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1926: FIDE-Kongress, Budapest

Budapest 1926: Der mühsame Auftakt zu den Schacholympiaden

Quelle: ChessBase – „Der FIDE Schachgipfel 1926 in Budapest", 17.07.2026, André Schulz

Im Gellert Hotel in Budapest versammeln sich vom 26. Juni bis 15. Juli 1926 die Delegierten zum dritten FIDE-Kongress. Das berichtet ChessBase. Zwei Jahre zuvor, am 20. Juli 1924, hatten Vertreter von 15 nationalen Verbänden im Pariser Hotel Majestic den Weltschachbund gegründet, am Rande eines Schachturniers, das parallel zu den Olympischen Sommerspielen stattfand, aber nicht offiziell zu ihnen zählte. In Budapest nun tragen die Organisatoren neben dem Kongress mehrere Turniere aus: ein Meisterturnier mit prominenter Besetzung, ein offenes Turnier, ein Frauenturnier und zum Abschluss einen Mannschaftswettbewerb.

Grünfeld und Monticelli teilen sich den Sieg

Ernst Grünfeld und Mario Monticelli setzen sich im 16-köpfigen Meisterturnier punktgleich an die Spitze, vor Spielern wie Akiba Rubinstein, Richard Reti, Savielly Tartakower, Edgar Colle und Hans Kmoch. Monticelli, hauptberuflich Journalist bei mehreren großen italienischen Tageszeitungen, gewinnt in den folgenden Jahren dreimal die italienische Landesmeisterschaft. Als er im Zweiten Weltkrieg als Soldat die Kollaboration mit den Nationalsozialisten verweigert, deportieren ihn die Besatzer in ein Konzentrationslager – er überlebt. 1950 verleiht ihm die FIDE ehrenhalber den Titel des Internationalen Meisters. Im Frauenturnier siegt die Engländerin Edith Holloway, die bereits zwei Jahre zuvor in Paris zur internationalen Spitzenklasse gehört hatte und später dreimal an Frauen-Weltmeisterschaften teilnimmt.

Eine schwach besetzte deutsche Mannschaft

Von ursprünglich sechs gemeldeten Teams treten am Ende nur vier zum Mannschaftsturnier an, nachdem Österreich und die Tschechoslowakei ihre Meldungen zurückziehen. Ungarn schickt mit Endre Steiner und Arpad Vajda zwei bekannte Spieler ins Rennen und gilt als Favorit, auch Jugoslawien mit Boris Kostic am ersten Brett wird hoch eingeschätzt. Der Deutsche Schachbund, der erst 1926 in die FIDE aufgenommen wird, tritt aus finanziellen Gründen mit einer schwachen Auswahl an: Bruno Moritz aus Neuwarp in Westpommern besetzt Brett eins, flieht 1939 als Jude nach Südamerika und wird in Ecuador zu einem bedeutenden Buchhändler – 1964 spielt er dort mit 67 Jahren noch für Ecuador bei der Schacholympiade in Tel Aviv. Der Hamburger Wilhelm Schönmann sitzt an Brett zwei, gewinnt 1928 die Hamburger Meisterschaft und wendet sich später dem Fernschach zu. An Brett drei kämpft der 24-jährige Gottlieb Machate aus Breslau, der nach dem Krieg in Stuttgart-Feuerbach lebt, Württembergischer Meister wird und bei den Gesamtdeutschen Meisterschaften 1947 und 1948 jeweils Dritter wird. Otto Rüster aus Schlesien komplettiert am vierten Brett die Aufstellung; nach dem Krieg lebt er in der DDR und nimmt 1953 an der DDR-Meisterschaft teil.

Ungarn gewinnt das Mannschaftsturnier souverän, gefolgt von Jugoslawien und Rumänien. Die deutsche Mannschaft landet auf dem vierten und letzten Platz.

Diplomatie zwischen den Zeilen

Auf dem eigentlichen Kongress vom 15. bis 17. Juli verhandeln die Delegierten mehrere heikle Aufnahmeanträge. Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland treten neu bei, ebenso die Kriegsverlierer Deutschland und Österreich. Einen Antrag des Flämischen Schachbundes lehnen die Delegierten wegen belgischen Einspruchs ab, Katalonien nehmen sie vorübergehend auf, da noch kein spanischer Verband existiert. Mehrere russische Exilanten-Schachverbände finden Aufnahme, weil sich Sowjetrussland dem Weltschachbund verweigert, und für den deutschstämmigen Schachverband in der Tschechoslowakei einigt man sich auf eine Vertretung durch den tschechoslowakischen Verband. Die komplizierteste Frage bleibt Jugoslawien, wo zwei konkurrierende nationale Verbände um Anerkennung ringen.

Vor 100 Jahren: Als der DSB der FIDE beitrat (und bald aus der Reihe tanzte)

Der Kongress beschließt zudem, beim folgenden Treffen 1927 in London ein großes Länderturnier auszurichten – jenes Turnier, das die Schachgeschichte heute als erste Schacholympiade zählt. 16 Verbände nehmen daran teil, Ungarn siegt erneut, während die diesmal prominenter besetzte deutsche Mannschaft mit Siegbert Tarrasch, Jacques Mieses, Carl Carls und Heinrich Wagner den sechsten Platz erreicht.