Liebe Lesende,
Bronze bei der Schacholympiade in Samarkand, die erste deutsche Mannschaftsmedaille seit dem Silber von Istanbul 2000, dazu Einzelgold für Frederik Svane. Die Ergebnisse kennst du. Kennst du auch John Rodgaard? Auch am Bodensee waren es intensive Schacholympia-Wochen. Wenn die Nationalmannschaften spielen (und wenn es meine Zeit hergibt), begleite ich sie Runde für Runde, solange es um Medaillen geht. Diesmal hatte ich mir im Brot- und Butter-Job dafür sogar Urlaub genommen. Die Reise begann mit dem Match gegen die Färöer und endete auf dem Podium von Samarkand. Das war toll - und tag für Tag tough. Acht Partien von Leuten verfolgen, die viel besser spielen als ich, nebenher Clips, Zitate, Diagramme, Fotos sichern und auswählen, Recherche nach Randgeschichten und Statistiken, und am Abend den Rundenbericht schreiben, in den all das einfließt, was über den Tag entstanden ist. Zwischendurch kam ich mir vor wie Dmitrij Kollars, der als Sekundant und Nachtarbeiter des Bronzeteams die zwei Wochen nur dank Koffeintabletten und Energydrinks durchgehalten hat. Ein Fußballer, der Schach-Nationalspieler wurdeAm meisten gefreut hatte ich mich auf die frühen Runden. Sportlich sind die Matches gegen Exoten wenig relevant, und das bietet die Gelegenheit, besondere Figuren aus den Gegnermannschaften zu porträtieren. Gleich Runde eins gegen die Färöer brachte so ein Geschenk in Gestalt von John Rodgaard, ein Däne, der eigentlich als halbprofessioneller Fußballer auf den Inseln gelandet war. Aber dann entdeckten sie, dass dieser Fußballer ziemlich gut im Schach ist - und nominierten ihn für die färöische Auswahl. In einem seiner ersten Länderkämpfe trotzte er einst Exweltmeister Boris Spassky ein Remis ab, mit seinem Franzosen, den er seit über 40 Jahren zelebriert. Rodgaard ist immer noch Nationalspieler, spielt immer noch Französisch, aber gegen Frederik Svane funktionierte der Franzose diesmal nicht. Die Runden danach offenbarten weitere Rodgaards, bis die Berichterstattung sich mehr und mehr auf das sich zuspitzende Geschehen auf den Brettern fokussierte. Fühl dich eingeladen, Schacholympia mit den Perlen noch einmal nachzuerleben, von Runde 1 und John Rodgaard über das Donchenko-Gukesh-Drama in Runde 9 bis zum triumphalen Schluss auf dem Podium. September 1939: Deutschlands einziger Sieg bei SchacholympiaUm es historisch einzuordnen, habe ich nach dem Bronzegewinn noch über den einzigen deutschen Sieg bei einer Schacholympiade geschrieben: September 1939 in Buenos Aires, eine bizarre Veranstaltung, in der "Großdeutschland" und Polen an den Brettern um Gold rangen, während in Europa die Wehrmacht das Nachbarland überrannte. Schacholympiade und Ausbruch des Zweiten Weltkriegs überschnitten sich. Viel Freude bei der Lektüre, viele Grüße vom Bodensee Conrad
 Auftaktsiege gegen die Färöer und Malta – und die Geschichte von John Rodgaard, der seit vier Jahrzehnten Französisch spielt und damit einst Boris Spassky ein Remis abrang. Warum man über Färöer-Schach nicht reden kann, ohne über Fußball zu reden. Weiterlesen …
 2,5:1,5 gegen die Niederlande, Rang 3 unter 206 Mannschaften, dazu Einzelgold für Frederik Svane mit 8,5/11 und 2796er Performance. Die erste deutsche Mannschaftsmedaille seit 26 Jahren – und Gastgeber Usbekistan holt sein zweites Olympiagold. Weiterlesen …
 Buenos Aires, 18. September 1939: Deutschland bekommt den Hamilton-Russell-Pokal, der Applaus gilt den Polen. Der bis heute einzige deutsche Olympiasieg – und eine Mannschaft, an der sich die Expansion des NS-Staats ablesen lässt. Weiterlesen …
 Aus einem möglichen 3:1 gegen Indien wurde ein 1,5:2,5, weil Donchenko gegen Weltmeister Gukesh im besten Moment der Faden riss. Der einzige deutsche Sieg des Tages gelang Dinara Wagner – er rettete das Frauenmatch gegen Indonesien nicht. Weiterlesen …
 Jahrelang häuften sich ab der vierten Spielstunde die Einsteller, bis ein Arzt im Ausland die Schilddrüse als Ursache benannte. Elisabeth Pähtz über Comeback, Training mit Jussupow und Tiviakov und Nächte im Zwei-Stunden-Rhythmus. Weiterlesen …
 Vier niederländische Großmeister, vier leere Stühle: Israel trat nicht an, weil die sechste Runde auf Jom Kippur fiel. Dabei hatte die FIDE im Januar schriftlich einen späten Beginn zugesagt – und ließ die Sache dann die Gegner entscheiden. Weiterlesen …
|