeist auf beiden Seiten, aber keine Bestform. Jacques Hannak hielt Bogoljubow für keinen würdigen Herausforderer. Aaron Nimzowitsch schrieb von einer Art Hypnose. Emanuel Lasker erklärte Bogoljubows Scheitern mit mangelnder Kondition. Jahrzehnte später urteilte Stefan Kindermann, Bogoljubow sei strategisch oft überlegen gewesen – habe aber in Zeitnot alles verspielt.
Folgen und Nachhall
1935 verlor Aljechin seinen Titel gegen Max Euwe, gewann ihn 1937 zurück. Ein weiteres Match gegen Capablanca kam nie zustande. Aljechin starb 1946 als amtierender Weltmeister. Die WM 1934 blieb die letzte in Deutschland bis 2008 – und ein Beispiel dafür, wie eng Schach, Zeitgeist und Machtfragen damals miteinander verwoben waren.
Basierend auf:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schachweltmeisterschaft_1934
Aljechin gegen Bogoljubow 1934 – ein Weltmeisterschaftskampf auf Reisen
Ein Rückkampf mit klaren Vorzeichen
Fünf Jahre nach ihrem ersten Duell trafen Alexander Aljechin und Efim Bogoljubow erneut aufeinander. Wieder war Aljechin Weltmeister, wieder Bogoljubow der Herausforderer. Schon vor dem ersten Zug galt das Match vielen als einseitig. Zu groß schien Aljechins Überlegenheit, zu deutlich Bogoljubows Niederlage von 1929. Andere Kandidaten, allen voran José Raúl Capablanca, standen bereit – kamen aber nicht zum Zug.
Organisation im politischen Schatten
Der Vertrag wurde erst kurz vor Jahresende 1933 in Karlsruhe unterzeichnet. Möglich gemacht hatte ihn Herbert Kraft, Leiter des Badischen Schachverbandes und NSDAP-Funktionär. Gespielt wurde vom 1. April bis 14. Juni 1934 in zwölf deutschen Städten – ein Wander-Match, das Schach ins Land tragen sollte. Die Kosten waren hoch, die Reibungen ebenfalls. Der Großdeutsche Schachbund kritisierte Kraft offen, ebenso die Tatsache, dass zwei eingebürgerte Spieler als Aushängeschilder dienten. Der Wettkampf war sportlich, aber nie unpolitisch.
Auftakt in Baden-Baden
Der Start erfolgte feierlich im Kurhaus von Baden-Baden. Prominente Funktionäre, der FIDE-Präsident und internationale Beobachter waren anwesend. Aaron Nimzowitsch berichtete für ausländische Zeitungen. Gespielt wurde mit klassischer Bedenkzeit: zweieinhalb Stunden für 40 Züge, danach Hängepartie. Bogoljubow führte in der ersten Partie Weiß – und ließ mehrfach einen Gewinn aus. Aljechin reklamierte Remis durch Stellungswiederholung. Der Schiedsrichter gab ihm recht. Später stellte sich heraus: Die Stellung hatte sich gar nicht dreimal wiederholt. Ein halber Punkt, der Bogoljubow wohl entglitt.
Das Grundmuster des Matches
Was folgte, wiederholte sich. Bogoljubow erreichte immer wieder gute, teils gewonnene Stellungen. Aljechin nutzte Fehler, Zeitnot und Nerven. Besonders auffällig: die vielen Schwarzsiege. Aljechin gewann fünf seiner acht Partien mit Schwarz, Bogoljubow zwei seiner drei. In der vierten Partie zeigte Aljechin eine Kombination, die in Lehrbücher einging. Bogoljubow dagegen ließ Vorteile versanden – oft spät, oft abrupt.
Schach als Ereignis
Der Wettkampf war mehr als ein Duell am Brett. Es gab Simultanveranstaltungen, Vorträge, sogar eine Lebendschachpartie auf dem Villinger Münsterplatz, festgehalten von der UFA für die Wochenschau. In Konstanz spielte Aljechin simultan gegen 38 Gegner. Zuschauer wurden unterhalten, wenn Partien kurz ausfielen. Das Match war sportlicher Wettbewerb und öffentliches Spektakel zugleich.
Entscheidung vorzeitig gefallen
Geplant waren 30 Partien oder sechs Siege. Doch nach 26 Partien war alles entschieden. Aljechin führte uneinholbar mit 15½:10½. Bogoljubow gewann nur drei Partien, verlor acht, remisierte fünfzehnmal. In der letzten Partie bot Aljechin mit Mehrbauer Remis an – Bogoljubow nahm an. Der Titel blieb beim Weltmeister.
Zeitgenössische Urteile
Die Kritik fiel hart aus. Capablanca sprach von „25 Prozent Begabung und 75 Prozent Bluff“. Andere lobten Aljechins Widerstandskraft und psychologisches Gespür. Hans Kmoch sah Kampfgeist auf beiden Seiten, aber keine Bestform. Jacques Hannak hielt Bogoljubow für keinen würdigen Herausforderer. Aaron Nimzowitsch schrieb von einer Art Hypnose. Emanuel Lasker erklärte Bogoljubows Scheitern mit mangelnder Kondition. Jahrzehnte später urteilte Stefan Kindermann, Bogoljubow sei strategisch oft überlegen gewesen – habe aber in Zeitnot alles verspielt.
Folgen und Nachhall
1935 verlor Aljechin seinen Titel gegen Max Euwe, gewann ihn 1937 zurück. Ein weiteres Match gegen Capablanca kam nie zustande. Aljechin starb 1946 als amtierender Weltmeister. Die WM 1934 blieb die letzte in Deutschland bis 2008 – und ein Beispiel dafür, wie eng Schach, Zeitgeist und Machtfragen damals miteinander verwoben waren.
Basierend auf:
Zitat von Conrad Schormann am 23. Januar 2026, 17:56 UhrWM-Match 1934: Warum Alekhine gegen Bogoljubow beiden schadete
Quelle: Chess.com – Blog „A Century of Chess: Alekhine–Bogoljubow 1934“, Sam Kahn, 20. Januar 2026Das WM-Match 1934 zwischen Alexander Alekhine und Efim Bogoljubow war sportlich unerquicklich und historisch belastet. Bogoljubow hatte seinen Zenit überschritten und bestätigte im Match das Bild eines Herausforderers, der nicht mehr auf WM-Niveau spielte. Alekhine wiederum beschädigte seinen Ruf, weil er einen Gegner akzeptierte, den viele für nicht mehr würdig hielten. Alekhine verteidigte sich damit, dass Bogoljubow das Geld aufbrachte, andere – Capablanca eingeschlossen – nicht. Rückblickend nannte Alekhine das Duell selbst „sportlich nutzlos“.
Hinzu kam der Ort. Gespielt wurde im nationalsozialistischen Deutschland, kurz vor dem Röhm-Putsch. Zeitzeuge Hans Kmoch schilderte eine unheimliche Atmosphäre und Begegnungen, die im Nachhinein kaum zu ertragen sind – etwa den jüdischen Aron Nimzowitsch bei einem Mittagessen im Umfeld Hans Franks.
Schachlich bot das Match dennoch Substanz. Zwei große Kombinationsspieler trafen aufeinander, mit einem breiten Eröffnungsrepertoire und immer wieder hochkomplexen Mittelspielen. Für das Studium von Materialungleichgewichten und Übergängen ins Endspiel ist der Wettkampf lehrreich.
Der Verlauf folgte einem Muster. Bogoljubow vergab Chancen, teils durch Fehlentscheidungen, teils durch grobe Fehler. Gleich in Partie 1 entging ihm ein möglicher Sieg nach einer falschen Remis-Entscheidung des Schiedsrichters. Alekhine setzte mit dem berühmten Sieg in Partie 2 ein Zeichen. Mehrfach stoppte er Bogoljubows Druck mit präziser Verteidigung und Kontern. Bogoljubow hatte einzelne Lichtblicke, gewann Partie 10 und startete spät eine kleine Serie, doch die psychologischen Wendepunkte gingen an Alekhine – vor allem in den Partien 16 und 17, in denen er die Gegenwehr brach.
Am Ende trudelte das Match aus. Alekhine blieb meist einen Zug voraus, Bogoljubow sabotierte sich selbst. Das Resultat bestätigte die Vorurteile gegen beide: Bogoljubow als gescheiterter Herausforderer, Alekhine als Weltmeister ohne großen Gegner. Genau darin liegt die bittere Pointe dieses Matches.
WM-Match 1934: Warum Alekhine gegen Bogoljubow beiden schadete
Quelle: Chess.com – Blog „A Century of Chess: Alekhine–Bogoljubow 1934“, Sam Kahn, 20. Januar 2026
Das WM-Match 1934 zwischen Alexander Alekhine und Efim Bogoljubow war sportlich unerquicklich und historisch belastet. Bogoljubow hatte seinen Zenit überschritten und bestätigte im Match das Bild eines Herausforderers, der nicht mehr auf WM-Niveau spielte. Alekhine wiederum beschädigte seinen Ruf, weil er einen Gegner akzeptierte, den viele für nicht mehr würdig hielten. Alekhine verteidigte sich damit, dass Bogoljubow das Geld aufbrachte, andere – Capablanca eingeschlossen – nicht. Rückblickend nannte Alekhine das Duell selbst „sportlich nutzlos“.
Hinzu kam der Ort. Gespielt wurde im nationalsozialistischen Deutschland, kurz vor dem Röhm-Putsch. Zeitzeuge Hans Kmoch schilderte eine unheimliche Atmosphäre und Begegnungen, die im Nachhinein kaum zu ertragen sind – etwa den jüdischen Aron Nimzowitsch bei einem Mittagessen im Umfeld Hans Franks.
Schachlich bot das Match dennoch Substanz. Zwei große Kombinationsspieler trafen aufeinander, mit einem breiten Eröffnungsrepertoire und immer wieder hochkomplexen Mittelspielen. Für das Studium von Materialungleichgewichten und Übergängen ins Endspiel ist der Wettkampf lehrreich.
Der Verlauf folgte einem Muster. Bogoljubow vergab Chancen, teils durch Fehlentscheidungen, teils durch grobe Fehler. Gleich in Partie 1 entging ihm ein möglicher Sieg nach einer falschen Remis-Entscheidung des Schiedsrichters. Alekhine setzte mit dem berühmten Sieg in Partie 2 ein Zeichen. Mehrfach stoppte er Bogoljubows Druck mit präziser Verteidigung und Kontern. Bogoljubow hatte einzelne Lichtblicke, gewann Partie 10 und startete spät eine kleine Serie, doch die psychologischen Wendepunkte gingen an Alekhine – vor allem in den Partien 16 und 17, in denen er die Gegenwehr brach.
Am Ende trudelte das Match aus. Alekhine blieb meist einen Zug voraus, Bogoljubow sabotierte sich selbst. Das Resultat bestätigte die Vorurteile gegen beide: Bogoljubow als gescheiterter Herausforderer, Alekhine als Weltmeister ohne großen Gegner. Genau darin liegt die bittere Pointe dieses Matches.
